Joe R. Lansdale Ein feiner dunkler Riss

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Inhaltsangabe zu „Ein feiner dunkler Riss“ von Joe R. Lansdale

East Texas, 1958. Bis vor kurzem glaubte der dreizehnjährige Stanley noch an den Weihnachtsmann. Im Laufe eines einzigen heißen Sommers erfährt er jedoch mehr über die Welt jenseits seiner Superheldencomics und des elterlichen Autokinos, als ihm lieb ist. Stans Welt ist von Gewalt geprägt: Sein bester Freund wird zu Hause verprügelt, die Küchenhilfe lebt bei einem gewalttätigen Mann, und selbst Stans Vater wird handgreiflich, wenn es um die Familienehre geht – zum Beispiel gegen übereifrige Verehrer von Stans siebzehnjähriger Schwester. Das einzige Gegenprogramm liefern das Autokino von Stans Vater und die faszinierenden alten Geschichten um ein Spukhaus auf dem Hügel, einen kopflosen Geist am Bahndamm und zwei in ein und derselben Nacht ermordete Mädchen. Begleitet von seinem treuen Hund Nub und unterstützt von dem mürrischen schwarzen Filmvorführer und Ex-Polizisten Buster, beginnt Stan, Detektiv zu spielen – ohne zu ahnen, worauf er sich da eingelassen hat.

Ein tragischer, intelligenter Krimi aus dem Sommer 1958 vor dem Hintergrund der Rassendiskriminierung. Klare Leseempfehlung!

— darkchylde
darkchylde

Großartig

— Piepchen
Piepchen

Gekonnt lakonisch dargebrachte Mischung aus Coming-of-Age, Krimi und zeitgeschichtlichem Dokument

— Medienjournal
Medienjournal

Ohne erhobenen Finger lehrt der Autor dem Leser wie man Menschen mit Respekt und Würde behandelt.

— Taluzi
Taluzi

Ein tolles Buch, das einen auf eine Reise in die 50er mit nimmt. Lansdale schafft es den Leser mit den Worten in einen Bann zuziehen.

— AnjaSc
AnjaSc

Tolle Charaktere (vor allem der Protagonist. Was für ein Sympathieträger!), aber leider eine dünne Story mit vorhersehbarem Ende.

— letusreadsomebooks
letusreadsomebooks

Lansdale fängt Zeit und Atmosphäre gekonnt ein, liest sich wie geschnitten Brot und dabei erstaunlich tiefgründig. Fast 5*

— thursdaynext
thursdaynext

Joe R. Lansdale ist ein hervorragender Roman gelungen. Die Probleme, die in dieser Zeit präsent waren, werden gut rübergebracht.

— Ekcnew
Ekcnew

Ein geniales Buch, so vielschichtig... ebenso humorvoll wie spannend! Fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite!

— angi_stumpf
angi_stumpf

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    Ein feiner dunkler Riss
    Babyv

    Babyv

    27. December 2016 um 08:44

    Ich hatte ja von Anfang an ein super Gefühl bei dem Buch. Die Leseprobe hatte mich schon so richtig mitgerissen und obwohl ich dachte, dass es nicht mehr besser werden könnte, wurde es besser. Normalerweise lese ich Krimis nur selten und wenn, dann müssen sie wirklich gut sein, damit ich sie bis zum Ende lesen und hier muss ich sagen: es blieb bis zum Schluss äußerst spannend. Kurzzeitig dachte ich, dass der Mörder überführt wäre, es nahm jedoch letztendlich noch einmal eine komplett andere Wendung als ich gedacht hätte.  Nun möchte ich hier nun wirklich nicht zu viel verraten. Nur soviel: die Figuren passen sehr gut in die Zeit und sind tiefgründig dargestellt. Es wird auf eine, wenn auch nicht alltägliche Weise, auf die Abgründe der Menschheit und vor allem über Vorurteile hingewiesen und bleibt wirklich bis zum Schluss spannend auf hohem Niveau auch wenn es ein wenig traurig wird. Eine Hütte im Wald und ein Kästchen, das am Ende einen wirklich grausamen Fall auflöst ... Von meiner Seite einfach sehr empfehlenswert. Ich vergebe 5 Sterne und spreche eine Empfehlung aus!

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  • Review: Ein feiner dunkler Riss

    Ein feiner dunkler Riss
    Medienjournal

    Medienjournal

    18. October 2016 um 13:26

    Lansdales Ein feiner dunkler Riss ist wie andere Romane vor ihm eine gekonnte, lakonisch dargebrachte Mischung aus Coming-of-Age, Krimi und zeitgeschichtlichem Dokument und dabei so leichtfüßig und pointiert geschrieben, dass die 350 Seiten wie im Flug vergehen. Geschwängert von unheilvoller Südstaaten-Atmosphäre in den ausklingenden Fünfziger Jahren schildert der Autor einen Sommer, der das Leben seines gerade mal dreizehnjährigen Protagonisten für immer verändern wird. Mehr gibt es unter: http://medienjournal-blog.de/2014/07/review-ein-feiner-dunkler-riss-joe-r-lansdale-buch/

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  • Einen Sommer zum Erwachsen werden

