Joachim Zelter

 4.1 Sterne bei 46 Bewertungen
Autor von Der Ministerpräsident, Schule der Arbeitslosen und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Joachim Zelter

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Der Ministerpräsident

Der Ministerpräsident

 (12)
Erschienen am 27.02.2012
Schule der Arbeitslosen

Schule der Arbeitslosen

 (7)
Erschienen am 27.09.2017
untertan: Roman

untertan: Roman

 (5)
Erschienen am 01.08.2012
Einen Blick werfen: Literaturnovelle

Einen Blick werfen: Literaturnovelle

 (3)
Erschienen am 01.10.2013
How are you, Mister Angst?

How are you, Mister Angst?

 (3)
Erschienen am 26.02.2008
Die Würde des Lügens

Die Würde des Lügens

 (2)
Erschienen am 27.02.2007
Die Lieb-Haberin

Die Lieb-Haberin

 (2)
Erschienen am 01.01.2002
Briefe aus Amerika

Briefe aus Amerika

 (2)
Erschienen am 25.07.2016

Neue Rezensionen zu Joachim Zelter

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Rezension zu "Briefe aus Amerika" von Joachim Zelter

Der Traum von Yale?
storiesonpapervor 2 Jahren

Joachim Zelters „Briefe aus Amerika“ aus demKlöpfer & Meyer Verlag handelt von einem frisch promovierten Absolventen, der aus der deutschen Provinz an die Yale-Universität geschickt wird, um Deutsch zu unterrichten. Hier angekommen, erlebt er eine obskure Situation nach der nächsten und schildert diese in kürzeren Passagen.

Scheinbar vollkommen willenlos wird der Protagonist von seinem Professor für die renommierte Universität vorgeschlagen und tritt das Abenteuer USA an. So richtig überzeugt scheint auch er nicht zu sein und bestätigt so immer wieder die Fragen seiner Mitmenschen „Warum Amerika?“. In diesem Warum-Zustand verweilt anschließend die gesamte Erzählung. Zelter lässt seinen Protagonisten auf viele wunderliche Personen treffen, obwohl dieser während der gesamtem Erzählspanne merkwürdig allein bleibt und komplett für sich steht. Da gibt es die Nachbarin, die ihre Dienste als Prostituierte anbietet, die andere Nachbarin wiederum, die jeden Tag brav Zuhause auf den Ehemann wartet, der schon längst angehauen ist, den gefeierten Deutsch-Professor, der alle in den Schatten stellt – die Hauptfigur bewegt sich in einem wilden Kosmos und schafft es nicht, sich wirklich zu integrieren. Zelters Sprache bleibt hierbei sehr sachlich, sodass man das Gefühl hat, der Protagonist ließe alles auf sich zukommen.

Frei nach dem Motto  „Was muss, das muss“ hangelt er sich so von einer Woche in die nächste ohne einen wirklichen Plan zu haben. Als Lehrer an der Yale? Was sich viele andere wünschen, wird für den Protagonisten eigentlich sofort zum Alptraum – die Wohnung ist schäbig, die Studenten wollen nicht richtig (und wie soll er überhaupt Deutsch lehren, wenn seine einzige Antwort auf komplizierte Grammatikfragen die es, dass es nun einmal so sei…) und die Stadt überzeugt auch nicht.

Zelter, der selbst ein Austauschjahr an der Yale verbrachte überspitzt die Situationen im Verlauf der Handlung immer mehr, sodass es am Schluss nur noch zur Katastrophe kommen kann. Am Ende steht erneut die Frage des Warums und danach, was Wirklichkeit und was Lüge ist. Wer hier einen ernsthaften Einblick in die Welt der Eliteuniversität erwartet, der ist sicher enttäuscht – auch mein Interesse war zu anfangs eher durch die Erfahrungen des Autors geweckt. So ganz packen konnte mich der Roman leider nicht. Der beworbene „Kultroman“ war für mich kein Highlight, hat mich aber mit den schrägen Ereignissen und den skurrilen Figuren unterhalten und damit definitiv seinen Zweck erfüllt – ich gebe dafür 3,5 von 5 Sternen.

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pardens avatar

Rezension zu "Die Würde des Lügens" von Joachim Zelter

Die Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners...
pardenvor 4 Jahren

DIE WAHRHEIT IST DIE ERFINDUNG EINES LÜGNERS...

