Joanna Bator Dunkel, fast Nacht

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Inhaltsangabe zu „Dunkel, fast Nacht“ von Joanna Bator

Eine Stadt ist in Aufruhr. Drei Kinder sind verschwunden. Die erfolglosen Ermittlungen schüren die Wut der Bürger, befeuern die Gerüchte. Verdächtigungen und Schuldzuweisungen greifen um sich. Gehetzt wird gegen die »Katzenfresser«, die Zigeuner. Im Radio und im Internet lodert die Sprache des Hasses. Alicja Tabor hat diese Stadt früh verlassen. Nun kehrt sie als Journalistin zurück, um Nachforschungen über die rätselhaften Entführungen anzustellen. Sie quartiert sich im alten Haus ein, das seit dem Tod des Vaters leer steht; die Atmosphäre ist düster, die Stimmung im einst so geliebten Garten unheimlich. Ständig fühlt sie sich beobachtet, um sie herum ereignen sich unerklärliche Dinge.

Toll geschrieben, aber nicht fesselnd

— haberland86
haberland86

Ein düsterer und bedrückender Roman, der die Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit ganz wunderbar geschrieben erzählt!

— Alexloveslife
Alexloveslife

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  • Toll geschrieben, aber nicht fesselnd

    Dunkel, fast Nacht
    haberland86

    haberland86

    24. October 2016 um 19:44

    Die Journalistin Alicja Tabor reist von Warschau in ihre alte Heimat Wałbrzych, um in der niederschlesischen Großstadt dem Verschwinden mehrere Kinder auf den Grund zu gehen und wird dort mit den Dämonen ihrer Vergangenheit konfrontiert.So spannend sich die Idee anhört, so langweilig ist sie umgesetzt. Vielleicht war mir die Spannung einfach zu subtil oder sie wurde durch schwülstige Sätze und endlose Rückblenden im Keim erstickt. So genau kann ich das nicht einmal sagen, denn die Ansätze waren da und Joanna Bator bewies mehr als einmal, dass sie großartig schrieben kann.Trotzdem blieb nach der Lektüre ein undefinierbar dumpfes Gefühl der Unvollständigkeit zurück, was vermutlich daran liegt, dass die Geschichte über hunderte von Seiten vor sich hindümpelt und man das Gefühl hat, zwar alle Familiengeheimnisse der Stadt zu kennen, der Autorin die Auflösung der Entführungen aber nicht so ganz abnimmt, weil sie dann doch eine Spur zu schräg ist.Vielleicht will die Autorin mit dem Roman auch einfach zu viele Themen unter einen Hut bringen – häusliche Gewalt, Rassismus, Aufarbeitung von Kriegstraumata, Faschismus, Religiösität, Drogenmissbrauch und so weiter. Als wolle sie mit ihrem Buch hauptsächlich ein vollständiges Bild der polnischen Gesellschaft zeichnen und die Rahmenhandlung nur als Vorwand dazu missbraucht.Dabei sind diese Themen hochaktuell und sehr interessant. Nur trugen sie leider nicht unbedingt dazu bei herauszufinden, was mit den Kindern geschehen ist.Außerdem stieß mir das ständige Auftauchen von Katzenmenschen (die wohl das Gute verkörpern und Alicja dabei helfen sollen, dem Rätsel näher zu kommen) sauer auf, da nicht wirklich klar wurde, wofür sie gut sind und sie den Lesefluss ungemein störten.Auch hätte es – für meinen Geschmack – nicht so viele Rückblenden gebraucht, die das Verhältnis zwischen Alicja und ihrer Familie bis ins kleinste Detail breitreten. Im Endeffekt macht es natürlich Sinn, darüber Bescheid zu wissen, was in der Familie der Erzählerin alles vorgefallen ist, aber das hätte man sicherlich ein wenig straffen können.Alles in allem ein mittelmäßiger Roman von einer tollen Autorin, der mich bis zum Schluss leider nicht so richtig fesseln konnte.

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

    aba

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

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  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria
    Ginevra

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

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    • 1702
  • Dunkle Geschichte - mit Sogwirkung

