Jochen Füseler

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Zirkusluft: Eine Impossible Crime Mystery

Zirkusluft: Eine Impossible Crime Mystery

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Erschienen am 24.08.2017

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Rezension zu "Zirkusluft: Eine Impossible Crime Mystery" von Jochen Füseler

Unmöglicher Mord im Zirkus
TheRavenkingvor einem Jahr

War es ein Unfall oder war es ein kaltblütig geplanter Mord? Diese Frage beschäftigt den ehemaligen Zirkusdirektor Samuel Zardoni für den Rest seines Lebens. Vor zehn Jahren war der Hochseilartist Michael Symmons vor Hunderten von Zeugen in den Tod gestürzt, und die Umstände, die zu dem Absturz führten, konnten nie geklärt werden. Nun ist Zardoni tot, und zur Testamentseröffnung finden sich die Erbberechtigten in seinem Anwesen ein. Bevor die Hinterlassenschaft jedoch verteilt werden kann, haben – so lautet das Testament – die Anwesenden das Rätsel um den Tod des Seiltänzers zu lösen. Und so machen sich der Testamentsvollstrecker Mortimer Johnson, die Witwe Maria Zardoni und die ehemaligen Zirkusangestellten auf eine nervenaufreibende Suche, die im Verlauf eines Tages so manche unerwartete Wendung nimmt…

Ein unmöglicher Mord im Zirkusmilieu, verfasst von einem deutschen Autor. Na, wenn das kein Grund zum Jubilieren ist! Vollkommen durch Zufall stieß ich auf dieses Buch nachdem mir der Name Jochen Füseler durch den Beitrag in einer Kriminalanthologie aufgefallen war. Aber handelt es sich hierbei nur um „Fanfiction“ eines Krimiliebhabers oder taugt das Buch tatsächlich etwas?

In der über 175-jährigen Geschichte der Kriminalliteratur ist Zirkusluft vermutlich die erste „Impossible-Crime-Mystery“, die von einem deutschsprachigen Autor verfasst wurde. – will uns der Klappentext weismachen.

Nun meines bescheidenen Wissens nach veröffentlichte der deutsche Autor Ludwig Rubiner bereits 1910 mit „Die indischen Opale“ eine frühe deutschsprachige Locked-Room-Mystery.

Erstaunlicherweise war 2017 relativ reich an Locked-Room-Mysteries deutschsprachiger Autoren. Tatsächlich ist Zirkusluft (nach Stefan Lehnbergs „Durch Nacht und Wind und Rob Reefs „Ein unmöglicher Mord“) bereits der dritte deutschsprachige Kriminalroman über ein unmögliches Verbrechen, das ich dieses Jahr gelesen habe.

James Merriweather, ehemaliger Manager des Zirkus Zardoni nimmt an der Testamentseröffnung des verstorbenen Zirkusdirektors Samuel Zardoni teil. Diese findet auf dem Anwesen der Familie Zardoni statt; dort haben sich auch weitere Kollegen aus dem Zirkusmilieu wie der Clown „Chico“ oder der Messerwerfer „Western Jack“ eingefunden. Ihnen allen wird ein Anteil an der Erbschaft in Aussicht gestellt, aber nur, wenn es ihnen gelingt entweder eindeutig zu beweisen, dass der Tod des Seiltänzers Michael Symmons vor zehn Jahren ein Unfall war oder aber im Falle eines Verbrechens den Mörder zu finden. Dazu bleibt ihnen nur ein Tag Zeit. Also wird die Vergangenheit aufgerollt, jeder wird befragt und erzählt seine Version der Ereignisse von jenem schicksalhaften Tag. Falls Symmonds getötet wurde, wie ging der Täter dann zu Werke? Schließlich starb er während einer Vorstellung wo es in der Arena vor Menschen nur so wimmelte. Es scheint ein geradezu unmögliches Verbrechen zu sein. Nach und nach werden verschiedene Theorien aufgeworfen und geprüft, aber zunächst schafft es keine von ihnen zu überzeugen.

