Johanna Friedrich Winterfeldtstraße, 2. Stock

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Inhaltsangabe zu „Winterfeldtstraße, 2. Stock“ von Johanna Friedrich

Berlin, Juni 1923. Charlotte Berglas ist im fünften Monat schwanger, als man ihren Mann Albert tot aus dem Landwehrkanal zieht. Es muss ein Unfall gewesen sein, davon ist sie überzeugt. Niemals hätte er sie in diesen Zeiten der Not alleingelassen. Im Zuge der Inflation haben die Berglas ihr komplettes Vermögen verloren. Da Geld nichts mehr wert ist und Charlotte hochschwanger nicht arbeiten kann, beginnt die junge Frau, Zimmer ihrer Wohnung in der Winterfeldtstraße zu vermieten. Eine ungewöhnliche Gemeinschaft entsteht, die den Wirren der Zeit entschlossen und ideenreich standhält. Mittendrin kämpft Charlotte – für sich selbst und für die Zukunft ihrer kleinen Tochter Alice.

Ein netter Roman über eine starke Frau in den 20er Jahren, der sich zwischendurch zieht und in dem die Charaktere blass bleiben.

— paschsolo

Ein netter historischer Roman, den ich insbesondere Fotografie-Freunden gerne ans Herz legen möchte.

— Krimifee86

Ein Großteil vom Mittelteil fand ich echt langweilig. Der Anfang und vor allem das Ende haben das Ruder gerade noch so herumreißen können.

— Janine2610

Ein Roman über die Liebe zum Leben und den Willen der Überwindung!

— kassandra1010

Großartig erzählte Geschichte einer starken Frau

— Ein LovelyBooks-Nutzer

Eine starke Frau zwischen zwei Weltkriegen in Berlin ...

— VeraHoehne

So konträr wie die Personen sind, war auch die Zeit und das alles miteinander gepaart, ergibt in diesem Buch eine explosive Mischung.

— Avila

Toller Roman über eine ungewöhnliche Wohngemeinschaft.

— Tamaru

Ein tiefgreifendes Buch mit einer ganz besonderen Atmosphäre.

— Sternenstaubfee

Gelungenes Debüt

— nicigirl85

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  • Winterfeldtstraße, 2. Stock

    Winterfeldtstraße, 2. Stock

    Ela1989

    14. June 2017 um 19:05

    Die Geschichte spielt in den 20er Jahren in Berlin. Charlottes Mann wird tot aufgefunden und plötzlich steht sie allein da. Ohne Job, sodass sie die Miete unmöglich bezahlen kann. Kurzerhand entscheidet sie sich dazu, Untermieter aufzunehmen, schließlich ist es eine Zeit, wo Wohnungen knapp sind. Die Wohngemeinschaft könnte unterschiedlicher nicht sein. Noch dazu ist Charlotte schwanger und muss fortan für die kleine Alice sorgen. Doch trotz der Geldknappheit gibt Charlotte ihre Träume nicht auf. Wird sie sie verwirklichen können?Leider muss ich sagen, dass ich mit der Geschichte und den Charakteren nicht wirklich warm wurde. Leider stand das Buch ewig angefangen in meinem Regal rum. Nun habe ich mir einen Ruck gegeben und es endlich mal zuende gelesen. Aber bis zum Schluss hat sich an meinem Gefühl nicht wirklich viel verändert. Ich fand die einzelnen Charaktere zu schwach ausgeprägt, die Geschichte zu oberflächlich. Mir fehlte es eindeutig an Handlung. Was in der Geschichte geschehen ist, hätte man auch auf viel weniger Seiten zusammen fassen können.

