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lauterundleise

vor 1 Jahr

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Wer die Veröffentlichung auf diversen Social Media Seiten verfolgt hat und eventuell vor meiner bereits andere Rezensionen von anderen Buchbloggern gelesen hat, dem ist vielleicht bereits aufgefallen, wie sehr sich die Meinungen über dieses Stück spalten. Und diejenigen unter euch, die das Stück bereits gelesen haben, haben sicher eine ganz eigene (vielleicht bisher noch unverfälschte) Meinung dazu (obwohl ich mir das fast nicht vorstellen kann, weil ich wirklich die letzten paar Wochen mit allem, was möglich war, um Rezensionen rangiert bin und wirklich ganz bewusst anderen Meinungen aus dem Weg gehen wollte, damit meine Rezension möglichst unbeeinflusst von anderen bleibt, aber man ist wirklich nicht drumherum gekommen von verschiedenen Richtungen teils positives teils negatives Feedback zu diesem Buch/Stück zu bekommen). 
Man könnte die bisherigen Meinungen - von dem was ich versucht habe nicht mitzukriegen und trotzdem zwanghaft mitgekriegt habe - zusammenfassen: die einen sagen, das Stück ist super und toll, dass wieder was im Harry Potter-Universum passiert ist; die anderen sagen, das Stück ist eher wie eine Fanfiction, sie haben sich das alles anders vorgestellt und wo zur Hölle ist eigentlich die Art, wie sie sich die Geschichte gewünscht haben. Diese Meinungen an sich bürgen schon - wenn wir mal ganz ehrlich sind - Potenzial für eine Grundsatzdiskussion in sich, weshalb ich im Vorhinein erst mal einige Sachen klar stellen möchte:
1. Allen, denen das Stück gefallen hat, dürfen weiter scallen und weiter Spaß daran haben. Alles in Butter.
2. Allen, denen das Stück nicht gefallen hat, dürfen natürlich auch weiter scrallen und weiter keinen Spaß daran haben. Ebenfalls alles in Butter. Aber bevor ihr das tut: Wir müssen mal über ein paar Grundsatzprobleme bei der Wahrnehmung dieses Stückes sprechen, die mich gehörig bei den Grundzügen der Kritik am Stück gestört haben.
Grundsatzprobleme bei der Wahrnehmung dieses Stückes, die mich gehörig bei den Grundzügen der Kritik am Stück gestört haben:
1. "Das Stück ist wie als hätte jemand Fanfictions zusammengeschmissen." - Ja. Ich bin ziemlich sicher, dass man diverse Punkte dieses Stücks in diversen Fanfictions finden kann. Aber bevor ihr euch weiter darüber empört, wisst ihr eigentlich über welche Serie wir hier sprechen? Gibt es irgendeinen Aspekt von Harry Potter, der noch nicht in Fanfiction, Fanart etc. pp. verarbeitet wurde? Ich meine, Leute, ernsthaft. Wisst ihr wie groß die Fandom eigentlich ist und wie groß die Zeit, in der sich mit dem Buch von Fanseite beschäftigt wurde? Einen Plot bei Harry Potter zu finden, der noch nicht in einer Fanfiction war, ist ungefähr wie jemanden bei einem Poetry Slam anzurempeln, der kein Student ist. Vollkommen unmöglich, Leute. Vollkommen unmöglich.
