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Jochenrack

vor 2 Jahren

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Reigen der Liebe

Ob jung oder alt, Single oder verheiratet – alle streben nach Glück, und das traute Heim gilt vielen als der richtige Ort dafür. Aber die Umstände sind nicht immer so, dass man Glück allein findet. Viele erlangen, wenn es gut geht, nur das Glück des Alleinseins. Doch hin und wieder gelingt es auch, das Glück zu zweit. Und manchmal ist die Liebe stärker als der Tod ...

Hallo, liebe Leserinnen, hier startet meine erste Leserunde überhaupt bei lovelyBooks zu meinem zweiten Roman "Glück allein. Roman in zehn Liebesgeschichten" (Ars VivendI).

Zehn Geschichten um die Liebe, die alle miteinander zusammenhängen!

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mitmacht und möchte mich als Autor aktiv beteiligen.

Das Buch ist gerade erst erschienen, ich hatte bisher zwei Lesungen.  

Und es gibt schon ein Urteil eines bekannten Literaturwissenschaftlers, der mein Skript in den Händen hatte:

»Jochen Rack entwickelt in seinen Liebes- und Ehegeschichten einen gelassenen Realismus der gegenwärtigen Stimmungen. Man liest das gerne, mit einer Menge Identifikations-Potenzial, unangestrengt, aber auch nie gelangweilt.«
Hans Ulrich Gumbrecht

Hier nochmal eine Skizze des Buches:  

Larissa, 14, erlebt die ersten Regungen des Herzens mit Shakespeare und Rihanna, der jüdische Philosoph Georg Wertheim bleibt seiner Frau treu bis zum bitteren Ende, Kirsten und Martin, zwei Patienten einer Schönheitsklinik, verlieben sich ineinander – und auch ein Hund kann eine irrtümlich geschlossene Ehe nicht retten …
Ein raffinierter Episodenroman, der in kunstvoll verbundenen Geschichten über tragische und komische Begebenheiten der Liebe in Zeiten von künstlicher Befruchtung, Internetdating und Viagra, über ihre Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, über Formen der Zuneigung und der Distanz, über enttäuschte Erwartungen und ersehnte Nähe zwischen Partnern, Eltern und Kindern erzählt.
Heiter, ironisch, melancholisch – und berührend.

Kurzbiografie:
Jochen Rack, geboren 1963, lebt als freier Autor, Kritiker, ARD-Hörfunkjournalist und Mitarbeiter der Redaktion »Kulturkritik« des Bayerischen Rundfunks in München. Er schrieb für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften. 2010 erschien sein Romandebüt Menschliches Versagen bei ars vivendi.

Autor: Jochen Rack
Buch: Glück allein

Jochenrack

vor 2 Jahren

Glück allein

Jetzt geht´s los, die neue Leserunde ist eröffnet. Bitte bewerben!

Jochenrack

vor 2 Jahren

Glück allein

Hier ein Ausschnitt aus dem Roman, die dritte Geschichte, in deren Mittelpunkt Larissa steht, von deren Eltern in der zweiten Geschichte "Trautes Heim" erzählt wird, ihre Großeltern sind die Hauptfiguren in der ersten Geschichte "Gemeinsam gehen" - und in der 4. Geschichte steht dann Larissa Onkel Martin im Mittelpunkt - alle 10 Erzählungen sind auf diese Weise miteinander verknüpft.

"Only Girl"

