Als ich in der Ankündigung der Edition Outbird sah, dass es eine weitere Geschichte aus dem Mondbogenuniversum von Joachim Sohn geben würde, war ich sofort angefixt! Dazu kam, dass Pinselmagier Holger Much das Buch erneut illustrieren würde.
Dieses mal ging es um Kommissar Merleau, der kurz vor der Rente ist. Er hat seinen Teampartner verloren und bekommt die junge Polizistin Veronique zur Seite gestellt, die gerade erst ihre Ausbildung abgeschlossen hat.
Die Geschichte beginnt damit, dass ein kleines Mädchen verschwunden ist, welches von der Mutter vermisst gemeldet wird. Erst glaubt Merleau, dass die Anzeige in der falschen Abteilung gelandet ist, doch Veronique ist sich sicher, dass der Fall von ihnen bearbeitet werden muss.
Während der Ermittlung tauchen plötzlich viele Vögel auf die Veronicque und Merleau mit alten und neuen Zetteln überhäufen.
Diese Geschichte ist dieses Mal düsterer als die erste, allein schon das Thema der Kindesentführung hat mich sehr tief bewegt, denn es weckt natürlich als Mutter tiefe Ängste in mir.
Auch Merleau muss sich, während der Ermittlung, mit seinen Ängsten und Kriegs-Traumata auseinandersetzten. Dieser Teil der Geschichte, pendelt zwischen Euphorie und tiefem Entsetzen, manchmal war ich mir nicht sicher, befinde ich mich gerade in der Gedankenwelt Merleaus oder passiert das gerade wirklich? Das hat für mich das Lesen unheimlich spannend gemacht und mich extrem in die Geschehnisse hineingezogen!
Immer wieder finden wir beim Lesen wunderschöne, mal leichte mal düstere Illustrationen von Holger Much, die sich wunderbar in die Geschichte einfügen. Außerdem gibt es auch wieder ein Daumenkino, was ich sehr liebe!
Joachim Sohn hat hier wieder eine spannende, vielschichtige Geschichte, mit neuen aber auch bekannten Charakteren geschrieben. Sie ist wieder sehr gut recherchiert und wurde aus historischen Hintergründen entwickelt. Der Kriminalfall ist spannend, wirkt authentisch, lässt die Lesenden mitfiebern und entführt in tiefe menschliche Abgründe. Es ist absolut keine leichte Kost, da die angeschnittenen Themen sehr berühren und bewegen, aber absolut empfehlenswert für Lesende die gern düster, schaurige, und authentische Bücher lesen. Tatsächlich konnte ich es nicht aus den Händen legen und da ich Zeit hatte, war es an einem Tag durchgelesen.
⭐⭐⭐⭐⭐ für dieses tolle Buch!
Joachim Sohn

Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
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Neue Rezensionen zu Joachim Sohn
Benjamin Merleau ist ein knurriger, alter Kommissar. Seit sein Freund und Partner Alphonse vor einem halben Jahr bei einen Einsatz ums Leben kam, denkt Benjamin nur noch an seine Pension und an die Zeit, die er dann im Garten verbringen wird. Doch bevor es soweit ist, wird ihm eine neue Partnerin zur Seite gestellt. Die 22jährige Veronique Colbert, die frisch von der Polizeischule kommt.
Sie ist es, die die Vermisstenmeldung zur kleinen Caroline aufnimmt. Während für Merleau schnell feststeht, dass der Vater, Claude Pitou, für das Verschwinden verantwortlich ist, sieht die junge Polizistin das anders. Grund für diese Annahme ist ein Rabe, der Veronique diverse Zettel bringt, die in einer Geheimschrift verfasst zu sein scheinen. Obwohl Merleau den Ideen der jungen Kollegin leicht amüsiert gegenübersteht, lässt er ihr ihren Willen, den Ursprung und Sinn dieser Zettel herauszufinden. Auffällig ist, dass einige Zettel sehr alt und vergilbt wirken, andere hingegen so, als wären sie gerade erst verfasst worden.
Kommentar:
Die ist nun die zweite Mondbogengeschichte aus der Feder von Joachim Sohn. Gefällt sie mir so gut wie die erste Geschichte? Das ist schwierig zu beantworten, auf jeden Fall hat sich mich wieder sehr berührt, teilweise erschüttert und zum Nachdenken gebracht.