Der Plot klingt wie aus einem Roman von Agatha Christie. Die Queen Of Crime liebte dieses Konzept, wenn Verbrechen der Vergangenheit ihre Schatten bis in die Gegenwart werfen. "Das Unvollendete Bildnis", "Tödlicher Irrtum" oder "Elefanten vergessen nicht" sind nur einige Beispiele. Aber Christie war natürlich eine der größten Unterhaltungsautorinnen des vergangenen Jahrhunderts. Das lag aber neben ihren clever konzipierten Geschichten auch an ihrer Fähigkeit Figuren zu schaffen, die dem Leser im Gedächtnis blieben. Bei Christie kann man die handelnden Personen in der Regel sehr gut auseinanderhalten. Sie hatte es nie nötig ihren Romanen eine Liste der Figuren voranzustellen, wie es auch bei Zirkusluft der Fall ist.

Nun gehören die genannten Bücher sicher nicht zu Christies Meisterwerken. Und tatsächlich ist es gar nicht so einfach einen Kriminalfall aus der Vergangenheit spannend zu gestalten. Da es dem Detektiv nicht mehr möglich ist konkrete Spuren am Tatort zu finden, muss er sich auf Berichte aus zweiter Hand verlassen. Das bedeutet oftmals langwierige Gespräche mit Zeugen und Verdächtigen.

Auch in Zirkusluft wird viel geredet; und nicht immer ist der Unterhaltungswert des Gesagten hoch genug, um den Leser bei der Stange zu halten. Aber kommen wir zunächst auf einen anderen Aspekt der Handlung zu sprechen:

Der zweite Name, der sich neben Christie als Vergleich aufdrängt ist natürlich John Dickson Carr, aber selbst der unbestrittene Meister des „Locked-Room-Mystery“ hat nicht ausschließlich Meisterwerke auf diesem Gebiet verfasst. Über die Tücken dieser Unterart des Rätselkrimis wurde schon viel berichtet. Gegenwärtig ist es der Franzose Paul Halter, dessen Bücher noch nicht die Übertragung ins Deutsche geschafft haben, der sich an immer neuen Variationen des Themas „Unmögliches Verbrechen“ versucht. Und auch in Fernost, vor allem in Japan, wird fleißig dem Entwerfen von Kriminalpuzzeln gefrönt. Konkurrenz ist also reichlich vorhanden. Ergo: Wenn man keine durchschlagende, super-überzeugende Idee hat, lohnt es sich gar nicht seinen Hut in den Ring zu werfen. Jochen Füseler gebührt Respekt dafür, dass er dies doch getan hat.  Dass Zirkusluft manchmal etwas holprig und langatmig daherkommt, ließe sich deshalb verschmerzen. Bereits die einleitende Beschreibung des Anwesens der Zardoni Familie, wo die Handlung spielt, nimmt etliche Seiten in Anspruch.

Patricia Highsmith spricht in ihrem Buch „Suspense“ darüber wie es ein fähiger Autor schafft mit nur wenigen Pinselstrichen einen Schauplatz zu skizzieren. Es ist gar nicht notwendig sich in seitenlangen Beschreibungen der Inneneinrichtung zu ergehen wie es Jochen Füseler hier tut. Umso mehr, da wir es nicht mit einem verwunschenen Schloss zu tun haben, sondern trotz der gegenteiligen Beteuerung des Erzählers doch mit einem recht gewöhnlichen Gemäuer.

Ein strenger Lektor hätte den Umfang des Buches locker um die Hälfte reduzieren können und dann wäre vielleicht eine unterhaltsame Kriminalnovelle zustande gekommen. So gab es für meinen Geschmack zu viel Leerlauf.

Die Auflösung selbst ist … okay. Ich bin mir nicht sicher, um die hier beschriebene Methode ausreichen würde, um jemanden in den Tod zu treiben, aber wir wollen ein wenig dichterische Freiheit akzeptieren.

In Zirkusluft steckt sicher viel Leidenschaft und Herzblut, aber ich fürchte, das Buch dürfte Probleme haben über die „Impossible-Crime“-Nische hinweg Interesse zu wecken, dazu sind Figuren und Schreibstil letztendlich zu herkömmlich. Trotzdem, wer die üblichen deutschen Regionalkrimis und das enervierende sozialkritische Gesülze hiesiger Thrillerautoren satt hat, der kann ruhig mal einen Blick riskieren.

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