Johann Heinrich Voß

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Johann Heinrich Voß: Homer Odyssee

Johann Heinrich Voß: Homer Odyssee

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Erschienen am 01.01.1982
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Erschienen am 07.09.2011

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Rezension zu "Johann Heinrich Voß: Homer Odyssee" von Johann Heinrich Voß

Odysseus ist von eher praktischer Intelligenz
sabistebvor 4 Jahren

Jeder kennt sie, oder besser, glaubt sie zu kennen, die Abenteurer des Odysseus. Die Abenteuer jedoch, die heute regelrecht zur Folklore der westlichen Gesellschaft gehören umfassen letztendlich nur 7-10 Gesänge des 24 Gesänge langen Epos. Die komplette Telemachos Geschichte fehlt für gewöhnlich und Odysseus wird schlichtweg zu positiv dargestellt, was er im Original wahrlich nicht ist.

 

Es gibt einen Grund, warum manche Bücher zu Klassikern werden: Weil sie einfach toll erzählt sind. Hat man sich einmal an den etwas gestelzten Stil der Übersetzung von Johann Heinrich Voß gewöhnt, beginnt man ihre sprachliche Schönheit zu schätzen. Die Geschichte an sich ist auch nicht linear erzählt, das wäre ja auch langweilig, nein, sie beginnt im ersten Gesang eigentlich kurz vor dem Schluss. Wird teilweise in parallel verlaufenden Erzählsträngen erzählt (mal Odysseus, mal Telemachos Geschichte) und dann wiederum in Rückblicken während die Geschichte fortschreitet. Alles sehr moderne Erzählmethoden, die teilweise erst wieder recht spät im 19. Und 20. Jahrhundert wiederentdeckt wurden und selbst viele heutige Autoren nicht wirklich perfekt beherrschen.

Telemachos geht also seinen Vater suchen und erlebt seine eigenen Abenteuer. Parallel dazu, sitzt Odysseus bereits seit 8 Jahren auf Kalpysos Insel fest, die ihn als Sex-Sklaven hält. Sex gegen Unterkunft und Verpflegung, bis die Götter Kalypso sagen, dass sie es jetzt mal gut sein lassen soll und den armen Kerl von dann ziehen lassen soll. Ja, Frauen die Männer zum Sex zwingen, das würde man nicht erwarten, aber auch Kirke lässt Odysseus keine wirkliche Wahl. Sie hat seine Männer, sie ist Zauberin, sie will ihn und es. So ergibt sich Odysseus eben in sein Schicksal und erkauft Kirkes Vertrauen mit Liebesdiensten. Echt heldenhaft ergibt er sich in sein Schicksal in den Armen dieser gefährlichen Frau…

Odysseus ist kein Held im klassischen Sinne. Er verschweigt seinen Männern Gefahren, von denen er weiß, dass sie einige das Leben kosten werden und lässt sie ins offene Messer, bzw. Maul der Skylla, segeln. Es ist auch nicht so, dass seine Männer wirklich immer auf ihn hören würden, selbst wenn er sie warnt, die Finger von den Rindern des Sonnengottes zu lassen, machen sie doch, was sie wollen.

Odysseus mag clever sein, aber er verfügt doch eher über praktische Intelligenz. Er kann gut mit Axt, Schwert und Bogen umgehen, Denken jedoch oder Konsequenzen abschätzen, ist nicht wirklich seine Stärke. Statt die Klappe zu halten, nachdem er Polyphem geblendet hat, kann der blöde Angeber es sich nicht verbeißen doch noch mal zu Prahlen, und das ist kein Einzelfall, wo er sich einfach doof benimmt. Als er sich als Bettler verkleidet nach Hause begibt, um die Lage auszukundschaften, und sieht, Frauchen war brav, hätte er als reicher König zurückkehren können, die Freier rausschmeißen können und den Vätern eine Rechnung schicken können, er ist schließlich immer noch König von Ithaka. Aber nein, er verschwört sich über genial verschlüsselte Gespräche mit seiner Frau, sie zu töten, obwohl er weiß, dass er damit einen Krieg im eigenen Reich auslöst (denn dann die Götter schlichten müssen). Nachdem er sie getötet hat, rennt er dann zu seinem Vater, um ihn noch mal zu sehen, und ihm zu sagen, dass er Mist gebaut hat und mit ihm seine letzte Schlacht gegen die eigenen Leute zu schlagen.

Das zeugt nicht gerade von einem sicheren Selbstbild. List, um eine sinnlose Rache durchzuführen, die mehr Ärger als Nutzen bringt nur wegen gekränkter Ehre ist keine intelligente Handlungsweise.

 

Und das macht das Buch so gut. Sooooooooo einen alte Geschichte, aber so hervorrangen charakterisierte Figuren mit Ecken und Kanten. Männer, die halt Männer sind. Sie kämpfen, töten, halten sich für Helden und handeln die dumme Angeber, um dann gemeinsam eine hübsche Runde zu heulen. Ja, weinende Helden, Männer die auch mal Gefühle zeigen, echte Kerle eben.


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