Jobst Mahrenholz Der linke Fuß des Gondoliere

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Inhaltsangabe zu „Der linke Fuß des Gondoliere“ von Jobst Mahrenholz

Cece, Leo, Pirro. Ein Bootsbauer, ein Gondoliere, ein Träumer. Drei allerbeste Freunde und ein Pfefferkorn, das alles ändert. Eine Geschichte um Liebesmodelle, schöne Boote und das unstillbare Verlangen nach Luft.

Cece, Sohn eines Gondelbauers und Leo, dessen Vater einer der angesehensten Gondoliere ist, sind schon von Kindesbeinen an miteinander ...

— Splashbooks
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Ein wunderbares Kleinod, voller Poesie, zarter Töne und liebenswerter Figuren. Eine Hymne an die Liebe in ihrer unendlichen Vielfalt.

— marstraveller
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  • Stilles Meisterwerk

    Der linke Fuß des Gondoliere
    J_Walther

    J_Walther

    01. June 2015 um 14:17

    »Der linke Fuß des Gondoliere« ist der dritte Roman des Autors. Wieder spielt er in Italien, diesmal jedoch, wie der Titel schon andeutet, in Venedig. Die Geschichte dreht sich um drei Freunde seit Jugendtagen. Den eher durchschnittlichen, liebenswerten Sohn eines Gondelbauers Cece, den aus ärmlichen und schwierigen Verhältnissen stammenden, aber genügsamen und heiterem Pirro und den aus reichen Haus kommenden, aber unglücklichen Leo. Trotz der Unterschiede verbindet die drei eine enge Freundschaft, bis zwischen Cece und Pirro mehr entsteht. Die Geschichte ist realistisch, etwas poetisch aber auch sehr bodenständig. Es ist leicht, die drei unterschiedlichen jungen Männer ins Herz zu schließen. Eine sehr zärtliche, stille, bittersüße, warme Geschichte. Jobst Mahrenholz erzählt nicht linear, es gibt Sprünge in den Zeitebenen, die nur durch die Jahreszahl, aber nicht durch Erklärungen gekennzeichnet werden. Ebenso sind die Szenen oft recht kurz, werden wenig ein- und übergeleitet. Das alles könnte wirr, unstrukuriert und anstrengend sein, verwebt sich jedoch zu einer Geschichte, der man jederzeit mühelos folgen kann. Die Struktur verbindet sich zu einem eigenen Rhythmus des Erzählens, der leichtfüßig wirkt. Meinen Respekt für diese Leistung! Meine Ausgabe enthält eine Widmung des Autors, die ich nur schwer entziffern kann ›Deine Geschichten haben mich so viele schöne Stunden begleitet, es würde mich freuen, wenn diese es auch schaffen würde‹ – nun, mühelos, kann ich sagen – Danke dafür. Der bisher ausgereifteste Roman eines Autors, von dem wir hoffentlich noch viel lesen dürfen. Mehr über den Autor im Interview

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  • Berührend, verträumt und einfach nur schön

