Joe Hill

 4 Sterne bei 1.037 Bewertungen
Autor von Blind, Christmasland und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Joe Hill wurde 1972 in Neuengland geboren. Für seine Kurzgeschichten, die in zahlreichen Zeitschriften und Anthologien erschienen, wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ray Bradbury Fellowship, dem Bram Stoker Award und dem renommierten World Fantasy Award. Mit seinem Roman »Fireman« stand er auf Platz 1 der »New York Times«-Bestsellerliste. Viele seiner Werke wurden für Film und Streamingdienste adaptiert.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Strange Weather (ISBN: 9783986763275)

Strange Weather

Erscheint am 13.10.2026 als Taschenbuch bei Festa Verlag.
Cover des Buches VOLLGAS und andere Erzählungen (ISBN: 9783986763251)

VOLLGAS und andere Erzählungen

Erscheint am 13.10.2026 als Taschenbuch bei Festa Verlag.
Cover des Buches King Sorrow II (ISBN: 9783453275799)

King Sorrow II

(19)
Neu erschienen am 15.07.2026 als Gebundenes Buch bei Heyne. Es ist der 2. Band der Reihe "King Sorrow".
Cover des Buches King Sorrow II (ISBN: 9783759902900)

King Sorrow II

(2)
Neu erschienen am 13.07.2026 als Hörbuch bei Random House Audio.

Alle Bücher von Joe Hill

Cover des Buches Blind (ISBN: 9783453565128)

Blind

(228)
Erschienen am 01.09.2008
Cover des Buches Christmasland (ISBN: 9783453437975)

Christmasland

(141)
Erschienen am 08.12.2014
Cover des Buches Teufelszeug (ISBN: 9783453406032)

Teufelszeug

(90)
Erschienen am 11.10.2011
Cover des Buches Im hohen Gras (ISBN: 9783641119850)

Im hohen Gras

(94)
Erschienen am 12.08.2013
Cover des Buches Fireman (ISBN: 9783453318342)

Fireman

(52)
Erschienen am 09.05.2017
Cover des Buches Locke & Key: Willkommen in Lovecraft (ISBN: 9783866078505)

Locke & Key: Willkommen in Lovecraft

(40)
Erschienen am 29.05.2013
Cover des Buches King Sorrow I (ISBN: 9783453275782)

King Sorrow I

(30)
Erschienen am 16.04.2026
Cover des Buches Black Box (ISBN: 9783453811645)

Black Box

(26)
Erschienen am 03.12.2007

Neue Rezensionen zu Joe Hill

Cover des Buches King Sorrow II (ISBN: 9783453275799)
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Rezension zu "King Sorrow II" von Joe Hill

Icedragon
Teil 2

Joe Hills "King Sorrow II" ist die direkte Fortsetzung des ersten Bandes (warum es geteilt werden musste, darüber kann man spekulieren und gehört hier nicht hin). Man sollte den ersten Teil also unbedingt gelesen haben, ansonsten kommt man nicht mit.

Das Buch beginnt mit Donna und Van. Der Rest der Freundesgruppe bekommt erst nach den ersten 100 Seiten seinen Auftritt, aber das ist in Ordnung, sie bekommen trotzdem genug Raum im Buch. Noch immer sind alle im Pakt mit dem Drachen "King Sorrow" gefangen, wollen aber daraus ausbrechen und suchen nach Lösungen. Das tolle sind die vielen Wendungen in der Geschichte, mit denen der Leser nicht wirklich rechnet und die auch immer wieder Schwung in die Geschichte bringen. An manchen Stellen zieht sie sich nämlich ganz schön. Auf der anderen Seite ist das aber toll - denn Hill lässt sich Zeit, die Charaktere zu entfalten, was sehr interessant gestaltet ist und für mich gut zum ersten Band passt, als alle noch jung und teilweise ein bisschen naiv waren.

Das Finale ist auf jeden Fall grandios - eine gelungene Mischung aus Action, Emotionen und Gefahr. Es passt zum Buch und rundet es ab. Das Gesamtwerk ist gelungen und auch wenn es mich nicht so vom Hocker gerissen hat, wie andere Hill Bücher, ist es trotzdem gut geschrieben und spannend.

