Joan Wolf Die Retterin von Susa: Ester - eine Liebesgeschichte

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Inhaltsangabe zu „Die Retterin von Susa: Ester - eine Liebesgeschichte“ von Joan Wolf

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  • Eine SEHR freie Adaption des Buches Esther aus der Bibel

    Die Retterin von Susa: Ester - eine Liebesgeschichte
    Sonnenwind

    Sonnenwind

    24. November 2016 um 18:40

    Ein recht interessanter Roman, der die zweieinhalbtausend Jahre alte Geschichte des Königs Xerxes von Persien beschreibt. Seine Frau war Hadassa, hier immer Ester (fälschlich ohne h - hebräisches Tau wird korrekt mit th umschrieben) genannt, die Jüdin war. Die biblische Geschichte ist recht knapp und ohne Schnörkel; das macht sich dieser Roman zunutze, um die Lücken mit eigener Phantasie zu füllen. Leider geht diese Phantasie so weit, daß geschichtliche Tatsachen verändert werden, oft sogar ins Gegenteil verkehrt. Insgesamt gewinnt man den Eindruck, die Autorin hätte sich sehr wenig mit den historischen Gegebenheiten beschäftigt. Es klingt immer wie ein Roman aus dem 19. Jahrhundert, angefangen von der Sprechweise. In den semitischen Sprachen gibt es keine Respektanrede abgesehen vom Pluralis Majestatis, der nur im Bezug auf Gott Anwendung findet, hier aber durchgehend (als "Ihr" und "Euch" selbst gegen Untergebene) gebraucht wird. Die Autorin scheint außerdem moderne Büros vor Augen zu haben - mit Schreibtischen und anderen modernen Errungenschaften. Das wirkt zwar erheiternd, ist aber völlig unhistorisch. Die Stellung der Frau ist genauso modern. Selbst in Männergesellschaft sprechen die Frauen frei von der Leber weg und kennen keine Scheu. Esthers Räume liegen direkt neben denen des Königs - eine Undenkbarkeit in damaligen Zeiten! Die historische Esther lebte im Harem und mit Sicherheit in einer nicht unerheblichen Distanz zu den Räumen, in denen der Herrscher seine Festmahle abhielt. Hier kann sie sogar von ihrem Zimmer aus den König in seinen Räumen hören. Überhaupt ist hier im Buch der Harem eine ziemlich offene Angelegenheit. Sogar Mordechai, der Onkel der Esther, kann ihn ohne Probleme betreten - als noch lange nicht bekannt ist, daß er ihr Onkel ist. Ein morgenländischer Herrscher wachte aber mit aller Macht über seinem Harem. Die einzigen Männer, die Zutritt hatten, waren spezielle Eunuchen, die dafür ausgebildet waren. Hier ist der Eunuch, der Esther zur Verfügung steht, "gar kein richtiger Eunuch", wie ihre Lieblingsdienerin nach einer Nacht mit ihm bemerkt. Was auch immer die Autorin damit sagen will: das ist unmöglich. Ein Mann, der weder Eunuch noch Ehemann war, war dem Tod geweiht, wenn er versuchte, den Harem zu betreten. Haman durfte in dieser Geschichte mit der Königin speisen, weil er in Gegenwart ihres Eheherrn mit der Königin zusammentraf. Sicherlich auch auf neutralem Boden. Der König selbst heißt Ahasveros und wird hier als Eigenname gebraucht. Ahasveros ist aber kein Name, sondern ein Titel. Esther wird "Majestät" genannt, war aber doch nichts weiter als eine Frau. Unter den Frauen war sie sicherlich die Chefin, aber unter Männern war sie nichts. Im Buch herrschen durchgehend die Sitten des 20./21. Jahrhunderts. Frauen sind gleichberechtigt, sie argumentieren mit Männern, sind gut gebildet und wehren sich gegen männliche Autorität. Daß Waschti sich wie im biblischen Bericht weigert, sich vor den versammelten angetrunkenen Männern zu produzieren, ist das Äußerste, und sie riskierte damit ihr Leben. Aber hier redet eine einfache Kammerzofe mit dem König. Auch Esther redet frei von der Leber weg mit Haman - und nicht nur, wie im biblischen Bericht, nachdem der König wütend den Raum verlassen hat. Es gibt hier Richter, die mit "Euer Ehren" angesprochen werden. Das ist auch völlig unhistorisch. Wenn der König sich über jemanden ärgerte, wurde der ohne weitere Verzögerung zu Tode befördert. Eine Gerichtsverhandlung vorher stammt aus einer weit späteren Epoche. Die Gedanken, ihr Anliegen dem König doch nicht gleich zu sagen, wirken vor dem lebensbedrohenden Hintergrund nur lächerlich. In der Bibel wird diese Haltung begründet, hier wirkt sie nur zickig. Es ist im Original nie die Rede davon, daß den Juden die Option geboten wird, in ihr Land zurückzukehren. Der König hat eine moderne Gesinnung gegen seine Untertanen - eine in damaligen Zeiten absolut undenkbare Haltung. Interessant hier auch der Konflikt zwischen Haman und Mardochai. “Ich verbeuge mich nicht vor einem Edomiter” (S. 202) geht weit über jeglichen Interpretationsspielraum des biblischen Textes hinaus. Diese Aussage impliziert eine Überheblichkeit, die von Mardochai nicht bezeugt ist. Im Gegenteil: Die Bibel sagt, Mardochai beugte seine Knie nur vor seinem Gott - eine für einen Juden nicht nur höchst löbliche, sondern völlig korrekte Haltung, die mit Überheblichkeit nicht das Mindeste zu tun hat. Der Galgen war bei Hamans Haus, nicht beim Palast. Das widerspricht der Bibel deutlich. Außerdem wird hier ausgesagt, Haman liebte den König und tat alles für ihn. Das ist Blödsinn. Nach dem biblischen Bericht war Haman von Ehrgeiz zerfressen und wollte unbedingt seine persönlichen Feinde (korrekterweise die Juden) beseitigen. Aber von persönlicher Zuneigung sagt die Bibel nichts. Es gibt hier im Buch auch keine zweite Einladung bei Esther, bevor sie ihre Bitte äußert. Warum auch immer sie den König und Haman zweimal eingeladen hat, es ist Fakt und wird hier unterschlagen. Haman wußte bis dahin noch nicht, daß Esther Jüdin ist. Aber er versteht es sofort - ein helles Köpfchen, muß man schon sagen! Der König wußte laut der Bibel auch von Anfang an von dem Erlaß, er wußte nur nicht, wer die Juden waren. Das unterschlägt die Autorin völlig. Sie erfindet einen Kriegszug, an dem der König teilnimmt und einen recht kurzen Zeitraum, der Haman für sein Komplott zur Verfügung steht - völlig unhistorisch. Die Autorin erfindet hier eine Anschuldigung, Mardochai hätte Geld veruntreut, wodurch er im Gefängnis landet. Nach den Originalquellen ist das unmöglich. Gesetze konnten im persischen Reich nicht widerrufen werden. Auch hier hätte die Autorin mal die Bibel lesen sollen. Sie läßt den König einen Erlaß verfassen, der seinen vorigen Befehl widerruft. Das war völlig unmöglich: man vergleiche Daniel, wo selbst der König machtlos war, Daniel vor der Löwengrube zu bewahren. Auch die Rache der Juden wird unterschlagen. Die Autorin äußert sich nicht dazu, worauf sich das Purim-Fest dann gründen soll. Ohne diese beeindruckende Abwehr der Juden - getrennt nach Städten und Landgebieten - hätte dieses im Judentum sehr wichtige Fest keine Begründung. Überhaupt: In seinem "Erlaß" formuliert der König: "...ersuche ich Euch, ..." die Juden zu verschonen. Ein persischer König würde niemanden "ersuchen"! Die sieben Söhne Hamans werden im Original auch getötet. In Persien und praktisch allen anderen Ländern war das gang und gäbe, nur in Israel war es durch die Bibel verboten. Diese Tatsache ändert die Autorin auch freimütig nach Gusto ab. Bibelleser wissen mehr! Haman war auch mit Abstand nicht so mächtig wie hier im Buch beschrieben. Fazit: Das Buch Esther in der Bibel ist ein faszinierendes Buch, spannend zu lesen, ohne überflüssigen Schnickschnack und historisch glaubwürdig. Das auszuarbeiten ist natürlich legitim, aber man sollte sich an den historischen Gegebenheiten orientieren. Da fehlt es eindeutig an Recherche. Dieses Buch ist recht nett, aber leider weit von den Tatsachen entfernt.