    Dunkel, fast Nacht
    Corsicana

    Corsicana

    27. May 2016 um 12:14

    "Dunkel, fast Nacht" heißt der neue Roman von Joanna Bator. Sie hat dafür den polnischen Literaturpreis NIKE bekommen - und vollkommen zu Recht wird sie als eine der wichtigsten Stimmen in der zeitgenössischen europäischen Literatur bezeichnet. Mir selbst war die Autorin nicht bekannt - bis ich auf der litcologne bei einer Lesung von ihr war - die deutschen Texte hat Corinna Harfouch gelesen. Und daraufhin habe ich mir das Buch gekauft. Aber ich hatte immer ein wenig Angst vor der Lektüre, denn Buchtitel und Lesung wiesen auf dunkle und traurige Geschichten hin. Und so war es auch. Trotzdem hat dieses Buch eine Sogwirkung auf mich ausgeübt. Ich musste immer weiter lesen - denn das Buch ist auch sehr spannend - es gibt eine eingebaute Krimihandlung - und das Buch ist literarisch sehr hochwertig komponiert. Sprachgewaltig, Bildgewaltig und es gibt viele sprachliche Stilmittel, die sehr gekonnt eingesetzt werden, z.B. seitenweise Sequenzen aus Internetforen in der entsprechenden Sprache und assoziative Aneinanderreihungen von Angst-, Beschwörungs- und Schmähworten. Insgesamt kann man den Roman wohl am ehesten als "Schauerroman" bezeichnen. Teilweise surreal - manches wird im Nachhinein realistisch erklärt - manches bleibt rätselhaft und mystisch. Es gibt Anlehnungen an Hexengeschichten und an Schatzsucher-Geschichten. Im Kern geht es um die Bewältigung von historischer Geschichte, um Bewältigung von Traumata aufgrund von Kriegs- und Gewalterfahrungen, die sich in den Menschen eingenistet haben und die auch in den nächsten Generationen wieder zu Gewalt, Missbrauch von Kindern, Familientragödien und Einsamkeit führen. Einsam ist auch Alicja Tabor, eine erfolgreiche polnische Journalistin, die in ihre Heimatstadt Walbrzych zurückkehrt, um dort eine Reportage über drei verschwundene Kinder zu schreiben. Alicja war 15 Jahre nicht mehr in ihrem Elternhaus, sie hat es nach dem Tod ihres Vaters leer stehen lassen und so versucht, vor den Dämonen ihrer unglücklichen Kindheit zu fliehen. Schön waren in ihrer Kindheit nur die Liebe und Fürsorge ihrer älteren Schwester - doch diese hatte sich das Leben genommen, in einer der vielen Höhlen rund um Schloss Fürstenstein. Dieses ehemals deutsche Schloss und das ehemals deutsche Elternhaus von Alicja in der ehemals deutschen Stadt Waldenburg sind mit ihrer geschichtlichen Relevanz der Mittelpunkt des Romans. Grau, trist und düster wirken Stadt und Gegend, als seien die Menschen, die dort leben nie von ihren Traumata genesen, die sie durch Krieg und Flucht erlitten haben. Und seltsam verloren wirken sie, viele wohnen noch in den unverändert von den Deutschen übernommenen Häusern und Wohnungen und schaffen es nicht, sich eine eigene Identität aufzubauen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. "Uns verband, dass wir kein Zuhause hatten und Ersatz für etwas zu finden versuchten, was sich nicht ersetzen lässt: das richtige Leben" Es sind viele Geschichten, die noch erzählt werden müssen, damit die Gegenwart verstanden werden kann. Und es werden viele Geschichten erzählt. Von Albert, dem Nachbarn, der fast sein gesamtes Leben in Walbrzych verbracht hat. Und doch heimatlos ist. Von der Suche nach dem Schatz von Schloss Fürstenstein, dem sich Alicjas Vater gewidmet hat - statt sich um seine Kinder zu kümmern. Von den Katzenfrauen, die Katzen und Schloss beschützten und Menschen helfen, sonst aber quasi unsichtbar sind. Es wird erzählt von Ewa, der toten Schwester von Alicja. Und zwischen den Geschichten werden die in der Gegenwart verschwundenen Kinder gesucht. Und die aufgewühlte Stimmung in der Stadt geschildert, in der die verunsicherten und haltlosen Menschen ihr Heil in Verschwörungstheorien, krudem Aberglauben und Gewalt gegen Fremde suchen. Das ist spannend, bedrückend und beklemmend. Aber es gibt Lichtblicke. Einige Menschen - bezeichnenderweise gerade die Außenseiter der Gesellschaft - kümmern sich um die Suche nach den Kindern und helfen Alicja, die Geschichte ihrer Familie zu verstehen. Und es gibt schöne, unsentimental erzählte Liebesgeschichten. Insgesamt ein beeindruckendes, sprachgewaltiges Buch. Keine einfache Lektüre - aber lohnend.

