Was für ein spannendes Buch! Ich konnte es schon nach den ersten Kapiteln nicht mehr weglegen!!!
Zwei Menschen, die sich kennen und lieben, stehen plötzlich auf entgegengesetzten Seiten der politischen Macht. Das hier ist der emotionale Kern von "Die Stockholm-Protokolle" und hebt das Buch auch über die Grenzen eines gewöhnlichen Polit-Thrillers hinaus. Zumindest wenn es nach mir geht.
Das Autorenduo hinter diesem Buch bringt auch die ideale Kombination mit: Joakim Zander, Jahrgang 1975, hat Jura studiert und ist EU-Experte sowie Bestsellerautor (bekannt für Thriller, die innerhalb europäischer Machtstrukturen spielen und deren Mechanismen er aus beruflicher Nähe kennt). Moa Berglöf, geboren 1979 in Hudiksvall, arbeitete acht Jahre als politische Expertin und Redenschreiberin für den schwedischen Ministerpräsidenten Fredrik Reinfeldt und ist damit jemand, der genau weiß, wie Macht innerhalb der politischen Welt funktioniert.
Im Mittelpunkt dieser Geschichte stehen Julia und Alfred, ein Paar deren Beziehung ein Ungleichgewicht durchlebt. Julia ist Investigativjournalistin mit Sitz in Stockholm, Alfred hat in den letzten Jahren die Familienarbeit übernommen. Als Julia einer heißen Spur nachgeht, bekommt Alfred überraschend ein Jobangebot, das ihn ausgerechnet auf die andere Seite dieser Geschichte zieht. Was dann entsteht, ist nicht nur ein politisches Spiel, sondern auch die Zerreißprobe für ihre Beziehung.
Ich finde, dass man beim Lesen merkt, dass hier Wissen über die Vorgänge in Stockholm und Brüssel dahintersteckt und auch ein sehr klares Statement im Buch deutlich wird: Nämlich dass die Presse als vierte Säule der Demokratie unersetzlich ist.
Ein großer Teil des Buches widmet sich dem Aufbau der Figuren, ihren Beziehung und der politischen Konstellation. Wer sofortigen Sog wünscht, wird etwas Geduld aufbringen müssen. Das Buch ist insofern keine schnelle Unterhaltung für zwischendurch. Wer sich aber gerade daran erfreuen kann, wie sich Beziehungen aufbauen, wie die Spannungen zwischen den Protagonist:innen immer verstrickter werden und so weiter, der ist hier von Anfang an, richtig aufgehoben.
Empfehlen würde ich es daher allen, die skandinavische Politthriller mögen und bereit sind, einen Roman zu lesen, der nicht nur Spannung erzeugt, sondern auch etwas über Macht, Loyalität und die Bedingungen von Pressefreiheit erzählt und einen schon mal ins Grübeln kommen lässt. Wer – wie schon gesagt – sofortigen Tempo-Sog und durchgehende Hochspannung sucht, ist bei anderen Titeln besser aufgehoben.

























