Johann Wolfgang von Goethe Pandora. Festspiel.

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Inhaltsangabe zu „Pandora. Festspiel.“ von Johann Wolfgang von Goethe

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  • Rezension zu "Pandora. Festspiel." von Johann Wolfgang von Goethe

    Pandora. Festspiel.
    Heike110566

    Heike110566

    17. December 2010 um 19:00

    "Eigentlich ist es nur ein Teil eines Dramas, von wunderbarem Inhalt und seltsamer Form. Vielleicht kostet es einige Mühe sich hineinzulesen, die aber nicht ganz ohne Frucht bleiben wird.", äußerte sich Goethe über das Stück selbst. "Pandora" ist keine Tragödie und es ist auch keine Komödie. Es ist vielmehr ein Festspiel, gehalten im klassisch antiken Dramen-Stil und versehen mit Musik, Gesang und Tanz. Begonnen zu schreiben, hatte es Goethe 1806 und veröffentlicht wurde es, soweit zu dem Zeitpunkt fertiggestellt, 1807. Zwei Jahre später brach aber der Dichter die Arbeit an dem Werk ab und verteidigte das Fragment gegenüber Eckermann am 18. Oktober 1823 dahingehend, dass "das Geschriebene recht gut als ein Ganzes zu betrachten" sei. Nach der ältesten Mythenversion um Pandora von Hesiod aus der Zeit um 700 v.u.Z., ist Pandora das Werkzeug von Zeus. der sauer auf Prometheus war, weil der Titanensohn das Feuer von den Göttern des Olymp gestohlen hatte und es den Menschen brachte. Hephaistos formte sie aus Erde und Zeus stattete sie mit einer Büchse aus. So schickte er die wunderschöne Rachefrau zu Prometheus. Doch dieser schickte sie wieder fort, ließ sich nicht blenden. Aus Rache öffnete sie die Büchse und so kam, dem Mythos nach, alles Unheil in die Welt. In der Büchse der Pandora verblieb nur die Hoffnung. Nach Babrine, 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, befanden sich in der Büchse aber nicht Übel, sondern nur gute Dinge. Das Übel kam erst dadurch zustande, dass die Menschen nicht in der Lage waren mit den Gaben umzugehen. Sie stiegen wieder zu den Göttern auf. - Auch hier verblieb die Hoffnung in der Büchse. Goethes Pandora-Version ist eher an letztere Überlieferung angelegt. Aber er nimmt auch Rückgriffe auf Hesiod, die zusammen mit seinem eigenem Schöpfertum eine eigene Geschichte ergeben. Die oben beschriebene Mythenüberlieferung ist praktisch die Vorgeschichte. Das Stück beginnt, nachdem Pandora die Büchse bereits geöffnet hat und wieder entschwunden ist. Die Grundkonstellation, das Gespaltene in der Welt, ist schon in der Bühnengrundkonstellation gegeben: Auf der einen Seite die Welt des Prometheus. Er, der den Menschen das Feuer brachte und von ihnen als Heilsbringer des Fortschritts angesehen wurde, ist inzwischen zu einem Arbeitsmoralisten und Technokraten geworden. Das Feuer brachte den technischen Fortschritt und Prometheus denkt nur an die Ausbeutung der Reichtümer der Erde. Arbeitsam sein, ist für ihn höchstes Gut. Und er fordert es auch von seinen Menschen, seinen Untertanen, die beengt und unter primitiven Verhältnissen leben. Der Fortschritt bringt ihnen keinen Wohlstand. Auf der anderen Seite steht dem die Welt des Epimetheus, des Bruders von Prometheus, gegenüber. Hier gehört auch Entspannung, Kultur und Frohsinn zum Leben. Während für Epimetheus die Nacht zum Schlafen da ist, sieht Prometheus in ihr den "Tag vor dem Tage!" (S. 11 dieser Ausgabe des Insel-Verlages aus dem Jahre 1913) Obwohl es noch Nacht ist, tritt er mit der Fackel vor das Anwesen, macht die Nacht zum Tag. Die Schmiede kommen aus ihren Wohnhöhlen und preisen das Feuer des Prometheus und das, was man damit schaffen kann. Selbst die Hirten wollen ehernes Werkzeug und Waffen, um sich gegen den Wolf und "Menschen, mißwilligen" (S. 15) zu wehren. - Sie sind kriegerisch veranlagt: "Und wer kein Krieger ist, | Soll auch kein Hirte sein." (Ebenda. - Diese Äußerung ist aber auch dadurch, dass damit auch Prometheus durchaus charakterisiert wird, wenn man in dem Begriff Hirte die Bedeutung von einer Führungs- bzw Leitperson sieht, aowie man Kirchenführer als Hirten bezeichnet. Prometheus = Führer seines Volkes = Krieger.) Phileros, Prometheus' Sohn, ist da etwas anders veranlagt. Er ist ein Freund des Eros, der Liebe. - Noch bevor Prometheus und seine Untertanen nach einer kurzen Nacht erwachten, war Phileros hinausgetreten, um zu seiner Geliebten zu eilen. Er begegnete Epimetheus, der wissen wollte, wer die Glückliche sei. Phileros behält dies aber als Geheimnis und zieht in des Epimetheus' Ländereien hinfort. Nachdem Prometheus alle seinen Mannen an die Arbeit geschickt hat und selbst auch fort ist, erwacht sein Bruder und vernimmt Frauenwehgeschrei. Plötzlich erscheint unter Wehklagen seine Tochter Epimeleia auf der Szene und fleht ihren Vater um Hilfe an. Phileros ist hinter ihr her und will ihr Leid antun. Epimetheus schützt seine Tochter, kann aber nicht verhindern, dass Phileros das junge Mädchen dennoch verletzt. Da erscheint Prometheus und als er von der Gewalttat seines Sohnes erfährt, schickt er ihn fort ins Weite. Der Verbannte droht seinen Tod an. In dieser Situation erfährt Prometheus nun von seinem Bruder, dass dieser mit Pandora verehelicht ist und Zwillingstöchter hat. Die eine ist Epimeleia, die Sorge, die andere, die bei ihrer Mutter lebt und der er sich nicht nahen darf, Elpore, die Hoffnung. Epimeleia hatte er vor seinem Bruder versteckt, damit dieser nicht von ihm und Pandora, die von Prometheus ja abgewiesen wurde, erfährt. Epimeleia erzählt nun, was vorgefallen ist: Sie hatte ihre Tür offengelassen, weil sie Phileros, den sie liebt, erwartete. Ein Hirte kam aber und nahm sie gegen ihren Willen. Als Phileros eintrat, wurde er wütend und war hinter dem Hirten und ihr her. So kam es zu dieser beschriebenen Gewaltszene. Inzwischen hat Phileros den Hirten getötet und wollte Selbstmord begehen, indem er sich in die Fluten des nahen Wassers stürzt. Aber die Götter hatten etwas dagegen und Eos, die Göttin der Morgenröte, bringt dem Titanen die Nachricht, dass sein Sohn gerettet sei. Das Volk feiert die Rettung des Prometheus-Sohnes, aber Prometheus ist der Ansicht: "Was kündest du für Feste mir? Sie lieb ich nicht. | Erholung reichet Müden jede Nacht genug. | Des echten Mannes wahre Feier ist die Tat!" (S. 48) - Aber Eos belehrt den Titanen am Ende dann: "Groß beginnt ihr Titanen; aber leiten | Zu dem Ewig Guten, ewig Schönen, | Ist der Götter Werk; die laßt gewähren!" (S. 49) Der Mensch braucht auch Freude und Spaß und nicht nur Arbeit und Mühsal. - Damit endet der dramatisch fertiggestellte Teil. - Die Fortsetzung liegt nur als skizzenhaftes Kurzkonzept vor: Der errettete Phileros und Epimeleia kommen zusammen und auch Pandora kehrt zurück, getragen vom Volke, dem sie Glück und Bequemlichkeit bringt. Ungewöhnlich an dem Fragment: In dem fertiggestellten Teil, der also als Drama vorliegt und den Titel "Pandora" trägt, taucht selbige als handelnde Person nicht ein einziges Mal auf. Es wird nur über sie geredet. Stilistisch ist das Stück vergleichbar mit dem Helena-Teil im "Faust II" und mit "Iphigenie auf Tauris". Typische Merkmale des klassisch-antiken Dramas, wie Stichomythie, findet man wieder. Betrachtet man das Werk unter den Umständen, in denen es entstand, so läß sich durchaus eine Verbindung zwischen Prometheus und Napoleon bilden. So wie Prometheus, der als Fortschrittsbringer antrat und sich zum technokratischen Despoten über die Menschen aufschwang, so ist auch Napoleon eine Art Prometheus. Auch er trat als Fortschritt an, wurde dann aber zum Despoten und, wie Prometheus in diesem Stück, so nutzte er auch Gewalt gegen andere, um seine Ideale durchzusetzen. Eine andere Parallele, die sich auftut: Die Herausbildung des sozialen Elends im Zeitalter der beginnenden industriellen Revolution, des Maschinenzeitalters. Unermüdliches Arbeiten ist die oberste Tugend. Leben aber tun die Menschen beengt und ohne Genuss und ohne dass aus der Arbeit Wohlstand für sie resultiert. Genau die Situation also, unter denen die Untertanen von Prometheus leben. Zugegeben: Das Drama ist keine einfache Lektüre. Aber: Es ist eine lohnenswerte!

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