    Der linke Fuß des Gondoliere
    marstraveller

    marstraveller

    12. April 2015 um 18:56

    Ein wunderbares Kleinod, voller Poesie, zarter Töne und liebenswerter Figuren. Eine Hymne an die Liebe in ihrer unendlichen Vielfalt. Im Zentrum der Erzählung steht die Freundschaft der drei venezianischen Jungen Cece, Leo und Pirro. Die Geschichte wird aus der Retrospektive entfaltet, der Leser nimmt teil an Ceces Erinnerungen an die Anfänge der Freundschaft und die Entwicklungen innerhalb der Beziehung zwischen den drei Jungen. Die Handlung erstreckt sich über zehn Jahre, präsentiert werden wichtige Episoden aus dem Leben der drei Freunde, beginnend mit den Erlebnissen der gerade Vierzehnjährigen bis zu den einschneidenden Erfahrungen und wehmütigen Reflexionen des 24jährigen Ich-Erzählers. Die drei Figuren Cece, Leo und Pirro sind mit so viel Liebe gezeichnet, dass sie den Leser von Anfang an berühren. Ihre Freundschaft ist sehr realistisch dargestellt, offenbart aber gleich zu Beginn bereits einen gewissen Zauber, der sich im Lauf der Geschichte immer weiter entfaltet. Das Zauberhafte wird auch durch das Setting untermalt, wobei die Stadt Venedig den größeren Rahmen bildet und die Welt der Gondeln (Cece ist in die Familientradition des Gondelbaus eingebunden, während Leo einer alten, ehrwürdigen Gondolieri-Familie entstammt) ein metaphorisch-sinnliches Bezugsfeld eröffnet. Der Rahmen Venedigs wird ein wenig durch Pirro gesprengt, der aufgrund seiner desolaten Familiensituation eigentlich keine Wurzeln in dieser Stadt hat, sondern eher, einem beflügelten Luftwesen gleich, nach außen drängt, zunächst nur, indem er weg von den Kanälen auf die Dächer der Stadt steigt, und später, indem er exotische Länder bereist. Durch Pirros Figur wird dem zauberhaften Charme, den die Geschichte versprüht, noch eine märchenhafte oder mystische Komponente hinzugefügt. In seiner Person sind Leichtigkeit und Schwere des Seins auf beeindruckende Weise untrennbar miteinander verwoben. Die besondere Qualität dieses Buches liegt meiner Meinung nach auch darin begründet, dass hier nicht die romantische Liebe zweier Figuren im Mittelpunkt steht, sondern die Liebe an sich, deren Facettenreichtum in eindringlichen Bildern eingefangen wird. Da hat die Liebe des großen Bruders, der sich für seine kleineren Geschwister opfert, genauso ihren Platz wie die Liebe zwischen Eltern und Sohn oder die Liebe zu einer allumfassenden Wahrnehmung von Gewürzen. Dieses Grundgefühl von Liebe durchzieht die Geschichte wie ein roter Faden und verknüpft die einzelnen Episoden und Handlungsräume miteinander. Dem Autor gelingt es durch seine schnörkellose, aber gerade deshalb so eindringliche Erzählweise, den Leser in diese von Liebe durchwobene Gefühlswelt einzubinden; sie wird in jedem Satz und in jeder Äußerung seiner Figuren spürbar und sichtbar. Man fühlt sich durch den besonderen Stil und die ausgefeilte Sprache eingebettet in eine wunderbare Welt, die zwar nicht frei von Schmerz, Verlust und Trauer ist, aber dennoch den Eindruck von Getragen-Sein und Glück vermittelt. Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, das mich so tief berührt hat. Der Autor schenkt seinen Lesern einen ganzen Kosmos an kleinen (und großen) Gesten zwischenmenschlicher Zuneigung, die sich fest im eigenen Herzen verankern und dort weiter lebendig bleiben, auch wenn man das Buch längst aus der Hand gelegt hat. Um eines der vielen traumhaft schönen Bilder aufzugreifen, die den Zauber dieser Geschichte ausmachen, könnte man sagen, dass der Autor mit seiner wunderbaren Erzählweise seinen Lesern viele verschiedene Pfefferkörner verabreicht, manche exotisch und unbekannt, andere wiederum durchaus gebräuchlich und gewohnt. Und diese entfalten ganz langsam die verschiedenen Aromen des Lebens: Freundschaft, Liebe, Schönheit, Begehren, Hingabe, Trauer, Schmerz, Sinnlichkeit, Glück … „Der linke Fuß des Gondoliere“ ist für mich eine Ode an das Leben und die Liebe, auch wenn der Tod thematisch von der ersten Seite an als Begleiter anwesend ist. Ein Buch, das mit Hingabe und Schönheit die Essenz des Lebens und die Weisheit, diese zu erkennen, vermittelt. Ich wünsche allen Menschen, dass sie in den Genuss kommen, sich von dieser Geschichte berühren zu lassen und ich wünsche dem Autor, dass er für sein kleines Meisterwerk die Anerkennung erhält, die ihm zusteht.

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  • wundervolles, intensives Meisterwerk