Es ist das Jahr 1974, die Ereignisse finden in der kleinen Stadt Luneville statt. Irene Beaudoire ist es, die Merleau rät, den Raben nicht zu ignorieren. Hat sie doch selber schon Erfahrungen mit Jaques Schroeder gemacht, wie sie den Raben getauft hat. Der Dialog zwischen ihr und Merleau auf Seite 69 macht klar, wie unterschiedlich die Menschen sind. Die einen hadern mit ihrem Schicksal, suchen die Schuld bei anderen. Und andere, wie Irene, machen das Beste aus dem, was ihnen gegeben ist. Ich habe mich gefreut, dass sowohl Irene als auch Gustave hier ihre kleinen Auftritte haben.
Aber das Hauptaugenmerk liegt auf Benjamin und Veronique. Zwei Generationen, die unterschiedliche Ansätze und Ideen haben und gemeinsam eine Lösung finden müssen.
Veronique bleibt dabei zwar etwas blass, aber sie ist konsequent, zielstrebig und durchsetzungsfähig und obwohl sie die junge, moderne Generation verkörpert, ist sie es, die dem Raben folgt. Merleau lehnt dies konsequent ab und hält die junge Frau für etwas verrückt, legt ihr aber keine Steine in den Weg. Als sie ihn allerdings bittet nach Sanary - sur - Mer zu fahren, stemmt er sich vehement gegen diese Idee. Erst nach und nach offenbart Joachim Sohn uns die ganze Tragik, die hinter dieser Reise in die Vergangenheit steckt. Wie schon Gustave, hat auch Benjamin einen Krieg und dessen Schrecken erlebt. Ich war erschüttert, als die Vergangenheit des Kommissars offenbart wird, die Entscheidungen, die er treffen musste und die Konsequenzen, die er daraus ziehen musste. Wer von uns kann heute ehrlich sagen, wie er sich entschieden hätte? Ich mag mir das nicht anmaßen. Ich war 1974 12 Jahre alt und habe mir damals keine Gedanken gemacht, dass so viele Menschen den 2. Weltkrieg noch hautnah erlebt haben.
Und auch der zweite Handlungsstrang um Pitou hat mich manches Mal schlucken lassen. Hier hat der Autor auch einige aktuelle Beispiele einfließen lassen, die ich dann nachgelesen habe. Ein Thema, dass immer wieder den Weg in die Medien findet und das immer noch gerne totgeschwiegen wird.
Der Schreibstil von Joachim Sohn ist direkt und schnörkellos ohne falsche oder übertriebene Dramatik oder blendende Effekte. Gerade diese Schnörkellosigkeit bewirkt, dass die Geschichte noch eindringlicher wirkt und unter die Haut geht. Eingebunden in phantastische Elemente ist es leichter zu ertragen, dass sich die Erlebnisse von Pitou und Merleau durchaus so zugetragen haben können.
Wenn man die Seiten durch die Finger gleiten lässt, sieht man die Raben fliegen. Edition Outbird hat sich hier sehr viel Mühe mit der Gestaltung des Buches gegeben. Die Farbgestaltung lässt ahnen, dass es nicht so eine leichte, liebenswerte Geschichte wird wie die zu Irene, auch wenn im ersten Band ebenfalls einiges an Tragik verborgen ist.
Zum Glück haben sich Joachim Sohn und Holger Much wieder zusammengetan, so dass dieses Buch nicht nur sprachlich, sondern auch optisch ein Highlight ist. Die Illustration auf Seite 104 hat mich am meisten berührt.
Und ja, mein erstes Auto war ein Renault 4!
Fazit:
Bild und Wort gehen eine perfekte Symbiose ein und die Geschichte berührt das Herz. Hut ab vor Joachim Sohn und Holger Much, die zusammen etwas Außergewöhnliches geschaffen haben.
