Jochen Schmidt Der Wächter von Pankow

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Inhaltsangabe zu „Der Wächter von Pankow“ von Jochen Schmidt

„Ich würde ja gerne“, sagt der Erzähler in Jochen Schmidts Titelgeschichte, „die letzten 30 Jahre meines Lebens damit verbringen, mir die ersten 30 Jahre als Film anzusehen“, auch weil seine erste Freundin immer meinte, mit 30 bereits tot sein und niemals Kinder haben zu wollen. Jetzt hat sie ein Kind und wundert sich, dass sie sich bei der Wiederbegegnung nach 13 Jahren umarmen, weil das doch immer die Wessis machen. Aber der Ich-Erzähler möchte nicht tot sein, sondern endlich eine Duschkabine besitzen. Und er möchte ein richtiges Schriftstellerleben führen, wenn er nur wüsste, wie das geht – es gibt ja so viele Vorbilder. In ihrer Genauigkeit, Gegenstandsverliebtheit, Anhänglichkeit und Komik liefern die neuen Geschichten von Jochen Schmidt so etwas wie diesen Film der ersten 30 Jahre, retten, was verloren gegangen ist, und verheddern sich in nicht enden wollender, komischer Grübelsucht – nicht nur in Fragen eines richtigen Schriftstellerdaseins. Dasjenige von Jochen Schmidt kann jedenfalls so falsch nicht sein, wenn dabei immer wieder so wunderbar eigensinnige Geschichten entstehen.

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  • Lebendig mitten aus dem Leben erzählt

    Der Wächter von Pankow
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    18. September 2015 um 14:24

    Lebendig mitten aus dem Leben erzählt „Ich soll nach China fahren, wo sie sogar Kohle aus Wasser und Schlacke fälschen und wo die Menschen sich zum Leben auf die beleuchtete Autobahn setzen, weil sie zu Hause keinen Strom haben“. Ja, es sind auch die gängigen Vorurteile des Lebens, dieses „im Kopf schon alles fertig haben“, zumindest fürs erste, das immer wieder in dieser Sammlung von Erzählungen zum Vorschein kommt. Zusammen mit der genauen, bildreichen und plastischen Sprache Schmidts („Ich huste mich durch die Nacht. Ein Staubkorn scheint sich in meiner Lunge verfangen zu haben und bei jedem Atemzug durch den Brustkorb zu irren“) wird Schmidt so zum genauen Beobachter seiner Protagonisten. Die, meist, im ersten Drittel des Lebens stecken und sich immer wieder vor die Aufgabe gestellt sehen, sich zu orientieren, sich „gefasst zu bekommen und gefasst zu halten“. Und das eben auch in der Fremde, wo der „Trabi Santana“ heißt und wo es gar nicht so einfach ist, seine deutsche Identität so für sich selber geklärt zu haben, dass sie „den Chinesen“ griffig literarisch vermittelt werden könnte. Eine Aufgabe, vor der Jochen Schmidt zu Zeiten eben stand. „Man braucht hier keine Gastarbeiter, man hat ja die dritte Welt im eigenen Land“. Ein wenig verschroben, durchaus mit Humor, oft auch mit echter Irritation beschreibt Schmidt Erlebtes, verdichtet dieses und versucht, sich seinen Reim darauf zu machen. Auf den Fortgang des Lebens „nach den ersten 30 Jahren“ (kommt da wirklich noch was?), auf die Frage nach dem „Sinn des Lebens“, auf manch andere Stationen des Lebens, das im Osten Deutschlands geprägt wurde und sich zurückerinnert in diesen Geschichten an Haltungen, Meinungen, ein Lebensgefühl, ein „sich durcharbeiten“ auch durch dieses damalige Alltagsleben. „Nach zwei Stunden können die Mammuts mich nicht mehr begeistern. Die Erdgeschichte hat mich geschafft“. Und genauso, wie er einige Meter im Museum dann auch nicht weiß, was die „Steinzeitfrau“ da eigentlich von ihm erwartet („Die Evolution hat uns auseinandergetrieben“), genauso lässt Schmidt mitschwingen, dass die Evolution vielleicht bis zu diesem Zeitpunkt im Museum ihm immer noch nicht allzu viel Klarheit mit auf den Weg gegeben hat, was denn „die Frau“ (an sich) von ihm erwarten würde. Was an einigen anderen Stellen in anderen der Geschichten wieder mit anklingt. Es sind die einfachen Dinge, Gegenstände, Alltagsnormalitäten von damals, die Erinnerungen auslösen und Erinnerungswert besitzen, die Schmidt in den Mittelpunkt der Erzählungen rückt und in den Mittelpunkt seines grüblerischen, teils kruden, teils assoziativ vor sich hin entfaltenden Interesses, das dann weit über das konkrete Objekt hinausgeht ins Grundsätzliche hinein (wie beim ausgestopften Mammut dann hin zur allgemeinen „Frauenfrage“). Du da kommt es dann auch vor, dass eine einfache Briefmarke zur flüssig zu lesenden, leicht (aber sympathisch) verdrehten Selbst- und Weltreflexion anhält. Eine mit Ironie gewürzte, empfehlenswerte Lektüre des einfach menschlichen an sehr anregender, sprachlicher Form.

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