Weil die Wahrheit seine Großmutter immer nur unglücklich macht, rückt der junge Enkel sie so zurecht, dass sie den standesdünkelnden Größenphantasien der alten Dame entspricht. Er lügt, dass sich die Balken biegen, erzählt absurde, nicht selten urkomische Geschichten und rückt seine Talente ins rechte Licht. Dafür hat er immerhin den Segen der heiligen Schrift: Denn dort steht nicht "Du sollt nicht lügen" , sondern "Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten". Und das tut er ja nicht!
Schließlich redet er falsch Zeugnis für seinen Nächsten und ein bisschen auch für sich selbst.


„Du sollst nicht lügen. Jahre später ließ ich einen Freund nach diesem Gebot in der Bibel fahnden. Er fand es nirgends. Er fand nur den Satz: Du sollst nicht falsch Zeugnis sprechen wider deinen Nächsten. Ich war beruhigt. Es hieß nicht: Du sollst nicht falsch Zeugnis sprechen für deinen Nächsten. Und es hieß auch nicht: Du sollst nicht falsch Zeugnis sprechen für dich selbst …“


Anspruchslos ist diese Großmutter mit den englischen Floskeln auf den Lippen wahrlich nicht, und hart ihre Lebensschule. Wichtigste Lektion: Erweise Dich Deiner Herkunft als würdig, indem Du sie mit der geborenen und gebotenen Autorität betonst! Wenn man aber noch nicht zur Schule geht und versucht, beim Krämer diese Autorität durch Betonung des adligen Namens 'von und zu Witzleben' zu erreichen, nun, so ist dies schier zum Scheitern verurteilt.
Damit die Großmutter von ihm nicht ähnlich enttäuscht ist wie von der übrigen Verwandtschaft, biegt der Enkel die Wahrheit beim Rapport ein wenig zurecht. Und berichtet von seinem aufsehenerregenden Auftritt beim Krämer. Die Großmutter ist einfach nur begeistert...

Damit nimmt das Unheil seinen Lauf. Wer einmal lügt, um die in ihn gesetzten Erwartungen zu umgehen, kommt aus der Chose nicht mehr raus. Vor allem, wenn die Großmutter mit jedem zweiten Satz betont, ihr Leben habe sich erst mit der Geburt des Enkels zum Guten gewendet.
"Die Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners", hören wir zu Beginn, und so erfindet der Enkel immer weiter. Was der Enkel rückblendend über sein Leben mit der blaublütigen Großmutter in den 60er- und 70er-Jahren zusammenfabuliert, wird von Lügengeschichte zu Lügengeschichte immer absurder. Die unbedingte Leistungsforderung der Großmutter prallt auf den nicht minder zähen Leistungsverweigerungswillen des Enkels, und beide fachen sie sich gegenseitig an.

Wunderbar leichtfüßig spielen sich in dem Livemitschnitt von 2008 Dietmar Mues als naiv-listiger Enkel und Ich-Erzähler und Monica Bleibtreu in der Rolle als mürrisch-selbstverliebte Großmutter die Bälle zu. Sie plaudern, fallen sich ins Wort, übertreiben und schummeln - kurzum sie lügen, bis es kracht.

Der im Jahr 2000 erschienene Roman wurde noch im selben Jahr mit dem Thaddäus-Troll-Preis und der Fördergabe der Internationalen Bodensee-Konferenz ausgezeichnet.

Für mich genau der Humor, den ich mag, ein kleines Juwel für besondere Tage. Dies habe ich sicher nicht zum letzten Mal gehört.


© Parden

Kommentare: 9
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Gesa Linas avatar

Rezension zu "Einen Blick werfen: Literaturnovelle" von Joachim Zelter

Der verrückte Literaturbetrieb
Gesa Linavor 5 Jahren

Joachim Zelter beschreibt bissig und sehr gekonnt nach welchen irrwitzigen Kriterien sich entscheidet, wer im Literaturbetrieb reüssiert und wer nicht. Es geht nicht mehr um literarische Qualität, sondern z. B. um einen möglichst interessanten und exotischen Lebenslauf des Autors.
So wird ein Mann, der einem arrivierten Schriftsteller sein Manuskript hinhält mit der Aufforderung "Einen Bliek werfen, bitte!" und dem er mühsam hilft, wenigstens die Klippen der Rechtschreibung zu meistern, bald unaufhaltsam von den Medien zum Bestseller-Autor "hochgeschrieben".
Amüsant, gallebitter, absurd.   

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