    Ein feiner dunkler Riss
    Taluzi

    Taluzi

    02. June 2016 um 16:34

    East Texas 1958; Farbige wurden diskriminiert und von den meisten Weißen nicht geachtet, trotzdem lebten sie in den selben Städten, wie in Dewmont. Stanley wächst mit seiner Schwester, Mutter und Vater in einfachen Verhältnissen auf. Sie betreiben ein Autokino und beschäftigen dort auch Schwarze. Stanley ist 13 Jahre alt und glaubt fast noch an den Weihnachtsmann. Aber im Jahre 1958 wird sich alles für ihn ändern. Sein Freund Richard wird mehr und mehr von seinem Vater tyrannisiert, die Köchin flieht vor ihrem gewalttätigen und trinkenden Mann und Stanleys Schwester Callie hat den Rest ihres Lebens Stubenarrest wegen einem Jungen, mit dem sie nur geflirtet hat. Das wäre eigentlich schon genug Stoff für die Sommerferien, aber in den Ferien begeistert sich Stanley auch noch für eine alte Spukgeschichte: in ein und derselben Nacht sind zwei Mädchen auf tragische Weise umgekommen. Die eine verbrannte in ihrem Elternhaus und die andere verlor ihr Leben bei einem Bahnunfall. Ihr Kopf wurde nie gefunden. Durch alte Briefe die Stanley findet, stellt er fest, dass beide Mädchen sich sehr gut kannten. Gemeinsam mit Callie, Richard und Buster will er herausfinden was damals wirklich passierte. Ich nahm das Buch in die Hand und konnte es nicht weglegen. In diesem Sommer 1958 wird Stanley ein großes Stück erwachsender. Sehr gut war seine Entwicklung nach zu vollziehen, wie er aufgeklärt wird, wie er sich eine eigene Meinung über Schwarze bildet und wie er das Rätsel um die toten Mädchen Stück für Stück löst. Anfangs musste Stanley vieles über das Leben erklärt bekommen. Das machten seine Schwester, die eh Stubenarrest hatte und der Filmvorführer Buster, der früher mal so was wie ein Polizist war. Nach und nach wird Stanley reifer und kann sich immer mehr über das Leben selber zusammenreimen und kombinieren. Authentisch wird diese Entwicklung von dem naiven Jungen, der dem Weihnachtsmann hinterher trauerte zu dem reifen Jugendlichen, der mit Gewalt und Tod in Berührung kam, dargestellt. Der Autor Joe R. Lansdale erzählt das Leben in der amerikanischen Kleinstadt in den 50iger Jahren sehr überzeugend. Es ist geprägt von herrischen Männern und dem Rassismus. Die Familie Mitchel lässt Buster und Rosy Mae für sich arbeiten, hat aber anfangs noch die Einstellung, dass man mit ihnen nicht die Zeit verbringen sollte. „Farbige mögen es nicht, wenn man sie Nigger nennt. Ich bin vielleicht zu feige, um Zeit mit Negern zu verbringen, aber ich weiß, dass das falsch von mir ist – und dass es falsch ist, Nigger zu ihnen zu sagen. … Die Welt hat einfach noch nicht kapiert, wie man die Menschen behandeln sollte.“ Seite 43. Die Bürgerrechtsbewegungen und das Verbot der Rassendiskriminierung wird indirekt vom Autor angeschnitten. Denn Buster und Rosy Mae werden ein Bestandteil der Familie Mitchel: „Ich begrub sie auf der anderen Seite der Stadt auf dem Friedhof, wo auch meine Eltern liegen – dem Friedhof, auf dem noch vor dreißig Jahren nur Weiße bestattet werden durften.“ Seite 350. Ohne erhobenen Finger lehrt der Autor dem Leser wie man Menschen mit Respekt und Würde behandelt. Der Krimi ist spannend. Die Spannung steigerte sich kontinuierlich und die vielen Nebenschauplätze störten überhaupt nicht, sondern bereicherten die Geschichte. Bis zum Schluss rätselte ich was mit beiden Mädchen wirklich passiert ist und wer da hintersteckt. Das Ende war überraschend und irgendwie traurig. Das Buch hat mich voll und ganz überzeugt!

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  • Gewalt und Düsternis in der amerikanischen Provinz

