Joel Haahtela Die Verschwundenen von Helsinki

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Inhaltsangabe zu „Die Verschwundenen von Helsinki“ von Joel Haahtela

Eigentlich will er nur helfen, der junge Psychiater, bei der Suche nach dem Vermissten. Aber dann taucht er ein in die Geschichte der Fremden. Er könnte nicht genau erklären warum, aber sind wir nicht alle immerzu auf einer Suche - auf der Flucht?

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  • Das Buch liest sich wie eine psychoanalytische Detektivgeschichte,

    Die Verschwundenen von Helsinki
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    10. July 2013 um 13:38

    "An dieser Frau fesselte mich etwas schon von weitem. Vielleicht war es ihre Art zu gehen: unvorhersehbar, unschlüssig, als müsste sie mit jedem Schritt neu entscheiden, wohin sie wollte." Mit diesem mitten in eine geheimnisvolle Handlung führenden Satz beginnt der namenslose Ich-Erzähler in Joel Haathelas neuem Roman eine atemlos geschilderte Geschichte einer Suche, letztlich der nach dem eigenen Ich.   Als der Schirm der beobachteten Frau bei strömendem Regen von einem Windstoß fortgetragen wird, bietet der junge Erzähler, von Beruf Psychiater wie Haathela selbst, seine Hilfe an und die beiden kommen ins Gespräch. Die Frau heißt Magda Roux, stammt aus Paris und ist auf der Suche nach ihrem ehemaligen Ehemann Paul, mit dem sie immer noch in Verbindung steht. Da sie seit über sechs Monaten nichts von ihm gehört hat, ist sie der Spur einer Postkarte gefolgt, die sie aus Helsinki von ihm erhalten hat. Nachdem der Erzähler ihr seine Hilfe angeboten hat, verwickelt er sich bei der Suche nach Paul Roux selbst immer tiefer.   Bald schon verschwindet Magda Roux spurlos, doch dadurch hört die atemlose Suche des jungen Psychiaters nicht auf. Denn auf eine ihn fesselnde und nicht mehr loslassende Weise taucht er von einem Tag auf den anderen in das Leben und das Werk einer finnischen Schriftstellerin ein. Diese in Finnland sehr bekannte Raija Siekkinnen war 2004 in der Hafenstadt Kotka auf unerklärliche Weise umgekommen. Ein Buch von ihr fesselt ihn: "Mit jedem Tag sank ich tiefer in die Welt des Buches, die mich selbst dann nicht losließ, wenn ich ihr entfliehen wollte. Sie bestimme alles um mich herum."   Spärliche Andeutungen beschreiben die gescheiterte Ehe des Erzählers, der mit feinfühliger Sprache und tiefem Gespür für sich selbst den Geheimnissen des menschlichen  Lebens nachgeht und immer mehr auf die Spur nach sich selbst kommt, „nach der eigenen, einsam hallenden Stimme".   Das Buch liest sich wie eine psychoanalytische Detektivgeschichte, spannend und sprachlich auf sehr hohem Niveau. Man kann es bis zum bis zuletzt offenen Ende einfach nicht aus der Hand legen.    

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  • Auf der Suche nach sich selbst

