Johan Bargum

 4.1 Sterne bei 61 Bewertungen
Johan Bargum

Lebenslauf von Johan Bargum

Johan Bargum, geboren 1943 in Helsinki, gilt als einer der prominentesten finnlandschwedischen Autoren. Er veröffentlichte Romane, Erzählungen, Drehbücher, Hörspiele und zahlreiche Theaterstücke, welche weltweit aufgeführt werden. Sein schriftstellerisches Werk wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Johan Bargum lebt in Espoo.

Alle Bücher von Johan Bargum

Johan BargumNachsommer
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Nachsommer
Nachsommer
 (33)
Erschienen am 13.02.2018
Johan BargumSeptembernovelle
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Septembernovelle
Septembernovelle
 (28)
Erschienen am 05.08.2014

Neue Rezensionen zu Johan Bargum

Neu
19angelika63s avatar

Rezension zu "Nachsommer" von Johan Bargum

Geschwister
19angelika63vor 3 Monaten

Klappentext
Zeitlebens hat Olof im Schatten seines Selbstbewussten Bruders Carl gestanden. Carl war der Liebling der Mutter, fiel allerdings in Ungnade, als er mit seiner Frau Karla (mit der Olof seine eigene Geschichte hat) und den beiden Söhnen aus Karrieregründen in die USA auswanderte.
Viele Jahre später nun treffen die ungleichen Brüder am Sterbebett der Mutter wieder aufeinander, in ihrem Landhaus in den südfinnischen Schären - und mit ihnen ihre Familien, alte Rivalitäten und Träume, Fehler und Versäumnisse. Es dauert nicht lang, bis der Frieden des Spätsommers, der über der Insel liegt, brüchig wird. Gerade noch rechtzeitig erkennt Olof, dass der Moment gekommen ist, um aus dem Schatten seines Bruders herauszutreten.



"Weiß man eigentlich jemals, was vor sich geht? Es ist wie bei einem Vierhundertmeterlauf: Einige Augenblicke lang befindet man sich im Zentrum der Ereignisse, der Wind saust einem um die Ohren, die Lungen wollen platzen, die Gegner keuchen, das Einzige, was existiert, ist das Zielband irgendwo vor einem.
Aber ist es das, was wirklich passiert?
Nachher erinnert man sich an den Lauf, und das Gedächtnis fängt sofort an, die Fakten zu sortieren; es redigiert, unterteilt, sortiert. Ich hätte die erste Kurve nicht so langsam angehen sollen. Auf der Gegengeraden hätte ich kürzere Schritte machen müssen. Im Endspurt bin ich gestolpert, das war alles entscheidend.
Nachher sieht alles gleich anders aus." (Seite 7)


Olof und Karl treffen nach Jahren am Sterbebett der Mutter wieder aufeinander. Sofort entbrennt der alte "Bruderkampf" wieder. Wieder muss Olof mit ansehen, wie die sterbende Mutter Carl bevorzugt. Alte Konflikte brechen auf und der Ich-Erzähler Olof erinnert sich an seine Kindheit und Jugend, und dem schwierigen Verhältnis zu seinem Bruder und seiner Mutter. Nach und nach erfahre ich als Leserin wie es zu der zunehmenden Feindlichkeit zwischen den Brüder kommt und das es eigentlich keine Chance auf Frieden/ Vergebung geben kann.

"Ich gehe von einem Zimmer ins andere. Es fühlt sich an, als würde ich mich schon in einer vergangenen Zeit bewegen. In einem Jahr wird es all das nicht mehr geben.
Ich werde mich daran erinnern. Ich werde es nicht vermissen. Ich habe es bereits hinter mir gelassen, wie man die Kindheit hinter sich lässt, ein bisschen über ihre Unschuld staunend, aber ohne Trauer, weil man weiß, dass es kein Zurück gibt." (Seite 72)

Dieses kleine feine Büchlein hat mich vollkommen verzaubert. Auf den ersten Blick scheint es eine typische Bruder/ Geschwister Geschichte zu sein. Das Buhlen unter Geschwistern um die Gunst und Liebe der Eltern. Doch dieses Büchlein ist viel mehr. Es erzählt auch die Geschichte von Hoffnung und Verlust, von verpassten Chancen und Neuanfängen.

