Jochen Schmidt

 3.8 Sterne bei 124 Bewertungen
Autor von Schneckenmühle, Zuckersand und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Jochen Schmidt

Jochen Schmidt, geboren und aufgewachsen in einem christlich geprägten Elternhaus in Ost-Berlin, ist ein deutscher Schriftsteller und Journalist. Seine Eltern sind beide Sprachwissenschaftler. Nach dem Abitur 1989 studiert Schmidt zunächst Informatik, dann Germanistik und Romanistik an der Humboldt-Universität in Berlin. Während seines Studiums arbeitet er als Französisch-Übersetzer und reist nach Valencia, Rom oder New York. Er schreibt Kolumnen für verschiedene Zeitungen, Reiseführer, Blogeinträge und Kurzprosa und ist 1999 Mitbegründer der Berliner Lesebühne „Chaussee der Enthusiasten“. Jochen Schmidt wird für seine Arbeit mehrfach ausgezeichnet, beispielsweise ist er Träger des Kasseler Literaturpreises. Große Bekanntheit erlangt Schmidt, als er von Juli 2006 bis Januar 2007 jeden Tag 20 der 3900 Seiten von Prousts „Suche nach der verlorenen Zeit“ liest und täglich einen Blogeintrag dazu verfasst. Diese Blogeinträge werden 2008 in Buchform herausgegeben und erhalten durchweg positive Kritiken. Jochen Schmidt lebt in Berlin und ist ein aktives Mitglied der Autonama, der deutschen Autorennationalmannschaft.

Alle Bücher von Jochen Schmidt

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Schneckenmühle

Schneckenmühle

 (51)
Erschienen am 18.07.2013
Zuckersand

Zuckersand

 (14)
Erschienen am 09.07.2018
Meine wichtigsten Körperfunktionen

Meine wichtigsten Körperfunktionen

 (12)
Erschienen am 05.12.2007
Müller haut uns raus

Müller haut uns raus

 (8)
Erschienen am 01.08.2004
Schmidt liest Proust

Schmidt liest Proust

 (6)
Erschienen am 11.10.2010
Drüben und drüben

Drüben und drüben

 (5)
Erschienen am 29.08.2014
Gebrauchsanweisung für die Bretagne

Gebrauchsanweisung für die Bretagne

 (3)
Erschienen am 01.10.2009
Triumphgemüse

Triumphgemüse

 (3)
Erschienen am 16.08.2000

Neue Rezensionen zu Jochen Schmidt

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Bibliomanias avatar

Rezension zu "Zuckersand" von Jochen Schmidt

Die Liebe zum Kind aus den Augen des Vaters
Bibliomaniavor 6 Monaten

Jochen Schmidt hat ein so berührendes, herzerwärmendes und witziges Buch über einen Vater geschrieben, der seinen 2-jährigen Sohn auf dessen Erkundung der Welt begleitet, dass man einfach gerührt sein muss.
Es ist eine eher seltene Aufteilung: Mutter Klara geht arbeiten und der Ich-Erzähler bleibt tagsüber mit Sohn Karl zu Hause. Während er seinen Sohn zu Hause, auf dem Spielplatz oder in Geschäften beobachtet, erinnert er sich an seine eigene Kindheit. Besonders interessant dabei war, dass, obwohl die Hauptfigur ein gutes Stück älter ist als ich, viele Kindheitserinnerungen auch die meinen sein könnten.
Den Ich-Erzähler stelle ich mir als ehemaligen Klassenclown vor. Wer denkt schon, dass es neben Meerschweinchen auch Wenigerscheinchen geben müsste? Und wo wohnten sie? Auch im Alltag macht der Vater Witze dieser Art, denn eins steht fest: Leben mit einem kleinen Kind ist nicht einfach. Das kommt auch immer wieder durch, aber die Eltern schaffen es sehr gut sich durch den Dschungel von Ängsten, Verzweiflung, Erschöpfung und purer Freude zu "kämpfen".
Der Umgang des Ich-Erzählers mit Karl ist liebevoll rührend. Sein Blick auf ihn wie durch eine rosa Brille.
Ich ma Fabio Volos Bücher sehr gerne und hatte zuletzt "Seit es dich gibt" von ihm gelesen. In dem allerdings hatte der Autor alles herausgeholt, was es bei einem Kind zu bedenken gelte: Erschöpfung, Übermüdung, ständige Überforderung... Als sollte man sich noch einmal klar machen, ob man denn wirklich ein Kind möchte.
Jochen Schmidt beleuchtet die andere Seite und ich könnte mir vorstellen, dass jede Mutter sich solch einen Vater wünscht. Und obwohl man schier überquellen möchte vor Entzücken, ist das Buch keineswegs kitschig. Einen besseren Roman  über die Liebe zum eigenen Kind aus Sicht eines Vaters kann ich mir nicht vorstellen!

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pardens avatar

Rezension zu "Zuckersand" von Jochen Schmidt

Vater werden ist nicht schwer...
pardenvor einem Jahr

VATER WERDEN IST NICHT SCHWER...

