Johann Baier

 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen

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Krähen über Crécy

Krähen über Crécy

 (1)
Erschienen am 08.01.2010
Die Schlacht bei Agincourt

Die Schlacht bei Agincourt

 (1)
Erschienen am 01.10.2006

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Rezension zu "Krähen über Crécy" von Johann Baier

Rezension zu "Krähen über Crécy" von Johann Baier
Leserrezension2010vor 8 Jahren

A50 Krähen über Crécy von Johann Baier Kategorie: Allgemein

Krähen über – eine Rezension
Ein Buch über den ersten großen Feldzug des Hundertjährigen Krieges

An einem der größten Siege Englands auf französischem Boden 1346 bei Crécy, hatten die Langbogenschützen aus England und Wales zweifellos einen großen Anteil. Der Autor des Buches „Krähen über Crécy“, der Jurist und traditionelle Bogenschütze Dr. Johann Baier, stellt aber nicht nur die damalige „englische Wunderwaffe“ vor, sondern beschreibt und analysiert die militärhistorischen Ereignisse des Feldzuges Edward III. recht umfassend auf eine sehr anschauliche und lebendige Weise.

Die Ereignisse vor der Schlacht von Crécy.
Das Buch beginnt im Frühjahr 1346 und lässt den Leser an den Gedanken und Kenntnissen des Kammerherrn Edwards III. teilhaben, der an einer Besprechung zur Kriegsvorbereitung seines Herrn teilgenommen hatte. Es ging um nichts weniger als den französischen Thron, den der französische König Philip VI. und Edward III. gleichermaßen für sich beanspruchten. Der nun geplante Feldzug Edward III. ist der erste Höhepunkt der ständig gewachsenen Spannungen zwischen den Herrschern der beiden Reiche.

Bei der Beschreibung der Kriegsvorbereitungen wird der Leser dann bereits endgültig zum glücklicherweise unbeteiligten Beobachter. Die Handelnden sind hier Grafschaftsbeamte, die erfahrene Bogenschützen anwerben, ein Centenar, ein Hundertschaftsführer, der eine walisische Spießknechteeinheit befehligt, der Waffenmeister, dessen Aufgabe darin besteht für den sicheren Transport der Kampfmittel, vor allem Bogen und Pfeile, zu sorgen und nebenbei noch einen Geheimauftrag zu erledigen. Und dann ist da noch der Kapitän, der mit seinem Schiff für einen Spezialauftrag angeheuert worden war. Viele interessante Informationen aus der Praxis stecken in den gut erzählten historischen Episoden, angefangen von der „Verpackungstechnik“ für Pfeile und Bogen, Entlohnung, Ausrüstung und Rekrutierungsverfahren der Soldaten über das Zusammenstellen der englischen Invasionsflotte bis hin zur Organisation des Einkaufes der gewaltigen Nahrungsmittelvorräte, mit der ein Heer jener Zeit ausgestattet sein musste.

Edward III auf dem Weg nach Crécy
Die Vermittlung der Geschichte aus Sicht des französischen Herrschers übernimmt der Mundschenk Philip VI. Obwohl nahezu grenzenlos reich und Herr über die Blüte der kontinentaleuropäischen Ritterschaft, ist die Situation des französischen Königs machtpolitisch und militärisch nicht gerade einfach. Einer Landung der englischen Flotte an den französischen Küsten hat Philip kaum etwas entgegenzusetzen, immerhin hat der englische König mächtige Bündnispartner in der Bretagne und in Flandern und die Städte der Küstenregionen der Normandie sind kaum befestigt. Einzig eine Flotte Galeeren des italienischen Stadtstaates Genua mit Armbrustschützen könnte beim rechtzeitigen Eintreffen vor der Kanalküste die Invasionsflotte bereits vor der Landung aufhalten.

Johann Baier gelingt es in „Krähen über Crécy“ die verschiedenen Handlungsstränge, festgemacht an historischen und fiktiven Persönlichkeiten unverkrampft miteinander zu verweben. Immer wieder trifft man überraschend auf Handlungsträger, die man bereits aus dem Blick verloren hatte, deren Anwesenheit an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit dann aber ganz zwangsläufig erscheinen.

Crécy, beginn einer militärhistorischen Wende
Natürlich bildet den Höhepunkt des Buches die Schlacht bei Crécy, bei der nicht nur die gefürchteten genuesischen Armbrustprofis und die hochdisziplinierten englischen Langbogenschützen aufeinandertreffen. Hier werden auch völlig unterschiedliche Konzepte der Kriegsführung miteinander konfrontiert. Im Grunde hätte es der zusammenfassenden Analyse Baiers am Ende des Buches gar nicht mehr bedurft, um zu erkennen, dass es nicht primär die Wunderwaffe „englischer Langbogen“ war, die für den Untergang des gewaltigen französischen Ritterheeres bei Crécy verantwortlich zeichnete.

Das Buch „Krähen über Crécy“ hat, beginnend mit der Aufstellung von Heer und Flotte, über die Invasion und den Kriegszug bis zur Schlacht bei Crécy und der abschließenden Übernahme Calais, das immerhin mehr als 100 Jahre englischer Stützpunkt an der französischen Küste war, historisch nicht nur den Beginn des 100-Jährigen Krieges zum Thema. Es zeigt gleichzeitig, hier kommt dann auch der Geheimauftrag des Waffenmeisters zum Tragen, eine gravierende militärhistorische Wende auf, die sich durch Verzicht auf ritterliche Schlachtrituale und den Einsatz professioneller Söldnerheere auszeichnet.

Krähen über Crécy
„Krähen über Crécy“ ist ein schönes Buch, das sowohl den Liebhaber historische Romane als auch den an mittelalterlicher Geschichte interessierten Laien zufrieden stellt. Und nicht zuletzt dürften auch Mitglieder der Reenactmentszene die eine oder andere Anregung für ihre Beschäftigung mit dem späten Mittelalter finden.

Dr. Johann Baier: Krähen über Crécy. Verlag Angelika Hörnig 2009. Hardcover, 220 Seiten. Euro 22,80

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