Sie bewunderte Ben, wie er morgens mit seinem Skateboard vor der
Schule ankam, mit einem Kickflip über den Bordstein sprang und
dann, das Brett unter den Arm geklemmt, lässig ins Klassenzimmer
schlenderte. Seine Baseballkappe trug er verkehrt herum auf dem Kopf,
dazu Baggy-Jeans und ein gelbes Kapuzenshirt. Anders als die meisten
ihrer Mitschüler, die die ganze Zeit nur kifften oder vor ihren Spielekonsolen
hingen, hatte Ben Charakter und kriegte regelmäßig gute
Noten. Englisch war sein Lieblingsfach und natürlich Kunst. Das Malen
hatte er mit der Spraydose gelernt, überall in der Stadt fand man
seine Bilder, und auf Facebook hatte er Fotos gepostet, auf denen man
sehen konnte, wie er die hässlichen Betonmauern vor dem Gymnasium
verschönerte. Larissa gab ihm einen gestreckten Daumen: Gefällt mir!
Manchmal nahm Ben sie zum Sprayen mit, Larissas Eltern durften
es nicht erfahren, denn die waren mit Bens Eltern verfeindet und
hatten ihr verboten, sich mit ihrem Sohn zu treffen, obwohl die beiden
Familien früher einmal ganz dick miteinander befreundet gewesen
waren. Ständig hatte es wechselseitige Einladungen gegeben, gemeinsames
Kaffeetrinken, Babysitten, Grillfeste. Larissa hatte mit Ben im
selben Sandkasten gespielt, auch in der Schule waren sie noch eine
verschworene Bande, fast wie Geschwister.
Aber jetzt hatte Ben bei Familie Steingart Hausverbot, weil die
Polizei sie zusammen beim Sprayen erwischt hatte.
In die Bahnunterführung, die das Wohnviertel von der Stadt
trennte, hatten sie zwei Monster gesprüht, die mit gefletschten Zähnen
aufeinander losgingen, und ihre Eltern verstanden gar nicht, dass
sie damit selbst gemeint waren, sie stänkerten nur gegen die »Schmierereien
« und verboten ihr den Umgang mit Ben.
Wenn sie sich trotzdem sehen wollten, musste er nachts über die Gartenmauer steigen, durch einen Spalt in der Hecke schlüpfen und sich an ihr Fenster schleichen, ein bisschen wie in Romeo und Julia.
Das Stück nahmen sie gerade in Englisch durch, und wenn Larissa
nachts im Bett lag und an Ben dachte, klopfte ihr Herz.
Nur ihrer besten Freundin erzählte sie es: »Mensch Butterfly, ich
glaub, ich bin verknallt.«
Und Butterfly: »Ist doch cool. In wen denn?«
Und als sie »Ben« hörte: »Oh Shit, das gibt Stress!«
Die ganze Geschichte hatte vor ungefähr einem halben Jahr angefangen,
als sie mit Ben zu einem Trainbombing loszog; quer über die
Bahngleise pirschten sie sich an einen S-Bahn-Waggon heran, und
Ben sprühte zwei Herzen auf eine Tür, die sich trennten, wenn sie
aufging, und wieder zusammenfanden, wenn sie sich schloss. Darüber
ein neonroter Kussmund und Bens Tag: BS.
In derselben Nacht hatte sie einen seltsamen Traum gehabt,
schwarz-weiß, wie ein Video mit schnellen Schnitten: Sie fuhr mit
Ben auf einem Skateboard, alle Tricks gelangen ihnen mühelos zu
zweit, und einmal, als sie gerade miteinander in der Luft hingen,
wandte sich Ben zu ihr um und gab ihr einen Kuss.
Sie fühlte sich seltsam, als sie morgens aufwachte, und schickte
Ben eine SMS: Hey Ben, das war ne saucoole Aktion gestern. Ich
fand dich voll zum Knutschen.
Und er simste zurück: Hallo Babe, du warst echt hammercool.
Und so was von hübsch mit deinem neuen Look!
Sie hatte sich nämlich vor ein paar Tagen die Haare pink gefärbt und
eine schräge Tolle im 50ies-Style schneiden lassen, was natürlich ihren
Eltern gar nicht gefiel.
Die Schmetterlinge in ihrem Bauch schlugen heftig mit den Flügeln.
Im Englischunterricht ging es um verbotene Liebe, und sie staunte
über den guten alten Shakespeare, der zum Teil schweinischer war als
Rihanna.
I want you to love me like I’m a hot ride.
O Romeo, wäre sie doch ein offener Arsch und du eine Birne aus
Flandern!
Noch am selben Tag schrieb sie Ben eine Mail: Komm, Nacht!
Komm, Ben, du Tag in der Nacht!
Und er begriff die Anspielung sofort und schickte ihr ein Bild von
