Jochen Krautz

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Ware Bildung

Ware Bildung

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Erschienen am 08.08.2007

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Rezension zu "Ware Bildung" von Jochen Krautz

Rezension zu "Ware Bildung" von Jochen Krautz
Elisabeth87vor 8 Jahren

In Jochen Krautzs Buch wird über die Bildung unter dem Gesichtspunkt der Ware diskutiert. Es ist allgemein bekannt, dass sowohl Lehrer als auch Schüler unter der ausufernden „Testeritis“ zu leiden haben. Eltern werden nervös, da sie sich Sorgen machen, ob ihre Kinder dem wachsenden Konkurrenzdruck standhalten können. Wer nicht in der Lage ist Nachhilfeunterricht für sein Kind zu bezahlen hat eben Pech gehabt.

Schulen und Hochschulen geraten immer mehr unter den Druck ökonomischen Denkens, effizienzorientierten Schulmanagements mit direkter Einflussnahme von den mächtigen Konzernen. Dies wird im Buch von Jochen Krautz auf verschiedene Arten deutlich gezeigt. Dieses sehr interessant zu lesende Buch bezieht klar Position für die Bildung, die Unabhängigkeit und die Kritikfähigkeit, welche Menschlichkeit und Verantwortung stärkt.

Nach Erklärung der Bildung im humboldtischen Sinne, der zeigt, wozu Bildung eigentlich gedacht ist, fasst Krautz zunächst das Elend aus 30 Jahren Bildungsreform zusammen und fordert: „Schluss mit Reformen“. Statt immer wieder neue unsinnige Reformen zu entwickeln, die die Lehrer von ihrer eigentlichen Arbeit abhalten, plädiert er für die Konzentration auf den Kern des pädagogischen Geschehens.

Weiters nimmt Krautz die „Schlagworte und Blindgänger der Bildungsökonomie“ unter die Lupe. Nicht nur der Pisa-Wahn wird erklärt sondern auch die überall zu hörenden Schlagworte wie "lebenslanges Lernen", "Kompetenzen", "Bildungsstandards" und "Qualitätsentwicklung" bis zu "Humankapital", "Output-Orientierung" und "Autonomie" werden klar als Instrumente eines ökonomistisch verengten Bildungsbegriffs analysiert.

Anhand reichlicher, anschaulicher und gut nachvollziehbarer Beispiele aus der Praxis zeigt Krautz klar auf, das statt der wichtigen Persönlichkeitsbildung eine Ökonomisierung des Geistes droht. Bildung wird nicht nur materiell zur Handelsware beziehungsweise zur Dienstleistung, sondern das Denken und Fühlen der Schüler und Studenten wird auf Effizienz, Konkurrenz und ein Mitschwimmen ohne Hinterfragen als flexibler, „kompetenter“ und natürlich „kreativer“ Arbeitsnehmenr in globalisierten Konzernen ausgerichtet. Dass und wie von WTO bis Bertelsmann internationale Wirtschaftsorganisationen und Konzerne letztlich unsere Bildungsdebatte bestimmen, ist höchst aufschlussreich.

Und es macht Studenten; Eltern, Lehrern, Schülern und Professoren Mut sich nicht verrückt machen zu lassen. Es fordert auf selbst zu denken und nicht jeden Quatsch mitzumachen und zu hinterfragen. Es stellt außerdem die wichtige Frage, wie wir unsere demokratische Selbstbestimmung über das Bildungswesen behalten können, welche von Politikern aller Parteien an den Meistbietenden verkauft wird.

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