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  • Fotografie der 20er Jahren

    Winterfeldtstraße, 2. Stock

    Krimifee86

    13. April 2017 um 11:22

    Inhalt: Im Berlin der 20er-Jahre verliert die junge Charlotte ihren Mann Albert durch Selbstmord und muss sich fortan alleine durchs Leben schlagen. In ihrer Verzweiflung vermietet sie die Wohnung an verschiedene Untermieter, wodurch sich schnell eine eher ungewöhnliche WG entwickelt. Die neuen Bewohner sind sich dabei nicht immer gegenseitig wohlgesonnen und so kommt eins zum anderen… Um nach der Geburt ihrer Tochter Alice über die Runden zu kommen, widmet sich Charlotte bald noch ihrem Hobby, der Fotografie, welche im Verlauf des Romans eine wichtige Rolle einnehmen wird. Charaktere: Die Geschichte dreht sich um die fünf Bewohner der Winterfeldtstraße (2. Stock) und die Frage, wie sie sich im Berlin der 20er Jahre so durchs Leben schlagen.Zum einen ist da Charlotte, die Besitzerin der Wohnung. Am Anfang des Romans konnte ich sie nicht sonderlich leiden. Sie war mir einfach zu weinerlich und hat zu sehr auf ihre Prinzipien beharrt. Außerdem war sie blind vor Liebe zu ihrem verstorbenen Mann Albert, obwohl es doch offensichtlich war, dass hinter seinem Ableben mehr steckt. Nach der Geburt ihrer Tochter Alice verändert sie sich aber in meinen Augen sehr zum Positiven. Sie wird verantwortungsvoller und fängt endlich an für sich und ihr Leben zu kämpfen und einzustehen.Charlottes Bruder Gustav ist ein Kleinganove. Ich fand es zwar rührend, dass er sich um seine Schwester gekümmert hat und ihr helfen wollte, glaube aber, dass er im Endeffekt mehr sich selber helfen wollte, als Charlotte. Von ihm hätte ich mir definitiv mehr Geschwisterliebe gewünscht.„Der Lange“ war in seiner Unbeholfenheit irgendwie süß. Auch ihn mochte ich zwar nicht besonders, da er etwas zwielichtiges an sich hatte. Dennoch fand ich es rührend wie er sich um Alice gekümmert hat und auch seine Annäherungsversuche an Charlotte hatten etwas Charmantes an sich (abgesehen von dem am Ende).Claire. Ich liebe Claire. Was für eine großartige Frau. Wie gerne hätte ich sie persönlich gekannt, denn ich fand sie einfach nur wundervoll. Theo hingegen blieb für mich bis zum Ende ziemlich undurchsichtig und auch nach Zuschlagen des Buchs war ich mir noch immer nicht sicher, was ich von ihm halten sollte und ob seine Motive ehrlich waren.Das hat mir gut gefallen: Ich mochte die Thematik des Buches, denn zum einen geht es um eine literarisch nur wenig beleuchtete Epoche der deutschen Geschichte und zum anderen um die Fotografie. Es war spannend, die einzelnen Charaktere bei ihrem alltäglichen (Über-) Lebenskampf zu beobachten und sie dabei zu begleiten. Insbesondere Charlottes Beschreibungen von Fotomotiven fand ich sehr gelungen und ich habe mich danach das ein und andere Mal dabei ertappt, die Welt ein weniger mehr aus ihren fotografischen Augen zu sehen.Das hat mir nicht so gut gefallen: So interessant das Buch auch war, es war leider nicht gerade spannend geschrieben. Im Gegenteil die Geschichte plätschert eher so vor sich hin und ich habe als Leser nie das Gefühl gehabt, unbedingt wissen zu müssen, was als nächstes passieren wird. Das Buch hat definitiv seine Längen die ein oder andere Streichung hätte ihm gut getan.Fazit: Ein Roman, der definitiv seine Längen hat, alles in allem aber mit einer netten Geschichte überzeugen kann. Insbesondere als Fotografie-Interessierte haben mir viele Stellen zu der Thematik sehr gefallen. Davon abgesehen fand ich es auch historisch sehr interessant, in die 20er Jahre eintauchen zu dürfen, denn die meisten Bücher spielen ja eher zur Zeit des Ersten oder Zweiten Weltkrieges, die Episode dazwischen wird nahezu sträflich vernachlässigt. Von mir gibt es drei solide Punkte und eine Leseempfehlung.