    Die Verschwundenen von Helsinki
    kiki62

    kiki62

    22. June 2013 um 21:49

    Die Verschwundenen von Helsinki oder Warum werden Menschen zu einer Haltlosigkeit getrieben, die sie immer von einem Ort zum anderen fliehen lässt? "An dieser Frau fesselte mich etwas schon von weitem. Vielleicht war es ihre Art zu gehen: unvorhersehbar, unschlüssig, als müsste sie mit jedem Schritt neu entscheiden, wohin sie wollte." (Joel Haahtela, aus "Die Verschwundenen von Helsinki") Mit diesem Satz führt der Autor den Leser in eine Welt der Unschlüssigkeit, der Suche nach Etwas. Eigentlich sucht die Französin Magda nur ihren Exmann, der seit einiger Zeit kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben hat. Der Erzähler will ihr bei der Suche behilflich sein, die jedoch in einer Sackgasse endet. Das einzige Fundstück ist das Buch einer finnischen Autorin. Was das mit dem Verschwinden des Mannes und dann mit dem Verschwinden von Magda zu tun hat, ist bislang noch unklar. Getrieben von dem Willen hinter das scheinbare Geheimnis zu kommen, begibt sich der Erzähler auf die Suche, die ihn kreuz und quer durch Finnland und Frankreich treibt. Dass die Geschichte den Leser fesselt, liegt schon darin begründet, dass der Autor zu Beginn auf jegliche Zeichensetzung beim Gebrauch der wörtlichen Rede verzichtet. Trotzdem fällt es dem Leser nicht schwer dem Fortgang zu folgen. Magda und ihre Geschichte wirken geheimnisvoll. Vielleicht hat sie etwas zu verbergen. Oder sie eine Kriminelle? Viele Fragen stellen sich dem Leser, die der Autor indirekt ausspricht, es jedoch vermeidet klar zu formulieren. Psychologisch und sprachlich ist das Buch ein Meisterwerk. Dem Autor gelingt es, dem Leser das zu entlocken, was er nicht schreibt. Nur Andeutungen sind ausreichend genug, um den Leser das fühlen und aussprechen zu lassen, was er meint. Auch fragt sich der Leser, weshalb sich Menschen einfach so aus dem Leben stehlen, sich vor ihrer Familie oder Freunden verbergen. Schnell stellt sich da der Rezipient selbst die Frage, ob ein Aussteigen für ihn auch denkbar wäre. Welche Situation ist geeignet, sich aus dem Staub zu machen, irgendwo neu anzufangen, als Mensch ohne Geschichte, ohne Vergangenheit. Ganz unterschiedlich fallen die Antworten aus. Und sie reichen von der bloßen Lust nach Abenteuer über den notwendigen Neubeginn bis hin zur Verbergung einer Straftat. Motive gibt es viele und sehr unterschiedliche. Und so war es für mich nicht schwer, selbst die Frage nach dem Zeitpunkt des Aussteigens zu beantworten. Einfach noch einmal ein lebenswertes Leben führen. Das war es, wo ich für mich beschlossen hatte, neu zu beginnen, weit weg von der alten vertrauten Umgebung. Als Magda sich sehr schnell wieder auf Rückweg begibt, fängt der Doktor an zu recherchieren. Er sucht nach Verbindungen zwischen Paul und einer finnischen Schriftstellerin. Sein Weg führt ihn wieder nach Frankreich. Welche Verbindungen gibt es zwischen den beiden? Warum taucht Paul in Raijas Welt? Vermag der Erzähler eine Antwort darauf zu finden? Ein Buch, das fesselt, das die Frage nach der Suche des eigenen ICHs neu aufwirft. Akribisch wie ein Detektiv ermittelt der Psychologe und zieht dabei den Leser in den Bann. 

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  • Rezension zu "Die Verschwundenen von Helsinki" von Joel Haahtela