Cover des Buches King Sorrow II (ISBN: 9783453275799)
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Rezension zu "King Sorrow II" von Joe Hill

PoldisHoerspielseite
Joe Hill - Sorrow King II

Nach dem gewaltigen ersten Teil setzt King Sorrow II praktisch ohne Verschnaufpause dort an, wo die Geschichte aufgehört hat. Arthur Oakes und seine Freunde sind inzwischen längst keine sorglosen Studenten mehr. Jahre sind vergangen, Lebenswege haben sich verändert, Beziehungen sind entstanden und zerbrochen – nur eines ist geblieben: King Sorrow. Der Drache fordert weiterhin seinen Preis, und aus dem einst verzweifelten Versuch, ein Problem zu lösen, ist endgültig ein Fluch geworden, der ihr gesamtes Leben bestimmt.

Gerade diese Entwicklung finde ich enorm spannend. Im ersten Band konnte man die Entscheidung der Freunde zumindest noch aus ihrer damaligen Situation heraus nachvollziehen. Sie hatten Angst, standen unter Druck und glaubten, mit der Beschwörung eine Lösung gefunden zu haben. Inzwischen gibt es diese Ausrede nicht mehr. Sie wissen genau, womit sie es zu tun haben. Jahr für Jahr müssen sie entscheiden, welchen Preis sie bereit sind zu zahlen – und irgendwann lässt sich diese Verantwortung eben nicht mehr verdrängen.

King Sorrow selbst wird dabei immer unberechenbarer. Der Drache begnügt sich längst nicht mehr damit, einfach nur das zu nehmen, was ihm angeboten wird. Seine Gier wächst, die Zahl der Opfer steigt und damit verändert sich auch die moralische Ausgangslage. Arthur erkennt zunehmend, dass es keine dauerhafte Lösung sein kann, den Pakt einfach weiterzuführen. Der Drache muss verschwinden.

Nur ist das leichter gesagt als getan.

Besonders gut gefällt mir, dass Joe Hill den Konflikt diesmal noch stärker auf die Figuren verlagert. King Sorrow bleibt selbstverständlich die gewaltige Bedrohung im Hintergrund, aber mindestens genauso gefährlich werden Misstrauen, unterschiedliche Interessen und alte Verletzungen innerhalb der Gruppe. Nicht alle verfolgen dieselben Ziele, und irgendwann stellt sich die Frage, ob der eigentliche Gegner tatsächlich immer der Drache ist.

Genau dadurch bekommt dieser zweite Teil für mich noch einmal eine andere Dynamik. Die Freunde, die einst gemeinsam das Ritual durchgeführt haben, sind inzwischen Erwachsene mit völlig unterschiedlichen Lebenswegen. Manche versuchen, mit ihrer Schuld zu leben, andere verdrängen sie und wieder andere haben längst begonnen, ihre ganz eigenen Konsequenzen daraus zu ziehen. Diese Entwicklung macht die Figuren für mich wesentlich interessanter als eine klassische Gruppe von Horrorprotagonisten, die einfach gemeinsam gegen ein Monster kämpft.

Auch Arthur steht inzwischen an einem völlig anderen Punkt seines Lebens. Aus dem Studenten ist ein Professor für Englische Literatur geworden, aber der Pakt verfolgt ihn weiterhin. Gerade dieser Gegensatz gefällt mir: Nach außen existiert ein scheinbar normales Erwachsenenleben, während im Hintergrund jedes Jahr dieselbe monströse Verpflichtung wartet. Man kann Karriere machen, Beziehungen führen und versuchen weiterzuleben – aber irgendwann kommt der Drache zurück.

Joe Hill erweitert die Geschichte außerdem deutlich über den ursprünglichen Kreis der Freunde hinaus. Die Existenz King Sorrows bleibt nicht völlig unbemerkt und weckt Begehrlichkeiten. Besonders interessant fand ich den Gedanken, dass eine solche übernatürliche Macht irgendwann nicht mehr ausschließlich als Gefahr betrachtet wird. Wo Macht existiert, gibt es schließlich immer Menschen, die sie kontrollieren, untersuchen oder für ihre eigenen Zwecke einsetzen wollen.

Dadurch entwickelt sich King Sorrow II teilweise weg vom klassischen Horrorroman und stärker in Richtung düsterer Fantasy-Thriller. Es geht plötzlich nicht mehr nur darum, einen Drachen loszuwerden, sondern auch darum, was geschieht, wenn Menschen glauben, eine solche Kreatur beherrschen zu können. Und natürlich kann man sich ungefähr vorstellen, wie hervorragend dieser Plan funktioniert.

Einige Passagen benötigen allerdings etwas Geduld. Gerade im mittleren Teil nimmt sich Hill erneut sehr viel Zeit für Nebenhandlungen, Experimente und Entwicklungen, die nicht unmittelbar auf das Finale zulaufen. Das hat mich etwas weniger gepackt als die stärksten Abschnitte des Romans. Gleichzeitig gehört diese Ausführlichkeit aber auch zum Konzept der gesamten Geschichte. King Sorrow ist eben kein schneller Monsterroman, sondern ein richtig großes Horror-Epos.

