Inhaltsangabe:
Dawn Edelstein ist in der Mitte ihres Lebens angekommen. Sie arbeitet als Sterbebegleiterin, kümmert sich um ihre Teenager-Tochter Merrit und führt mit ihrem Mann Brian eine solide Ehe. Dawn wollte vor 15 Jahren in Ägyptologie promovieren, aber sie musste sich um ihren jugendlichen Bruder Kieran kümmern. Als ihre Mutter im Sterben lag, lernte sie Brian kennen. Schon bald stellte sich eine Schwangerschaft ein und es gab keine Möglichkeit mehr, zu ihrer Doktoranden-Stelle zurückkehren.
Nach einem Zwischenfall mit dem Flieger kehrt sie nicht wie erwartet nach Boston zurück, sondern reist nach Ägypten. Sie kehrt an den Ort zurück, den sie vor 15 Jahren überstürzt verlassen musste. Und wie erhofft, ist noch der Mann da, dem sie damals ihr Herz schenkte: Wyatt Armstrong! Britischer Aristokrat und Wissenschaftler in der Ägyptologie! Damals hatten sie gemeinsam an Ausgrabungs-Projekten gearbeitet, nun ist Wyatt der Leiter der Gruppe und er hat offenbar seinen Charme noch immer nicht verloren.
Dawn stellt sich immer wieder die Frage, was wäre geschehen, wenn …? Das Fundament ihrer Ehe beginnt zu bröckeln, als Brian scheinbar eine Geliebte hat. Eine Klientin bittet sie um einen ungewöhnlichen Gefallen und Ägypten scheint wie ein Traum gewesen zu sein. Sie geht ihren Fragen und Gefühlen auf die Spur und muss sich selbst das eine oder andere eingestehen.
Mein Fazit:
Wer kennt diese Phasen im Leben nicht? Zweifel, ob man da angekommen ist, wo man hinwollte, stellen sich immer wieder mal ein. Meist ist es am drängendsten in der Mitte des Lebens. Mehr oder weniger lässt man sein bisheriges Leben Revue passieren und erstellt einen Zwischenfazit! Habe ich meine Ziele erreicht? Bin ich da, wo ich sein wollte? Ist der oder die Partner*in an meiner Seite? Bin ich glücklich?
Jodi Picoult hat mit Dawn eine Frau erschaffen, die alles sein wollte, was sich ihr Herz wünschte. Schon in der Jugend begann sie sich mit der Ägyptologie zu beschäftigen, lernte dafür notwendige Fremdsprachen und studierte Archäologie. Um promovieren zu können, nahm sie an Ausgrabungen in Ägypten teil und wurde somit zur ernsthaften Konkurrenz für Wyatt Armstrong. Verarmter britischer Adel, der jedoch seiner Überheblichkeit und Arroganz keinen Abbruch tat. Dawn und Wyatt waren füreinander bestimmt und es flammte trotz ihrer ständigen kleinen Reibereien und Neckereien die Liebe auf. Aber das Schicksal hatte andere Pläne für sie. Ihre Liaison wurde jäh gebrochen, als ihre Mutter im Sterben lag und sie sich um ihren Bruder Kieran kümmern musste.
Dawn ist eine Frau aus dem Leben – aus der Mitte der Gesellschaft. Ihr wurde nicht viel geschenkt, vieles musste sie sich hart erarbeiten oder über sich ergehen lassen. Sie war immer für andere da und hat wenig an sich selbst gedacht, obwohl ihre Pläne für ihr Leben gänzlich andere waren.
Der Erzählstil ist nicht linear. Es wird in Vergangenheit und Gegenwart hin und hergesprungen. Dabei offenbaren sich gute Kenntnisse in der Ägyptologie. Die Autorin hat wieder gut recherchiert und mit vielen kleinen und größeren Geschichten aus der ersten Hochkultur geglänzt. Zuweilen, das gebe ich gerne zu, gibt es Stellen, die vielleicht etwas kürzer ausfallen könnten. Dem einen oder anderen mag es langatmig erscheinen, mir ein paar Mal auch. Dennoch lohnt es sich weiterzulesen bzw. zuhören.
Die letzten vier Stunden (von sechszehn) habe ich gebannt die Geschichte um Dawn, Wyatt, Brian und Merrit verfolgt. Alle losen roten Fäden finden zu einem großen Ganzen zusammen und ergeben schließlich Sinn. Die Erzählerin Tanja Fornaro hat eine angenehme Stimme und hat die Emotionen und Begebenheiten sehr gut transportiert. In den Dialogen war jede Figur gut zu erkennen. Jodi Picoult hat jede Figur gut gezeichnet, sie glaubhaft und authentisch beschrieben.
Mich hat die Geschichte sehr berührt und vieles nahe gebracht. Und irgendwie fühle ich mit Dawn, die um ihren großen Traum gebracht wurde und sich dann in ihr Schicksal fügte. Von mir gibt es fünf Sterne und eine klare Lese- bzw. Hörempfehlung.




