    Die Verschwundenen von Helsinki
    HeikeG

    HeikeG

    17. March 2013 um 14:37

    Das Fieber vom Vergessen und Erinnern . Nur 37, auf den ersten Blick beinahe unspektakulär zu nennende Gemälde hat der niederländische Maler Jan Vermeer hinterlassen. Sie zeigen Szenen aus dem bürgerlichen Alltag, oft einzelne Figuren in geschlossenen Räumen mit schmucklosen Wänden, in die aus einem seitlichen Fenster Tageslicht fällt. Doch sie gehören, wie das berühmte "Mädchen mit dem Perlenohrring", zum Besten, was die goldene Zeit der niederländischen Malerei hervorgebracht hat. Vor allem seine späten Arbeiten verbildlichen immer wieder einen zeitlichen Moment der Störung innerhalb der dargestellten Situation. Sie sind nahezu aufgeladen mit einer akuten, anhaltenden Verunsicherung - damit einhergehend aber auch einer völlig neuartigen Aktivierung des Betrachters. . Joel Haahtela, der 1972 geborene finnische Schriftsteller und Psychiater, könnte man den skandinavischen Vermeer der Literatur nennen. Nicht unbedingt daher, dass einige Bilder des niederländischen Meisters in die Handlung seines neuen Romans eingebunden sind, sondern vor allem wegen seines Duktus. All seine Bücher - drei sind bis dato auf Deutsch erschienen - durchwabern leise, subtile und mäandernde Töne und ein bestimmendes Thema: "Unter der Oberfläche liegt Verborgenes oder: Auf den Spuren menschlicher Geheimnisse". Dieses Mal zieht eine Frau, die auf ihren hohen Absätzen durch den stürmischen Oktoberregen der finnischen Hauptstadt trippelt, die Aufmerksamkeit seines namenlosen Ich-Erzählers auf sich. Als eine Windböe ihren Schirm davonträgt, kommen die beiden ins Gespräch. Die Pariserin Magda Roux ist auf der Suche nach ihrem Exmann Paul, mit dem sie immer noch losen Kontakt pflegt. Doch seit einem halben Jahr hat sie kein Lebenszeichen mehr von ihm erhalten. Einzig eine Postkarte ist ihr Anhaltspunkt, die auf seinen Aufenthalt in Helsinki hinweist. Der junge Mann bietet Magda seine Hilfe bei der Suche an, gerät allerdings zunehmend selbst in eine beinahe fieberhafte Abhängigkeit bei der Aufdeckung allerlei hermetischer Verbindungen. Und so wie Magda bald darauf spurlos im Nichts verschwindet, taucht eine andere Frau vor ihm auf: die 2004 in der finnische Hafenstadt Kotka auf mysteriöse Weise umgekommene Schriftstellerin Raija Siekkinen. Mit dem Eintauchen in das Leben und Werk dieser Autorin ("Mit jedem Tag sank ich tiefer in die Welt des Buches, die mich selbst dann nicht losließ, wenn ich ihr entfliehen wollte. Sie bestimme alles um mich herum.") manifestiert sich zugleich ein vages Bild von der zerbrochenen Ehe des Erzählers. . "Die Verschwundenen von Helsinki" offenbart erneut das für Haahtela so typischen Bloßlegen menschlicher Geheimnisse in immer kleinere Teile, bei denen "doch so vieles verborgen blieb; immer noch gab es Stellen, bis zu denen sein Blick nicht reichte." Dabei verzweigt sich seine Erzählung in immer neue Richtungen und man kann nie sicher sein, welchem der vielen Pfade der Protagonist folgt. Der finnische Autor ist ein Magier des Auslebens von Gleichzeitigkeit, "hier am Fenster und dort im Nebenraum, oder eben zwischen zwei Menschen, die ohne voneinander zu wissen zur gleichen Zeit lebten." Der Leser fungiert dabei als "Pförtner zwischen zwei Welten, und der eigentliche Zweck seiner Tätigkeit lag wahrscheinlich darin, Zweifel zu wecken". Dabei schwingt in seinem Buch immer etwas Schweres mit, das sich nicht sofort erschließt; "wie bei einem Spätsommerspaziergang am Strand, wenn im Wasser Fichtennadeln schwammen, die Oberfläche ganz glatt und der Herbst zu spüren war, auch wenn es keinerlei Anzeichen dafür gab, noch hatte sich nichts verändert" oder "als gäbe es einen unendliche Raum, der immer wieder durchquert werden müsste, ein sonderbar hallender Raum". . Joel Haahtela hat einen psychologisch eindrucksvollen und feinfühligen Roman über die Geheimnisse des menschlichen Lebens geschrieben, der gleichzeitig eine Suche nach sich selbst, "nach der eigenen, einsam hallenden Stimme" ist. Das menschliche Interesse am Einzelnen steht bei ihm ganz klar im Vordergrund. Der finnische Autor ist ein ausgezeichneter Beobachter, der sehr feinfühlige Charakterstudien zeichnet. In Sandra Doyen hat er eine feinfühlige Übersetzerin gefunden, die die geheimnisvolle Aura, des "sich langsam im Nebelschleier hüllenden Horizonts" großartig wiederzugeben vermag. Letztendlich wirken sein Zeilen wie Jan Vermeers Pinselstriche. Denn manchmal, "wenn die Bedingungen stimmten und die Zahnräder sich zum exakt richtigen Moment ineinanderlegten, konnte man beinahe alles sehen." . Fazit: Joel Haahtela, dessen Romane bereits mehrmals für Literaturpreise nominiert wurden, vermag auf großartige Weise, in leisen Tönen, beinahe wie die sphärische Musik seines Landsmannes Sibelius, den Romanfiguren unerwartet eine neue, unvorhergesehene Richtung zu verleihen. Sein Buch handelt vom Suchen und Finden, vom Vergessen und Erinnern, von Zielen im Leben und von Gelegenheiten, die es zu ergreifen gilt. Ein Text, der sich zugleich vorwärts und rückwärts durch die Zeit bewegt. Wunderbare Literatur aus Finnland, die es unbedingt zu entdecken gilt.

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