Dafür zieht die Handlung im letzten Drittel noch einmal gewaltig an. Hier zahlt sich vieles aus, was über beide Bände hinweg vorbereitet wurde. Entscheidungen aus der Vergangenheit bekommen Konsequenzen, Beziehungen verändern sich endgültig und einige Entwicklungen haben mich tatsächlich überrascht. Joe Hill geht dabei keineswegs zimperlich mit seinen Figuren um. Nur weil man jemanden über mehr als tausend Seiten begleitet hat, bedeutet das noch lange nicht, dass dieser Mensch auch sicher bis zum Ende kommt.

Gerade deshalb funktionieren einige Momente so gut. Hill hat sich enorm viel Zeit genommen, seine Figuren aufzubauen. Wenn ihnen dann etwas geschieht, ist das eben nicht irgendein namenloses Opfer eines Drachen. Man hat ihre Beziehungen, Fehler, Hoffnungen und Ängste kennengelernt. Entsprechend härter treffen manche Entwicklungen.

Sehr gelungen finde ich außerdem, wie der Roman fantastische Elemente mit unserer realen Welt verbindet. Mythologie, gesellschaftliche Entwicklungen und tatsächliche Ereignisse werden immer wieder in die Geschichte integriert. Dadurch entsteht teilweise das merkwürdige Gefühl, dass King Sorrow tatsächlich irgendwo zwischen unserer bekannten Wirklichkeit existieren könnte.

Auch die mythologischen Elemente werden im zweiten Teil noch einmal erweitert. Drachen, Trolle und Motive aus alten britischen Legenden verbinden sich mit modernen Themen. Gerade diese Mischung hat für mich einen besonderen Reiz. Hill übernimmt solche Vorstellungen nicht einfach, sondern spielt damit und übersetzt sie in eine moderne Welt.

Im Kern bleibt King Sorrow für mich aber vor allem eine Geschichte über Verantwortung. Was passiert, wenn eine Entscheidung, die man mit Anfang zwanzig getroffen hat, das gesamte weitere Leben bestimmt? Wie weit darf man gehen, um sich selbst oder seine Freunde zu schützen? Kann man das Leben eines Menschen gegen das Leben mehrerer anderer aufrechnen? Und wann wird aus einer vermeintlichen Notwendigkeit einfach nur noch Bequemlichkeit?

Solche Fragen machen die Geschichte wesentlich interessanter als die reine Jagd auf einen Drachen. Man ertappt sich beim Lesen durchaus dabei, einzelne Entscheidungen zunächst nachvollziehen zu können und wenige Seiten später wieder völlig anders darüber zu denken. Genau das gefällt mir.

Das Cover bildet übrigens einen schönen Gegenpol zum ersten Band. Während dort Rot, Orange und Feuer dominierten, setzt der zweite Teil auf Grün- und Blautöne. Zusammen ergeben beide Ausgaben optisch ein sehr schönes Paar. Gleichzeitig bleibt die Gestaltung abstrakt genug, um King Sorrow nicht einfach plakativ als Fantasy-Drachen auf das Cover zu setzen.

Dass der deutsche Verlag den amerikanischen Originalroman auf zwei Bücher aufgeteilt hat, kann man sicher diskutieren. Zusammengenommen kommt die Geschichte auf einen enormen Umfang. Nach der Lektüre beider Teile muss ich aber sagen, dass mir die Unterbrechung nicht einmal besonders geschadet hat. Dieses Monster von Geschichte bietet so viele Figuren, Zeitsprünge und Entwicklungen, dass eine kurze Pause durchaus willkommen sein kann.

Unterm Strich liefert Joe Hill mit King Sorrow II einen starken Abschluss dieses gewaltigen Horror-Epos. Nicht jeder Abschnitt hat mich gleichermaßen gefesselt und gerade in der Mitte hätte die Geschichte für mich etwas straffer sein dürfen. Dafür entschädigt das letzte Drittel mit großen Entwicklungen, überraschenden Wendungen und einem Finale, das die lange Reise tatsächlich zu einem befriedigenden Ende führt.

Besonders stark bleibt für mich die Entwicklung der Figuren. Aus einer Gruppe junger Menschen, die einmal glaubte, ein übernatürliches Problem für die eigenen Zwecke nutzen zu können, werden Erwachsene, die mit den Konsequenzen dieser Entscheidung leben müssen. King Sorrow ist dabei nicht nur ein Drache, sondern immer stärker auch das Sinnbild für Gier, Schuld, Macht und jene Dinge, von denen man glaubt, sie kontrollieren zu können – bis sie irgendwann einen selbst kontrollieren.