einem Girl mit Sternenaugen.
Oh wie sie die Hand auf die Wange lehnt!
Wie gesagt: Ben hatte Charakter!
Sie mailten sich jeden Tag, und Larissa hoffte, dass ihr Traum endlich
wahr würde, doch die Gelegenheit ließ auf sich warten.
Einmal, als Ben nachts bei ihr am Fenster stand und sich ihre Gesichter
schon so nah gekommen waren, dass sie seinen Kaugummi-
Atem riechen konnte, erschien plötzlich Papa auf der Bühne:
»Larissa, warum schläfst du nicht? Wieso reißt du dein Fenster so
weit auf?«
Abgang Ben, der gerade noch rechtzeitig eine Fliege machte, bevor
ihn ihr Vater entdeckte.
Am Tag darauf stellte ihre Mutter sie zur Rede:
»Sag mal, hängst du wieder mit Benjamin rum? Läuft da was zwischen
euch?«
Larissa:
»Wie kommst du darauf?«
Mama:
»Weil ich eine E-Mail von ihm gelesen habe.«
Larissa (ungläubig):
»Was, du hast meine E-Mails gelesen! Spinnst du?«
Mama (spitz):
»Hallo, Fräulein, wie redest du mit mir!«
Larissa (wütend):
»Meine E-Mails gehen dich gar nichts an! Schon mal was vom
Briefgeheimnis gehört?«
Mama (uneinsichtig):
»Ich bin zufällig drauf gestoßen, als ich an deinem Computer die
Sicherheitseinstellungen überprüft habe.
Larissa (mit rotem Kopf ):
»Du hast was?!«
Mama (unbeeindruckt):
»Ich habe die Security gecheckt. Glaubst du, mir ist es egal, ob du
dich in jugendgefährdenden Chats herumtreibst? Du bist erst dreizehn.
Machst du mit Benjamin irgendwelche krummen Sachen? Was
soll das heißen, ihr habt ein Piece gerockt? Hat das was mit Drogen
zu tun?«
Larissa schüttelte die Hand vor ihrem Gesicht – Balla balla! –, lief
aus dem Zimmer, knallte die Tür hinter sich zu und konnte es nicht
fassen: Mom hatte Bens süße Mails gelesen!
Und rechtfertigte das damit, dass sie sich Sorgen machte wegen
Drogen!
Abends hörte sie Rihanna im Bett und simste Ben: Stress mit
Mom. Family sucks. 
Und Ben: Ein Foto von ihrem Hearts-Piece. 
Und Larissa:
Die Herzen waren knallrot und pulsten ganz heftig.
Sie stand noch mal auf, trat ans Fenster und konnte über die Thujenhecke
hinweg Licht in Bens Zimmer sehen.
Es war eine schöne Sommernacht, und die Glühwürmchen blinkten
zwischen den Büschen. Yellow diamonds in the night.
Plötzlich erschien Ben am Fenster und hob die Hand.
And we are standing side by side
as your shadow crosses mine.
Sie winkte zurück und fühlte sich schwindlig: Komm, Nacht,
komm, Ben!
Aber sie mussten höllisch aufpassen, denn ihre Mutter dachte,
sie sei auf Droge, und machte Ben dafür verantwortlich, dabei hatte
sie mit Drogen überhaupt nichts im Sinn. Vom Kiffen wurde ihr
schlecht, und die Typen, die regelmäßig rauchten, waren alle Banane.
Ach Ben!
Sie traf ihn zufällig, als sie mit Butterfly im Freibad war, er ging
mit ihr zusammen auf die Rutsche, obwohl man das eigentlich nicht
durfte, aber Ben sauste ihr einfach hinterher, holte sie ein, hielt sie
fest, und so schossen sie gemeinsam durch die Röhre und ließen sich
auch im Wasser nicht mehr los.
Schlimm war es, als dann die Pfingstferien kamen und sie Ben zwei
Wochen nicht sehen konnte, weil er mit seinen Eltern nach Italien fuhr.
Sie konnte ihm nur hinterhersimsen. Ben antwortete auch am ersten
und zweiten Tag, aber dann kam gar nichts mehr, drei Tage lang
war ihr Handy tot.
Nur Butterfly, die mit ihren Eltern nach Miami geflogen war, zirpte
über den großen Teich:
- Hey Larissa, alles cool hier. Bei dir auch?
- Nee Shit, Ben ist abgetaucht.
Sie dachte: Jetzt ist er in Verona, hat dort vielleicht eine Julia kennengelernt,
und der Gedanke verwandelte die Schmetterlinge in ihrem
Bauch in Würmer.
Sie konnte an nichts anderes mehr denken, fühlte sich verlassen
und hatte keine Lust, ihre Klassenkameradinnen zu treffen, um Heidi
Klums Castingshow anzuschauen und dann darüber zu quatschen,
wen sie denn nun süßer, schärfer, sexier fanden: Kim, Tatjana oder
Mandy?
Hallo, hallo, wer soll es denn nun ins Finale schaffen?
