Schneckenmühle

von Jochen Schmidt 
3,5 Sterne bei51 Bewertungen
Schneckenmühle
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Positiv (24):
Kater_Murrs avatar

Wunderbar autenthisch. So war es, im Ferienlager.

Kritisch (8):
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Wer zwischen den Zeilen lesen kann, wird seinen Spaß an diesem Buch haben.

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Inhaltsangabe zu "Schneckenmühle"

Jens ist 14 geworden und darf zum letzten Mal ins sächsische Ferienlager Schneckenmühle fahren, dort kann man Skat spielen, Fußball und Tischtennis, muss allerdings auch auf Wanderungen gehen, in den Zoo oder nach Dresden fahren, und vor allem sind da die endlosen Nächte mit Quatsch und Gesprächen über Mädchen. Nur Tanzen in der abendlichen Disko, das kommt nicht infrage, zum Tanzen ist Jens zu schüchtern. Nach einem Ausflug wird Jens krank und kommt auf die Krankenstation. Da taucht Peggy bei ihm auf, die von der Gruppe gehänselt wird, und bittet ihn, ihr Essen zu bringen, sie würde sich von nun an verstecken. Aber dann wird sie im Lager vermisst und die Polizei wird eingeschaltet. Die Sache spitzt sich zu, auch zwischen Jens und Peggy.

Es ist der Sommer 1989 in der DDR ? und nicht nur den Jugendlichen stehen große Veränderungen bevor. Jochen Schmidts neuer Roman, mit großer Wärme, Detailfreude und Komik erzählt, berichtet von Zeiten des Umbruchs, hinreißend und anrührend ? beste Unterhaltung!

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783406646980
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:220 Seiten
Verlag:C.H.Beck
Erscheinungsdatum:18.07.2013

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Rezensionen und Bewertungen

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    Buecherschmauss avatar
    Buecherschmausvor 4 Jahren
    Schneckenmühle

    Es ist das letzte Mal im Ferienlager Schneckenmühle, irgendwo in Sachsen, denn Jens ist nun 14, gehört zu den Großen und darf deshalb nächstes Jahr nicht mehr mitfahren. Es ist nicht das einzige "letzte Mal", eine ganze Ära geht zu Ende, denn es ist der Sommer 1989. Aber das ahnen die Kinder und Jugendlichen nicht, als sie sich aus Berlin aufmachen in die Sommerfrische. Man kennt sich vom letzten Jahr, vertreibt die Zeit mit Spielen, Wanderungen, Ausflügen und ausgiebigen Blicken auf das andere Geschlecht. Dabei bewegt sich die Gruppe um Jens in dieser eigenartigen Zone zwischen Kindsein und Erwachsenwerden. Mit markigen Sprüchen will man sein Revier markieren, besonders Jens ist aber in vielem noch kindlich naiv, behütet aufgewachsen, gutherzig. So will er der von den anderen verspotteten Peggy, der einzigen Sächsin in der Schneckenmühle helfen und gerät in ein kleines Roadnovelabenteuer, das aber glimpflich ausgeht. Dabei gelangen die Ereignisse des Sommers 1989 nur sehr zaghaft in die Geschichte hinein. Der Fokus der Jugendlichen liegt ganz woanders. Zwar ist der Fernsehapparat im Gruppenraum auffallend oft auf verbotenes Westfernsehen eingestellt, zwar munkelt man von "Ungarn" und vom "Rübermachen", tatsächlich verschwinden auch zwei Aufsichtspersonen spurlos, aber man ist doch zu sehr vom Alltag und den Freuden und Nöten der eigenen Pubertät in Anspruch genommen, um sich wirklich dafür zu interessieren. Jochen Schmidt gelingt es sehr gut, den schnoddrigen, großmäuligen Ton der Jungen zu treffen. Auch die manchmal leicht kruden und verworrenen Gedankengänge von Jens bringt er sehr authentisch rüber. Der Ton ist humorvoll und leicht, aber nie flach. Viele nette Details haben auch bei Westsozialisation Wiedererkennungswert. So ist "Schneckenmühle" ein rundum gut zu lesender Roman über den Sommer 1989 aus einer mal ganz anderen Perspektive und ein schönes Buch über das Erwachsenwerden.

