…und kein Polit-Thriller, wie man während des Lesens manches Mal vermuten möchte.
Gleich vorneweg – das Buch ist nicht leicht zu lesen und es fordert auch nach Beendigung weitere Aufmerksamkeit.
Das Buch „Schwarze Flaggen – Der Aufstieg des IS und die USA“ versucht uns hier ein Bild der Terrororganisation zu vermitteln, von den Anfängen bis hin zu diesem gigantischen Netzwerk, vor dem sich heute große Teile der Welt fürchten.
Der Autor Joby Warrick, Washington Post Journalist, hat mit großartiger Recherchearbeit Fakten und Hintergrundinformationen über die Entstehung sowie Entwicklung dieser Organisation zusammengetragen. Den Pulitzer-Preis hat er hiermit mehr als verdient.
Gleich zu Beginn findet man eine Auflistung der Hauptakteure, denen man während des Lesens immer wieder begegnet und die eine mehr oder weniger tragende Rolle einnehmen. Ebenso leistet eine grobe Übersichtskarte gute Dienste, wenn man sich genauer über die Ausbreitung bzw. Rückzugsgebiete informieren möchte. Das Buch selbst ist in drei Teile gegliedert, die wiederum einzelne Kapitel enthalten.
Der erste Teil beschäftigt sich zum Großteil mit Abu Mus’ab az-Zarqawi, seine Anfänge als Terrorist, seine Verbindung zu Osama bin Laden, seine Herkunft und seine Überzeugung für den Islam und gegen die Ungläubigen. Sein Wahn ist grenzenlos und macht vor nichts und niemandem Halt, vor allem seit sein Bekanntheitsgrad durch eine ziemliche Unbedachtheit enorm erhöht wurde. Hier wird auch deutlich, welche Schlüsselrolle die US-Regierung einnimmt, welch schwache Argumentation für den Irak-Krieg herhalten musste und wie dies wiederum der Entwicklung und Ausweitung des IS nützte.
Im zweiten Teil geht es hauptsächlich um den Irak-Krieg, diverse Fehlentscheidungen der USA und den Mahnungen des jordanischen Königs Abdullah II. Auch über die Ansichten der irakischen Bevölkerung, deren anfängliche Euphorie sowie die darauffolgende Resignation wurde sehr gut vermittelt. Dass dem IS es hiermit leichtfiel immer weitere Kämpfer zu rekrutieren, versteht sich beinahe von selbst. Diese Vereinigung stärkt in den jungen Menschen das Gefühl dazu zu gehören und jemand zu sein – man muss auf einander vertrauen und sich verlassen können. Auch wenn die Informationen oft nur verschleiert bis an die Basis transportiert werden, stehen die Terroristen zum Großteil hinter der Organisation. Bis sie merken, dass sie hinters Licht geführt wurden, ist es meist schon zu spät (z.B. bei den Anschlägen im Hotel, bei denen nicht Geheimdienstler sondern Zivilisten anwesend waren).
Zum Abschluss wird im dritten Abschnitt ein großer Teil aus Sicht der USA erzählt, über die Fehlschläge, die falschen Entscheidungen, von Rückschlägen und Erfolgen. Aus heutiger Sicht sind manche Dekrete unschlüssig, finden wir Fehler in diversen Schlussfolgerungen – doch ist man nicht immer am Ende schlauer als am Anfang …
Der Schreibstil des Autors lässt sich eher wie ein Thriller als ein Sachbuch lesen. Viele Abschnitte sind nicht für Zartbesaitete geeignet, findet man doch häufig Erläuterungen über die Gräueltaten der Terrororganisation.
Ein wichtiges Buch und absolut zu empfehlen.