Wer hat den geileren Arsch?
Wer kann besser shooten, tuuten, shoppen und poppen?
Schon lustig, wie sich Menschen vor laufender Kamera zum Affen
machten.
Gegen das Schminken und tolle Klamotten hatte sie an sich nichts,
das Stylen machte ihr Spaß, man musste es nur richtig angehen: Jeansjacke,
Tank-Shirt mit Love-Sucks-Aufdruck oder Totenkopf-Motiv,
Leggins (ne abgeschnittene Strumpfhose), Turnschuhe, Strickmütze,
knallbunte Ohrringe, ne Neontasche – es gab so viele geile Outfits!
Die meisten ihrer Sachen kaufte sie im Netz – künstliche Wimpern,
Nägel, Lidschatten –, aber ihre Mutter hätte ihr das Schminken
am liebsten verboten, die kapierte es nicht, weil sie selber weder auf
Kleidung noch auf ihre Figur achtete.
Shit, das waren jetzt also ihre Ferien: Krieg zwischen Mom und Dad.
Ben und Julia in Italien. Butterfly weggeflattert: Vielen Dank auch!
Einmal rief sie Onkel Martin in München an, der war ein komischer
Kauz, aber irgendwie auch süß.
Sie erzählte ihm von Ben, und ihr Onkel sagte: »Liebe ist wie eine
Sucht, da sind dieselben Botenstoffe im Spiel. Sehnsucht ist eine Art
Entzugserscheinung.«
So gesehen war sie also doch auf Droge.
So oft sie konnte, haute sie von zu Hause ab und schlich sich zu
dem Piece, das Ben auf den Zug gesprayt hatte.
Aber die Bahn hatte mit der Reinigung begonnen; ein Putztrupp
schrubbte mit Lösungsmittel an der Tür herum und entfernte die
Herzen. Wenn Ben das sähe, würde er austicken.
Wo war er? Warum simste er nicht?
Sie schaute sich immer wieder die Videos an, die er auf YouTube
hochgeladen hatte: Handy-Aufnahmen, wie er skatete – Kickflip,
Pressure Flip, Impossible, 180 Grad –, oder Filme von seinen Sprayaktionen:
Kapuze überm Kopf, Atemmaske, links und rechts eine
Dose in der Hand, bunter Nebel vorm Gesicht.
Und sie hörte die Musik, die er vor seiner Abreise noch auf ihren
I-Pod kopiert hatte. Eminem. Katy Perry.
Auf YouTube gab es ein Video von Rihanna, wie sie mit einem
sexy Typen knutschte und auf einer Halfpipe boardete, sie warfen Pillen
ein, und ihre Augen wurden groß, dann poppten sie, aber das sah
man nicht mehr …
We found love in a hopeless place.
Ihre Mutter schaute ins Zimmer und meckerte: »Nimm doch mal
deine verdammten Stöpsel aus den Ohren!«
Endlich kam ne Message von Ben: Meine Alten gehen mir voll auf
den Senkel. Bin in nem Funkloch, fuck! Handy streikt.
Sie: I kiss you.
Aber sie wusste nicht, ob ihn ihre SMS überhaupt erreichte.
Die Würmer in ihrem Bauch nagten.
Die Waage zeigte drei Kilo minus.
»Mach nur so weiter, dann bist du auch bald magersüchtig.«
(O-Ton Mama.)
Die beschissensten Ferien aller Zeiten.
Als endlich wieder die Schule anfing, hatte sie fünf Kilo abgenommen.
Jetzt hätte sie sich auch bei GNTM bewerben können.
Butterfly staunte: »Wow, du bist ja bloß noch ein Strich in der
Landschaft!«
Ben kam wie immer mit einem Kickflip über den Bordstein.
Küsschen hier, Küsschen da, das war’s.
So als wäre überhaupt nichts zwischen ihnen gewesen.
Er seilte sich mit ein paar Kumpels ab, und als sie ihn fragte: »Wie
wär’s mit ner gemeinsamen Action?«, behauptete er, pauken zu müssen
für die nächste Schulaufgabe: Dramenanalyse.
In der Woche vor ihrem 14. Geburtstag kriegte sie mit, wie er Butterfly,
die in der Bankreihe rechts von ihm saß, eine SMS schickte; das
heißt, sie sah es nicht direkt, er tippte unter der Bank in sein Handy,
und im nächsten Moment fummelte auch Butterfly an ihrem Telefon
herum, las eine Nachricht und schielte zu Ben hinüber.
Lief da etwa was zwischen den beiden?
Der Gedanke war wie ein Stich ins Herz. Wie Gift im Kopf.
Den ganzen Tag war sie krank vor Eifersucht, legte sich nach der
Schule gleich ins Bett, zog die Decke übern Kopf, I-Pod an, volle
Dröhnung:
It’s the way I’m feeling
I just can’t deny
But I’ve gotta let it go.
Nachts träumte sie, dass Butterfly mit Ben auf der Halfpipe boardete,