Lothringen in Frankreich, 1969: Die pensionierte Geschichtslehrerin Irene lebt allein in einer kleinen Wohnung, nachdem ihr Mann bereits verstorben und ihre einzige Tochter weggezogen ist. Um nicht völlig der Einsamkeit zu verfallen und weil sie ein gutes Herz hat, nimmt sie kranke Tiere bei sich auf, um sie bei sich gesund zu pflegen und etwas Gesellschaft zu haben. Eines Nachts jedoch schnappt sich die alte Dame ihr Fahrrad und radelt in den nahegelegenen Stadtpark: Es herrscht dort nämlich ein äußerst seltenes Naturphänomen. Wenn sich Regen und das Licht des Mondes treffen entsteht ein Mondbogen, der die Nacht überstrahlt und Irene dabei an eine Erinnerung aus längst vergessener Zeit erinnert. Vor vielen Jahrzehnten musste sie Abschied von ihrem Verlobten Frederic nehmen, der sich zu Beginn des 1. Weltkriegs mit seiner Einheit treffen musste, um Frankreich vor dem Überfall der Deutschen zu retten. Frederic ist jedoch wie so viele Leute nicht aus dem Krieg zurückgekehrt und so wünscht sich Irene seit langem, die genaueren Umstände zu kennen. Während ihrer Nacht im Park fliegt ein Rabe auf Irenes Parkbank und hat einen seltsamen Anhänger bei sich, in dem sich nicht nur antike Artefakte, sondern auch Botschaften befinden, die nur eine Person verfasst haben kann: Frederic. Doch nicht nur Irene grübelt darüber nach, denn eigentlich glaubt sie nicht an Nachrichten aus dem Jenseits...Doch es heißt ja nicht umsonst, dass Tiere, die unter einem Mondbogen hervor(geflogen) kommen, übernatürliche Fähigkeiten besitzen.
"Die Nacht des Mondbogen" ist wirklich ein besonderes Buch, das es verdient hätte, auch die entsprechende Aufmerksamkeit zu bekommen. Obwohl es sich durch eine wirklich breite Palette an interessanten und wichtigen Dingen auszeichnet, haben es leider hier auf LB erst wenige Leute rezensiert. Ich hoffe, es findet bald noch mehr Anklang. Was mir besonders gefallen hat, war der einzigartige Schreibstil des Autors. Er hat es mit einer vorwitzigen, liebenswerten, rührenden und detailgetreuen Aussprache geschafft, die Charaktere und die Stimmung des Buches gut rüberzubringen. Es eignet sich ebenso gut als Buch zwischendurch, um lange Wartezeiten auf Buchpost zu überbrücken, doch im Zusammenhang ebenso, darin zu schmökern und natürlich auch über die Handlung nachzudenken. Das kleine, handliche Büchlein passt auch gut in eine Tasche zum Mitnehmen und nimmt auch nicht viel Platz weg, wenn auf der Renovierungsbaustelle (wie bei mir gerade) die Einrichtung kurz zur Seite geräumt werden muss. Auch die Aufmachung des Buches mit einigen niedlichen Illustrationen gefällt mir sehr und es macht den Charme des Romans komplett. Auch die Gegebenheiten der damaligen Zeit werden verständlich rübergebracht. Die Charaktere mochte ich von Anfang an. Irene ist wirklich liebenswert und ich finde es mutig, auch noch in ihrem Alter so eine Art von Abenteuer in die Hand zu nehmen. Frederic steht dem in nichts nach und auch die Zeitsprünge in die Kriegszeit haben den Leser viel über sein Leben erfahren lassen. Natürlich ist Jacques ebenfalls ein Held, aber das solltet ihr wohl besser selbst nachlesen. Ich finde jedenfalls, dass es ein sehr wichtiges und lehrreiches Buch ist, da auch die jetzigen Generationen noch viel über die Kriegszeit und das Leben der Menschen danach erfahren können, Abseits von Dingen die im Geschichtsunterricht gelehrt werden. Und ich kann euch versprechen, auch wenn nicht bei jedem Menschen gleich Tränen fließen, heißt das nicht, dass "Die Nacht des Mondbogen" es nicht schafft, Leser zu berühren. Denn Irenes und Frederics Geschichte gehört zu denen, die mir persönlich auf jeden Fall in Erinnerung bleiben und die ich gern mehrmals lesen möchte.
Gespräche aus der Community

In einer magischen Nacht hat die rüstige Pensionärin Irène Beaudoire eine ungewöhnliche Begegnung mit einem Raben aus der Mondbogenwelt. Er bringt ihr Botschaften aus ihrer Vergangenheit. Botschaften einer verlorenen geglaubten Liebe, die sie nun retten möchte.
Wir verlosen 12 Exemplare an diejenigen, die Irène auf ihrer emotionalen Reise begleiten möchten.
Hallo zusammen,
da ich bisher keinen entsprechenden Thread finden konnte, starte ich mal einen für alle Tauschwütigen.
Hier könnt ihr eure Kinder- und Jugendbücher nach Herzenslust tauschen.
Bei Interesse an den Büchern können sich dann andere Mitglieder per Nachricht melden und falls der erste Anbieter ebenfalls etwas findet, kann getauscht werden.
Bitte keine Ebay Links!
Viel Spass beim Tauschen.
Meine Tauschbücher hänge ich auch gerne gleich an ;-)
Manchmal haben die Bücher ein anderes Cover..
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