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    Corsicanas avatar
    Corsicanavor 4 Jahren
    Mit 14 in der DDR - kurz vor dem Mauerfall

    Das Buch "Schneckenmühle" von Jochen Schmidt ist derzeit das "Buch für die Stadt" in Köln und in einer Sonderausgabe erschienen. Es passt gut zum Jahrestag des Mauerfalls vor 25 Jahren - obwohl, das sollte man vorsichtshalber sagen - der Mauerfall selbst gar kein Thema ist.

    Das Buch handelt von Jens aus Ostberlin, 14 Jahre alt, der im Sommer 1989 zum letzten Mal in das Ferienlager Schneckenmühle in Sachsen fahren darf - danach ist er zu alt und  er wird auf eine neue Oberschule wechseln. Und passend dazu ist das System in der DDR ebenfalls im Umbruch. Das ist eine passende Parallele - aber Jens ist schon mehr mit sich selbst und mit den Problemen der Pubertät beschäftigt als mit dem System der DDR. Er macht sich schon kritische Gedanken zur DDR und schaut sowieso meist Westfernsehen, aber eher aus dem Grund, dass das DDR-Fernsehen ihm zu langweilig ist. Jens bemerkt auch, dass plötzlich einige Leiter des Ferienlagers verschwinden - wahrscheinlich nach Ungarn und dann in den Westen. Das wird aber nur angedeutet - und für Jens ist das größere Problem, dass er nicht Tanzen kann und noch keine Freundin hat.

    Das Buch ist eher eine Coming-of-Age Geschichte als eine Geschichte der DDR, denn viele Probleme des Protagonisten sind in Ost und West gleich: Pubertät, die damit einhergehende Unsicherheit, die Angst, nicht dazuzugehören, die Unsicherheit im Umgang mit dem anderen Geschlecht. Daher eine geschickt mit der Geschichte des Untergangs der DDR verstrickte Geschichte über Zeiten des Wandels und der Unsicherheit.

    Und ganz unpolitisch betrachtet kann sich jeder noch einmal an die Zeit um die 14 erinnern: Ferien, Sommer, Unsicherheit, erste "Disko", eng tanzen und wenn ja mit wem und was soll aus einem nur werden und und.... diese Stimmung wurde sehr gut eingefangen in diesem Buch.

     

     

     

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    Pongokaters avatar
    Pongokatervor 5 Jahren
    Goodbye Lenin - Revised

    Jochen Schmidt gelingt es auf faszinierende Weise die letzten Tage der DDR aus der Sicht eines 14jährigen zu schildern. Da verschmelzen die kritischen Sichtweisen, die der Junge aus dem eher kirchlich geprägten Elternhaus mitbringt (er ist konfirmiert) mit der selbstverständlichen Akzeptanz von Elementen des DDR-Alltags, die aus heutiger Sicht skuril wirken. Ob allerdings heutige Jugendliche die vielen Bezüge verstehen?

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    W
    WinfriedStanzickvor 5 Jahren
    Ein Junge an der Schwelle zum Erwachsenen,


    Der neue Roman des 1970 in Berlin geborenen Jochen Schmidt, der dort heute noch lebt, spielt im Sommer 1989. Die DDR liegt in den letzten Zügen, und dennoch glaubt keiner, weder im Westen noch im Osten, ernsthaft daran, dass sich am Status Quo in den nächsten Jahren irgendetwas ändern wird. Immer wieder ist von vor allem jungen Menschen zu hören, die über Ungarn in den Westen „rüber machen“, aber das Leben in der DDR geht weiter wie in all den Jahren und Sommern zuvor.

     

    Das gilt auch für den Ich-Erzähler des Romans „Schneckenmühle“, den 14-jährigen Jens, der zum letzten Mal an einem Sommerlager in Sachsen teilnehmen darf. Mehrfach war der Sohn überzeugter Christen, der von Kind auf gelernt hat, sich eine besondere innere Unabhängigkeit zum System zu bewahren, schon in der Vergangenheit Teilnehmer des Ferienlagers „Schneckenmühle“, doch in diesem Jahr scheint alles anders. Das liegt nicht nur daran, dass er wegen der Altersgrenze im nächsten Jahr nicht mehr teilnehmen darf. Durch das ganze Buch zieht sich, von Jochen Schmidt sensibel arrangiert, eine Art Endzeitstimmung, eine Atmosphäre, in der sich das, was bald bevorstehen wird, aber noch keiner für wirklich möglich hält, sich langsam auflädt.