und sie machten ganz tolle Tricks: Kickflip, Shove it, Impossible.
Als sie aufwachte, war ihr schlecht.
Schon möglich, dass Ben auf Butterfly stand.
Die hatte jetzt so eine geile Pilzkopf-Frisur, passend zur Farbe ih53
rer blauen Augen, sah damit unglaublich schön aus, während sie sich
selbst mit ihrer 50ies-Tolle irgendwie nicht mehr sehen konnte, vor
allem, weil die Farbe rausgewachsen war. Außerdem hatte sie Pickel
und dunkle Augenringe. Das kam vom Heulen.
Am nächsten Tag musste sie es wissen.
Sie passte einen Moment im Sportunterricht ab, entschuldigte
sich: »Ich muss mal aufs Klo«, wühlte in der Umkleide Butterflys
Handy heraus und checkte ihre Nachrichten:
- Hey Ben, wann sehen wir uns? Bei dir oder bei mir?
Ben: Bei mir 17 Uhr?
- Ok, cool.
Das haute sie um. Mit zitternden Händen legte sie das Telefon in
Butterflys Schultasche zurück, wollte nicht mehr in den Unterricht,
sagte der Lehrerin: »Ich habe Bauchweh« – das war nicht einmal eine
Lüge –, »ich kriege meine Regel«, das galt als Entschuldigung, und sie
durfte nach Hause gehen.
Butterfly warf ihr noch einen besorgten Blick zu, die heuchlerische
Bitch: Alles okay?
Aber Larissa verdrückte sich, bevor sie etwas fragen konnte.
An ihrem Geburtstag hatte ihre Mutter einen Kuchen für sie gebacken:
14 Kerzen auf einem Gugelhupf, die sie ausblasen sollte. Sogar
ihr Vater war morgens noch da und gratulierte ganz lieb: »Alles Gute,
meine Süße!«
Umarmung, schmatz, schmatz.
Das war ihr peinlich. Gleichzeitig hätte sie am liebsten geheult.
Gregor hatte ihr ein Bild gemalt: eine Prinzessin mit einem Prinzen.
Echt sweet.
Sie schminkte sich mit dem neuen Eyeliner, den ihr Mama geschenkt
hatte, und ging mit nem Skatershirt in die Schule.
Kein Ben weit und breit.
Keine Butterfly nirgends.
Als hätten sich die beiden vor ihr versteckt.
Der Unterricht lief voll an ihr vorbei.
In der letzten Stunde kam eine SMS an, zirp, zirp, ihr Handy
rutschte über den Tisch, rieb die Flügel wie eine Grille:
Ben: Bitte komm 15 Uhr zu unserem Spot. Überraschung!
Sie las es und überlegte lange, ob sie antworten sollte, dann simste
sie zurück: Okay.
Schon von Weitem hörte sie Musik, als sie zu der Unterführung kam,
Bens Gettoblaster dröhnte: Only Girl.
Dann sah sie, dass Ben ein neues Piece gesprayt hatte.
»Für dich, Babe.«
Ein Granatapfelbaum, in dem eine Nachtigall saß.
Das Mädchen mit den neonroten Haaren und den Sternenaugen
sollte sie selbst sein, und das daneben war Ben: Selbstporträt des
Künstlers mit Dose. Zwischen ihnen funkten die Herzen wie in einem
irren Feuerwerk, Ben hatte auch neue Buchstaben entwickelt,
und die Farben waren greller, geiler denn je.
Butterfly filmte mit dem Handy ihr dummes Gesicht, als sie das
alles sah, dann sangen die beiden Happy Birthday.
Jetzt musste sie wirklich heulen.
Butterfly fiel ihr um den Hals: »Hey Süße, alles Gute!«
Auch Ben umarmte sie und gab ihr einen Kuss, jetzt begannen die
Schmetterlinge zu tanzen, Herzen fielen vom Himmel, ihre Augen
wurden groß, und die Tränen verschmierten ihren Eyeliner.
»Ich dachte, du bist jetzt mit Butter zusammen?«, presste sie heraus,
und Ben machte eine Miene wie: Tickst du nicht richtig?
Und Butter: »Was hast du denn für nen Vogel?«
»Weil ihr so zusammengesteckt habt. Ich habe eure SMS gelesen.«
Butterfly schüttelte den Kopf: »Du bist ja schräg drauf. Wir haben
nur deinen Geburtstag vorbereitet.«
»Ich dachte, es läuft was zwischen euch.«
»Shit Babe«, sagte Ben. »Wir beide sind doch ne Crew.«
Und Larissa dachte: Ich sehe bestimmt voll Scheiße aus und steh
echt blöd da mit meinem Misstrauen.
»Wir haben wegen dir die Schule geschwänzt«, sagte Butterfly, und
Ben ließ eine Flasche Jägermeister kreisen, lachend standen sie vor
dem geilen Piece, das Ben für sie gesprayt hatte, und Rihanna sang:
Take me for a ride, oh baby take me high.