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  • Eine Frau findet ihren Weg

    Winterfeldtstraße, 2. Stock

    Steffi1611

    04. November 2016 um 08:24

    Die zwanziger Jahre sind keine leichten in dem noch vom 1. Weltkrieg gezeichneten Deutschland. Die Inflation nimmt zu und das Geld ist nicht mehr viel wert. In der Winterfeldstraße, 2. Stock befindet sich die Wohnung von Charlotte und Albert. Es ist eine schöne große Wohnung mit mehreren Zimmern. Charlotte ist schwanger und glaubt daran, das sie zusammen alles schaffen. Aber 1923 wird Alberts Leiche aus dem Fluss geborgen und die Polizei geht von einem Selbstmord aus, welcher damals sehr häufig aus Verzweiflung vorkam. Nur Charlotte will es nicht glauben, da Albert sie nie alleine gelassen hätte. Wie soll sie es alleine schaffen? Und dann mit Kind?Ihr Bruder Gustav lebt ebenfalls ins Berlin und macht ihr den Vorschlag Zimmer zu vermieten, so kommt etwas Geld rein und die Wohnungssituation ist zurzeit eh sehr angespannt. Nach einigem Zögern sagt sie diesem zu uns schon bald ist die Wohnung voll.Da wäre Gustav, welcher nie wirklich gearbeitet hat und sich lieber mit Betrügereien und Glückspiel über Wasser hält. Sein Kumpel der Lange, der wirklich bemüht ist und sich auch für keinen Job zu schade ist, um die Miete aufzubringen. Sowie Claire, die lesbische Bardame, welche mit ihren Mitte Fünfzig die älteste der WG ist. Der letzte Mitbewohner ist der undurchschaubare Theo.Jeder dieser 5 Bewohner hat seine eigenen Sorgen und Probleme. Aber auf dem engen Raum werden sie sich arrangieren müssen.Durch die unterschiedlichen Charaktere und die damalige Zeit hat das Buch seinen ganz eigenen Charme. Es gibt keinen Charaktere den man von Beginn an nicht mag, sie entwickeln sich in den Jahren der Geschichte jeder für sich weiter. Mal in eine schlechte Richtung, mal in eine gute Richtung und man freut, hofft, leidet und trauert mit ihnen zusammen.Die unterschiedlichen Sichtweisen auf die damalige Politik ist gelungen umgesetzt. Wie schnell jemand in eine politische Richtung kommt, nur weil er ein Mitläufer ist und leicht beeinflussbar. Genauso wird dargestellt, wie jemand von Beginn an überzeugt von seiner Einstellung ist und am Ende doch aus der Partei entlassen wird.Johanna Friedrich schafft durch ihren Schreibstil eine Atmosphäre, welche einfühlsam, emotional und hoffnungsvoll ist. An Hand der guten Darstellung der damaligen Zeit ist zu erkennen, dass es eine sehr gute Recherche gab. Die Details aus der Epoche wirken glaubwürdig und echt.Den Debütroman der Autorin kann ich nur jedem empfehlen, der historische Bücher mag und gerne in die 20er Jahre eintauchen möchte.

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  • Berlin nach dem Ersten Weltkrieg

