Joanna Bator Sandberg

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Inhaltsangabe zu „Sandberg“ von Joanna Bator

Auf dem Sandberg, einer Siedlung am Rande einer polnischen Kleinstadt regieren die Frauen. Sie träumen von einem Schwiegersohn aus Castrop-Rauxel, denn wenn sie selbst schon nicht das große Los gezogen haben, sollen wenigstens ihre Töchter glücklich werden. Aber die haben eigene Vorstellungen von Glück … Joanna Bator erzählt von den Träumen, Ängsten und Hoffnungen einer von Krieg und Flucht traumatisierten Generation und von der Rebellion und Freiheitssehnsucht ihrer Kinder.

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  • Piaskowa Góra

    Sandberg
    Buecherschmaus

    Buecherschmaus

    01. February 2015 um 20:06

    Piaskowa Góra, "Sandberg", ist eine jener Plattenbausiedlungen, die heute für verfehlte Wohnungsbaupolitik stehen. In der Zeit ihrer Entstehung in den sechziger Jahren war sie Sehnsuchtsort all derer, die nach dem Krieg in Walbrzych, dem ehemals deutschen Waldenburg, im Dreiländereck Deutschland, Tschechien und Polen gelegen, gestrandet waren. Sie wurden selbst aus den östlichen Teilen Polens, die an Russland abgetreten werden mussten, vertrieben und nahmen den Platz der geflohenen Deutschen ein. Es sind vor allem die Frauen, die im Mittelpunkt des Romans stehen. Sie alle hatten und haben einiges zu leiden. Krieg und Verfolgung haben ihre Spuren hinterlassen. So bei der Urgroßmutter Jadwiga, der Müllerin von Müllerin von Brzezina, der fünf ihrer Kinder noch im Säuglingsalter starben und die im Krieg wegen eines versteckten Partisanen mit Mann, Mühle und Hund den Deutschen zum Opfer fiel. Oder ihre Tochter Sofia, deren Mann zwar lebend aus dem Krieg zurückkam, aber nur um kurz danach betrunken überfahren zu werden. Während des Krieges hatte sie einen flüchtigen Juden unter Todesgefahr versteckt und bitter dafür bezahlt. Ihre Tochter Jadzia konnte sie nie wirklich lieben, warum, soll hier noch nicht verraten werden. Jadzia selbst litt unter dieser Lieblosigkeit, aber auch sie konnte ihrerseits die Tochter Dominika, das eigentliche Zentrum des Romans, nicht vorbehaltlos annehmen. Zu anders war diese, groß, dunkelhaarig, dürr und selbstbewusst unter all den blonden, drallen, niedlichen Mädchen ringsum. Diese Andersartigkeit wurde Dominika früh bewusst. Mit Trotz und Entschlossenheit schließt sie sich immer wieder den Außenseitern an, am Ende wird sie in Deutschland ihr Glück suchen und wohl auch finden. Deutschland, vor allem die "BeeRDe", ist immer wieder ein Bezugspunkt für die Frauen von Piaskowa Góra, und sei es beim Traum von der Heirat mit dem reichen Deutschen, der sich ausgerechnet bei der von allen verachteten, da moralisch unbeschwerten Grazynka erfüllen soll. Die Frauen schlagen sich durch ihren Alltag, stehen Schlange und kämpfen wie die Löwinnen für ihre Familien und ihr eigenes kleines Stück Glück, auch wenn dieses oft nur vor dem Fernseher beim Schauen der Telenovela "Die Sklavin Isaura" ist. Dabei zeichnet Joanna Bator aber durchaus kein heroisches Bild. Da herrscht jede Menge Engstirnigkeit, Neid, Hass und Fremdenfeindlichkeit, ein Katholizismus konservativster Art. Trotzdem schreibt die Autorin mit einer grundsätzlichen Sympathie. Die Männer verblassen dagegen, sie sind vor allem die Abwesenden oder Scheiternden, die ihr männliches Selbstverständnis mühevoll durch Großmäuligkeit, alberne Rituale und Saufgelage zu wahren versuchen. Aber auch hier gelingen der Autorin unvergessliche Porträts. Überhaupt bordet der Roman nahezu über vor Geschichten, prallen Anekdoten und stimmigen Figuren. Joanna Bator wechselt dabei gekonnt zwischen Gegenwart und Erinnerung, greift vor und spult zurück, nimmt mal die eine, dann die andere Person ins Visier. Sie erzählt lebendig, schonungslos, ironisch, zeitweise sarkastisch, sprachlich immer originell. Die Geschichten sickern erst langsam in den Leser hinein, und bleiben dann um so eindringlicher haften. Dabei zeichnet die Autorin ein stimmiges Bild Polens nach dem Krieg bis in die Gegenwart. Ein Bild, das auch beherrscht wird von Vertreibung, Wurzellosigkeit und dem Streben nach einem heimatlichen Glück, so klein es auch sein mag.,

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  • Rezension zu "Sandberg" von Joanna Bator

    Sandberg
    Idomeneo-Bodan

    Idomeneo-Bodan

    16. May 2012 um 23:08

    Seit zwei Jahren interessiere ich mich für Polen und die polnische Sprache. Joanna Bator hat mir mit ihrem Roman einen sehr lebhaften, ironischen Einblick einer polnischen Autorin in die Zeit des sozialistischen Systems in Polen zwischen 1960 und 1990 gegeben. Der Roman hat mich vom Beginn bis zum Ende sprachlich, dramaturgisch und inhaltlich nicht losgelassen. Der Stil, immer wieder expressionistisch überhöht, erinnert mich an die Fanatasien von Bruno Schulz, dem polnischen Autor in den Jahren vor dem 2. Weltkrieg, und drückt ebenfalls ein Apokalypse aus, die vom Kommunismus in den Kapitalismus führt. Wer sich etwas in die jüngste Geschichte von Polen einfühlen will, bekommt mit "Sandberg" manches Aha Erlebnis, das hilft die Menschen dieses Landes besser zu verstehen und hoch zu schätzen.

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