2. "Sprache blababla Sprache nicht gut mimimimi Fanfiction-Niveau." - Also, ich muss hier ja in gewissen Grundzügen zustimmen. Die Sprache ist nicht wie bei einem Donna Tartt, aber das war sie bei Harry Potter generell noch nie. Die Sprache ist einfach und das ist vollkommen in Ordnung, weil das Buch in erster Linie auf seiner erzählerischen Ebene eine Glanzleistung ist und es hier nicht um eine hochgestochene Sprache gehen sollte, weil die Bücher nicht für die intellektuellen Größen unserer Zeit geschrieben worden, sondern für Kinder und Jugendliche. Und - versteht mich nicht falsch - ich möchte auch (zumindest Jugendlichen) gar nicht absprechen, dass man auch in diesem Alter schon Werke mit hochgestochener Sprache lesen kann, aber zu Harry Potter passt das einfach nicht und ist deshalb richtig so. Ich meine das mit "keine hochgestochene Sprache" also im positivsten Sinne und wollte in diesem Zusammenhang nur noch mal daran erinnern, dass wir 1. nach einer einfachen Sprache in den alten Büchern keine plötzlich vollkommen veränderte Sprache im Theaterstück erwarten können und 2. es immer noch ein Theaterstück ist, was mich zum dritten Punkt bringt.
3. Harry Potter and The Cursed Child ist ein Theaterstück. Ein Theaterstück besteht aus Dialogen und Regieanweisungen und es versteht sich von selbst, dass es mit einem Roman wenig Ähnlichkeit hat. An dieser Stelle also: Man kann nicht erwarten, dass ein Theaterstück genau die selbe Erfahrung wie die Romane mit sich bringen. Ganz davon abgesehen, dass die Umstände, unter denen die meisten Leute die Bücher lesen und lieben gelernt haben viel mehr nostalgischen Wert besitzen, was die Erwartungen natürlich noch mal viel weiter hochschraubt und eben auch viel mehr verfälscht. Theaterstück ist Theaterstück. Roman ist Roman. Roman ist in sich abgeschlossen. Theaterstück lebt auch von Bühnenbild und Schauspielern. Man kann es nicht vergleichen, man muss es als eigenständiges Projekt betrachten.
Was ich damit eigentlich sagen möchte: Ich bin ebenfalls der Meinung, dass das Stück auf sprachlicher Ebene nicht das beste Theaterstück ist, das ich je gelesen habe. Aber darum geht es auch gar nicht. Und es geht ebenfalls nicht darum, dass alles auf die Art und Weise passiert und entwickelt wird, wie ihr euch das vorstellt. Würden wir nach dieser Devise handeln, dann wäre Sirius nicht gestorben - so viel zu Traumabewältigung von meiner Seite.Das Stück muss fesseln und unterhalten, witzig sein, sympathische Charaktere besitzen und - zumindest bei mir - hat es diese Aspekte alle erfüllt.
Was ich nicht erwartet habe - und was auch jeden (vielleicht zu recht) enttäuschen wird, wenn er mit diesem Wunsch heran geht - war das Zurückbringen der Magie. Eigentlich haben wir das Stück doch alle gelesen, weil wir wieder nach Hogwarts wollten. Weil es eine gute Zeit war. Ein großer Teil vom Aufwachsen - zumindest für mich und viele andere. Was wir wollten - und ich denke, das ist eigentlich, was bei dem Stück teilweise von den Kritikern unterschwellig negativ bewertet wird - ist, dass das Stück nicht schafft, den Hogwarts-Flair aufzubauen. An dieser Stelle verweise ich noch mal darauf, dass es natürlich ein Theaterstück und kein Roman ist und das da natürlich gewisse Unterschiede bestehen und diese Enttäuschung eventuell durch das Sehen der Bühnenumsetzung revidiert werden könnte, aber das Problem, glaube ich, liegt wo anders. Was an Harry Potter immer toll war, war, dass wir damit aufgewachsen sind. Ich, wie viele andere ebenfalls, habe sehr jung begonnen die Bücher zu lesen und den letzten Teil als Teenager vollendet. Und man konnte sich auf gewisse Weise immer mit den Charakteren identifizieren, weil sie eine siebenjährige Entwicklung durchlaufen sind. Das war toll. Nun bekommen wir dieses Stück, das eine relativ große Zeitspanne zwischen der eigentlichen Geschichte hat. Und plötzlich sind die Charaktere, mit denen wir uns immer identifizieren konnten und die mit uns gewachsen sind, plötzlich erwachsen und das Leben ist düster und wesentlich weniger magisch.
