Joachim Reisaus Nicht sterben kann die Lauterkeit oder Wie wir zu leben hatten

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Inhaltsangabe zu „Nicht sterben kann die Lauterkeit oder Wie wir zu leben hatten“ von Joachim Reisaus

Persönliche Erinnerungen, die weit in die Vergangenheit zurückreichen, und die nie versiegende Erzähllust der Mutter ermöglichten es dem Autor, seine ersten zehn Lebensjahre in der Zeit von 1935 bis 1945 mit all ihren Verästelungen treffend darzustellen. Die erwähnten Ereignisse dieser Zeitspanne, verflochten mit persönlichen Gegebenheiten, gehen auf historische Gewissheiten zurück und stehen in Übereinstimmung mit den Erlebnisinhalten des Verfassers. Da zu dem Text Fantastisches, Visionen, eine Ballade, innere Monologe, Dialoge, indirekte Reden und literarisch Ausgestaltetes gehören, kann von einer autofiktionalen Erzählung gesprochen werden, lesbar wie ein Roman. Sprache und Stil – mitunter brutal, abgründig, radikal, vorrangig dem Naturalismus zugehörend, gegebenenfalls aber auch der Poesie oder der Mystik – verfolgen das Ziel, »die Wirklichkeit mit grimmiger Härte zu zeigen« (Otto Dix) und den Leser als Teilnehmenden so nahe wie möglich an das Geschehen heranzuführen. Die Innenwelt nimmt dabei einen breiten Raum ein. Indes gehören auch Neugier und Witz dazu. Das Buch gibt Aufschluss darüber, dass es im Dritten Reich neben einer Mehrheit, welche darauf aus war, die »Chance der unbestraften Unmenschlichkeit« (Günther Anders) zu nutzen, eine Minderheit von Handwerkern, Bauern und Gewerbetreibenden gab, die sich dem Regime gegenüber verschlossen. Sie waren kaum geübt in geistiger Tätigkeit, verfügten aber über Persönlichkeitseigenschaften, die als Skepsis und Kritik sowohl selbstständiges Ermessen als auch eine souveräne Urteilskraft hervorzurufen in der Lage waren. Auf diese Weise wurde jedem Einzelnen von ihnen bewusst, was falsch, was entmenscht, grausam, bestialisch, was verbrecherisch war in solch einer Zeit. So erklärt es sich, dass Menschen ihrer Art mit Konsequenz dem Widersinn entgegentraten. Vom Widerstandsverhalten der sogenannten kleinen Leute ist in der gegenwärtigen Öffentlichkeit kaum etwas bekannt. Eine solche Lücke sollte hier geschlossen werden. Die Schilderung der Flucht aus der Heimatstadt des Autors im Jahr 1945 bildet den hochdramatischen Schlussakt der Rückschau.

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