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  • Das Buch Esther

    Die Retterin von Susa: Ester - eine Liebesgeschichte
    Arwen10

    Arwen10

    07. June 2013 um 09:09

    Das Thema dieses Romans ist das Buch Esther aus der Bibel. König Ahasveros I (Xerxes) verstößt seine Frau Waschti und sucht nun eine neue Frau. Alle persischen Mädchen des Landes mit adliger Herkunft dürfen sich für die Stelle als Ahasveros Frau bewerben. Esthers Onkel träumt, dass Esther dazu bestimmt ist, das jüdische Volk zu retten und so stellt er Esther als Bewerberin im Palast vor. Ahasveros Wahl fällt auf Esther. Und bald ist Esthers Stunde gekommen. Das Buch hat mir sehr gefallen. Der Autorin gelingt es hervorragend, die damalige Zeit und die Personen lebendig werden zu lassen. Sehr gut finde ich, dass die Sprache der heutigen Zeit angepasst ist, es bringt einem die Person Esther und ihre Geschichte näher. Das Buch regt auch dazu an, die Bibel mal wieder in die Hand zu nehmen und drin zu lesen. Ich finde es sehr gut, wenn man Teile der Bibel mal als Roman lesen kann. Es ersetzt das Bibellesen nicht, bietet aber eine schöne Bereicherung. Das Buch ist gleichzeitig ein Liebesroman der anderen Art. Die Liebe zwischen Esther und Ahasveros ist wirklich sehr schön beschrieben. Ein rundherum gelungenes Buch und ich würde mich sehr freuen, wenn die Autorin weitere Bücher in der Richtung veröffentlicht.