    Ein feiner dunkler Riss
    Greedyreader

    Greedyreader

    18. March 2016 um 18:17

    Joe R. Lansdales Roman “Ein feiner dunkler Riss” (“A Fine Dark Line, 2003) spielt - wie “Dunkle Gewässer” - in East Texas, und zwar in der fiktiven Kleinstadt Dewmont am Sabine River, in der Gegend also, in der auch der Autor aufgewachsen ist. Dort ist die Familie des 13jährigen Stanley Michael Mitchel junior vor kurzem hingezogen. Stans Vater, ehemals Automechaniker, hat ein altes Autokino mit Imbiss gekauft. Die Familie beschäftigt zwei Farbige, Buster, den Filmvorführer, früher Polizist in einem Reservat, und die Haushaltshilfe Rosie Mae. Stan liebt Filme, Comics, seine Roy Rogers Cowboystiefel und seinen Hund Nub. Er hat eine 16jährige Schwester - Callie -, die viele Verehrer hat und gern flirtet, was ihr gelegentlich Ärger einbringt. Stan ist für sein Alter sehr naiv. Bis vor kurzem hat er noch an den Weihnachtsmann geglaubt, ist noch nicht aufgeklärt und überzeugt davon, dass mit der Welt alles in Ordnung ist.Im langen, heißen Sommer des Jahres 1958 findet er eines Tages in der Nähe seines Elternhauses ein vergrabenes Metallkästchen mit Liebesbriefen von M an J aus dem Jahre 1942. Er weiht seine Schwester ein und entdeckt mit ihr die Reste eines abgebrannten Hauses, das den Stilwinds gehört hat, der reichsten Familie im Ort. Stans Neugier ist geweckt. Er stellt mit Hilfe von Buster Nachforschungen an und findet schon bald heraus, dass damals in einer Nacht zwei Mädchen ermordet wurden: Jewel Ellen, die jüngere Tochter der Stilwinds und Margret, die bildhübsche Tochter der Prostituierten Winnie Wood. Stan, seine Schwester und sein Freund Richard geraten im Zuge ihrer nächtlichen Entdeckungstouren auf der Suche nach spukenden Geistern mehrfach in Lebensgefahr.Am Ende dieses Sommer ist nichts mehr, wie es war. Für Stan ist es das Ende der Kindheit und der Verlust der Unschuld. Er ist mit Rassismus, Sexualität und Gewalt in allen möglichen Formen und sogar Mord in Berührung gekommen. Er hat in schwierigen Situationen Entscheidungen getroffen und muss mit den Konsequenzen leben.Joe R. Lansdale hat einen interessanten, recht spannenden Roman geschrieben. Allerdings ist dies kein Krimi, sondern ein ungewöhnlicher Genre-Mix aus Abenteuer- und Detektivroman, Coming-of-Age Story und Sozialstudie einer Epoche und einer Region. Es ist die Zeit der strikten Rassentrennung, wo “Nigger” keine Rechte haben und die Weißen sich bei der “Nigger-Minstrel-Show” mit geschminkten weißen Darstellern schlapp lachen. Stan entwickelt zunehmend ein Bewusstsein für soziale Ungerechtigkeiten und wird Rosie Maes und Busters treuer Freund.Erzählt wird diese Geschichte aus der Perspektive des Jungen, wobei es dem Autor hervorragend gelingt, Sprache, Gedankenwelt und Gefühle des Jugendlichen authentisch zu vermitteln. Etwas seltsam ist dann allerdings, dass Stan erst als Erwachsener, mit Ende 50, die Geschichte dieses einzigartigen Sommers aufschreibt, das letzte fehlende Puzzleteilchen zur Lösung des Rätsels hinzufügt und auf den letzten Seiten mehrere Jahrzehnte seines Lebens und des Lebens der anderen Beteiligten wie im Zeitraffer zusammenfasst. Lansdales Roman gehört zum relativ neuen Genre des Country Noir, hier: East Texas Noir, wo kein Platz ist für falsche Nostalgie und Mythen vom idyllischen Landleben, sondern nur für teils krassen Realismus. Autoren wie Donald Ray Pollock, Daniel Woodrell. Madison Smartt Bell und Joe R. Lansdale konfrontieren ihre Protagonisten mit Gewalt und Verbrechen und zeigen die düstere Seite der amerikanischen Provinz, sozusagen als Gegenbild zum amerikanischen Traum. Am vorliegenden Roman gefällt mir ganz besonders, dass es immer weniger um die Lösung eines Kriminalfalls und immer mehr um das kritische Porträt einer Zeit geht, die wenige Jahre später mit der Bürgerrechtsbewegung ein Ende finden wird. Vor diesem Hintergrund verfolgt der Leser die Entwicklung des sympathischen jungen Protagonisten mit besonderem Interesse. Ein sehr empfehlenswerter Roman.

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  • Texas in den 50er Jahren

    Ein feiner dunkler Riss
    letusreadsomebooks

    letusreadsomebooks

    21. January 2016 um 20:51

    Der 13-jährige Stanley wächst in den 50er Jahren in Texas auf. An einem Sommertag findet er mit seinem Hund Nub im Wald ein vergrabenes Kästchen. Mit Hilfe des mürrischen schwarzen Ex-Polizisten Buster beginnt er, das Geheimnis des Kästchens zu untersuchen. Dabei kommt er einem mysteriösen Doppelmord auf die Spur, der bereits zwanzig Jahre zurückliegt. Stanley, der bis vor kurzem noch an den Weihnachtsmann glaubte, verlässt die Welt seiner Superheldencomics und spielt selber Detektiv. Der Hauptprotagonist und Ich-Erzähler Stanley ist mir von der ersten Seite an Herz gewachsen. Er ist manchmal herrlich naiv und bei seinen Darstellungen musste ich häufig schmunzeln. „Ich war aufgeklärt worden, und das gefiel mir nicht. Ich kam mir vor wie der letzte Volltrottel. Meine Unwissenheit beschränkte sich nicht auf den Weihnachtsmann und andere Fabelwesen. In der Schule war ich auch keine große Leuchte. Obwohl ich klüger und belesener war als die meisten Kinder, war ich in Mathe so schlecht, dass man mich eigentlich hätte erschießen müssen.“ Stanley ist unbedarft, nicht immer mutig, aber ein Junge, den man als Leser eben von Beginn an sympathisch findet. Der Roman war für mich immer dann am stärksten, wenn die Charaktere im Mittelpunkt standen. Vor allem die Passagen, in denen Stanley von Buster anhand dessen persönlicher Erfahrungen und Erlebnisse über den alltäglichen Rassismus aufgeklärt wird, hätten für mich gerne länger sein können. Neben dem Rassismus spielt Gewalt in Ein feiner dunkler Riss immer wieder eine Rolle. Stanleys bester Freund wird von seinem fanatischen Vater täglich verprügelt und auch eine Angestellte von Stanleys Familie flieht aufgrund häuslicher Gewalt vor ihrem Lebenspartner. Selbst Stanleys Vater wird schnell handgreiflich und verteidigt vehement die Ehre seiner Familie. Die Handlung war für mich leider nicht immer so spannend wie die Charaktere. In Erwartung einer Krimigeschichte musste ich doch länger auf echte Spannung warten. Gerade in der Mitte des Romans gab es für mich doch ein paar Längen. In Ein feiner dunkler Riss begleitet der Leser den jungen Stanley bei seiner Suche nach der Wahrheit um einen mysteriösen Mord. Das Buch kann vor allem mit seinen Charakteren, die Ecken und Kanten haben, überzeugen, aber für mich war die Handlung an manchen Stellen etwas dünn und die Auflösung letztlich nicht wirklich überraschend. Joe. R. Lansdales Roman ist es dennoch wert, gelesen zu werden, denn er beschreibt sehr anschaulich das Leben und den damals normalen Rassismus in Texas in den 50er Jahren.

