Jochen Schmidt Gebrauchsanweisung für Ostdeutschland

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Inhaltsangabe zu „Gebrauchsanweisung für Ostdeutschland“ von Jochen Schmidt

Wissen Sie, was den Burj Khalifa in Dubai mit dem Palast der Republik verbindet? Wo der Eierscheckenäquator verläuft? Und welches Wahrzeichen die »Fit«-Flasche kopiert? Jochen Schmidt, aufgewachsen in der DDR, reist durch die Bundesländer des Ostens, die immer noch für viele Deutsche Neuland sind. Um dies zu ändern, besichtigt er die Raumfahrtausstellung im Heimatort des ersten Deutschen im All. Erkundet nationale Aufbauprojekte wie den Rostocker Seehafen. Und sucht im Köpenicker Forst den Kopf einer vergrabenen Lenin-Statue. Er ergründet die Zeugnisse der »Ostmoderne«, würdigt das Improvisationstalent der Menschen und lässt sich ihre Geschichten erzählen. Eine kluge Anleitung für alle, die den Osten entdecken wollen oder sich gerne erinnern.
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  • 'So vieles hatte sich geändert, aber so viel anderes wieder nicht.'

    Gebrauchsanweisung für Ostdeutschland
    sabatayn76

    sabatayn76

    31. October 2015 um 21:35

    'So vieles hatte sich geändert, aber so viel anderes wieder nicht. Nur dass einem das, was sich nicht ändert, nicht so auffällt.' Inhalt: Jochen Schmidt erzählt in seiner 'Gebrauchsanweisung für Ostdeutschland' von Trabant und MZ, Improvisieren und Basteln, Thementorten und Fahnenhaltern, Spielzeugmuseum und Sommerrodelbahn, Kyffhäuser und Eierscheckenäquator, Plattenbau und Ha-Neu, Eisenhüttenstadt und Wilhelm-Pieck-Stadt Guben, Karl May und Schneckenmühle, Leipziger Buchmesse und Völkerschlachtdenkmal, das Grüne Band und Mödlareuth, Sigmund Jähn und Talsperre Pöhl. Mein Eindruck: Ich bin selbst in der DDR aufgewachsen und war beim Fall der Mauer 13 Jahre alt. Der Einstieg hat mir sehr gut gefallen, das Vorwort ist amüsant zu lesen und macht Lust auf das Buch. Durch das erste Kapitel musste ich mich jedoch ziemlich quälen, und ich habe mich auf eine eher inkonsistente und unstrukturierte Lektüre eingestellt. Doch das Weiterlesen hat sich wirklich gelohnt, denn ab dem zweiten Kapitel wurde die 'Gebrauchsanweisung für Ostdeutschland' unglaublich witzig und unterhaltsam, so dass ich sogar mehrmals Tränen gelacht habe. Ich kann mir vorstellen, dass das Buch eher für Ossis 'funktioniert', denn auf jeder Seite trifft man hier auf alte Bekannte, die man teilweise (fast) vergessen hat, und erlebt so eine Reise in die eigene DDR-Vergangenheit. Für diejenigen, die nicht in der DDR aufgewachsen sind, sind viele der Schilderungen und der Andeutungen sicherlich eher unverständlich oder unwitzig oder schlichtweg bedeutungslos. Mein Resümee: Für Ossis ist die 'Gebrauchsanweisung für Ostdeutschland' sicherlich ein großes Vergnügen und sorgt dafür, dass Erinnerungen geweckt und Tränen gelacht werden, so dass ich sie bedenkenlos empfehlen kann. Für Nicht-Ossis ist sie meiner Meinung nach weniger gut geeignet, da hier oft Wissen um Ost-Begebenheiten und Ost-Produkte sowie eine gewisse Ostalgie vorausgesetzt werden.