     

    Eine Aufsichtsperson des Lagers nach der anderen verschwindet während des mehrere Wochen dauernden Aufenthaltes, und nicht nur für Jens, sondern auch für seine Freunde ist klar: die sind rüber gemacht. Mit viel Wärme, aber mit einer großen Portion Komik und Witz erzählt Jochen Schmidt von den sich anbahnenden Veränderungen auch im Leben von Jens. Denn, mitten in der Pubertät, begegnet er in diesem Sommer einem ganz besonderen Mädchen. Peggy heißt sie, und mit ihr kann er sich zum ersten Mal vorstellen, wirklich zu tanzen.

     

    Als seine Eltern ihn am Ende des Buches abholen (es bleibt im Ungefähren warum – wollen auch sie über Ungarn in den Westen oder wollen sie sich scheiden lassen?) da notiert Jens:

    „Ich hatte das Gefühl, dass meine Eltern gar nicht wussten, wer ich war, weil sie die letzten Wochen nicht miterlebt hatten. Es hatte gar keinen Sinn, ihnen davon zu erzählen, weil es nicht möglich war, alles genau so zu beschreiben, wie es gewesen war.“

     

    Doch für den Leser, der die stellenweise anrührenden Berichte von Jens aus dem Ferienlager „Schneckenmühle“ gelesen hat, hat sich im Verlauf der leichten und unterhaltsamen Lektüre ein interessantes Bild ergeben eines Jungen an der Schwelle zum Erwachsenen, für den nach diesem Sommer nichts mehr so sein wird wie vorher, nicht nur wegen der politischen Umbrüche.

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    mabuereles avatar
    mabuerelevor 5 Jahren
    Mir fehlt der Bezug zu 1989

    Es ist das Jahr 1989. Jens lebt in Ostberlin und darf mit seinen 14 Jahren das letzte Mal mit nach Schneckenmühle, dem Ferienlager im Erzgebirge, fahren.

    Detailgetreu erzählt er seine Erlebnisse im Lager. Ich erfahre, dass Jens Christ ist, bald eine Spezialschule mit mathematischer Ausrichtung besuchen wird, gerade einen Computer aus dem Intershop erhalten hat. Allerdings wundert mich Jens` Beschreibung stellenweise. Sie entspricht eher dem Stand eines etwa 11jährigen als dem eines 14jährigen. Das kann daran liegen, dass der Protagonist seltsam blass bleibt. An manchen Stellen weiß ich nicht, ob es sich um Sarkasmus oder Naivität handelt, so als Jens feststellt, dass man mit 100 Jahren nicht mehr spielen darf, weil auf der Packung steht von 9 -99. Ich verstehe auch nicht, dass er, wie er mehrfach äußert, kein Englisch kann. Das Fach wurde ab Klasse 7 angeboten und wer auf eine weiterführende Schule wollte, hat die Sprache gelernt.

    Die politische Lage spielt kaum eine Rolle. Sie interessiert die Lagerinsassen auch kaum. Es geht um Tanzen, Skat und Mädchen.

    Die wirtschaftlichen Verhältnisse werden sehr gut und anschaulich beschrieben. Dass allerdings das Angebot in Dresden besser gewesen sein soll als in Berlin, halte ich für ein Gerücht.

    Die sprachliche Gestaltung des Buches ist gut gelungen. Inhaltlich hatte ich mehr erwartet.

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    Verena-Julias avatar
    Verena-Juliavor 6 Jahren
    Damals im Feriencamp

    1989 - es ist Sommer und der vierzehnjährige Jens fährt zum wiederholten Male in das Feriencamp "Schneckenmühle" in der DDR. Doch dieses Jahr wird das letzte sein, denn im nächsten Jahr ist er zu alt. Ihn erwartet ein Sommer voller Abenteuer. Man spielt Skat, Tischtennis, Fussball, findet neue Freunde und erste Bekanntschaften mit Mädchen werden geschlossen.
    Jens nimmt den Leser mit auf eine Reise in das Jahr 1989 und man erlebt eine Zeit im Feriencamp "Schneckenmühle", die nicht nur durch Ausflügen, Wanderungen und anderen gemeinsamen Aktivitäten gezeichnet ist, sondern auch von Erlebnissen der Vergangenheit geprägt ist. Er macht oft und schnell Gedankensprünge, sodass der Leser ab und an nicht weiß, ob Jens das Erzählte gerade erlebt oder aber bereits in den Jahren davor erlebt hat. Nebenbei erfährt man viel über die DDR und sein Leben zu Hause bei seinen Eltern, da Jens zu vielen Gegenständen Geschichten oder Erklärungen einfallen. Ein roter Faden zeichnet sich jedoch erst im letzten Drittel des Buches ab, als Jens sich mit Peggy anfreundet. An dieser Stelle hat auch mich das Buch endlich gepackt....
    Für meinen Geschmack ist der Höhepunkt des Buches jedoch viel zu spät angesetzt, sodass ich vorher oft das Buch aus der Hand gelegt habe und doch erst noch was anderes gelesen habe. Auch der Sprachstil, an den man sich zwar nach und nach etwas gewöhnt, hat mir ein paar Probleme gemacht. Durch die vielen Gedankensprünge und den hektischen und abgehakten Schreibstil war das Lesen teilweise sehr anstrengend. Zudem hat mich die alte Rechtschreibung gestört, die der Autor wahrscheinlich so verwendet hat, wie sie 1989 war. Aber mich hat sie verwirrt, weil ich mit der neuen Rechtschreibung aufgewachsen bin.

