Joanna Olczak-Ronikier Im Garten der Erinnerung

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Inhaltsangabe zu „Im Garten der Erinnerung“ von Joanna Olczak-Ronikier

Die Schicksale ihrer jüdisch-polnischen Vorfahren, von Joanna Olczak-Ronikier unterhaltsam und mit großer Verve geschildert, lassen ein Jahrhundert europäischer Geschichte wieder aufleben. Über vier Generationen waren sie als Kaufleute, Bankiers, Gelehrte, Lehrer, Verleger oder Ärzte tätig von Wien und Warschau bis Paris, von Moskau bis London und New York.§§Julia Horwitz, die Urgroßmutter der Autorin, war eine selbständige Frau. Die verwitwete Mutter von neun Kindern löste sich vom orthodoxen Judentum und verschaffte ihren Söhnen und Töchtern ein Entrée in die polnische Gesellschaft. Die Maxime "Kopf hoch!" wurde prägend für ihre Nachfahren. Erster Weltkrieg, Polens Wiedergeburt und erneute Besetzung im Jahr 1939, Holocaust, Flucht, Illegalität, Kulturbrüche, persönliche Krisen - all dies spiegelt sich in den eindrucksvollen Porträts und mit viel Humor erzählten Geschichten dieses Buches. Joanna Olczak-Ronikier stützt sich auf Briefe mit intimen Geständnissen und politischen Botschaften, auf Memoiren und Hunderte von Fotografien, die vom Charakter und Charme ihrer Angehörigen zeugen. Sie würdigt die Motive und Haltungen ihrer Vorfahren, auch wenn sie deren Ansichten nicht immer teilt.

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  • Rezension zu "Im Garten der Erinnerung" von Joanna Olczak-Ronikier

    Im Garten der Erinnerung
    HeikeG

    HeikeG

    14. August 2008 um 16:32

    Eine Hymne auf die Familie Ein großartiges Familienporträt über 140 Jahre und vier Generationen ist Joanna Olczak-Ronikier mit Im Garten der Erinnerung gelungen Bereits im Jahr 2002 erschien Joanna Olczak-Ronikiers große Familienbiografie in Polen und wurde dort mit enormem Echo aufgenommen und kurze Zeit später mit dem renommierten Literaturpreis "Nike" ausgezeichnet. Nun sind die Aufzeichnungen der 1934 geborenen Journalistin, Dramatikerin und Drehbuchautorin im Aufbau-Verlag unter dem Titel Im Garten der Erinnerung erschienen. Gestützt auf Briefe, Memoiren und unzählige Fotos birgt dieses Familienporträt einen unglaublichen Fundus und einen großen Reichtum an Erfahrungen, Geschichten und Geschichte. Hervorzuheben ist außerdem die solide und gelungene Übersetzung von Karin Wolff. Joanna Olczak-Ronikier zeichnet nicht nur den Lebensweg ihre Familie über einen Zeitraum von 140 Jahren und insgesamt vier Generationen nach, sondern offenbart auch ein beeindruckendes sozialhistorisches Bild Europas und vor allem Polens, vom Ende des 19. Jahrhunderts an: die Russifizierungspolitik des Zarismus, Erster Weltkrieg, Polens Wiedergeburt, der Überfall Deutschlands auf Polen 1939, Hitler-Stalin-Pakt mit der erneuten Aufteilung Polens, Holocaust, Flucht, Illegalität, Kulturbrüche. Dabei weiß sie die Schicksale ihrer jüdisch-polnischen Vorfahren in eindrucksvollen Porträts und mit viel Humor zu erzählten. Einhergehend mit der Vermittlung von umfangreichem Wissen der neueren Geschichte polnischer Juden ist es aber auch eine Hymne auf die Familie, auf deren von ihr ausgehenden Kraft, die vor Verzweiflung und Selbstaufgabe zu schützen vermag. Im Garten der Erinnerung ist ein Bericht über ungewöhnliche Menschen in schwierigen Zeiten. Und das Ergebnis ist spannend. Denn zu dieser jüdischen Familie gehören Verleger und Gelehrte, Kaufleute, Anwälte, Ärzte, Schriftsteller, Lehrer, Berufsrevolutionäre und Bankdirektoren, verteilt auf bedeutende europäische Großstädten wie Warschau, Wien, Paris, Amsterdam, Berlin, Moskau, Zürich, Krakau. Sie sind persönlich u. a. mit Lenin, Sigmund Freud oder aber Picasso bekannt. Eiserne Unbeugsamkeit, einhergehend mit einer großen, klugen Liebe Aus der Vielzahl aller Agierenden - die beim Leser volle Konzentration fordern und teilweise, auf Grund der ungewohnten Namen, etwas Verwirrung stiften - ragen zwei starke Frauen heraus. Zum einen ist es die Urgroßmutter der Autorin, Julia Horwitz, die nach dem plötzlichen Tod ihres erst 38jährigen Mannes Gustaw neun Kindern allein großziehen musste. Trotzdem war sie eine fürsorgliche, aber auch strenge und vor allem weitsichtige Mutter, deren höchstes Augenmerk stets in der (säkularen) Bildung ihre Kinder lag ("Nur diese konnte ihnen einen würdigen Platz in der polnischen Gesellschaft sichern."). Außerdem sorgte sie dafür, dass im Haus Polnisch statt Jiddisch gesprochen wurde, um in den Augen der Polen Akzeptanz zu finden, ihnen ebenbürtig zu erscheinen sowie der eindringliche Appell, "niemals die eigene Würde zu vergessen". Die nachfolgenden Generationen verdankten ihr, wie auch ihrem zu früh verstorbenen Mann, "die oft schwer erträgliche geistige Unruhe, aber auch die Überzeugung, dass sich das Leben durch Kunst und Literatur leichter ertragen lässt." Die zweite starke Frauenpersönlichkeit ist Janina Horwitz, die Großmutter der Autorin, die auch das Cover das großartige Cover des Buches . Diese gebildete und selbstbewusste Frau, fand in Jakub Mortkowicz einen gleichdenkenden Ehepartner, der ihre Vorliebe für Kunst und Literatur teilte. Aus einer 1903 erworbenen Buchhandlung ging bald der Jakub-Mortkowicz-Verlag, einer der wichtigsten Adressen im literarischen Vorkriegs-Warschau, hervor. Ein Jahr später kam die Tochter Hanna - die Mutter der Autorin - zur Welt. Joanna Olczak-Ronikier hat ein wunderbares Buch in einem äußerst lebendigen und gut lesbaren Stil geschrieben. Stellenweise sehr heiter und auch ironisch schreibt sie - trotz schlimmer Schicksalsschläge - mit wohltuender Distanz zu teilweise grauenvollen und menschenverachtenden Ereignissen und Geschehnissen, über das Leben ihrer Familie. Am Ende kann Joanna Olczak-Ronikier rückblickend verkünden: "Ich habe nach verlorenen Spuren gesucht und Gefühle wiedergefunden. Habe Schatten herbeigerufen, geantwortet haben mir Lebende. Und so sind wir zurückgekehrt in den Garten der Erinnerung." Wer Biografien mag, wer sich für Zeitgeschichte interessiert, wer gerne von starken Frauen liest, wer etwas über polnisch-jüdische Zusammenhänge lernen möchte oder wer aufgeschlossen für moderne polnische Literatur ist, all denen - aber auch allen anderen - kann dieses Buch mit bestem Gewissen empfohlen werden.

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