    Winterfeldtstraße, 2. Stock

    SitataTirulala

    03. October 2016 um 19:55

    "Aber denk doch mal nach… Findest du nicht auch, dass man Dinge sieht, ohne sie wirklich zu sehen? Dass einen die eigene Wahrnehmung ständig täuscht und belügt? Dass man nur das sieht, was man sehen will? Du siehst die Fassade, aber du siehst nicht dahinter, du siehst ein Auto, das fährt, aber nicht den, der es lenkt. Im Grunde siehst du nichts. Verstehst du, was ich meine?" Das Leben in Berlin ist für die hochschwangere Charlotte alles andere als einfach, doch sie ist guter Dinge. Albert und sie werden schließlich Eltern und werden das ganze schon irgendwie hinbekommen. Doch dann kehrt Albert eines Tages nicht mehr nach Hause zurück. Seine Leiche wird samt seinem Auto in einem Straßengraben gefunden. Charlotte reißt es den Boden unter den Füßen weg. Alles was ihr von ihm bleibt ist seine Kamera. Während sie noch damit kämpft, wie sie den so sinnlosen Tod ihres geliebten Mannes akzeptieren soll, muss sie auch an die Zukunft denken. Als Witwe, die bald ein kleines Kind erwartet, bekommt sie nirgendwo Arbeit. Doch auch in Zeiten der Teuerung muss Geld rein kommen. Es ist ihr Bruder Gustav, der ihr vorschlägt Untermieter aufzunehmen. Anfangs sträubt sie sich ihre Privatsphäre und die Erinnerung an Albert Fremden preis zu geben. Doch die Not zwingt sie schließlich neben Gustav den Langen, die quirlige Claire und den vornehm wirkenden Theo in ihrer Wohnung aufzunehmen. Diese ungewöhnliche Zweckgemeinschaft so grundlegend unterschiedlicher Menschen gibt ihr unerwartet viel, ermöglicht ihr sogar ihr Hobby, die Fotografie, wieder aufzunehmen. Manchmal allerdings ist es auch eine harte Zerreißprobe... "Winterfeldtstraße 2. Stock" war eines der Bücher, die ich unbedingt haben wollte als sie raus kamen, dann aber doch erst dieses Jahr erstanden habe. Johanna Friedrich nimmt uns mit ins Berlin der 1920er Jahre. Der Krieg ist noch nicht allzu lange zu Ende und wer daran teilgenommen hat, wer die Schrecken erlebt hat, der hat noch immer daran zu knabbern. Der Rest der Stadt stürzt sich entweder kopfüber in das verrückte Nachtleben oder kämpft um seine Existenz. Die Inflation macht die einfachsten Lebensmittel praktisch stündlich teurer. Und mittendrin muss Charlotte nicht nur den Verlust ihres Mannes verwinden, sondern sich zusammenreißen: sie trägt sein Kind unter dem Herzen und muss es irgendwie durchbringen. Es ist eine schwierige Zeit, die Johanna Friedrich meiner Meinung nach sehr gefühlvoll eingefangen hat, nicht nur durch die unterschiedlichen Charaktere, die sie in Charlottes Wohnung in der Winterfeldtstraße zusammen bringt. Da sich die Handlung über mehrere Jahre erstreckt, entwickeln sich Charlotte, Gustav, Claire, Theo und der Lange natürlich auch weiter. Hierin fand ich lag eine der großen Stärken des Buches. In den fortschreitenden 1920er Jahren wurden ja die gegensätzlichen politischen Strömungen immer deutlicher, wir wissen alle, dass die Nationalsozialisten auf dem Vormarsch waren und Deutschland unvermeidbar auf Hitlers Schreckensherrschaft zusteuerte. Auch in der Winterfeldtstraße fand sich dieser Konflikt wieder, nämlich in Theo, einem Juden, der sich kommunistischen Idealen nach russischem Vorbild verpflichtet fühlt, und dem Langen, der über einen Sportverein, in dem er endlich jemand ist, langsam aber sicher in die rechte Szene hinein wächst. Die ganze Zeit über hat man beim Lesen das Gefühl: das wird in einer Katastrophe enden. Das kann doch überhaupt nicht gut gehen. Als beide dann auch noch Interesse an Charlotte zeigen ist die Krux perfekt. Was jetzt klingt wie ein klassisch-dramatisches Liebesdreieck ist doch mehr. Natürlich gibt es eine Liebesgeschichte und natürlich ist sie wichtig für Charlotte. Aber vor allen Dingen geht es auch darum, einen unbegreiflichen Verlust zu überwinden, weiter zu machen, wieder zurück ins Leben zu finden und als Frau auf eigenen Beinen zu stehen. Und darin hat Charlotte bewundernswerte Stärke bewiesen. Für manch einen mag dieses Buch die ein oder andere Länge haben, aber wenn man sich auf die Atmosphäre des Berlins der 1920er Jahre und die gegensätzlichen Impulse dieser Zeit einlassen kann, dann ist "Winterfeldtstraße 2. Stock" absolut lesenswert. Mir hat es jedenfalls gut genug für fünf Blümchen gefallen!