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  • Die Zerrissenheit zwischen alter und neuer Welt

    Dunkel, fast Nacht
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    04. April 2016 um 11:58

    Die Zerrissenheit zwischen alter und neuer WeltDa ist diese kleine, polnische Stadt, Heimat von Alicja Tabor, einer weit gereisten, auf dem „Stand der Zeit““ stehenden Journalistin. Die weiß, wie es auf der Welt aussieht, die in der „Moderne“ aktiv mitmischt.Und doch, lange war sie nicht mehr hier, doch auch die „alte“ Alicja ist noch in ihr. Aus den einfachen Verhältnissen in dieser Stadt, mit Erinnerungen an ihre Schwester, heißgeliebt, die sich das Leben nahm, vor so langer Zeit.In der Vertrautheit mit dem Vater, der nach diesem Ereignis nicht mehr der gleiche war, der wieder und wieder diesen enttäuschten Blick hatte, wenn ´die Tür aufging und jene tote Tochter nicht wiederkehrte.„Bring mich zum Tierarzt und lass mich einschläfern“. Dass die Worte der Schwester, di für Alicja damals als junger Mensch kaum zu fassen, zu verarbeite war, wie das gesamte Geschehen.Und nun ist sie wieder da. Nutzt den Schlüssel, den sie fast zwei Jahrzehnte überall bei sich getragen und nie benutzt hat, und schließt die Tür zum Elternhaus auf. Und schon mit dieser Handlung beginnt auch, dann stärker werdend, die unheimliche Atmosphäre, der dunkle Aberglaube, die dunklen Ecken am Ort und im Leben lebendig zu werden.Dies und alte Ressentiments, eine dichte Atmosphäre der Ablehnung des Fremden und dem Fremden, Anderen gegenüber wir immer tiefere Kreise ziehen. Als Journalistin kehrt sie vordergründig in die Stadt zurück. Kinder sind verschwunden, ein Verbrechen scheint im Raum zu stehen, die Menschen in heller Aufruhr. Und mit diesem Geschehen wird sich Alicja beschäftigen (und einen durchaus anregenden Thriller-Anteil im Buch dafür erhalten.Doch noch tiefer liegt ihr Motiv.„Der Plüschbär lag jetzt vergessen und klamm im Keller und sah mich im Schein der Taschenlampe an“.Was ist damals geschehen? Was trieb die Schwester in den Tod?Das ist die eigentliche Frage, der sich Alicja stellt. Und mit ihr der Leser durch die bildkräftige, melancholische, Stimmungen auf den Punkt treffende Sprache der Autorin.In eine Situation eines fast kollektiven „Wegdriftens“, in der Freund und Feind nur schwer auszumachen sind und alte Trauma in neuem Gewand höchst lebendig ihr Unwesen treiben.Eine Recherche, eine doppelte „Fall-Aufklärung“, die in keiner Form einfache Antworten in sich tragen wird und in der noch ein weiteres, tieferes zum Tragen kommt, sich hervorschält.Das „Damals und Heute“ (was auf verschiedenen Zeitebenen im Buch erzählt wird), betrifft nicht nur die eigene Familiengeschichte, sondern die gesamte Welt anhand dieser kleinen Stadt in Polen. Wo vordergründig die Zeit stehen zu bleiben scheint, der Nachbar noch genauso fürsorglich um die Ecke schaut und Alicja mit der gleichen Mütze begrüßt, wie sie es aus ihrer Kindheit gewohnt war. Wo alte Regeln, der Versuch, das Leben nach bekannten und überlieferten Formen zu leben versucht wird und doch nur Isolation mehr und mehr hervortritt. Auf diese Stadt gesehen und in dieser Stadt bei den Menschen.Denn die digitalen Medien sind ja da, diese unmerkliche Verrückung der Mentalität, irgendwo „da draußen“ nun immer einen zu finden, der die eigenen Gedanken und Ansichten stützt und teilt. Womit die enge, soziale Gemeinschaft und auch Kontrolle in der Stadt sich auflöst. Jeder für sich sich seine Bilder und Gedanken macht. Was Bator nicht mit Wehmut bewertet, sondern glänzend einfach nur zu illustrieren, zu schildern versteht. Wie die „moderne Welt“ sich darstellt im Vergleich zur Blaupause der „alten Sitten“ und sozialen Zusammenhänge. Und wie di dunklen Dinge der „alten Zeit“ kräftig überlebt haben in neuem Gewand und weiterhin die Regeln vorzugeben scheinen.Schon die Fahrt mit dem Zug in die alte Heimat bringt dieses Verwirrte, dieses „aus der Zeit gefallen sei“ sehr realistisch greifbar für den Leser in den Raum, mit dem nicht versiegenden Schwall der Worte der burschikose Mitreisenden inmitten eines modernen Ambientes. Ohne zu zögern wird da geredet. Selbstgewiss, ignorant, auch mit unterschwelliger Aggression.Ob so die Welt nun ist und bleibt? Gerade angesichts der „neuen“ polnischen Politik der Abgrenzung, des Fremdenhasses fast? Tiefe Fragen, eine hervorragende Sprache und ein kühler Blick auf mögliche, andere Wege inmitten der Ver-rückheit, eine sehr lesenswerte Lektüre.

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