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  • Ostdeutschland als Museum

    Gebrauchsanweisung für Ostdeutschland
    R_Manthey

    R_Manthey

    21. September 2015 um 10:20

    Bis auf eine Ausnahme (Brandenburg) stellten sich bisher alle Gebrauchsanweisungen für Städte oder Länder in Ostdeutschland als recht merkwürdige Schöpfungen heraus. Fast alle Autoren besaßen zwar eine ostdeutsche Biografie, aber dennoch waren sie offenkundig nicht fähig, das besondere Lebensgefühl in Ostdeutschland und die dortigen Eigentümlichkeiten so zu schildern, dass Besucher aus anderen Gegenden Deutschlands wenigstens eine gewisse realistische Beziehung zu dem entwickeln konnten, was sie wohl erfahren wollten. Denn wozu kauft man sich so ein Buch wohl? Doch nicht um sich mehr oder weniger mit den Brüchen aus den Biografien ihrer Autoren zu befassen oder mit einer längst vergangenen Zeit. Will man nicht vielmehr das Besondere einer Stadt oder eines Landes kennenlernen? Will man sich nicht vor einer Reise dorthin einstimmen und Land und Leute auf eine besondere, vielleicht ganz persönliche Weise kennenlernen? Jedenfalls dachte ich das bisher. Nun also gleich Ostdeutschland als Gesamtheit. Und prompt fällt diese Gebrauchsanweisung völlig aus dem Rahmen. Der Autor wählt eine ganz eigene Erzählweise. Er bereist Ostdeutschland, vor allem seine Städte, auf der Suche nach Kindheitserinnerungen und Gebrauchsgegenständen des DDR-Alltags. Früher waren ihm solche Dinge nicht wichtig. Jetzt jedoch, nachdem sie so langsam verschwinden, sucht er sie und weint ihnen nach, wenn sie bereits in ihrer ganzen Häßlichkeit zerbröseln. Er fährt mit großer Sehnsucht auch in zum Teil private Museen und stillt dort die Bedürfnisse seines nostalgisches Lebensgefühls. Besonders die ostdeutschen Plattenbauten haben es ihm angetan. Es erzürnt ihn, wenn man sie modernisiert und sie dabei in ihrer einstigen Form verschandelt. Man könne das nur verstehen, meint er, wenn man als Kind in einer Plastebadewanne auf einem WBS70-Balkon baden durfte. Sicher kann man da auch anderer Meinung sein. Das ganze Buch ist eine einzige Schilderung solcher Reisen, die natürlich auch ein gewisses Maß an DDR-Lebensgefühl vermitteln. Ob sich das jedoch einem Leser mit einem anderen Hintergrund wirklich erschließt, kann durchaus bezweifelt werden. Vor allem aber hat das alles nichts mit dem heutigen Ostdeutschland zu tun. Einem Ostdeutschen jedoch tut diese Lektüre vielleicht ganz gut, weil er in der Tat ähnliche Erinnerungen in seinem Gedächtnis vorfinden wird. Gleichwohl muss man selbst dann dem Autor nicht immer zustimmen. Woher kommt eigentlich diese plötzliche und gelegentlich sehr eigentümliche Nostalgie bei ostdeutschen Autoren? Die meisten von ihnen waren vor der Wende entweder zu jung oder haben sich kaum auf diese Weise mit ihrem Alltag oder gar mit dem Land identifiziert. Liegt es daran, dass von dieser Vergangenheit kaum noch etwas übrig geblieben ist, dass alles über die Bruchkante der Geschichte innerhalb einer Generation im Vergessen verschwindet? Oder aber trauern viele Ostdeutsche dem vergangenen Lebensgefühl nach, in dem es auf sonderbare Weise ein Gleichheitsgefühl oder so etwas wie ein kollektives Wir gab? Solche Fragen kann man sich stellen, wenn man dieses Buch liest. An sich ist seine Lektüre wenigstens wohl für Menschen, die eine Beziehung zu seinem Inhalt haben, die also Ostdeutsche sind, recht angenehm. Aber unter dem Aspekt, ein besonderer Reiseführer sein zu wollen, muss man leider ein völliges Versagen am Thema konstatieren. Wenn sich ein Westdeutscher mit diesem Buch auf eine Reise nach Ostdeutschland aufmachen möchte und dort noch niemals war, könnte er glatt auf die Idee kommen, die Reise abzusagen, denn vom modernen Ostdeutschland findet er dort rein gar nichts. Stattdessen könnte er dem Fehlschluss erliegen, dass dieses Gebiet zu einer Art Freilichtmuseum ausgebaut wird, in dem sich die Ex-DDR-ler mit ihrer plötzlich erwachten Sehnsucht nach der Vergangenheit befassen. Nicht schlecht zu lesen für Insider, aber völlig unbrauchbar für den anderen Teil der Deutschen.

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