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    • 2
  • Zuwenig "normales Leben"

    Winterfeldtstraße, 2. Stock

    OmaInge

    19. April 2016 um 13:26

    Inhalt Charlotte Berglas ist im fünften Monat schwanger als ihr Mann tot aus einem Kanal gezogen wird. Sie ist mittellos und muss für sich und ihr ungeborenes Kind die Zukunft ordnen. Nur die große Wohnung in der Winterfeldtstraße ist ihr geblieben. Nach und nach nimmt sie Mieter auf, unter anderem ihren Bruder und dessen Freund. Es kommen noch eine ältere Bardame und ein geheimnisvoller Adeliger dazu. Nach und nach findet die Wohngemeinschaft zusammen und versucht im Berlin der 20er Jahre zu überleben. Mein Leseeindruck Die Mieter in der Wohnung von Charlotte Berglas sind mir etwas zu bunt zusammengewürfelt. Der Bruder hält sich mit kleinen Gaunereien und Glücksspiel mehr oder weniger über Wasser und ist oft in Auseinandersetzungen verwickelt. Der „Lange“, der nächste Mieter in der großen Wohnung, ist schüchtern und verliebt sich in Charlotte. Claire, eine ältere Bardame, die in einem Lesbenlokal arbeitet, kommt sehr robust und patent daher. Der geheimnisvolle Theo von Bergbaum zieht als Letzter ein. Zwei Jahre nach Geburt ihrer Tochter Alice eröffnet Charlotte ein Fotostudio und hat ungeahnten Erfolg. Bei mir ist der Funke nicht übergesprungen obwohl das Buch flüssig zu lesen war. Mit Charlotte bin ich so gar nicht warm geworden. Zu Anfang hat sie um ihren verstorbenen Mann getrauert, aber das tägliche Leben von Charlotte kam mir etwas zu kurz. Die Mitglieder der Wohngemeinschaft sind mir zu bunt gewürfelt. Eigentlich verdient nur Claire ihr Geld durch Arbeit. Wovon Theo von Bergbaum lebt, bleibt im Verborgenen. Viele kleine interessante Geschichten aber, für mich zu wenig „normales“ Leben.

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  • Geschichte über das Leben einer jungen Mutter in den 20ern

    Winterfeldtstraße, 2. Stock

    La_Stellina

    07. January 2016 um 12:41

    Berlin im Jahr 1923. Die Fotografin Charlotte lebt mit ihrem Mann Albert in einer großen Wohnung in Berlin. Sie ist schwanger. Doch von einer Minute auf die andere ändert sich ihr Leben komplett. Als sie erfährt, dass ihr Mann tot ist. Der Selbstmordtheorie der Polizei will sie zuerst keinen Glauben schenken. Da die Lebensmittelpreise in dieser Zeit ins unermessliche steigen und sie nicht weiß wie es weitergeht, greift sie den Vorschlag ihres Bruders auf und vermietet die freien Zimmer in ihrer Wohnung. Nun lebt eine schrullige Truppe von 4 Menschen (ihr Bruder Gustav, der Lange (Freund ihres Bruders), Theo und die Bardame Claire) mit ihr auf engstem Raum zusammen. Ihr Leben wird sehr von diesen Umständen geprägt. Oft zweifelt Charlotte ob es die richtige Entscheidung war Zimmer zu vermieten, doch war sie ja auf das Geld angewiesen. Im Laufe der Zeit sieht sie die Tatsache nicht alleine zu wohnen sehr positiv. Ihre Tochter Alice wird oft vom Langen beaufsichtigt und auch um die finanzielle Unterstützung der Mitbewohner ist Charlotte froh. Denn Charlottes Leben wird im Laufe der Geschichte nicht unbedingt einfacher. Mir fiel es leicht mich in Charlotte und auch die anderen Charaktere einzufühlen. Die Autorin beschreibt die Personen sehr gut, sodass man sofort einen guten Eindruck von ihnen, ihrer Denkweise, ihren Gefühlen und ihrem Aussehen erhält. Dadurch kann man den weiteren Verlauf der Handlung gut nachvollziehen und das Ganze wirkt stimmig. Der Leser erfährt viel über die damalige politische Lage und die Lebensumstände dieser Zeit. So ist der geheimnisvolle Adlige Theo Kommunist, der Lange hingegen Mitglied der NSDAP. Zwischen den Beiden kommt es daher immer wieder zu Reibereien. Auch die Armut und die Verzweiflung der Menschen über die wirtschaftliche Lage und die Lebenssituation wird sehr anschaulich dargestellt. Wie man bereits erahnen kann, hat mir das Buch sehr gut gefallen. Ich bereue in keinster Weise es gelesen zu haben und werde es weiterempfehlen. Auf die Meinungen der anderen Leser bin ich schon sehr gespannt!