Sagt das jetzt mehr etwas über die Geschichte an sich oder über uns als Leser aus? Ja, im Nachhinein betrachtet, hat es nicht das Kakao-Kindheits-Lesevergügen-Feeling, was ich (und, ich wiederhole mich, viele andere auch) mit den Büchern verbinden, sondern beschäftigt sich mit Erwachsenen-Problemen in einer Erwachsenen-Welt mit erwachsenen Figuren, die wir als Kinder kennengelernt haben. Ja, ich kann verstehen, dass man diesbezüglich in gewisser Weise enttäuscht ist, und die Magie vermisst, aber Harry Potter bringt eben immer etwas bei. Und in diesem Zusammenhang, dass eben auch die Helden unserer Kindheit irgendwann vom Alltag eingeholt werden. Nimmt das Magie raus? Definitiv. Ist das in diesem Zusammenhang auch eine Schwäche des Stücks als "8. Buch"? Definitiv. Ist das Stück deshalb chronisch missraten? Nein. Das Stück spricht wichtige zwischenmenschliche Aspekte an, hat Witz, menschliche Charaktere und Plot-Twists, auf die ich mit dem Ziel, Spoiler zu verhindern, jetzt mal nicht weiter eingehe. Aber es ist definitiv kein achtes Harry Potter-Buch. Und die Vermarktung als dessen - die ebenfalls in diesem Zusammenhang vollkommen zu Recht kritisiert wurde - ist auch irreführend und tut weder Reihe noch Stück gut. Das ist wirklich schade, weil das Stück an sich nicht schlecht ist und durchaus Spaß machen kann - aber eben nicht, wenn man eine Fortführung der Reihe erwartet, das funktioniert einfach nicht.
Meine Meinung, um die Sache auf einen Punkt zu bringen: Ich war gut vom Stück unterhalten, es ist im Vergleich zur Reihe allerdings schwächer. Aber es gab sehr sympathische Charaktere, eine teilweise überraschende Entwicklung und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das Stück gepaart mit einem guten Bühnenbild und guten Schauspielern Spaß machen kann. Charakterentwicklung ist ebenfalls da, aber geht nicht im Ansatz so tief wie in den Büchern. Aber auch an dieser Stelle: Es ist ein Skript, kein Roman, da ist so etwas auch viel, viel schwerer, um nicht zu sagen annähernd unmöglich. Ich bin zufrieden und kann jedem Potterhead das Lesen nur empfehlen, da ich sehr viel Spaß hatte (vor allem weil ich Scorpius Malfoy einfach extrem feiere). 
Was ich aber noch anmerken muss: Ich glaube, dass Fantastic Beasts wesentlich besser wird. Weil es mehr die Magie zurück bringt und exzellent besetzt ist. Da freue ich mich schon wahnsinnig drauf. Und überhaupt: Ich glaube, dass Prequels bei Harry Potter wesentlich angebrachter sind als Sequels und die Fandom viel eher zufrieden stellen können. Jeder hat eine eigene "Sequel"-Vorstellung und jeder ist dann irgendwie ein bisschen enttäuscht, wenn es nicht so kommt, wie er sich das vorgestellt hatte. Aber Prequels sind eine andere Geschichte. Ich würde einen Teil meiner Leber für eine Marauders-Reihe geben, weil ich der festen Überzeugung bin, dass das sehr gut wäre und ebenfalls super-interessante Charakterentwicklungen und Aspekte hätte und auf gewisse bekannte Charaktere noch mal ein ganz neues Licht werfen könnte. Also. Wirklich. Das wäre mein wahrgewordener Kindheitstraum.

Autor: Joanne K. Rowling
Buch: Harry Potter and the Cursed Child
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