Bargum erzählt schnörkellos, doch mit einem enormen Sog, eine Geschichte die mich inne halten lässt ... In vielen Familien gibt es ähnliche Konflikte, so auch in unserer Familie. Die Schwester wurde bevorzugt, war immer die, die alles besser in den Augen der Eltern machte. Und ich, ich war die, die immer und immer wieder um die Liebe der Eltern buhlte, alles macht und dennoch immer die war, die nicht gesehen wurde. Was hat das mit mir gemacht? Ganz viel und ich habe lange gebraucht, um die zu sein, die ich heute bin.

Unsere Eltern leben leider nicht mehr, doch ich habe meinen inneren Frieden gefunden, und meine Schwester ... sie hat den Kontakt nach dem Tod unserer Mutter abgebrochen ...

Sorry, aber dieses Büchlein hat mich ein wenig aufgewühlt ... unbedingt lesen!!!


Kommentare: 1
6
Teilen
TochterAlices avatar

Rezension zu "Nachsommer" von Johan Bargum

Gerechtigkeit
TochterAlicevor 3 Monaten

ist oft nur ein Wort. Gerade im Familienleben gibt es so viele Bevorzugungen von Kindern seitens der Eltern. Häufig und gerade auch, wenn diese längst dem Kindesalter entronnen sind und sich nur noch selten bei den Eltern blicken lassen. Dann müssen sich die Geschwister, die in der Nähe geblieben sind, sich um die Eltern kümmern und quasi immer zur Verfügung stehen, starke Nerven haben. So auch Olof, dessen jüngerer Bruder Carl - von jeher der Erfolgreichere, Hübschere, Beliebtere - letzteres gerade auch bei der längst verwitweten Mutter - sich längst in die Staaten davongemacht hat, was seine Mutter sehr verletzt hat. Es bringt sie jedoch nicht davon ab, seinen Namen ständig im Munde zu führen, ihn gegenüber seinem Bruder Olof als den besseren, liebenswerteren darzustellen. Auch wenn sie seit Jahren sauer ist auf Carl. Aber sie will ihn unbedingt nochmal sehen vor ihrem Tod.

Wie im Vorgängerroman "Septembernovelle" geht es hier um eine Dreiecksbeziehung, vielmehr um zwei: Olof, Carl und ihre Mutter sowie Olof, Carl und Carls Frau Klara. 

Der Autor Johan Bargum erzählt seine Geschichte in wenigen Worten, die aber umso mehr sagen - und noch mehr Fragen hinterlassen. Denn vieles wird nur angedeutet und das betrifft sowohl Ereignisse als auch Gedanken. In der Hinsicht hat das Büchlein durchaus etwas Philosophisches, auch wenn die Erzählweise eher eine pragmatische ist. Auf jeden Fall lohnenswert für Leser, die nach der Lektüre gern weiterdenken und ein Büchlein, das man so schnell nicht vergessen wird!

Kommentieren0
9
Teilen
jenvo82s avatar

Rezension zu "Nachsommer" von Johan Bargum

Der Hüter deines Bruders
jenvo82vor 5 Monaten

„Ich habe sie in der Unterwelt zurückgelassen. Anstatt sie zu überreden, zu bitten, sie einzuschließen, zu entführen, zu rauben, habe ich mich hinter einer Rüstung aus Feigheit, Angst und Konventionen versteckt.“


Inhalt


Für die beiden ungleichen Brüder Olof und Carl wird das Treffen am Sterbebett der Mutter zu einer Zerreißprobe. Denn nicht nur ihre von Rivalitäten geprägte Kindheit steht zwischen ihnen, sondern auch all die Verfehlungen der letzten Jahre, die Schuldzuweisungen und das Unverständnis auf beiden Seiten. Nicht zuletzt eine Frau, die der eine geliebt, der andere geheiratet hat und die nun auch für einen kurzen, traurigen Besuch in die Heimat zurückkehrt. Die Mutter liegt im Sterben und die Söhne müssen ihren Frieden mit der alten Frau schließen, und gleichzeitig ihren eigenen Weg fortsetzen, der durch Zuwendung oder fehlende Liebe nicht mehr eben ist und das auch nicht mehr werden kann. Familienbande hin oder her – wer sind eigentlich die Leidtragenden einer unausgewogenen Lebensgeschichte?


