Jochanan Shelliem

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Alle Bücher von Jochanan Shelliem

Jochanan ShelliemAls Gefängnisarzt im Nürnberger Prozess
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Als Gefängnisarzt im Nürnberger Prozess
Als Gefängnisarzt im Nürnberger Prozess
 (2)
Erschienen am 02.10.2006
Jochanan ShelliemBegegnung mit einem Mörder
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Begegnung mit einem Mörder
Begegnung mit einem Mörder
 (1)
Erschienen am 16.09.2011
Jochanan ShelliemWeinen Sie nicht, die gehen nur baden!
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Weinen Sie nicht, die gehen nur baden!
Weinen Sie nicht, die gehen nur baden!
 (1)
Erschienen am 01.01.2005
Jochanan Shelliem'Im Namen des Volkes' – Hinter den Kulissen des Nürnberger Prozesses
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'Im Namen des Volkes' – Hinter den Kulissen des Nürnberger Prozesses

Neue Rezensionen zu Jochanan Shelliem

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Igelmanu66s avatar

Rezension zu "Weinen Sie nicht, die gehen nur baden!" von Jochanan Shelliem

Sehr intensives Tondokument
Igelmanu66vor einem Jahr

Und ich sagte meiner Frau (ich war mit Frau und drei Kindern, drei Töchterchen): „Tut nichts, Hauptsache, dass wir fünf zusammen sind. Und wir werden schon sehen, wie wir weiterkommen.“ Kaum sagte ich das, tritt schon ein anderer Soldat zwischen uns und sagte: „Männer nach rechts, Frauen nach links.“

 

Eigentlich sollte es dieses Tondokument überhaupt nicht geben. Die Tonbandaufnahmen, die die Aussagen der 359 Zeugen des ersten Ausschwitz-Prozesses festhielten, waren ursprünglich nur zur »Stützung des Gedächtnisses« während des Verfahrens gedacht. Nur einem Zufall ist es zu verdanken, dass sie nicht gelöscht wurden. 50 Jahre nach dem Prozess machte sich das Fritz-Bauer-Institut an die Aufbereitung der Bänder.

 

»Weinen Sie nicht, die gehen nur baden!« ist ein Zusammenschnitt einiger Aussagen, eingefasst von passenden Sachinfos. Vor allem die Zeugenaussagen Überlebender gehen an die Nieren, was man da hört, ist kaum zu ertragen.

Es ist das Wissen um die unglaublichen Grausamkeiten und Verbrechen, die das Zuhören schwermachen. Wenn da etwa ein Mann schildert, wie er – frisch angekommen und noch nicht begreifend, was auf ihn zukommen wird – besorgt darauf hinweist, dass er zwei kleine Zwillingstöchter hat, die besonderer Fürsorge bedürfen und er daraufhin die Anweisung bekommt, dies dem anwesenden Arzt zu berichten, der niemand anders ist als Dr. Mengele, dann brauche ich eine Pause, es geht nicht mehr anders.

Es ist nicht nur das, was gesagt wird. Es ist die Art, wie es geschieht. Und auch das, was nicht gesagt wird, setzt einem zu, weiß man doch, was geschehen ist.

 

Deutlich erkennbar wird auch, wie der Prozess das Leben der daran Beteiligten verändert hat. Wenn man hört, wie der Vorsitzende sein Schlusswort unterbrechen muss, wie sein Stimme bricht, dann ahnt man, dass er im Anschluss nicht nach Hause fahren und weiterleben konnte, wie zuvor.

 

Fazit: Sehr intensives Tondokument. Geht an die Nieren, sollte man sich im Kampf gegen das Vergessen aber antun.

Kommentare: 6
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Sokratess avatar

Rezension zu "Begegnung mit einem Mörder" von Jochanan Shelliem

Rezension zu "Begegnung mit einem Mörder" von Jochanan Shelliem
Sokratesvor 7 Jahren

Es gibt wenige (Sach-)Hörbuchproduktionen, die Sachthemen historisch exakt vermitteln. In abgetrennten Blöcken wird die Geschichte um Eichmann erzählt. Zunächst seine Einbindung in das NS-System; dann - nach 1945 - seine Flucht nach Argentinien, von wo aus er mit einer Hand voll Altnazis eine ideologische und politische "Rückeroberung" Deutschlands starten will. Dabei entstehen Tondokumente und Schriftstücke, die später - stückchenweise - nach Deutschland gelangen und dort schließlich mit zur Ergreifung (und Aufbau der Anklage gegen Eichmann) durch den Mossad führen. Lang widmet sich der Autor des Feature den Verhörprotokollen durch die Israelis. Zu hören, wie sich Eichmann in der intelligenten Verhörweise verstrickt, ist erschütternd; wie er seine Mitwisserschaft und aktive Teilnahme leugnet, wie er sich als bloßen Vollstrecker, aber eben nicht als Ideologen der Nazis darzustellen versucht - und sich doch im Laufe des eigenen Verhörs ad absurdum führt. Hinzutreten die aus den argentinischen Exil gesammelten Schrift- und Tondokumente, die Eichmann der Lüge bezichtigen und stattdessen klar das Bild entstehen lassen, wonach Eichmann sehr wohl ideologisch klar den Nazis verpflichtet war und sogar aus eigenem ideologischen Antrieb Tötungsverfahren anordnete, durchorganisierte, Schießbefehle ausgab. Erst nach dem Krieg, bei den Israelis, denkt er doch tatsächlich, durch Leugnen sich aus der Schlinge lösen zu können, die sich sachte um seinen Hals zu legen beginnt, als der Prozess in Gang kommt. -- Zuletzt nimmt das Feature den eigentlichen Prozess und die vielen (sehr erschreckenden und erschütternden) Zeugenaussagen von überlebenden KZ-Häftlingen in den Focus, verbunden mit Eichmanns Aussagen hierzu im Prozess.
Das Feature berücksichtigt den aktuellen Forschungsstand; eine aktuell an den weit verstreuten und unsortierten Unterlagen forschenden Historikern wird immer wieder in das Feature eingebunden, bringt einen objektiven Blick und weitere Fakten in die Handlung. Sehr gut gemacht, unglaublich informativ und neben Hannah Arendts Die Banalität des Bösen eine sehr gute - anspruchsvolle - Einführung in dieses makabre und erschütternde Thema.

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