    Der linke Fuß des Gondoliere
    Koriko

    Koriko

    03. April 2015 um 19:01

    Story: Cece, Sohn eines Gondelbauers und Leo, dessen Vater einer der angesehensten Gondoliere ist, sind schon von Kindesbeinen an miteinander befreundet. Ihre eingeschworene Gemeinschaft wird durch Pirro komplettiert, der sich die beiden ganz gezielt als Freunde aussucht, als er in ihre Klasse kommt. Die drei wachsen gemeinsam auf und während Cece tatsächlich das Handwerk eines Bootsbauers erlernt und Leo Gondoliere wird, ist Pirro ein Träumer, der sich schließlich in einem Gewürzladen verdingt. Zudem entwickelt Pirro starke Gefühle für Cece, die dieser auch erwidert – sehr zum Verdruss von Leo, der mit der Beziehung seiner besten Freunde scheinbar nichts anfangen kann. Erst nach und nach wird klar, dass sich hinter Leos Verhalten mehr verbirgt und auch Pirro das ein oder andere Geheimnis hat … Eigene Meinung: „Der linke Fuß des Gondoliere“ ist der dritte Roman von Jobst Mahrenholz, dessen Duologie „Il gusto di Lauro“ sein Debüt markierte. Alle Romane erschienen im deadsoft Verlag und spielen in Italien, da der Autor einen engen Bezug zu diesem Land hat. So ist es nicht verwunderlich, dass Figuren und Handlungsorte aus „Lucas Rezepte“ und „Herzberührer“ im vorliegenden Roman einen kurzen Gastauftritt bekommen. Wie schon in der „Il gusto di Lauro“-Reihe legt Jobst Mahrenholz einen Entwicklungsroman vor, in dem es um die Hauptfiguren, deren Schicksale und Lebenswege geht. Eine wirklich allumfassende Rahmengeschichte gibt es daher nicht, da sich „Der linke Fuß des Gondoliere“ vollkommen auf die Freundschaft und die Liebe der drei Protagonisten konzentriert. Intensiv und authentisch berichtet Jobst Mahrenholz von drei grundverschiedenen Männern, ihren Träumen, ihrem Erwachsenwerden und der Weiterentwicklung ihrer Freundschaft zu Liebe. Dass er dabei auch heiklere Themen wie Asexualität und Bigamie anschneidet, verleiht dem Roman einen unerwarteten Tiefgang, doch der Autor widmet sich diesen Aspekten mit dem nötigen Respekt und der passenden Sensibilität. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass der Autor auf ausufernde erotische Szenen verzichtet und entsprechende Sequenzen abblendet, was überhaupt nicht negativ ins Gewicht fällt – im Gegenteil. Sexszenen hätten dem Roman durchaus geschadet, da sie nicht zu „Der linke Fuß des Gondoliere“ gepasst hätten. Die Charaktere sind wunderbar gezeichnet, wirken lebendig und authentisch. Der Leser lernt Cece, Leo und Pirro sehr intensiv kennen, wird mit ihnen erwachsen und erlebt den ein oder anderen Schicksalsschlag. Dabei werden die Ereignisse in zwei Zeitebenen komplett aus Ceces Sicht erzählt, weswegen der Leser zu ihm eine besondere Beziehung aufbaut. Man lernt den jungen Italiener im Laufe der Geschichte sehr intensiv kennen und kann sich problemfrei mit ihm identifizieren. Das bedeutet nicht, dass man sich den anderen beiden Männern weniger stark verbunden fühlt – im Gegenteil: auch Leo und Pirro wachsen einem mit der Zeit ans Herz und bestechen durch eine Lebendigkeit und Individualität, die man in vielen Gay Romanen vermisst. Man fragt sich automatisch, ob Jobst Mahrenholz reale Vorbilder für seine Protagonisten hat, oder ob nicht einige der Ereignisse auf wahren Begebenheiten beruhen. Stilistisch lässt „Der linke Fuß des Gondoliere“ nichts zu wünschen übrig. Jobst Mahrenholz hat einen sehr angenehmen, lockeren Schreibstil, der wunderbar zur Geschichte passt. Nicht nur seine Charaktere wirken lebendig – auch Venedig mit seinen Kanälen und Brücken ist plastisch und sehr realistisch beschrieben. Man spürt auf jeder Seite das italienische Flair und merkt, wie sehr dem Autor Land und Leute am Herzen liegen. Sei es das Handwerk der Bootsbauer oder der Gondoliere, Jobst Mahrenholz gelingt es beides sehr ausführlich und glaubwürdig darzustellen. Hinzu kommt auch, dass er Gefühle und Gedanken perfekt beschreiben und mühelos die Ängste und Sorgen seiner Charaktere offenlegen kann. Sein intensiver Schreibstil fesselt von Anfang an und obwohl man bereits nach dem Prolog weiß, wie das Buch endet, kann man es nur schwer aus der Hand legen. Fazit: „Der linke Fuß des Gondoliere“ ist ein wundervolles, intensives Meisterwerk, das sich angenehm aus der breiten Masse der Gay Literatur heraussticht und mit authentischen Charakteren und einem stimmungsvollen Schreibstil punkten kann. Wer stille, authentische Gay Romane sucht und sich nicht vor heikleren Themen scheut, die Jobst Mahrenholz anspricht, dem sei der Entwicklungsroman „Der linke Fuß des Gondoliere“ wärmstens empfohlen.

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