Meinung


Der in Helsinki geborene Autor Johan Bargum setzt sich in diesem Roman mit einer belasteten Geschwisterbeziehung auseinander, in der jeder Bruder einen Part zugeteilt bekommt und diesen auch hinreichend ausfüllt. Trotzdem wird ersichtlich, dass nicht alles nur schwarz oder weiß ist und dass auch die Zeit nicht alle Wunden heilen kann. Seine Protagonisten werden auf den wenigen Seiten sehr plastisch und greifbar beschrieben, man sieht sie vor sich und kann mit ihnen Empathie empfinden. Der ältere Olof ist der Vernünftige, der sich nichts traut, Carl der Jüngere hingegen springt in die Presche und setzt sich durch. Dennoch ist Olof bei der Mutter geblieben und Carl hat bereits vor Jahren den Kontakt auf ein Minimum beschränkt.


Mit dieser fast lyrischen Erzählung, die ganz wunderbar die Stimmung und Melancholie eines Landes einfängt und noch viel mehr die aufziehenden Gewitterwolken über einer familiären Tragödie, bin ich trotz der Thematik, von der ich mir viel versprochen habe, nicht warm geworden. Prinzipiell liegt das wohl an einer anderen Erwartungshaltung, die ich an den Roman gestellt habe. Durchaus eine traurige, mitreißende Stimmung, den Schatten eines schweren Verlusts, die Traurigkeit am Sterbebett der Mutter, doch all das steht hier nicht wirklich im Mittelpunkt. Vielmehr sind es die Brüder und ihr Beziehungsgeflecht, die hier ein feinsinniges, fast psychologisches Spiel miteinander betreiben und sich dennoch kein Stück annähern.


War der Anfang noch vielversprechend, so flaut die Geschichte schnell ab, die handelnden Personen verfallen in routinierte Muster und kommen nicht mehr von der Stelle. Verletzungen bleiben bestehen, Gespräche werden nicht geführt, zumindest keine, die bewegen, alles bleibt irgendwo im Schweigen verloren, hängt bedeutungsschwanger im Raum und schwebt unschön über der Geschichte. Diese Stille, die hier von den Menschen ausgeht, dieses Unvermögen einander näherzukommen, hat mich sehr mit Unzufriedenheit erfüllt.


Der Schreibstil selbst ist minimalistisch, geprägt von kurzen, nicht immer beendeten Sätzen, weswegen sich ein Deutungsspielraum ergibt. Zwischen den Zeilen steht noch so viel mehr, so viel Ungesagtes, sofern man es hineininterpretieren möchte. Und mir war gerade dieses knappe, nur angedeutete Wort zu wenig, zumal ich verzweifelt nach irgendeiner konkreten Aussage gesucht habe. Einerseits ein getrübtes Geschwisterverhältnis, dann ein Bruder, der mit seinem Leben in der zweiten Reihe ganz und gar nicht zufrieden ist und einer, dem es trotz seiner Dominanz an Unbeschwertheit fehlt. Dazwischen noch eine Frau, die mir fremd blieb und ein Ziehvater, der dem Ganzen ein bisschen von dem Glanz verliehen hat, den ich mir wünschte. Und was ich ganz besonders vermisst habe, war die Rolle der sterbenden Mutter, ihre Persönlichkeit fehlte förmlich komplett, die Gespräche mit den Söhnen, die Aussöhnung mit der Vergangenheit, ihre Wünsche für eine Zukunft der beiden …Für mich bleibt die Ratlosigkeit im Raum stehen - was war die Idee dahinter?


Fazit


Die vielen begeisterten Rezensionen, haben mich zu diesem Buch greifen lassen, dem ich nun doch nur 3 Lesesterne gebe. Die menschliche Seite kam mir hier zu kurz, das Ungesagte machte mich unzufrieden und in die Gegenwart mitnehmen kann ich nicht viel. Sehr einprägsam hingegen die Stimmung in Anlehnung an die Natur, in Kooperation mit der Wirkung der ruhigen, einladenden Landschaften entfaltet sich die Geschichte - ihre Schönheit jedoch bleibt mir im Wesentlichen verborgen.

Kommentare: 2
31
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu
Mare_Verlags avatar

Liebe Lovelybooks-Leserinnen und Leser,

wir starten eine neue Leserunde und laden Euch ganz herzlich zum Mitmachen ein. Am 13. Februar erscheint Nachsommer, ein Roman des Schweden Johan Bargum, und wer vorher schon einen Blick in dieses kleine, aber feine Büchlein werfen möchte, ist hier genau richtig: Noch vor dem offiziellen Erscheinungstermin verlosen wir 15 Exemplare!