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Julitraum

vor 2 Jahren

Resümee des Episodenromans und Rezensionen

Vielen Dank fürs Mitlesen dieser bewegenden und einfühlsam geschriebenen Geschichten, die noch dazu alle zueinander in Bezug standen. Wirklich sehr gelungen!

Hier meine Rezi-Links:

http://www.lovelybooks.de/autor/Jochen-Rack/Gl%C3%BCck-allein-1207624680-w/rezension/1241170079/

http://wasliestdu.de/rezension/bewegende-und-einfuehlsame-sammlung-von-10-kurzgeschichten-die-miteinander-in-bezug-stehen

https://www.amazon.de/review/R2MGJC8CN5NQEU/ref=cm_cr_rdp_perm

Jochenrack

vor 2 Jahren

Resümee des Episodenromans und Rezensionen

Vielen Dank für die schönen Kommentare und Rezensionen. Macht mir Mut, weiter zu schreiben!
Jochen

JosBuecherblog

vor 2 Jahren

Resümee des Episodenromans und Rezensionen

Hier ist der Link zu meiner etwas verspäteten Rezension:
http://www.lovelybooks.de/autor/Jochen-Rack/Gl%C3%BCck-allein-1207624680-w/rezension/1242149517/

Noch einmal vielen Dank, dass ich an der Leserunde teilnehmen durfte!

JosBuecherblog

vor 2 Jahren

Eine Zusatzgeschichte - nur für euch....
Beitrag einblenden

Die Geschichte ist wie die anderen in dem Buch wunderschön! Besonders clever finde ich die Beschreibungen von Jupp, da man auch denken könnte, dass er ein Mann ist. Deswegen hat mich das Ende wirklich sehr überrascht!
An dieser Geschichte sieht man auch, dass nicht nur Menschen lieben und Glück empfinden können, sondern auch Tiere. Man hat wirklich gemerkt wie sehr Mensch und Tier zusammen gewachsen sind. Sie verstehen sich auch ohne Worte. Tolle Geschichte!

JosBuecherblog

vor 2 Jahren

Ein eliminierter Brief aus der 1. Geschichte. Was meint ihr? Hätte ich ihn drin lassen sollen?

Ich finde den Brief sehr schön und man merkt auch die Emotion, die hinter dem Geschriebenen stecken. Für mich würde es nicht wirklich einen Unterschied machen, wenn der Brief in der Geschichte drin wäre, da ich die Geschichte auch ohne den Brief super finde. Ich glaube, der Brief würde den Abschied für ihre Kinder nur noch schwieriger machen.

Jochenrack

vor 1 Jahr

Resümee des Episodenromans und Rezensionen
@JosBuecherblog

Liebe Jo

vielen Dank für deine Teilnahme an der Leserunde nd insbesondere den Hinweis, dass dir Only Girl gefallen hat. Manche waren der Meinung, ich hätte da vielleicht nicht das Lebensgefühl einer 14jährigen getroffen!
Herzliche Grüße
Jochen Rack

Booky-72

vor 1 Jahr

Resümee des Episodenromans und Rezensionen

hier fehlte auch noch meine Rezension,
danke, dass ich mitlesen durfte, gern wieder mal.

http://www.lovelybooks.de/autor/Jochen-Rack/Gl%C3%BCck-allein-1207624680-w/rezension/1247516430/

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