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  • Leserunde zu "Die Heilerin des Sultans" von Silvia Stolzenburg

    Die Heilerin des Sultans
    SilviaStolzenburg

    SilviaStolzenburg

    Hallo Ihr Lieben, wie versprochen kommt jetzt nach Ostern die Leserunde zum dritten Teil meiner Ulm-Trilogie :-) Wer die ersten beiden Teile ("Die Launen des Teufels" und "Das Erbe der Gräfin") nicht kennt, kann ihn trotzdem lesen, da auch diese Geschichte in sich abgeschlossen ist. Dieses Mal geht es in den Orient und ich habe nur zwei Fragen, die ihr mir beantworten solltet, wenn ihr mitlesen wollt (ihr wisst ja, das soll euch immer ein bisschen auf das Buch einstimmen): 1) Wie stellt ihr euch das Leben im Harem des Osmanischen Sultans zu dieser Zeit (um 1400) vor? 2) Was wisst ihr über den Handel zu dieser Zeit? Bewerbungsschluss ist der 13. April, an diesem Tag lose ich dann die Gewinner aus. Wie immer gibt es 15 Freiexemplare, plus 1 Extraexemplar für den ersten, der die Fragen sinnvoll beantwortet. Die Gewinner melden sich dann bitte so schnell wie möglich per PN bei mir, ansonsten wird nachverlost. Loslgelesen wird dann, sobald alle ihre Bücher haben. Wie all meine Romane ist es ein Abenteuer- und Spannungsroman, keine psychologische Charakterstudie ;-) Das soll nur noch kurz erwähnt sein .... Viele liebe Grüße und einen schönen Sonntag Silvia  

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  • Rezension zu "Die Retterin von Susa: Ester - eine Liebesgeschichte" von Joan Wolf

    Die Retterin von Susa: Ester - eine Liebesgeschichte
    mabuerele

    mabuerele

    16. March 2013 um 20:49

    In Susa ist Ahosveros I. eingetroffen. Der neue persische König gilt als schöner Mann. Als sich seine Gemahlin Waschti weigert, unverschleiert auf einem Bankett zu erscheinen, verstößt er sie. Ester und ihre Freundin Rahel, zwei jüdische Mädchen, unterhalten sich über die neueste Entwicklung. Es wird eine neue Königin gesucht. Bewerben dürfen sich nur junge Mädchen aus der Dynastie der Achämeniden. Ester ist Waise. Sie lebt bei ihrem Onkel Mordechai. Die Juden wissen nicht, wie sie den neuen König einschätzen sollen. Haman, einer der wichtigsten Berater, den Ahosveros I. aus Babylon mitgebracht hat, ist ein Edomiter. Zwischen Edom und Juda herrscht schon lange Feindschaft. Als Mordechai einen bedrückenden Traum hat, entscheiden die jüdischen Männer, dass Ester an der Bewerbung um die Stelle der Königin teilnehmen soll. Ihre Mutter war zwar Jüdin, doch ihr Vater ein persischer Krieger aus dem Geschlecht der Achämiden. Die Autorin erzählt in dem Roman die Geschichte der Ester aus dem Alten Testament neu. Ester ist eine gebildete junge Frau, die sich das Leben in einem Harem nur schwer vorstellen kann. Ihre Kämpfe und Zweifel werden ausgezeichnet dargestellt. Im Mittelpunkt ihres Handelns steht ihr Glaube, von dem sie sich leiten lässt. Aus Pflichtbewusstsein wird Liebe. Sehr behutsam wird diese Entwicklung erzählt. Ihr Gegenspieler ist Haman. Er ist auf jeden eifersüchtig, der in irgendeiner Weise die Gunst des Königs erhält. Obwohl ihm Ahosveros beweist, dass er in ihn unbegrenztes Vertrauen hat, ist er nicht zufrieden. Die Autorin beschreibt die Verhältnisse in Persien ausführlich. Sie lässt mich in die Welt des Orients eintauchen. Der Bummel der jungen Frauen über den Basar mit seinen exotischen Gerüchten gehörte ebenso dazu wie der Besuch der königlichen Gärten. Der Palast des Königs verfügte über hygienische Möglichkeiten, die man in dieser Zeit nie vermutet hätte. Auch die gesellschaftlichen Verhältnisse wurden exakt recherchiert. Das betrifft sowohl die Siege und Niederlagen des persischen Heeres, als auch die unterschiedlichen Interessengruppen am Hofe des Königs. Die Autorin hat sich im Wesentlichen an die biblische Vorlage gehalten, um zu zeigen, wie Gott Menschen in seine Hand nimmt. Abweichungen begründet sie am Ende des Romans selber. Der Roman ist spannend geschrieben. Er lässt sich zügig lesen. Das Cover passt zur Handlung, ist aber nicht außergewöhnlich. Das Buch hat mir sehr gut gefallen.

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