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  • Ein feiner dunkler Riss

    Ein feiner dunkler Riss
    anyways

    anyways

    06. January 2016 um 20:52

    Ausgerechnet Dewmont! In diesem verschlafenen Kaff in East Texas, im Sommer 1958, übernimmt der Vater der 16 jährigen Callie und des 13 jährigen Stan ein Autokino. Umkreisen Callie schon nach kurzer Zeit die Jungs, wie Satelliten, findet Stan so gar keinen Anschluss an die Kinder, ihm graut schon richtig vor dem Schulanfang. Außer in Richard, ein Junge der mehr oder weniger vor seinem gewalttätigen Vater flüchtet, hat er einen Freund und natürlich steht ihm sein treuer Hund Nub zur Seite. Es ist ein sehr heißer, schwüler Sommer und mit ihm kommt das Ende der Kindheit, Stück für Stück. Erst muss Stan verkraften, das weder Weihnachtsmann noch Osterhasen je existiert haben, dann wird er auch noch, für seine Begriffe recht rüde, „aufgeklärt“, aber das ist erst der Anfang von diesen schicksalhaften Sommerferien. Zum Glück hat er etwas Ablenkung, durch die Entdeckung einer Schatulle, in einem verfallenem Haus, das auf dem Grundstück des Autokinos steht. Die daraus folgernde Geister- und Gruselgeschichte, über zwei junge Mädchen die in Newmont vor einigen Jahren , recht grausig, den Tod fanden, versprechen eine gehörige Portion Nervenkitzel. Seine Neugier teilt er mit dem Schwarzen Buster, früher Sheriff in einem Indianerreservat, heute Filmvorführer bei Stans Vater. Beide spielen Sherlock Holmes, und kommen dem Mörder dabei sehr nahe. Joe R. Landsdale beschreibt eindrücklich die Szenerie einer texanischen Kleinstadt, geprägt von Rassendiskriminierung den Schwarzen gegenüber, von gewaltbereiten Männern, egal welcher Ethnie sie angehören, und von einem Hauch Aufbruchsstimmung, einer kleinen Ahnung vom Umdenken der weißen Bevölkerung und von der Bürgerrechtsbewegung, die erst ein paar Jahre später Verbote von Rassendiskriminierungen durchsetzen wird. Er erzählt seine Geschichte mitreißend, ohne erhobenen Zeigefinger aber auch ohne zu beschönigen. Es ist erfrischend wie er den Jungen Stan „erwachsen“ werden lässt, seine Empörung ob der Ungeheuerlichkeiten, die das Erwachsenenleben so mit sich bringt, alles Veränderungen, gegen die er sich sträubt, die er am besten nicht näher hinterfragt. Bei einer älteren Schwester, die zudem auch noch viel reifer als er selber ist, gar nicht so einfach. Ein Portrait, über das man schmunzelt und sich an die eigene Kindheit erinnert, und den damit verbundenen Schwierigkeiten in der Welt der Erwachsenen. Joe R. Landsdale zählt für mich zu den interessantesten Autoren. Seine Geschichten sind nie laut, oder übertrieben, sie sind eher leise und nachhaltig, dabei aber unverkennbar. Sollte man sich aber jetzt dem Glauben befinden, gar keinen Krimi in den Händen zu halten, so täuscht man sich gewaltig.

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  • Joe R. Lansdale ist ein hervorragender Roman gelungen.