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  • Eine Wohngemeinschaft, die für Spannung sorgt

    Winterfeldtstraße, 2. Stock

    Janine2610

    31. July 2015 um 01:48

    Worum geht's? Der plötzliche und mysteriöse Tod von Charlotte Berglas' Ehemann und das teure Leben im Berlin der 1920er zwingen sie dazu, eine Wohngemeinschaft zu gründen. Schon sehr bald muss sich Charlotte in ihrer Trauer um Albert ihr Zuhause mit vier Gesellen teilen, die alles andere als unkompliziert oder langweilig wären: ihr spielsüchtiger und geldfixierter Bruder Gustav, die lesbische und ältliche Claire, der impulsive "Lange" und Theo, dem Charlotte lange Zeit nicht ganz trauen mag, mischen nun ihr Leben auf. Ganz besonders die letzten beiden sorgen für Gefühlschaos ... Meine Meinung: Charlottes Geschichte aus dem Berlin der 1920er erzählt von einer Menge Trauer um den unerklärlichen Tod des Ehemanns, dem Kampf ums Überleben in einer Zeit, in der ein Laib Brot so teuer wie ein Auto und eine Besserung dieses Zustands nicht in Sicht war, aber auch von den Problemen der damaligen Zeit, wenn man als Frau durchstarten wollte, um seine Träume zu verwirklichen (in Charlottes Fall war es der Wunsch, ein eigenes Fotostudio zu führen). Zwischen all diesen Schwierigkeiten lässt sich glücklicherweise aber auch die Hoffnung und die Liebe blicken. Für mich war es schön zu lesen, dass Charlotte in ihrer Situation  nicht gänzlich vom Pech verfolgt worden ist, sondern auch Hilfe und Unterstützung von lieben Menschen erhalten hat, die ihr Mut gemacht haben, an ihren Zielen dranzubleiben, nicht aufzugeben und weiterhin an die Liebe zu glauben. Nicht zuletzt ihre kleine Tochter Alice schenkt ihr Lebenswillen, Kraft und Zuversicht. Vom Anfangsteil des Buches war ich noch recht überzeugt, dass die Geschichte wirklich interessant und fesselnd wird, im Mittelteil bin ich diesbezüglich dann aber schon zu Ernüchterung gelangt. Denn ich bin leider weder mit Charlotte, noch mit den anderen Hauptprotagonisten besonders warm geworden. Im Grunde sind mir die Charaktere im Laufe des Lesens zu oberflächlich beschrieben worden. Ich hätte mir ein wenig mehr Kenntnis von (authentischem) Innenleben gewünscht. Eben irgendwas, womit ich eine Bindung herstellen hätte können. - So ist das für mich alles nur an der Oberfläche herumgeplätschert. Hinzu kommt, dass das Buch zwar positiv endet (etwa 1928), aber einer der wichtigsten Protagonisten ist Jude und wir wissen ja alle, was mit jüdischen Personen im 2. Weltkrieg passiert ist, also dürfte Charlottes Zukunft schon sehr bald gar nicht mehr so rosig aussehen. - Und dieses Wissen hat mich auch irgendwie ... verstört! Beim Zusammenfassen des Inhalts habe ich gemerkt, dass die Story durchaus Potenzial gehabt hätte, die Umsetzung hätte ich persönlich aber definitiv in die Tiefe gehender, hauptsächlich die Charaktere betreffend, gestaltet. Was nicht heißen soll, dass ich diese Geschichte als schlecht empfunden habe, nein, nur eben als nichts besonders Besonderes. Dieses Buch dürfte vor allem für Leute, die sich für Fotografie, Politik und das harte Leben (der Frauen) in der Zwischenkriegszeit begeistern können, interessant sein. - Also sofern man mit einfacher Charakterskizzierung kein Problem hat und das Ende so nehmen kann, wie es ist, ohne die Zukunft der Protagonisten im Sinn zu haben.

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    • 2
  • Wenn die Liebe Überwindung kostet!