    Fazit: Ein Buch, welches sicherlich Erinnerungen an die DDR weckt. Würde es daher den jenigen empfehlen, die selbst  in einem Feriencamp der DDR gewesen sind. Für jemanden, der jedoch kaum Berührungspunkte mit der Zeit hat, ist es etwas schwieriger alles nachzuvollziehen.

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    abas avatar
    abavor 6 Jahren
    Kurzmeinung: Wer zwischen den Zeilen lesen kann, wird seinen Spaß an diesem Buch haben.
    Rezension zu "Schneckenmühle" von Jochen Schmidt

    Der letzte Sommer

    Es gibt verschiedene Gründe, die mich veranlasst haben, "Schneckenmühle" von Jochen Schmidt lesen zu wollen. Der Hauptgrund aber war, wie immer bei mir und diesem Thema der Fall ist, mehr über den Alltag in der DDR zu ehrfahren. Die DDR, die ewig in den 80er Jahren in der Erinnerung der Menschheit leben wird. Ein Land, das die 90er nicht überlebt hat, genau genommen, ein Land, das die 90er geprägt hat wie kein anderes, gerade deswegen, weil es aufgehört hat zu existieren.

    1989, das letzte Jahr der DDR. Jens ahnt nicht, dass er im Begriff ist, seinen letzten sozialistischen Sommer zu erleben.
    Jens mit seinen 14 Jahren ist ein naiver liebenswerter Junge, der wenig Ahnung zu haben scheint, was die Welt bewegt, und an dem die Veränderungen in seinem Land, die später für eine neue Weltordnung sorgen werden, vorbeigehen. Aber das ist eigentlich egal. Jens verbringt seine Ferien in "Schneckenmühle", dem sächsischen Ferienlager, wo man als 14- Jähriger richtigen Spaß hat.

    Der Genuss, den ich mir bei der Lektüre von "Schneckenmühle" versprochen hatte, blieb leider aus. Ich wurde mit, für meinen persönlichen Geschmack, undurchschaubaren Handlungen und mit Szenen, die ohne für mich erkennbaren Zusammenhang aneinandergereiht wurden, konfrontiert. Das hatte als Konsequenz, dass ich mich sehr anstrengen musste, um am Ball zu bleiben. Immer wieder ließ meine Konzentration nach und ich musste manche Textpassagen mehrmals lesen. Das hat mir den Lesespaß getrübt.
    Unabhängig vom Thema des Buches fand ich manche Dialoge zwischen den Jugendlichen sehr lustig. Auch bestimmte Ereignisse haben meine Aufmerksamkeit erregt, aber leider dauerte meine Freude nur ein paar Seiten lang. Zu schnell und zu abrupt wurde dieser Freude ein Ende gesetzt und ich fühlte mich wie in der Luft hängend.

    Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es Leser gibt, denen es Vergnügen bereitet, zwischen den Zeilen zu lesen, auf der Suche nach der Bedeutung der Worte eines Autors, so wie bei einer Art Rätsel. Für sie wird "Schneckenmühle" das Richtige sein.

