Als Cristabel Seagrave hört, dass ihr Vater zum zweiten Mal heiratet und eine andere Frau ab sofort ihre Mutter sein soll, ist sie alles andere als begeistert. Trost findet sie in den Büchern der Familienbibliothek, deren Geschichten sie absolut faszinieren. Als Cristabel eines Tages an der britischen Küste einen toten Blauwal entdeckt, ahnt sie, dass sie einen bedeutenden Fund gemacht hat. Kurzerhand beschließt sie, dass der Blauwal ab sofort ihr gehört. Sie möchte aus dem Walknochen das Gerüst ihres Theaters erstellen und zusammen mit ihren Geschwistern Schauspielstücke aufführen. Doch als der Krieg ausbricht, merkt sie schnell, dass man in der echten Welt das Geschehen im Gegensatz zum Plot im Schauspiel nicht einfach ändern kann…
„Das Theater am Strand“ hat ein wunderschönes Cover, das an Theater, Lampenfieber, Aufregung und an diese Prise Magie kurz vor einem Auftritt erinnert. Ich wollte das Buch unbedingt lesen, weil mich Theatergeschichten interessieren und ich gerne in die Welt der Aufführungen und Bühnenlichter eintauchen wollte. Als „Buch des Sommers“ hatte ich hohe Erwartungen an den Debütroman der Autorin Joanna Quinn. Nach dem Lesen muss ich sagen: meine Erwartungen konnten leider nicht ganz erfüllt werden.
Es beginnt damit, dass in den ersten hundert Seiten keine Rede ist von irgendeinem Walknochen oder Theater. Vielmehr geht es darum, wie Cristabels Stiefmutter zum ersten Mal das Anwesen der Seagraves betritt, ihren Platz im Anwesen einnimmt und versucht, einen männlichen Nachkommen zu zeugen. Sollte dies nicht eine Geschichte über ein Theater sein, wie auf dem Klappentext angepriesen?
Als Cristabel und ihre jüngeren Geschwister dann endlich den toten Wal finden, wirkt der Abschnitt über den Wal und das Freilufttheater etwas absurd, so als wäre eine komplett andere Kurzgeschichte in den Roman eingefügt worden. Cristabel baut auf wenigen Seiten ein Freilufttheater auf und führt einige Stücke auf, bevor der zweite Weltkrieg ausbricht und der Rest des Romans sich um das Leben im Krieg handelt.
Der 700-Seiten-Roman spielt über mehrere Jahrzehnte, sodass man Cristabel, ihrer Halbschwester Florence sowie ihrem Cousin Digby beim Erwachsenwerden begleitet. Leider bin ich während des Lesens mit den Charakteren nicht so richtig warm geworden. Zudem werden zu Beginn des Romans sehr viele Figuren eingeführt, vor allem viele Bedienstete des Anwesens, die man sich mit Funktion und Spitznamen zu merken hatte, was teilweise etwas schwierig war und zu Verwirrungen beim Lesen geführt hat.
Die Handlung plätschert so vor sich hin und ist nichts Besonderes, vor allem den Handlungsstrang am Ende fand ich etwas gekünstelt.
Insgesamt ist „Das Theater am Strand“ nicht die Lektüre, die ich erwartet hatte. Angepriesen als Epos über Familie, Liebe, Glück und all die großen, bedeutungsschwangeren Themen, fand ich letztlich einfach einen Roman vor, der etwas ganz anderes beinhaltet als der Klappentext verspricht und etwas zäh zu lesen war.