    Winterfeldtstraße, 2. Stock

    kassandra1010

    26. July 2015 um 08:16

    Charlotte Berglas wird während ihrer Schwangerschaft darüber informiert, das ihr Mann sich angeblich selbst umgebracht hat. Während der Zeiten der Inflation um 1920 ist das Leben für die schwangere Charlotte nicht einfach und der Hunger und der Verlust ihres Mannes nagen an ihr bis ihr Bruder auf die Idee kommt, die einzelnen Zimmer der großen Wohnung einzeln zu vermieten und so entsteht mitten in den Nachkriegswirren eine bunt gemischte WG in Berlin, die von einer Barfrau, einem scheinbaren Spion, Dieben und seltsamen Gestalten alles Mögliche beherbergt.   Ein Roman über die Liebe zum Leben und den Willen der Überwindung!

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  • Es muss weitergehen

    Winterfeldtstraße, 2. Stock

    TochterAlice

    08. May 2015 um 17:13

    1923 in Berlin: der Mann von Charlotte Berglas wird tot aus dem Landwehrkanal gezogen. Sie ist schwanger - beide haben sich riesig aufs erste Kind gefreut, an einen Freitod ihres geliebten Albert mag sie nicht glauben. Eine fürchterliche Situation, in die sie da geraten ist: in tiefer Trauer, ohne Geld und ohne viel Hilfe, denn ihr einziger Bruder Gustav ist ein nichtsnutziger Kleinkrimineller. Doch ausgerechnet der bringt sie auf eine Idee, denn Charlotte hat sehr wohl etwas, das viele zu der Zeit begehren, nämlich Wohnraum. Albert hat ihr eine riesige Wohnung hinterlassen, die sie verkaufen will, doch Gustav schlägt ihr vor, sie teilweise - per Zimmer nämlich - zu vermieten und schleppt auch schon den ersten Kandidaten an: seinen Kumpel, den jeder nur den "Langen" nennt. Rasch wächst das kleine Trüppchen an und wird durch die schon etwas ältere Bardame Claire und den geheimnisvollen Theo aus verarmtem Adel komplettiert. Charlotte, in tiefer Trauer, findet nach der Geburt der kleinen Alice erst nach und nach zurück ins Leben - natürlich mit Unterstützung der neuen Mitwohner, die sich auf sehr unterschiedliche Weise einbringen. Eine wichtige Rolle im Buch spielt der historische Hintergrund - die 1920er Jahre werden überaus plastisch beschrieben - farbige Eindrücke von politischen Strömungen, dem regen und freizügigen Nachtleben der "goldenen Zwanziger", doch auch der materiellen Knappheit und wirtschaftlichen Not tun sich vor den Augen der Leserschaft auf - ich zumindest hatte den Eindruck, als würde vor meinen Augen ein Film ablaufen, so gut hat die Autorin auf der einen Seite recherchiert und auf der anderen ihre Eindrücke aufs Plastischste und Eindringlichste wiedergegeben. Ein pralles, ein spannendes Buch? Prall ist es, doch geht die überaus sorgfältige Darstellung des Umfeldes gelegentlich auf Kosten der inhaltlichen Entwicklung. Auch wenn das Ende rund und stimmig ist, blieben bei mir doch einige Punkte offen in Bezug auf Nebenstränge, auf gewisse Reaktionen bestimmte Handlungen betreffend. Das eigentliche Ende die Hauptfigur, also Charlotte, betreffend, ist auch durchaus rund und vollständig, doch trotzdem fehlt etwas: die Intensität, die so oft spürbar ist, endet manchmal abrupt im Nichts - an manchen Stellen geht es einfach nicht weiter und alle (weiteren) Fragen bleiben offen. Trotzdem insgesamt ein schöner und stimmungsvoller Roman, der sowohl die dunklen Seiten als auch die Lichtblicke aufzeigt und das Leben in den 1920ern ein wenig näher rücken lässt.

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  • Winterfeldtstraße, 2. Stock