Nach beiden Bänden bleibt deshalb vor allem das Gefühl, tatsächlich eine große Geschichte erlebt zu haben. Über tausend Seiten Freundschaft, Schuld, Verrat, Horror, Mythologie und natürlich ein verdammt hungriger Drache.

Nicht vollkommen ohne Längen, aber insgesamt ein beeindruckendes, düsteres und ungewöhnliches Horror-Epos, das mir lange im Gedächtnis bleiben dürfte

Cover des Buches King Sorrow I (ISBN: 9783453275782)
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Rezension zu "King Sorrow I" von Joe Hill

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Joe Hill - King Sorrow I

Joe Hill erzählt in King Sorrow eine Geschichte, die auf den ersten Blick nach einem klassischen Pakt mit einer übernatürlichen Macht klingt. Doch statt Teufel, Dämon oder irgendeiner namenlosen Wesenheit wartet hier ein Drache – und gerade diese zunächst fast fantastisch wirkende Idee entwickelt sich zu einem ausgesprochen düsteren Horrorstoff. Was als verzweifelter Ausweg aus einer gefährlichen Situation beginnt, verfolgt eine Gruppe junger Menschen schließlich über Jahre hinweg.


Im Mittelpunkt steht Arthur Oakes, Student am renommierten Rackham College in Maine. Arthur arbeitet in der Universitätsbibliothek und hat dort Zugang zu wertvollen Büchern und seltenen Ausgaben. Genau das wird ihm zum Verhängnis, als er ins Visier zweier Krimineller gerät. Sie setzen ihn unter Druck und wollen ihn dazu zwingen, seine Stellung auszunutzen und wertvolle Bücher zu stehlen.

Arthur vertraut sich schließlich seinen Freunden an. Gemeinsam suchen sie nach einem Ausweg und stoßen dabei auf einen alten okkulten Text, der ein Ritual beschreibt, mit dem sich angeblich ein Drache beschwören lässt. Was macht man also in einer rauschhaften Silvesternacht mit solchem Wissen? Natürlich probiert man es aus. Dass dies möglicherweise keine besonders gute Idee ist, dürfte jedem Horrorfan bereits vorher klar sein.

Nur funktioniert das Ritual tatsächlich.

King Sorrow erscheint, und damit ist das Problem der Freunde zunächst sogar gelöst. Allerdings hat der Drache selbstverständlich seinen Preis. Die Gruppe soll ihm jedes Jahr ein menschliches Opfer liefern. Aus einer vermeintlichen Rettung wird damit ein Pakt, der ihr gesamtes weiteres Leben bestimmt.

Gerade diese Ausgangslage hat mir ausgesprochen gut gefallen. Es muss eben nicht immer ein Pakt mit dem Teufel sein. Joe Hill nimmt ein Motiv, das im Horror eigentlich uralt ist, verändert einige entscheidende Zutaten und macht daraus etwas Eigenständiges. Besonders die Kombination aus Collegegeschichte, Dark Fantasy, Coming-of-Age und Horror funktioniert erstaunlich gut.

Dabei ist King Sorrow weit mehr als einfach nur ein großes feuerspeiendes Monster, das gelegentlich auftaucht und Menschen frisst. Der Drache besitzt Persönlichkeit. Er wirkt intelligent, grausam und auf eine sehr eigene Art beinahe charismatisch. Gerade deshalb ist er so interessant. Man weiß, welche Gefahr von ihm ausgeht, und trotzdem hat die Figur eine Faszination, der man sich nur schwer entziehen kann.

Sehr gut gefällt mir auch, wie Hill mit den unterschiedlichen Figuren arbeitet. Die Gruppe besteht nicht einfach aus austauschbaren Opfern, die nur darauf warten, der Reihe nach dezimiert zu werden. Die Charaktere unterscheiden sich deutlich voneinander, besitzen eigene Probleme und entwickeln sich im Verlauf der Geschichte weiter. Gerade weil man viel Zeit mit ihnen verbringt, funktionieren die späteren Konsequenzen des Paktes umso besser.

Denn das eigentlich Spannende beginnt für mich dort, wo aus der zunächst fast abenteuerlichen Beschwörung eine dauerhafte Verpflichtung wird. Ein Opfer mag sich in einer extremen Situation vielleicht noch irgendwie rechtfertigen lassen. Aber was passiert im nächsten Jahr? Und im Jahr danach? Wie lange kann man sich selbst einreden, dass es keine Alternative gibt?