Karl, zwei Jahre alt, entdeckt die Welt und sein Vater möchte ihm dabei nicht im Wege stehen. Karls Expeditionen in die Gegenstandswelt von Wohnung und Straße, Spielplatz und Geschäften, die sein Vater liebevoll begleitet, lösen zahlreiche Erinnerungen und Betrachtungen über dessen eigene Kindheit und deren Gegenstandswelt aus.

Der Vater will nicht nur Karls Kindheitsglück, sondern auch die Dinge seiner eigenen Kindheit retten und bewahren. Dies ist nicht der einzige Konflikt in seiner innigen Beziehung zu Karls Mutter Klara, die in der Denkmalschutzbehörde arbeitet, und aus dem Büro per SMS Anweisungen zu Karls Erziehung schickt. Und die Aussicht, endlich eine gemeinsame Wohnung zu beziehen, gefährdet zugleich die "Wunderkammer" voller bedeutungsvoller Gebrauchsgegenstände, die der Ich-Erzähler zu Hause hütet…


Richard betreut als Werbetexter für 'Die neue Hausfrau' seinen zweijährigen Sohn Karl zu Hause, während Karls Mutter Klara vollzeit berufstätig ist. Eine immer noch eher ungewöhnliche Rollenverteilung, die dem Vater jedoch Gelegenheit gibt, seinen Sohn intensiv zu beobachten, so dass ihm möglichst nichts von dessen Entwicklung entgeht. Um ganz sicher zu gehen, schreibt der Vater seine Beobachtungen täglich akribisch auf, schickt Klara gelegentlich auch eine SMS, um sie ebenfalls an allem teilhaben zu lassen.


"Karl probierte aus, ob sich das tropfende Wasser ohne Schirm besser anfühlte, er jauchzte begeistert, weil er naß wurde. Was passiert mit der Freude, die wir als Kind an so etwas haben? Wogegen tauschen wir sie ein, wenn wir groß werden? Oder bekommen wir gar nichts als Ersatz?"


Doch nicht nur die Beobachtungen Richards bringen dem Leser die Welt aus Kinderaugen nahe, sondern auch seine Reflexionen - nur zu oft gleiten des Vaters Gedanken zurück in das Erleben seiner eigenen Kindheit, so dass hier im Grunde zwei parallele Kindheiten präsentiert werden. Kleinigkeiten geraten hier in den Fokus, was Freunden von Spannunsgliteratur langweilig vorkommen mag. Doch genau dies geschieht im Erleben der Kinder: Kleinigkeiten gewinnen eine immense Bedeutung.

Der Schreibstil ist genau und scharf in seinen Schilderungen, passend zu den häufigen Rückblenden in die Vergangenheit auch in der alten Rechtschreibung gehalten, und doch gibt es auch immer wieder poetische Passagen:


"Ich hatte Sehnsucht nach Klara. Wenn einer von uns vom Sofa aufstand, um neues Eis aus der Küche zu holen, versuchten wir immer, unsere Verflechtung so behutsam wie möglich zu lösen, die Hand noch ein bißchen über den Körper des anderen gleiten zu lassen, so daß es sich anfühlte wie bei Eiskunstläufern, wenn sie für Momente auseinanderstreben, um dann mit Anlauf um so spetakulärer wieder zusammenzufinden und im Kreis zu wirbeln. Es mußte viel schwieriger sein, wenn noch ein kleines Kind dabei war, das nicht Schlittschuh laufen konnte."


Vierzehn lose zusammenhängende Kapitel werden begleitet von vierzehn von Line Hoven gezeichnete Vignetten, die, in schwarzweiß gehalten, den Text passend unterstreichen. Ein leiser Roman, der die Welt mit Kinderaugen sehen lässt und eigene Erinnerungen wachzurufen vermag. Mir hat er gefallen...


© Parden

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miahs avatar

Rezension zu "Zuckersand" von Jochen Schmidt

Zuckersand
miahvor einem Jahr

Inhalt:
Der 2-jährige Karl entdeckt die Welt. Sein Vater begleitet ihn, Mutter Klara geht arbeiten. Der ganz normale Alltag mit einem Kleinkind löst im Vater eine Flut an Erinnerungen aus: an seine eigene Kindheit, an sein Leben und seine Liebe für Gegenstände aller Art.

Meine Meinung:
Zu Beginn hatte ich Schwierigkeiten mit dem Schreibstil. Die Sätze sind zumeist sehr lang und voller Details. Die Geschichte hat keine richtige Handlung, denn der Vater verliert sich schnell in Gedanken und sinnt über das Leben, verschiedene Gegenstände oder Erinnerungen nach. In der Gegenwart passiert eigentlich nur sehr wenig.

Es ist ein ganz normaler Tag im Leben von Vater und Sohn. Karl ist jetzt zwei Jahre alt und erkundet die Welt mit seiner kindlichen Neugier. Er hat seinen eigenen Willen. Sein Vater versucht so gut er kann, Karl zu den Dingen zu bewegen, die ihm wichtig sind, und unterstützt ihn ansonsten bei seinen Erkundungen. Mutter Klara geht derweil arbeiten und schickt hin und wieder eine Nachricht mit Erziehungstipps.