    Ein feiner dunkler Riss
    Ekcnew

    Ekcnew

    01. January 2016 um 16:12

    Das Buch ist aus der Sicht vom 13-jährigen Stanley geschrieben und spielt im Sommer 1958 im heißen Texas. Die Familie lebt noch nicht lange in der Kleinstadt, die Eltern betreiben dort ein Autokino. Beim spielen entdeckt Stanley eine alte verfallene Villa, zuvor hatte er eine Kiste mit Briefen entdeckt. Die Briefe wurden von "M" an "J" geschrieben. Vor 20 Jahren ereignete sich in der Kleinstadt eine Tragödie. In der Nacht, in der die 15-jährige Miss Margret ermordet wurde, brannte die Villa nieder. Die Villa gehörte der Familie Stilwind. Die Tochter der Stilwinds, Jewel Ellen kam bei dem Brand ums Leben, sie konnte sich nicht aus dem brennenden Haus retten. Stanley hat herausgefunden, dass die Stilwinds nach dem Brand in Haus in einer sehr vornehmen Gegend der Kleinstadt gezogen sind. Das Haus haben sie zwischenzeitlich auch wieder verlassen. Stanley möchte genau herausfinden, was sich zugetragen hat, was es mit den geheimnisvollen Briefen auf sich hat. Wer die 15-jährige Margret ermordet hat. Sie wurde auf den nahe liegenden Bahnschienen von einem Zug überfahren, allerdings fehlte ihr Kopf, der nie gefunden wurde. Stanley wird bei seinen Recherchen von dem schwarzen Buster unterstützt. Er war früher bei der Polizei und arbeitet jetzt in dem Autokino von Stanley's Eltern. Eines Nachts unternimmt Stanley einen heimlichen Ausflug mit seinem Freund Richard, auch Stanley's Schwester Callie ist mit dabei. Es geht zu den Bahnschienen, genau an die Stelle, wo Margret ihr Leben verlor. Es soll dort spuken und tatsächlich taucht dort eine Gestalt auf. Wer ist diese Gestalt? Ist es Bubba Joe? Der Ehemann von Rosa Mae? Rosa Mae ist eine schwarze, die vor ihrem Mann geflohen ist, sie wurde misshandelt. Bei Stanley's Familie ist sie jetzt als Haushälterin tätig und wohnt auch dort. Eines Tages erscheint Buster nicht zu seiner Arbeit im Autokino. Stanley übernimmt seine Aufgaben. Am nächsten Tag macht sich Stanley auf den Weg, um nach Buster zu schauen. Er findet ihn zu Hause sehr stark alkoholisiert in seinem Bett. Auf dem Rückweg wird Stanley wieder von der dunklen Gestalt verfolgt. Es ist Bubba Joe, der Mann von Rosa Mae. Bubba Jo greift Stanley an. Stanley versucht sich zu wehren. Buster kommt ihm zur Hilfe. Bei dieser Auseinandersetzung verliert Bubba Joe sein leben. Mit der Zeit gelingt es Stanley, dass er immer weniger an Bubba Joe denken muss. Seine Leiche wurde bislang noch nicht gefunden. Die Polizei denkt, dass er einfach fortgegangen ist, Stanley weiß es besser. Die Sommerferien neigen sich langsam dem Ende zu. Die Leiche von Bubba Joe wurde zwischenzeitlich gefunden. Rosa Mae ist sehr traurig, obwohl er ihr sehr wehgetan hat. Weiteres Geschehen erwähne ich bewusst nicht. Es soll für die, die dieses Buch lesen möchten, auch noch spannend sein. Joe R. Lansdale ist ein hervorragender Roman gelungen. Die Probleme, die in dieser Zeit präsent waren, werden gut rübergebracht. Diesen Sommer wird Stanley sein Leben lang nicht vergessen.

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  • Schwierige Zeiten

    Ein feiner dunkler Riss
    AKRD

    AKRD

    28. December 2015 um 13:56

    Stanley lebt Ende der 50er Jahre mit seinen Eltern und Schwester Caldonia in East Texas, wo die Uhren noch ein wenig langsamer schlagen als anderenorts. Er verbringt viel Zeit mit seinem Hund Nub und seinem Freund Richard, der fast wie Huck Finn für ihn ist. Seine Eltern sind recht streng, erst recht, als der Vater bei der Schwester ein wohl gebrauchtes Kondom findet. Sie behauptet allerdings, eine eifersüchtige Mitschülerin, die vorher mit ihrem Freund Chester zusammen war, hätte ihr das untergeschoben. Stanley kann die ganze Aufregung nicht verstehen. Er kommt einem teilweise etwas zurückgeblieben vor, lebt in seiner eigenen Welt und versteht Vieles noch nicht, das ein 13-Jähriger eigentlich schon begreifen müsste im Grunde genommen... Das Bild, das Lansdale hier zeichnet, ist charakteristisch und sicherlich fundiert recherchiert, dafür kennt man ihn mittlerweile. Der Autor bringt einem gerade die Atmosphäre dieser schwierigen Zeit sehr gut nahe und bedient sich eines sehr offenen, eindringlichen Schreibstils, der mir gut gefallen hat. Nicht atemberaubend spannend, aber es ist ja auch kein Thriller ! Diese Mischung aus Krimi und Abenteuerroman gefiel mir ausnehmend gut, ich wurde sehr gut unterhalten und bin gern mit Richard ein Stück seines Weges gegangen.

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  • Unglaublich toll erzählt

    Ein feiner dunkler Riss
    silencia86

    silencia86

    24. August 2015 um 12:00

    Texas in den 50ern. Der 13-jährige Stanley hat gerade Sommerferien, als er die Überreste eines Hauses im Wald entdeckt sowie alte Tagebucheinträge und Briefe. Die Aufzeichnungen klingen geheimnisvoll und so beginnt Stanley sich gemeinsam mit seiner Schwester auf Spurensuche zu machen. Buster - ein farbiger Angestellter seiner Eltern - war früher eine Art Polizist und hilft Stanley das Geheimnis aufzudecken. Doch die beiden ahnen noch nicht, worauf sie sich eingelassen haben. Die Beschreibung liest sich wie ein Krimi um einen Mordfall und prinzipiell geht es auch im gesamten Buch um diesen ungeklärten Fall. Allerdings rückt er für mich eher in den Hintergrund, denn Lansdale erzählt noch viel mehr als nur eine Detektivgeschichte. Es geht mehr um Stanleys Entwicklung, der in diesem Sommer nicht nur aufgeklärt wird sondern auch gänzlich den Wandel von einem Kind zu einem Mann vollzieht. Außerdem wird die Unterdrückung der farbigen Bürger thematisiert und ein kleiner Schimmer der aufkommenden Bürgerrechte und das Ende der Diskriminierung ist zu erfühlen. Lansdale ist ein unglaublich begnadeter Erzähler. Er erschafft nicht nur umwerfende Charaktere, sondern er haucht ihnen so viel Leben ein, dass sie zu wirklichen Menschen werden mit denen der Leser mitfühlt, mitlacht und sich mit ihnen fürchtet. Besonders berührt hat mich die Geschichte von Rosy Mae, die auch für Stanleys Familie arbeitet. Ihr Mann verprügelt sie ständig und dennoch ist sie ein unglaublich sanftmütiger und guter Mensch. Auch der Umgang der Familie mit Rosy geht einem ans Herz. Hier kann man echte Gleichberechtigung erfahren und auch, dass ein Familienmitglied nicht unbedingt die gleiche Hautfarbe haben muss. Der Schreibstil ist immer an die Personen angeglichen, um die es geht. Auch dadurch wirken die Figuren noch authentischer. Und auch die Umgebungsbeschreibungen lassen einen in die Welt des damaligen Texas eintauchen. Der Leser kann förmlich die trockene Sommerhitze auf der Haut spüren. Ich bin immer wieder begeistert von Lansdale. Und dieses Buch lässt sich nur schwerlich in ein bestimmtes Genre pressen. Es ist eine gelungene Mischung aus Krimi, Abenteuer, Geschichte und Beziehungen.

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  • Rezension zu "Ein feiner dunkler Riss"

    Ein feiner dunkler Riss
    ElkeK

    ElkeK

    Inhaltsangabe: East-Texas, 1958: Der 13jährige Stanley Mitchel ist gerade mit seinen Eltern und seiner älteren Schwester Calli nach Dewmont gezogen, weil sein Vater sich den Traum vom Auto-Kino erfüllt hat. Sein Hund Nub begleitet ihn auf Schritt und Tritt. Bis zu jenem Sommer glaubt er noch an den Weihnachtsmann und die Wahrheit hat er noch nicht ganz verdaut, als er beim Spielen im Wald eine sonderbare Kiste im Boden entdeckt. Sie enthält sonderbare Briefe über Freundschaft und einem Baby. Desweiteren erfährt er, das vor einigen Jahren zwei Mädchen umgekommen waren: Eine in ihrem Haus verbrannt und die andere wurde in der gleichen Nacht von der Eisenbahn geköpft. Angeblich würde noch ihr Geist auf der Suche nach dem Kopf sein, denn den hatte man nie gefunden. Gemeinsam mit Buster, einem farbigen Angestellten, und seinem Freund Richard macht er sich auf die Suche nach der Wahrheit und erfährt dabei so einiges, was ihn den ganzen Sommer über mehr als beschäftigt … Mein Fazit: Der Plott der Geschichte hörte sich echt gut an und die vielen positiven Bewertungen ließen mich dazu verleiten, dieses eBook spontan zu kaufen. Und bei 216 Seiten sollte es eigentlich schnell durchgelesen sein – so dachte ich zumindest. Aber es kam doch irgendwie alles ganz anders. Ich kann noch nicht einmal genau sagen, woran es lag (wahrscheinlich an meiner persönlichen Gemütsfassung), aber ich kam sehr schlecht in die Geschichte rein. Der Autor hat durchaus einen feinen Sinn für Humor und hat die Geschichte wunderbar aus seiner Sicht geschildert. 13 Jahre alt, behütet aufgewachsen und Stanley kam zum ersten Mal mit Dingen in Berührung, die weit über seinen Horizont hinausgingen. Einzig seiner Schwester und seinem Freund Buster verdankte er es, das er es verstand. Sie erklärten ihm die Dinge, wie es damals eben so üblich war. Auch kannte Stanley es nicht, wie die Farbigen behandelt wurden oder das Kinder von ihren Eltern geschlagen oder vernachlässigt wurden. Seine Heile Welt bekam eben einen feinen dunklen Riss. Es gab immer wieder kleine Abschweifungen von der Geschichte, die mich dann auch zwischendurch verwirrten. Letztendlich ergab es am Ende jedoch einen Sinn und es fügte sich wie ein Puzzle-Teil zusammen. Die Auflösung der Morde war dann am Ende schon toll geschrieben. Aber bis dahin hat es sich für mich hingezogen wie Kaugummi. Wegen der grandiosen Auflösung der Geschichte gibt es vier Sterne von mir. Anmerkung: Ich habe es als eBook gelesen.

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    • 2
  • Schwarz und weiß, arm und reich

    Ein feiner dunkler Riss
    badwoman

    badwoman

    24. July 2015 um 22:39

    Stanley ist dreizehn und lebt Ende der 1950er Jahre in Texas, wo seine Familie ein Autokino betreibt. Eines Tages findet er ein im Wald vergrabenes Kästchen mit Liebesbriefen und Tagebuchseiten. Er stellt Nachforschungen an und stößt auf zwei Mädchenmorde, die zwanzig Jahre zurückliegen. Mit Hilfe seiner Schwester und dem schwarzen Filmvorführer Buster versucht er, Licht in das Dunkel um die beiden toten Mädchen zu bringen. Dieses Buch lässt eine ungute Zeit aufleben, die Zeit, in der Schwarze unmenschlich behandelt wurden. Aber nicht nur Schwarze, auch Frauen hatten nur wenig Rechte und waren oft den Launen ihrer Männer ausgesetzt. In dieser Geschichte werden diese Problematiken sehr gut verarbeitet, der Leser bekommt ein Gefühl für diese bodenlosen Ungerechtigkeiten. Doch man erkennt auch, dass viele Weiße diese Ungerechtigkeiten nicht böswillig toleriert haben, sondern in diese Gesellschaftsform hineingeboren wurden und sich keine Gedanken darüber gemacht haben. Und auch die Spannung kommt in diesem Buch nicht zu kurz, sie wird im Laufe der Zeit immer größer. Durch den flüssigen Schreibstil kann man das Buch schnell und einfach lesen. Dazu kommen einige sehr humorvolle Stellen, die das Geschehen geschickt auflockern. Das Cover hat mich nicht besonders angesprochen, es fällt nicht sonderlich auf. Nichtsdestotrotz ein tolles Buch!

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  • Ein Riss in der Gesellschaft

    Ein feiner dunkler Riss
    Lindenblomster

    Lindenblomster

    27. May 2015 um 11:38

    Als Krimi ausgewiesen ist dieses Buch doch eher eine Gesellschaftsstudie der 50er Jahre in Amerika. Für Stan ist Ende der 50er Jahre die Welt in Ordnung. Er ist in jeder Hinsicht unschuldig und will nur Abenteuer erleben. Er weiß aber, wie das wahre Leben ist - Kinder werden noch geschlagen, man soll sie sehen aber nicht hören. Frauen werden unterdrückt und Farbige kennen noch keine Gleichberechtigung. Eines Tages gerät Stans Welt in Aufregung. Er findet im Wald eine geheimnisvolle Kiste und im Zimmer der großen Schwester wird ein Kondom gefunden! Beides bedarf der unbedingten Aufklärung. Mit seinem besten Freund Richard macht sich Stan an die Klärung der Geheimnisse. Aber erst einmal wird er von seiner Schwester aufgeklärt. Die Eltern sind auch anders als andere Eltern. Sie gehen freundlich miteinander um, schlagen die Kinder nicht und geben der schwarzen Rosy ein Zuhause. Sie und der alte Filmvorführer Buster werden für Stan zu Vertrauten. Die beiden bewegen sich in der Welt der Weißen und Schwarzen, wodurch auch Stans Sichtweise erweitert wird. In diesem Sommer lernt Stan wahre Freundschaft kennen, aber auch Mord und Tod. Am Ende hat er seine kindliche Unschuld verloren und wird den Rest seines Lebens davon beeinflusst sein. Um die Aufklärung zweier Morde hat Lansdale einen Roman geschrieben. Aus der Sicht von Stan wird die Gesellschaft beschrieben. Wir lernen alle Gesellschaftsschichten kennen und bekommen ein paar Weisheiten mit auf den Weg. Vorurteile und Meinungen können schon mal die Wahrheit verbiegen und am Ende ist nichts so wie es den Anschein hatte. Nicht wirklich ein Krimi, aber spannend bis zum Ende, wo doch ein Anderer der Täter ist als gedacht.

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  • Eine spannende Abenteuergeschichte um ein dunkles Geheimnis

    Ein feiner dunkler Riss
    chuma

    chuma

    20. May 2015 um 17:59

    Dewmont, eine kleine Stadt in East Texas ist Schauplatz von Stanley Mitchel junior's Geschichte, die an einem heißen Sommertag im Jahr 1958 ihren Anfang nimmt. Stan, dessen Vater das Dew Drop Drive-In Autokino betreibt, genießt das unbeschwerte Leben eines Dreizehnjährigen, der bis vor kurzem noch an den Weihnachtsmann geglaubt hat. Gemeinsam mit seinem treuen Hund Nub findet er eines Tages bei einem seiner Streifzüge ein vergrabenes Kästchen, in dem sich Briefe und Tagebuchseiten befinden, die von einem ermordeten Mädchen verfasst wurden. Mit Hilfe seiner Schwester Callie und dem alten Buster, ein Farbiger, der für seinen Vater im Autokino arbeitet und früher eine Art Polizist war, versucht Stan dem Geheimnis des Mädchens und dem lang zurückliegenden Mord selbst auf die Spur zu kommen. Schnell wird klar, dass das zunächst harmlos begonnene Detektivspiel ungeahnte Ausmaße annimmt und Stan sich im Mittelpunkt eines ausgewachsenen Kriminalfalls wiederfindet. Gestaltung, Stil, Leseeindruck (suhrkamp Taschenbuch 2014): Titel und Cover haben meine Neugierde direkt geweckt. Ich mag die Gestaltung, Schrift- und Motivwahl sehr. Vom Autor Joe R. Lansdale hatte ich bisher noch nichts gelesen, doch bereits der Klappentext versprach eine interessante Lektüre und so ließ ich mich spontan in die Geschichte fallen. Schon die ersten Seiten bestätigten meine Erwartungen voll und ganz. Lansdale´s Schreibstil ist unglaublich gut, sehr atmosphärisch dicht. Die Orte, Gerüche und Personen, die Lansdale beschreibt, erscheinen beim Lesen direkt und unmittelbar vor dem geistigen Auge. Es gelingt dem Autor scheinbar mühelos den Leser direkt nach Dewmont zu versetzen. Er spricht die Rassenproblematik der damaligen Zeit an, indem er sie wie nebenbei in die Geschichte einbettet. So spielt Rosy Mae, die schwarze Haushälterin der Familie, eine wichtige Rolle für Stan und später dann auch für die ganze Familie. Auch Buster, der Farbige, der den Projektor des Kinos betätigt und Hausmeisterarbeiten erledigt, ist eine zentrale Figur in Lansdale´s Geschichte. Das Thema Gewalt spart der Autor ebenfalls nicht aus. So wird Stans bester Freund Richard täglich mit häuslicher Gewalt konfrontiert und Rosy Mae wird von ihrem Partner verprügelt. Die Mitchels hingegen haben das Herz am rechten Fleck. Das Familienoberhaupt Stanley senior ist zwar zuweilen etwas aufbrausend, doch unter dieser rauen Schale verbirgt sich ein warmherziger und ehrlicher Mann, der seine Familie und alle die, die er zu dieser zählt, wie ein Löwe verteidigt. Alle Charaktere haben Ecken und Kanten, ihre Fehler und Vorzüge, was sie unglaublich echt und glaubhaft wirken lässt. Die zunächst harmlos anmutende Detektivgeschichte, in die sich Stan junior verstrickt, wird mehr und mehr zu einer ernstzunehmenden und gefährlichen Ermittlung, bei der Stan sehr schnell lernen muss, dass das Leben und die Wahrheit oft mit harten Bandagen erkämpft werden muss. Manchmal wurde ich bei der Lektüre an die 1982 erschienene Novelle "Die Leiche" von Stephen King erinnert, was aber keinesfalls störend war. "Ein feiner dunkler Riss" ist ein Roman mit vielen Nuancen, der den Leser ebenso facettenreich berühren wird. Lansdale kombiniert sehr gekonnt verschiedene Roman-Elemente miteinander, schafft sympathische Charaktere und bösartige Gegenspieler, streut eine Prise Humor und Wehmut mit hinein und setzt das Ganze perfekt und spannungsreich zusammen. Chapeau! Fazit: Eine wunderbare Geschichte über das Erwachsenwerden und wahre Freundschaft aber gleichzeitig auch ein spannender Krimi mit überraschenden Entwicklungen. Ein Roman und Krimi, verfasst in einer dichten und bildgewaltigen Sprache, die einige Stunden Lesegenuss beschert. Definitiv ein Lesehighlight und nicht mein letzter Roman von Lansdale.