Genau daraus zieht der Roman einen großen Teil seines Horrors. King Sorrow tyrannisiert die Gruppe nicht nur durch seine unmittelbare körperliche Bedrohung. Viel schlimmer ist die Gewissheit, dass er wiederkommen wird. Die Freunde müssen mit ihren Entscheidungen weiterleben und irgendwann feststellen, dass der vermeintliche Ausweg sie lediglich in eine wesentlich größere Falle geführt hat.

Hill lässt sich dabei viel Zeit. Wer einen Horrorroman erwartet, in dem alle paar Seiten etwas explodiert oder der Drache über den nächsten Menschen herfällt, dürfte überrascht sein. Der Roman interessiert sich mindestens genauso stark für seine Figuren, ihre Beziehungen und die Veränderungen, die sie durchmachen. Das sorgt gelegentlich dafür, dass das Tempo etwas zurückgeht, macht die Geschichte für mich aber gleichzeitig wesentlich wirkungsvoller.

Besonders gelungen finde ich die Mischung aus fantastischem Horror und sehr menschlichen Problemen. Freundschaften verändern sich, Lebenswege entwickeln sich auseinander und Entscheidungen aus der Jugend bekommen Jahre später plötzlich ein ganz anderes Gewicht. Über allem hängt jedoch immer King Sorrow. Dadurch entsteht eine permanente Bedrohung, selbst wenn der Drache gerade überhaupt nicht unmittelbar präsent ist.

Auch die härteren Momente funktionieren. Hill scheut sich nicht davor, seine Figuren leiden zu lassen, und wenn King Sorrow zuschlägt, kann die Geschichte ziemlich unangenehm werden. Gerade weil vorher so viel Zeit in die Charaktere investiert wurde, sind diese Szenen nicht einfach nur blutige Effekte. Man kennt die Beteiligten inzwischen und entsprechend stärker wirken die Konsequenzen.

Überhaupt erinnert die Erzählweise stellenweise durchaus an die großen, umfangreichen Horrorromane seines Vaters Stephen King. Nicht weil Joe Hill dessen Stil einfach kopieren würde, sondern weil auch hier eine größere Gruppe von Figuren über einen längeren Zeitraum begleitet wird und das Übernatürliche eng mit ihren persönlichen Geschichten verbunden ist. Der Horror entsteht dadurch nicht ausschließlich durch das Monster, sondern ebenso durch Schuld, Angst, Freundschaft und Entscheidungen, die sich irgendwann nicht mehr rückgängig machen lassen.

Man muss allerdings wissen, dass die deutsche Ausgabe den umfangreichen Originalroman in zwei Bände aufteilt. King Sorrow I erzählt deshalb nicht die komplette Geschichte. Wer nach diesem Band einen endgültigen Abschluss erwartet, wird zwangsläufig auf den zweiten Teil warten beziehungsweise weiterlesen müssen. Für mich funktioniert der erste Teil trotzdem sehr gut als umfangreicher Einstieg in diese Geschichte.

Das Cover gefällt mir ebenfalls. Die Mischung aus dunklem Hintergrund, kräftigem Rot und dem fast glühenden Gelb im unteren Bereich wirkt zunächst recht abstrakt. Erst beim genaueren Hinsehen erkennt man die drachenartige Struktur hinter dem Titel. Das passt erstaunlich gut zu King Sorrow selbst: Die Bedrohung ist da, auch wenn sie nicht immer sofort vollständig sichtbar wird.

Unterm Strich ist King Sorrow I für mich ein richtig starker Auftakt. Joe Hill nimmt das klassische Motiv eines verhängnisvollen Paktes, setzt einen Drachen an die Stelle der üblichen Höllengestalten und entwickelt daraus eine Geschichte, die wesentlich mehr bietet als reine Monsteraction. Vor allem die Figuren, ihre Entwicklung und die immer größer werdende moralische Belastung durch den Pakt haben mir gefallen.

Ein umfangreicher Mix aus Horror, Dark Fantasy und Coming-of-Age, der sich Zeit für seine Charaktere nimmt und gerade deshalb funktioniert. King Sorrow selbst ist dabei eine herrlich unangenehme Erscheinung: bedrohlich, faszinierend und mit genügend Persönlichkeit ausgestattet, um weit mehr als nur das Monster der Geschichte zu sein.

Und nach diesem ersten Teil steht für mich ohnehin fest: Ich will wissen, wie die Sache mit diesem verdammten Drachen endet.

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