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    kolokeles avatar
    kolokelevor 6 Jahren
    Schneckenmühle

    Jens verbringt einige Wochen im Ferienlager Schneckenmühle, nahe der Sächsischen Schweiz, so wie schon einige Jahre zuvor. Aber es ist 1989 und irgendwas liegt in der Luft, irgendwas, was nicht greifbar ist und so findet der Alltag doch weiterhin so statt wie man ihn kennt.
    Man nimmt als Leser am Ferienlagerleben teil, an den Ausflügen und Wanderungen, auf die keiner so recht Lust hat, Bastelaktionen und anderen Aktivitiäten, wie Nachtwanderungen und Feriendiskos. Nebenbei erfährt man viele Dinge über die DDR und seien es nur Produktnamen von lang vergessenen Putzmitteln, irgendwie wird die Erinnerungsmaschine in Gang gesetzt.
    Der Rest plätschert so dahin, ich hab mich gefragt, ob es ein Manko des Buches ist, aber vielleicht ist es auch gerade eine Kunst, diese Ferienlagerstimmung derart einzufangen. Man schwimmt als Leser so mit.
    Im letzten Drittel des Buches kommt die Geschichte, die so richtig keinen roten Faden haben will, etwas in Fahrt, ohne zu viel verraten zu wollen, das war der Punkt, an dem es mich dann gepackt hat. Aber um ehrlich zu sein, finde ich das etwas zu spät, um sagen zu können, dass mich ein Buch mitgerissen hat.
    Zudem hatte ich ein wenig Probleme mit dem Sprachstil des Buches, man liest sich zwar nach und nach hinein, aber irgendwie fand ich es recht abgehackt und dadurch auch unzusammenhängend.

    Mein abschließendes Urteil: "Ganz nett", aber auch nicht mehr.

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    Tintenelfes avatar
    Tintenelfevor 6 Jahren
    Holprig, aber interessant

    Jens‘ Familie ist christlich, sie hat Verwandtschaftsbeziehungen in den Westen und er wächst daher nicht ganz unkritisch auf, schnappt immer wieder mal etwas bei den Erwachsenen auf. Seine Fahrt ins Ferienlager „Schneckenmühle“ beschreibt den Ferienalltag vieler Kinder in der DDR. Die Anzeichen des politischen Umbruchs werden zwar gezeigt, kommen aber in der Lebensrealität der Kinder nicht an. Es spricht auch kaum jemand darüber und wenn, weiß man auch nicht, was man davon halten soll. Daher verwundert es auch kaum, dass das Thema Republikflucht immer ein Randthema bleibt. Angesprochen, sofort wieder von Alltag abgelenkt und hier und da wieder aufblitzend. Auf mich machte das einen sehr realistischen Eindruck, anders habe ich es auch nicht erlebt.

    Das Buch liest sich wie eine lose Aneinanderreihung von Erlebnissen und Erinnerungen, durchsetzt von zeittypischen Redensarten und Songs, Namen von DDR-Produkten. Besonders zu Beginn wird Vieles episodenhaft angerissen und sofort wieder fallengelassen. Ein roter Handlungsfaden ist kaum zu erkennen. Mein erster Gedanke war: „Der  Autor hat sich mit seinen Kumpels zusammengesetzt und ein Brainstorming gemacht, was alles in so ein DDR-Buch rein muss. Danach wurde die Liste einfach abgearbeitet.“ Der Eindruck hält sich leider durchgehend, erst zum Ende hin nimmt die Handlung an Zusammenhang und Tempo zu.

    Der Erzählstil ist sprunghaft, die Sätze kurz, manchmal wie abgebrochen, genauso wenig zu Ende gebracht wie die absatzweisen Einblicke in den Alltag. Trotzdem ist das Buch leicht zu lesen und die Aneinanderreihung hat auch den Effekt, dass man doch noch schnell den nächsten Absatz lesen möchte, um zu sehen, welche Erinnerung dieser wohl bereithält.

    „Schneckenmühle“ ist für mich ein Roman, der meine eigenen Erinnerungen wieder wachgerufen hat. Vieles aus dem Ferienlageralltag habe ich genau so erlebt und in Gedanken befand ich mich nicht in „Schneckenmühle“, sondern auf der „Rauschenburg“, meinem Ferienlager, in das ich noch bis 1990 sehr gern gefahren bin. Witzig fand ich, dass Jens genau wie ich ein Sprüchebuch hatte. In meinem fanden sich auch die Liedtexte zu typischen Ferienlagerliedern wieder, die auch die Mädchen in „Schneckenmühle“ sangen. Als kleine Zeitreise hat mir das Buch sehr gut gefallen, ich werde es noch einmal lesen, um meine eigenen Anmerkungen dran zuschreiben. Als Roman, sowohl von der Geschichte her als auch vom Erzählstil gefällt mir das Buch allerdings sehr wenig.