Alles an Karl und seinem Verhalten löst Erinnerungen im Vater aus. Er erinnert sich liebevoll an Karls Geburt, an die ersten Tage mit diesem kleinen Wesen und versucht, an allem festzuhalten, um nichts zu vergessen. Sein Sohn zeigt ihm, was wirklich wichtig ist im Leben. Karl hat seinen Alltag entschleunigt. Der Vater lässt sich viel mehr Zeit und nimmt Dinge bewusster wahr, vor allem, weil für Karl alles noch neu und faszinierend ist.

Dabei schwelgt der Vater nicht nur in den eigenen Kindheitserinnerungen, sondern vergegenwertigt sich auch das Kennenlernen von Mutter Klara. Die beiden scheinen sehr eigene Persönlichkeiten zu sein, reden sie in ihren Dialogen doch irgendwie aneinander vorbei oder es geht um scheinbar zusammenhanglose Dinge. Ohnehin scheint der Vater ein Messie zu sein, der nichts wegwerfen kann. Er hält an allem fest, insbesondere an Gegenständen, die er in seiner eigenen Wohnung hortet.

Immer wieder musste ich schmunzeln, da die Gedanken des Vaters zum Teil auch wirklich amüsant sind. Er fragt sich, wie es wäre, wenn Maschinen ein Eigenleben hätten, welche Gedanken und Gefühle sie wohl verbergen und wem eigentlich die Waren gehören, die er in seinen Einkaufswagen legt.

Besonders gefallen haben mir die Szenen mit Karl. Man spürt, wie sehr sein Vater ihn liebt. Sein ganzes Leben hat sich seit der Geburt seines Sohnes verändert und er genießt jede einzelne Sekunde. Das Tempo des Buches ist entsprechend langsam. Eigentlich passiert nicht viel. Es geht um einen Tag im Leben der beiden, aber im Kopf des Vaters passiert noch so viel mehr.

Man muss sich auf diese Geschichte einlassen. Wenn man sich an den Schreibstil gewöhnt hat, macht es wirklich Spaß, das Buch zu lesen. Das hätte ich zu Beginn gar nicht vermutet, aber die entspannte Handlung hat sich auf mich als Leser übertragen. Ich konnte sehr gut abschalten und habe es einfach nur genossen, dem Vater in seinen teils wirren Gedanken zu folgen.

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Gespräche aus der Community

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Daniliesings avatar
Im C.H.Beck Verlag erscheint am 11. Februar der neue großartige Roman des deutschen Autors Jochen Schmidt. Hinter dem spannenden Titel "Schneckenmühle" verbirgt sich ein ebenso interessantes Buch! Ihr habt jetzt die Möglichkeit diesen wunderbaren und komischen Roman übers Aufwachsen in der DDR gemeinsam in einer Leserunde zu entdecken!

Mehr zum Inhalt:
Jens ist 14 geworden und darf zum letzten Mal ins sächsische Ferienlager Schneckenmühle fahren, dort kann man Skat spielen, Fußball und Tischtennis, muss allerdings auch auf Wanderungen gehen, in den Zoo oder nach Dresden fahren, und vor allem sind da die endlosen Nächte mit Quatsch und Gesprächen über Mädchen. Nur Tanzen in der abendlichen Disko, das kommt nicht infrage, zum Tanzen ist Jens zu schüchtern. Nach einem Ausflug wird Jens krank und kommt auf die Krankenstation. Da taucht Peggy bei ihm auf, die von der Gruppe gehänselt wird, und bittet ihn, ihr Essen zu bringen, sie würde sich von nun an verstecken. Aber dann wird sie im Lager vermisst und die Polizei wird eingeschaltet. Die Sache spitzt sich zu, auch zwischen Jens und Peggy.
Es ist der Sommer 1989 in der DDR – und nicht nur den Jugendlichen stehen große Veränderungen bevor.


--> Leseprobe zum Buch

Ab sofort könnt ihr euch als Testleser für "Schneckenmühle" bewerben und mit etwas Glück eins von 25 Exemplaren dieses mit viel Freude zum Detail und Wärme erzählten Buches für die Leserunde gewinnen. Voraussetzung dafür ist, dass ihr euch im Gewinnfall zeitnah am Austausch in den Leseabschnitten hier beteiligt und abschließend eine Rezension schreibt.

Beantwortet für die Chance auf eines der Bücher ganz einfach die folgende Frage bis spätestens 13. Februar 2013:

Erzählt uns etwas aus eurer Jugend - wie und wo habt ihr früher eure Sommer verbracht? Welche Erinnerungen sind euch besonders im Gedächtnis geblieben?
michelauslönnebergas avatar
Letzter Beitrag von  michelauslönnebergavor 6 Jahren
Zur Leserunde

Zusätzliche Informationen

Jochen Schmidt wurde am 09. November 1970 in Berlin (Deutschland) geboren.

Community-Statistik

in 170 Bibliotheken

auf 30 Wunschlisten

von 6 Lesern aktuell gelesen

von 2 Lesern gefolgt

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