Jochen von Lang Das Eichmann - Protokoll

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Inhaltsangabe zu „Das Eichmann - Protokoll“ von Jochen von Lang

Hrsg. Lang, Jochen von 66 faks. Dokum. 276 S. Text.
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  • "Ich bin ein Mann, der nicht lügen kann."

    Das Eichmann - Protokoll

    Liebes_Buch

    18. February 2014 um 16:29

    "Das Eichmann-Protokoll" ist eine Zusammenfassung der Original-Verhöre, denen Adolf Eichmann nach seiner Festnahme in Israel unterzogen wurde. Das Buch besteht fast nur aus Frage und Antwort. Manchmal gibt es geschichtliche Erklärungen zu Geschehnissen oder es werden besondere Lügen Eichmanns berichtigt. Der Leser erlebt einen freundlichen und zuvorkommenden Eichmann, der sich selbst als Freund des jüdischen Volkes sieht, der leider durch seine Tätigkeit als Beamter in etwas Blödes reingerutscht ist. Dabei legt er grossen Wert darauf, nur Evakuierungen (Deportation) organisiert zu haben. Mit dem Warum und Wohin hat er nichts zu tun. Als Ehrenmann hat er seinen Treueeid erfüllt und fleissig gearbeitet. Immer wieder betont er, niemals zu lügen, gar nicht lügen zu können und bringt seine Verachtung gegenüber seinen Untergebenen aus, die ihn mit Aussagen belasten. "Die Propaganda hat mich nämlich zu einer Person gestempelt, die ich nie war." Im Gegensatz zu anderen sei er nicht untergetaucht. Er deutet sogar an, sich freiwillig von Israel fangen gelassen zu haben. Traurige Höhepunkte der Verhöre sind, wenn Eichmann die Alliierten als schuldig hinstellt, behauptet, seine jüdischen Freunde hätten es irgendwie gutgeheissen, dass er den Nazis beitrat oder sogar die Schuld der Nazis zu schmälern versucht, indem er wiederholt darauf hinweist, wie viele Juden doch überlebt haben. Immer wieder empört er sich über die Moral der Zeugen, die ihn belasten. Er selber sei ein "Mann, der nicht lügen kann". Besonders aufschlussreich fand ich ein Buch, das als Beweisstück diente, die Aufzeichnungen eines in den Augen Eichmanns zu laschen Nazi-Offiziers. Voller Empörung hatte Eichmann im gesamten Text den Begriff "Offizier" durchgestrichen und mit "Verräter", "Lump", "Arschloch" und "Sau" ersetzt. Als Fazit schrieb er hinein: "Den Autor sollte man lebendigen Leibes enthäuten ob seiner Niedertracht. Mit solchen Lumpen musste der Krieg verloren werden." Der Leser erfährt in diesem Buch, dass Eichmann nach Kants Forderung lebte und dem nationalsozialistischen Gottesglauben anhing. Die Selbstsicht des Adolf Eichmanns ist niederschmetternd. Dieses Buch hat mich tief deprimiert. Verstärkt wird das noch durch das letzte Kapitel, in dem der jüdische Polizist, der die Verhöre führte, seine Sicht schildert. Eichmanns Einschätzung, "wir beide sind eigentlich Kollegen", teilt er nicht. Dafür kam er bald dahinter, dass was im Busch war, wenn Eichmann vehement verneinte, so dass man an diesen Punkten gezielt ermitteln konnte. Auf diese Weise hat Adolf Eichmann der Polizei doch etwas geholfen. Es gibt einen Anhang mit Abbildungen von Dokumenten. Reue oder Bedauern sucht man bei Adolf Eichmann vergebens. Er war ein knallharter Egoist mit einem grenzenlosen Selbstwertgefühl, das er mit schöner Philosophie garnierte. Ich bin froh, dass er verurteilt wurde und seine Lügen nicht geglaubt wurden. 

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