    © Tintenelfe

    www.tintenhain.de

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    StackOfBookss avatar
    StackOfBooksvor 6 Jahren
    Ferienlager 'Schneckenmühle'

    Im Sommer 1989 fährt Jens das letzte Mal ins Ferienlager Schneckenmühle in der DDR. Ein Sommer voller Abenteuer liegt vor ihm, Mädchen, Tanzen in der Disko, die doofe Warze an seiner Hand verstecken, Karten und Tischtennis spielen, Freunde finden.

    Jens ist 14 und sehr sprunghaft. Er weiß nicht wirklich, was er will. Wem will er lieber gefallen? Ist es jetzt besser das oder das zu sagen? Werden ihn alle auslachen, wenn er anfängt zu tanzen? Besser weiter Karten spielen. Der Fernseher Zuhause hat ein Wollknäuel auf der Antenne, damit man sich nicht die Augen aussticht. Mit Zahnpasta kann man hervorragend Gucklöcher in den Mädchen-Waschraum verstecken. Warum klopfen die anderen jetzt genau beim Kartenspielen?
    So ungefähr ist das ganze Buch. Mal hier mal da. Manchmal war ich mir nicht sicher, ob Jens das jetzt grade wirklich erlebt, er seinen Träumen nachhängt oder sich an etwas erinnert. Das mag hervorragend zu einem Jugendlichen passen, ist aber sehr anstrengend zu lesen. Zumindest habe ich mich ziemlich durchgequält. Hilfreich ist hier auch nicht dass der rote Faden echt häufig verloren geht, bzw. es ihn teilweise gar nicht gibt.
    Gegen Ende wird es besser, es wird sogar ein bisschen spannend, aber dann lässt das Ende einen (zumindest mich) wieder ratlos zurück.

    Ich hab ein paar neue Dinge über den DDR-Alltag erlernt, Jens ist eigentlich ein ganz nettes und lustiges Kerlchen, aber das konnte den wirklich anstrengenden Schreibstil leider nicht retten. Über 2 Wochen hab ich für dieses nicht sehr dicke Buch gebraucht, bei mir spricht das Bände. Leider. Schade :(

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Daniliesings avatar
    Im C.H.Beck Verlag erscheint am 11. Februar der neue großartige Roman des deutschen Autors Jochen Schmidt. Hinter dem spannenden Titel "Schneckenmühle" verbirgt sich ein ebenso interessantes Buch! Ihr habt jetzt die Möglichkeit diesen wunderbaren und komischen Roman übers Aufwachsen in der DDR gemeinsam in einer Leserunde zu entdecken!

    Mehr zum Inhalt:
    Jens ist 14 geworden und darf zum letzten Mal ins sächsische Ferienlager Schneckenmühle fahren, dort kann man Skat spielen, Fußball und Tischtennis, muss allerdings auch auf Wanderungen gehen, in den Zoo oder nach Dresden fahren, und vor allem sind da die endlosen Nächte mit Quatsch und Gesprächen über Mädchen. Nur Tanzen in der abendlichen Disko, das kommt nicht infrage, zum Tanzen ist Jens zu schüchtern. Nach einem Ausflug wird Jens krank und kommt auf die Krankenstation. Da taucht Peggy bei ihm auf, die von der Gruppe gehänselt wird, und bittet ihn, ihr Essen zu bringen, sie würde sich von nun an verstecken. Aber dann wird sie im Lager vermisst und die Polizei wird eingeschaltet. Die Sache spitzt sich zu, auch zwischen Jens und Peggy.
    Es ist der Sommer 1989 in der DDR – und nicht nur den Jugendlichen stehen große Veränderungen bevor.


    --> Leseprobe zum Buch

    Ab sofort könnt ihr euch als Testleser für "Schneckenmühle" bewerben und mit etwas Glück eins von 25 Exemplaren dieses mit viel Freude zum Detail und Wärme erzählten Buches für die Leserunde gewinnen. Voraussetzung dafür ist, dass ihr euch im Gewinnfall zeitnah am Austausch in den Leseabschnitten hier beteiligt und abschließend eine Rezension schreibt.

    Beantwortet für die Chance auf eines der Bücher ganz einfach die folgende Frage bis spätestens 13. Februar 2013:

    Erzählt uns etwas aus eurer Jugend - wie und wo habt ihr früher eure Sommer verbracht? Welche Erinnerungen sind euch besonders im Gedächtnis geblieben?
    michelauslönnebergas avatar
    Letzter Beitrag von  michelauslönnebergavor 5 Jahren
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