Der Roman erzählt die Geschichte aus der Perspektive von Daniel Mersmann, einem promovierenden Chemiker, der sich im Labor wohler fühlt als im Gespräch mit anderen Menschen. Seine Lebensgefährtin Kristina, jüngstes Kind einer alteingesessenen württembergischen Winzerfamilie, ist sein Gegenpol: emotional, sprachlich begabt, geerdet im Familienbetrieb.
Nach dem tragischen Unfalltod von Mutter und Bruder, während der Vater im Koma liegt, muss Kristina unvermittelt den Hof übernehmen. Mit Unterstützung des ehemaligen Kellermeisters Frank gelingt ihr das erstaunlich gut. Während sie den Verkauf organisiert, kümmern sich Daniel und Frank um die Produktion. Doch über die Zeit entfremden sich Daniel und Kristina zunehmend – ein Spannungsbogen, der das Buch trägt, auch wenn die Distanz zwischen beiden stellenweise etwas konstruiert wirkt.
Die Handlung gewinnt an Fahrt durch eine Reihe kleiner und größerer Katastrophen: eine Tante und ein Cousin, die ein undurchsichtiges Spiel spielen, eine Mitarbeiterin mit eigenen Problemen und schließlich ein Komplott, das Kristina direkt trifft. Hinzu kommen Werte wie Familie, Tradition und Ehre, die den Ton der Geschichte prägen. Besonders eindringlich ist der Vater als patriarchale Figur, der zusammen mit seiner Schwester dubiose Finanzierungswege beschreitet, um den Hof vor dem Untergang zu bewahren.
Der Roman ist insgesamt flott erzählt und vermeidet lange Durststrecken. Spannend ist nicht nur die Familiengeschichte, sondern auch das fundierte Wissen über die Weinproduktion. Leserinnen und Leser erhalten faszinierende Einblicke in den Weinkeller und in die Arbeit, die hinter einer Flasche Wein steckt – ein Mehrwert, der die Lektüre besonders macht.
Fazit: Eine mitreißende Mischung aus Familiendrama, Intrige und Fachkenntnis, die mit Tempo erzählt wird. Kleine Schwächen in der Figurenentwicklung mindern den Gesamteindruck kaum – das Buch überzeugt durch Atmosphäre, Themenvielfalt und seinen besonderen Blick auf die Welt des Weins.
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