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  • A Fine Dark Line

    Ein feiner dunkler Riss
    vanjarvis

    vanjarvis

    11. April 2015 um 21:39

    Im Sommer 1958 findet der 13-jährige Stanley im Wald hinter dem Haus in Dewmont, in das er vor kurzem mit seiner Familie gezogen ist, eine Kiste voller alter Liebesbriefe - und mutiert daraufhin zum Detektiv, denn seine Nachforschungen über die Schreiberlinge bringen ihn bald auf zwei ungeklärte Morde, die vor vielen Jahren in ein und derselben Nacht begangen wurden.  Das Texas der 60er Jahre, zwei tote Mädchen und ein junger Protagonist, irgendwo auf dem Weg des Erwachsenwerdens. Es sind nicht nur Stans Ermittlungen, die einen bei der Stange halten, oder die Menschen, die er dabei um sich hat, vor allem das Lebensgefühl der damaligen Zeit fesselt einen an jede Zeile. Ich bin eigentlich kein Fan von Kriminalgeschichten, aber Ein feiner dunkler Riss gibt einem mehr mit auf den Weg als ein fades „x hat y ermordet“. 

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  • Am Ende des Sommers...

    Ein feiner dunkler Riss
    Virginy

    Virginy

    12. March 2015 um 10:42

    1958 zieht der 13-jährige Stanley Mitchel mit seiner Familie nach Dewmont, sein Vater hat da ein altes Autokino übernommen. Es sind Sommerferien und in dieser Zeit lernt Stan mehr über das Leben, als ihm lieb ist... Im Gegensatz zu seiner älteren Schwester fällt es ihm schwer, Anschluß zu finden, sein einziger Freund ist der etwas heruntergekommene Richard und natürlich sein Hund Nub. Als Rosy Mae, die schwarze Hausangestellte, mal wieder von ihrem Mann verprügelt wird, sucht sie bei Stans Familie Schutz und wird von der Mutter aufgenommen und in die Familie integriert, ein Unding zur damaligen Zeit, zumal zu Hause normalerweise der Mann der Herr im Hause ist. Rosy wird zu einer engen Vertrauten und Stan vergleicht seine Familie immer wieder mit der von Richard, wo Prügel an der Tagesordnung ist, der Mutter dort scheint das allerdings nichts auszumachen. Eines Tages findet er hinter dem Kino eine Kiste mit alten Liebesbriefen, die ihn erst nicht sonderlich interessieren, als ihm dann Buster, der alte ebenfalls schwarze Filmvorführer, von dem abgebrannten Haus hinter dem Autokino und den beiden Mädchen, die in dieser Nacht starben, erzählt, will er unbedingt herausfinden, was damals passiert ist. Von Buster, den alle für einen mürrischen alten Zeitgenossen halten, der gern mal zu tief ins Glas schaut, lernt Stan, das die Dinge nicht immer das sind, was sie scheinen und das man auch hinter die Fassade sehen muß. Noch bevor die Ferien zu Ende sind, hat Stan eine vollkommen neue Sicht auf das Leben, die Ereignisse in jenen Wochen haben ihn verändert, seine unbeschwerte Kindheit ist vorbei. "Mir drängte sich der Gedanke auf, ich hätte, indem ich diese Kiste gefunden und aufgebrochen hatte, irgendwelche dunklen Götter beleidigt, die jetzt über diesen feinen, dunklen Riss zwischen ihrer geheimnisvollen Finsternis und unserer Wirklichkeit krochen und krabbelten, wutschnaubend, bedrohlich und gefährlich..." Sehr berührend erzählt Lansdale seine Geschichte, die mich teilweise sehr an "Wer die Nachtigall" erinnert, die Geschichte über einen Jungen, der bis vor kurzem noch an den Weihnachtsmann geglaubt hat und nun in seinen Sommerferien von Dingen wie Vergewaltigung, Mißhandlung, Diskriminierung hört und lernen muß, das man sich mit  Geld alles kaufen kann, wenn man nur genug davon hat... Ein wirklich toller Coming of Age Roman, den ich allen nur wärmstens ans Herz legen kann.

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