Joao Paulo Cuenca

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Rezension zu "Mastroianni. Ein Tag" von Joao Paulo Cuenca

Amüsante Möchtegern-Philosophen im Müßiggang
danares_vor 5 Jahren

Als Buck Mulligan zu Beginn des Ulysses das Geschützlager des Martello Tower ersteigt, weht eine milde Morgenluft. Zu dieser Tageszeit liegt Tomás, Protagonist in Cuencas Roman Mastroianni. Ein Tag noch im Bett. Nach seinem Weckruf um 10:32 Uhr folgt die Schilderung eines einzigen Tages in einer Großstadt, in einem Roman mit 18 Episoden.

Wenn der Leser dies zu kennen glaubt, dann geht es ihm nicht anders als den Protagonisten: „Mir kommt das alles hier wie vorgestern vor“, meint Tómas zu Pedro, während sie durch das namentlich nicht genannte Rio de Janeiro flanieren. Sie kehren bei einem Coiffeur namens Péricles ein, und in der Bar werden sie von Cícero bedient. Dabei besteht ihr Tagwerk allein im Müßiggang:

„Solange ich von anständigen Leuten wie dir umgeben bin, die schöne und nützliche Dinge tun, muss ich mich nicht damit belasten, selbst etwas Brauchbares zu leisten.“ – „Du brauchst doch nur jemanden, der deine Witze versteht.“

Ihr Leben ist ein vermeintlicher Männertraum, angefüllt mit Gin Tonic, schönen Frauen und ständiger Selbstbeweihräucherung der Alpha-Tiere. Und da verwundert es kaum, dass die beiden Möchtegern-Philosophen aus der brasilianischen Mittelschicht just an diesem Tag auch auf den berühmten Schriftsteller Esgar Mxyzptlk treffen, dessen Nachname Comic-Freunden ein Begriff sein sollte. Mxyzptlk wird den beiden für kurze Zeit zum Lehrmeister – nicht ohne ihnen zum Abschied ein „Das ganze Leben noch vor sich… Und schon so dumm!“ nachzurufen.

João Paulo Cuenca bedient sich postmoderner Erzählstrukturen und liefert zugleich einen sehr gut lesbaren und höchst amüsanten Roman. Die moralische Stimme des Autors ist unaufdringlich, jedoch nicht zu überhören, wie etwa wenn von den brasilianischen Auswanderern die Rede ist, die ihr Land mit großen Hoffnungen verlassen, um schließlich mit „gesenktem Kopf“ zurückzukehren. Es sind „Veteranen eines verlorenen Krieges“.

Was das alles mit dem italienischen Schauspieler Mastroianni zu tun hat? Reichlich wenig, das findet zumindest die göttliche Stimme im Off, die sich hin und wieder in die Handlung einschaltet. Diese Stimme glaubt übrigens auch, dass die brasilianische Literatur mit solchen Romanen keine Zukunft habe. Das renommierte Granta Magazine ist da anderer Meinung. Es nahm João Paulo Cuenca im vergangenen Jahr in die Liste der zwanzig besten jungen Autoren Brasiliens auf.

Erstveröffentlichung auf: http://danares.wordpress.com

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