Zum Buch:

Zeitlebens hat Olof im Schatten seines selbstbewussten Bruders Carl gestanden. Carl war der Liebling der Mutter, der allerdings in Ungnade fiel, als er mit seiner Frau Klara (mit der Olof seine eigene Geschichte hat) und den beiden Söhnen aus Karrieregründen in die USA auswanderte. Viele Jahre später nun treffen die ungleichen Brüder am Sterbebett der Mutter wieder aufeinander, in ihrem Landhaus in den südfinnischen Schären - und mit ihnen ihre Familien, alte Rivalitäten und Träume, Fehler und Versäumnisse. Es dauert nicht lange, bis der Frieden des Spätsommers, der über der Insel liegt, brüchig wird. Gerade noch rechtzeitig erkennt Olof, dass der Moment gekommen ist, um aus dem Schatten seines Bruders herauszutreten.   


Hier geht's zur Leseprobe


Also ran an die Tasten, bis zum 5. Februar folgende Frage beantworten und bewerben!*


Eine der Hauptfiguren, Carl, wandert nach Amerika aus. Könntet Ihr Euch vorstellen, Eure Familie und Freunde zu verlassen und in ein anderes Land auszuwandern? Wenn ja, wohin?


*Bedingung ist, dass Ihr Euch zeitnah am Austausch in allen Leseabschnitten beteiligt und abschließend eine Rezension zum Buch schreibt.

Bitte veröffentlicht Eure Rezensionen nicht vor dem 13. Februar 2018 auf anderen Seiten.

Zur Leserunde
Mare_Verlags avatar

Zwei Männer, die beide dieselbe Frau geliebt haben, begeben sich auf eine gemeinsame Segeltour. Nur einer von ihnen kehrt zurück...


Die Septembernovelle von Johan Bargum, gerade bei mare erschienen und ein weiterer Titel aus Finnland, ist eine atmosphärische und spannende Dreiecksgeschichte. Ab sofort könnt Ihr Euch wieder um eines von zwanzig Rezensionsexemplaren bewerben!

Zum Buch:

Eine Dreiecksgeschichte? Ein Krimi, könnte man meinen, als Olof Besuch von der Polizei erhält und ihr seine Sicht der Dinge schildert: Es geht um die letzte Segeltour mit seinem Freund Harald, den er zuvor zwanzig Jahre lang nicht gesehen hatte; um Elin, die Frau, die beide Männer miteinander verband und voneinander trennte; und schließlich um Haralds Verschwinden. Olofs Bekenntnisse zeigen, dass sie beide Motive hatten, den jeweils anderen zu ruinieren – andererseits waren Haralds Tage aufgrund einer schweren Krankheit ohnehin gezählt, warum hätte Olof ihm da etwas antun sollen? Außerdem hatte Olof doch Elin für sich gewonnen und bis zu ihrem Tod mit ihr zusammengelebt. Dann aber kommt ein Brief zum Vorschein, der die Dinge in ein gänzlich anderes Licht setzt.

Ein raffiniertes, mit leiser Eleganz skizziertes Buch über die großen Paradoxa des Lebens: die Macht des Schicksals, die Unausweichlichkeit des Todes, vor allem aber die Liebe, die über allem zu stehen scheint. Voll spätsommerlicher Atmosphäre und in souveräner, klarer Sprache erzählt Johan Bargum von einem Dreiecksverhältnis und dem Gepäck der Vergangenheit, das sich nie abschütteln lässt.

»Ein kleines Meisterwerk, das einem lange nachgeht.« Nerikes Allehanda

>> Zur Leseprobe

Möchtet Ihr eines von 20 Leseexemplaren gewinnen*? Dann bewerbt Euch gleich und beantwortet bis zum 21. August 2014 diese Frage:

In der Septembernovelle geht es um drei Menschen, deren Schicksal unausweichlich verbunden ist, und um einen letzten warmen Sommertag, der alles verändert... Habt Ihr das auch schon erlebt, dass ein einziger Tag Euer ganzes Leben verändert hat?

Wir sind gespannt auf Eure Antworten und freuen uns auf viele Bewerbungen!

Euer mareverlag


*Bedingung dabei ist, dass Ihr Euch im Gewinnfall zeitnah am Austausch über die Leseabschnitte beteiligt und abschließend eine Rezension zum Buch schreibt.
Zur Leserunde

Community-Statistik

in 88 Bibliotheken

auf 17 Wunschlisten

von 1 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks