Eine Ahnung von Pan

von Jobst Mahrenholz 
5,0 Sterne bei4 Bewertungen
Eine Ahnung von Pan
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Little_Kunoichis avatar

Ein Buch das sich festkrallt, einen beschäftigt und seinen Raum fordert.

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Inhaltsangabe zu "Eine Ahnung von Pan"

In der Abgeschiedenheit der Toscana plant der dänische Journalist Ingar ein Buch zu schreiben und sich auf die Spuren seines italienischen Vaters zu begeben. Dort trifft er auf den verwahrlosten Ziegenhirten Zino, dessen rätselhaftes Verhalten ihn mehr und mehr in seinen Bann zieht.
Und nicht nur dieser scheint ein Geheimnis vor ihm bewahren zu wollen.

Eine Geschichte, in der filigranes Vertrauen, verborgene Abgründe, die Macht des Erzählens und das Springen über den eigenen Schatten drei Leben verändert.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783960891147
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:212 Seiten
Verlag:Dead Soft Verlag
Erscheinungsdatum:26.06.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    79yvis avatar
    79yvivor 6 Monaten
    Zart wie ein Windhauch und doch die Kraft eines Orkans

    Für geplante 7 Monate tauscht Ingar seine koppenhagener Wohnung gegen zwei Zimmer im Haus von Maria Carrisi, in der Abgeschiedenheit der toskanischen Berge. Er lässt alles hinter sich, Job, Freunde und Familie um in Italien den Traum vom ersten Buch zu verwirklichen, gleichzeitig will er etwas über seine Wurzeln erfahren. Als Halbitaliener hat er zwar viele Geschichten von seinem Vater erzählt bekommen, Bekanntschaft mit dessen Herkunftsland durfte er aber bis jetzt nie machen. Ingar ist fasziniert von dieser komplett anderen Welt, sei es die Landschaft oder die italienische Art zu Leben. Recht schnell merkt er aber, dass es in der Familie Carrisi einiges gibt, über das lieber geschwiegen wird, vor allem wenn es Zino betrifft. Seine Neugier treibt ihn an, mehr über den verschlossenen und wortkargen Ziegenhirten zu erfahren, allem voran die Antwort auf die Frage „Was veranlasst einen jungen Mann, solch ein einfaches Leben zu führen?“

     

    Dieses Buch hatte ich schon länger auf meiner Liste, warum ich bis jetzt damit gewartet habe – ich weiß es nicht. Es geht mir aber oft so, dass ich vor Geschichten, über die ich nur positives gelesen habe, einen gewissen Respekt habe und sie schiebe, vllt. aus Angst meine Erwartungen nicht erfüllt zu bekommen. Diese Geschichte hat meine Erwartungen aber übertroffen! Jobst Mahrenholz vermittelt in diesen relativ überschaubaren 200 Seiten mehr als so mancher Roman, der die dreifach Länge besitzt. Seine Art zu schreiben könnte man durchaus als pur bezeichnen, ruhig, keine ausschweifenden Beschreibungen und Erläuterungen, sondern auf das wesentliche reduziert und genau so kam die Geschichte um Ingar, Zino und Maria auch bei mir an – ungefiltert, pur, mit einem ganz eigenen Zauber und Charme.

    Die Charaktere haben alle ihre Eigenheiten, was sie für mich sehr greifbar machte. Da wäre zum einen Maria, die ihr ganzes Leben schon kämpft, für sich, für ihre Familie und gegen die Folgen die so manche Entscheidung mit sich bringt. Sie besitzt auch die Stärke, wenn nötig über ihren eigenen Schatten zu springen, was Ingar in letzter Konsequenz bis dato nie vermocht hat. Der steht zwar mitten im Leben, bleibt aber dennoch emotional immer hinter seiner fein aufgebauten Mauer verschanzt um ja nichts und niemanden nahe genug an sich heranzulassen – es könnte ihn ja aus der Bahn werfen und genau das macht Zino. Mit seiner klaren, oft ganz anderen Sichtweise und dem unergründlichen Wesen bringt er bei Ingar eine Seite zum klingen, die irgendwo tief hinter dieser Mauer versteckt ist. So entsteht das Buch im Buch, begleitet von Gesprächen über die Protagonisten, doch die Grenzen verschwimmen zusehends und es fließt ein großer Teil der Realität in die Fiktion von Ingars Erzählung ein. Als aber dann zum Schluss aus Fiktion Realität wird muss dieser entscheiden ob es nicht an der Zeit ist seine Deckung fallen zu lassen und etwas komplett Neues zu beginnen. Das Ende ist zwar etwas offen, für mich drängt sich aber unweigerlich ein Bild von zwei Selbstgedrehten im Schatten einer Olive und umringt von Ziegen auf. Pur, ohne Schnick-Schnack und wunderschön – ein Highlight!

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    Korikos avatar
    Korikovor einem Jahr
    Zwischen Kopenhagen und den italienischen Bergen

    Story:
    Für den Dänen Ingar bedeutet der Schritt für mehrere Monate an seinem Buch „Der steinerne Pfad“ zu schreiben, eine große Veränderung – statt der hektischen Hauptstadt Kopenhagen erwartet ihn das raue Leben und die abgeschiedene Ruhe eines Dorfes in den italienischen Bergen, wo er auch die Herkunft seines Vaters auskundschaften will. Er bezieht eine Wohnung bei Maria Carrisi, die von den meisten Menschen gemieden wird und lernt ihren Enkel Zino kennen, der als wortkargen Einsiedler in einer Hütte lebt, sich um die Ziegen kümmert und Käse herstellt. Über sein Buch knüpft er schließlich Kontakt zu Zino, der mit der Zeit ein reges Interesse an Ingars Geschichte entwickelt und gerade der Romanfigur Lasse Leben einhaucht. Schon bald entwickelt sich zwischen den beiden ungleichen Männern mehr, doch Ingar hat Probleme sich gänzlich auf Zino einzustellen, denn er weiß, dass er irgendwann in seine Heimat zurückkehren muss.

    Eigene Meinung:
    Jobst Mahrenholz legt mit „Eine Ahnung von Pan“ seinen neusten Roman vor, der wie die meisten seiner anderen Werke im deadsoft Verlag erschienen ist. Wie für den Autor typisch erwartet den Leser eine stimmungsvolle Reise nach Italien und eine Geschichte, die stark auf die drei Hauptfiguren fokussiert und deren Leben Stück um Stück aus der Bahn wirft.

    Der Däne Ingar lässt sein bisheriges Leben hinter sich, um in Italien zur Ruhe zu kommen und sich an ein Buch zu setzen, das ihm seit einer Weile auf der Seele brennt. Bei der schroffen, aber geradlinigen Maria findet er ein passendes Zuhause für knapp acht Monate, um zum einen an seinem Buch zu schreiben, zum anderen herauszufinden, wer sein Vater war, den er kaum kannte. In dieser Zeit lernt er auch Marias Enkel kennen – den wortkargen, humpelnden Zino, der schnell Einzug in seinen Roman findet und den er näher kennenlernt, als er beginnt dem Jungen sein Werk vorzulesen. Jobst Mahrenholz lässt sich viel Zeit die beiden ungleichen Männer zusammenzuführen – Ingar, der nur schwer in der Lage ist, Gefühle zu zeigen, und Zino, dessen Vergangenheit schwer auf seiner Seele lastet und ihn zu einem Einsiedler hat werden lassen. Es dauert, bis sie sich aufeinander einlassen und gerade Zino Vertrauen fasst und mehr von sich erzählt. Gleichzeitig erweckt er sein literarisches Pendant erst zum Leben, denn er gibt die passenden Impulse um Lasse aus „Der steinerne Pfad“ mit Leben zu füllen. Doch das Glück währt nur kurz, als Maria herausfindet, was sich zwischen Ingar und Zino abspielt und den jungen Autor zu einer Rückkehr nach Dänemark zwingt. Dort beendet er nicht nur sein Buch mit einem Knalleffekt, er sorgt ungewollt auch dafür, dass Zino eine Entscheidung trifft, die nicht nur Maria, sondern auch Ingar beeinflusst und das Leben aller drei auf den Kopf stellt. Dass der Autor zum Ende hektischer wird und gerade in den letzten Kapiteln viele Dinge auf einmal passieren, passt durchaus zur Geschichte, denn es spiegelt das Umdenken der Figuren wieder. Allerdings könnte es einigen doch ein wenig zu schnell gehen, zumal die Szenen bewusst kurz gehalten sind und Jobst Mahrenholz am Ende bewusst nicht alle offenen Fäden zu einem Ende bringt.

    Wie nicht anders von Jobst Mahrenholz gewohnt, sind die Charaktere sehr authentisch und greifbar – sowohl Ingar, als auch Zino und Maria sind sehr realistische Figuren mit Ecken und Kanten. Sie reiben sich aneinander auf, ergänzen sich und müssen sich alle eingestehen Fehler gemacht zu haben, die nicht nur sie, sondern auch ihre Umwelt verändert haben. Ingar, der nicht in der Lage ist, Gefühle zu zeigen und sich lieber verschließt, anstatt eine Sache bis zum Ende durchzusetzen, ist kein typischer Held und auch nicht immer sympathisch. Er hat die Tendenz andere auszunutzen und braucht lange, um sich den Konsequenzen zu stellen und sein gesamtes Herz in eine Sache zu investieren. Zino wiederrum ist trotz seiner Ruhe und Schroffheit eine schillernde, gefühlsbetonte Persönlichkeit, die viel Zeit braucht, um aufzutauen und sich gegenüber anderen zu öffnen. Er ist ein bisschen der Motor des Romans, da er nicht nur Ingar und dessen Geschichte antreibt, sondern auch mit seinen Entscheidungen dafür sorgt, die gespannte Atmosphäre zum Kippen zu bringen.
    Zu guter Letzt ist auch Maria eine der zentralen Hauptfiguren, die zwangsweise Teil der Ereignisse wird und selbst für viele Dinge die Verantwortung trägt. Auch sie trägt einige dunkle Facetten in sich, die erst mit der Zeit ans Licht kommen. Sie ist auf jeden Fall eine faszinierende, starke Frau, deren Leben mindestens so interessant ist wie das von Zino.

    Stilistisch legt Jobst Mahrenholz ein gewohnt intensives, sehr stimmungsvolles Buch vor, bei dem jedes Wort und jeder Satz passt. Man hat das Gefühl jede Silbe wurde präzise ausgewählt, um das Buch sprachlich auf ein sehr hohes Niveau zu heben. Gerade Zinos Sätze und Antworten haben eine solche Wucht und Aussagekraft, dass sie lange nachhängen. Die Wortwechsel zwischen ihm und Ingar sind das Highlight des Buches, da sie unheimlich viel Dynamik haben und dem Leser die beiden Figuren ans Herz wachsen lassen. Der Autor hat auf jeden Fall etwas Besonderes geschaffen, nicht nur durch das Buch im Buch – die Figuren und ihre Dialoge untereinander sind unheimlich intensiv, ebenso die Beschreibungen der italienischen Berge und die des einfachen, ruhigen Lebens dort.

    Fazit:
    „Eine Ahnung von Pan“ ist ein wundervolles, stilistisch beeindruckendes Buch, das durch seine wunderbaren, sehr authentischen Figuren und eine angenehm leichten, langsamen Geschichte beeindruckt. Jobst Mahrenholz geht es nicht darum, zwei Männer zusammen zu bringen und ihnen ein Happy End zu ermöglichen, sondern darum, die Geschichte dreier grundverschiedener Figuren zu erzählen und sie auf behutsame Art und Weise weiterzuentwickeln. Wer Jobst Mahrenholz‘ Werke schätzt, wird auch an seinem neuen Buch nicht vorbeikommen – es lohnt sich und zeigt einmal mehr, wie wandlungsfähig und stilistisch sicher der Autor ist. Unbedingt lesen!

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    Little_Kunoichis avatar
    Little_Kunoichivor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Buch das sich festkrallt, einen beschäftigt und seinen Raum fordert.
    Ein steinerner Pfad

    Ein nacktes Kerlchen. Eine Liebesgeschichte. Das Übliche, sollte man meinen – wenn da nicht Jobst Mahrenholz auf dem Cover stehen würde.

    Ingar und Zino. Zwei verletzte Seelen treffen in der archaisch anmutenden Umgebung eines toskanischen Bergdorfes aufeinander. Doch anstelle einer Blümchenwiese, liegt ein steinerner Pfad vor ihnen – sowohl in ihrer Realität, als auch im gleichnamigen Romandebüt von Ingar. Die Geschichte in der Geschichte. Und genau dieser Roman und sein Entstehungsprozess zieht sich wie ein roter Faden durch die Erzählung. Er ermöglicht den Protagonisten eine offene, aber dennoch unverfängliche Art der Kommunikation. Durch die Projektion der eigenen Gedanken und Sehnsüchte auf fiktive Charaktere, bleibt die persönliche Autonomie gewahrt. Dieser Roman im Roman ist ein wunderbares Stilmittel und es ist zauberhaft, wie der Autor die beiden Handlungsebenen seines Werkes miteinander verzahnt und ausbalanciert. Lediglich am Ende des Buches wirken die Überschneidungen etwas zu konstruiert.

    Achtsamkeit und Hingabe sind für mich die großen Themen dieser Erzählung. Es ist wunderbar, dass Jobst Mahrenholz seinen Charakteren Zeit zur Entwicklung einräumt. Dass er seiner Leserschaft zumutet Leerstellen auszuhalten und assoziativ zu füllen. Gerade diese kalkulierten Lücken entsprechen so ganz dem Titel und dem damit verbundenen Zauber.

    Angst und Isolation zu überwinden sind große Herausforderungen. Gefühle zulassen, bedeutet häufig, auch Schmerz empfinden zu müssen. Der Autor erzählt uns davon, wie viel Mut und Kraft es kostet, und was es bedeutet, sich auf jemanden einzulassen. Schützende Barrieren zu überwinden, sich zu öffnen und verwundbar zu werden. Er erzählt von diesem Prozess, der einige der grundlegendsten Aspekte menschlicher Existenz berührt und damit wohl auch eine Ahnung des göttlichen in sich trägt – wie auch immer man diese spirituelle Kraft für sich definieren mag.

    Er erzählt, wie aus Aufmerksamkeit und Vertrautheit Vertrauen wächst, und dass daraus noch etwas viel größeres reifen kann. Zino und Ingar wachsen mit- und aneinander, doch gemeinsames Wachstum ist immer auch abhängig vom eigenen Wachstum. Es ist wichtig für sich herauszufinden, inwieweit man bereit ist, sich zu öffnen und einen lieb gewonnenen Menschen an sich heran zu lassen.  Zu erkennen, wofür man Sorge tragen möchte und was einem Sinn gibt. Liebe ist eine innere Haltung. Sie ist die Erkenntnis, dass es so in Ordnung ist, wie der Moment sich zeigt.

    Jobst Mahrenholz lässt seinen Zino einen außergewöhnlichen Weg beschreiten. Er erdet dieses Luftwesen – im wahrsten Sinne des Wortes. Schafft eine Verbindung mit der Erde, der Natur und damit auch dem Augenblick. Obwohl Zino ein Opfer der Umstände ist, scheint er in dieser Rückbesinnung einen Teil seiner selbst gefunden zu haben.

    Pan ist pure Entschleunigung. Dem Buch gelingt es, die alltägliche Reizüberflutung auszuschalten und sich ganz auf das Wesentliche zu fokussieren.

    Es ist beeindruckend mit wie viel Feingefühl und Ehrlichkeit der Autor dieses Thema angegangen ist. Zwischen den Zeilen scheint viel Gefühl, Erkenntnis und Herz durch.

    Ein sehr eindringlicher, konzentrierter und bewegender Roman. Getragen von einer ausdrucksstarker, klaren Sprache.



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    Dima_von_Seelenburgs avatar
    Dima_von_Seelenburgvor 8 Monaten

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