    Winterfeldtstraße, 2. Stock

    Aoibheann

    03. April 2015 um 17:31

    An einem Mittwoch verändert sich Charlottes Leben für immer. Ihr Mann wird tot aus dem Landwehrkanal gezogen, doch Zeit zum Trauen bleibt ihr nicht. Sie ist mittellos, nur die große Wohnung in der Winterfeldtstraße ist ihr geblieben. Und so beginnt Charlotte, Zimmer für Zimmer zu vermieten, bis sich eine ungewöhnliche Wohngemeinschaft gefunden hat, zu der zwei Kleinkriminelle, eine Bardame und ein geheimnisvoller Adliger gehören. Nach der Geburt ihrer Tochter wagt Charlotte neue Pläne, sie will ihre Träume verwirklichen. Doch im Berlin der 20er Jahre, einer Zeit voller Sehnsüchte und Leidenschaften, lässt sich das Glück nicht so einfach festhalten. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir sehr leicht und bereits nach wenigen Seiten hatte ich das Gefühl mittendrin zu sein. Die Atmosphäre dieser Deutschland so prägenden Zeit wurde gut eingefangen und auch an den Leser wiederum gut übermittelt. Die Sorgen, Ängste und Nöte der schwangeren Charlotte nach dem Tod ihres Mannes; ihre Zweifel über die Vermietung der Wohnung; der Kampf ums tägliche Überleben und nicht zuletzt die Sorge über ihren windigen Bruder Gustav – all das vermittelt die Autorin einfühlsam und emotional. Die Bewohner in der Berglaschen Wohnung in der Winterfeldtstraße selbst sind auch alles andere als unsichtbar und tragen durch ihre jeweiligen Persönlichkeiten zur Entwicklung der Geschichte bei. Am meisten herausstechen, selbst für ihre Zeit, dürfte wohl Claire. Bunt geschminkt und in auffallende Farben gekleidet, mit dem Herzen am rechten Fleck und manchmal auch auf der Zunge ist sie eine Art guter Geist in dieser ungewöhnlichen Wohngemeinschaft. Statt den Kopf hängen zu lassen stärkt sie gerade Charlotte mit ihrem fröhlichen Wesen den Rücken und ermuntert sie im späteren Verlauf immer wieder dazu, den Sprung zu wagen und ihre Träume zu verwirklichen. Man muss sie einfach lieb gewinnen! Zwischenzeitlich hatte das Buch ein paar kleine Längen, die in dieser turbulenten Zeit jedoch wie kleine Atempausen wirkten und daher für meinen Geschmack recht gut passten und nicht weiter ins Gewicht fallen. Es ist eine spannungsgeladene Zeit in Deutschland, im weiteren Verlauf wird bereits die Richtung angedeutet, die die Politik in Deutschland gehen wird. Nach Beenden der letzten Zeilen kam mir der Gedanke, wie gut es doch ist, dass das Buch an dieser Stelle zu Ende ist und Charlotte noch nicht weiß, was die Zukunft für sie und die Bewohner der Winterfeldtstraße im 2. Stock bereithält.

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  • 20erJahre - Schwere Zeiten

    Winterfeldtstraße, 2. Stock

    92libero

    16. March 2015 um 19:57

    Johanna Friedrich - Winterfeldtstraße 2. Stock Berlin - 20er Jahre - schwere Zeiten! Die Autorin zieht den Leser in die Zeit der 20er Jahre, in eine sehr schwierige Zeit, denn zur Zeit der Inflation ist das Geld nichts mehr wert. Außerdem gibt es wirtschaftliche und politsiche Unruhen. Ihr Mann wurde von der Polizei tot aufgefunden, zudem kommt die Situation das Chralotte (Protagonistin) schwanger ist und sie deshalb nicht arbeiten gehen kann, sie vermietet die Zimmer ihrer Wohnung und lernt dadurch andere Leute kennen, zum Beispiel Theo von Baumberg, der sich in Berlin gut auskennt und da ist noch ihr Bruder Gustav der das Geld was er hat, lieber verprasst. Charlotte hofft einfach auf eine besere Zukunft und kämpft sich durch eine sehr schwierige Zeit. Für sich und ihre Tochter Alice. Klappentext: Berlin, 1923. Charlotte Berglas ist im fünften Monat schwanger, als man ihren Mann Albert tot aus dem Landwehrkanal zieht. Es muss ein Unfall gewesen sein, davon ist sie überzeugt. Niemals hätte er sie in Zeiten der Not alleine gelassen. Die Inflation hat das Angesparte vernichtet, ALvert seine Arbeit in den Babelsberg Filmstudios verloren. Charlotte bleibt nur seine Kamera. Und die großzügige Wohnung, deren Zimmer schon bald von Untermietern bevölkert wird. Unter ihnen ist Theo von Baumberg, vermeintlicher Spross einer verarmten Gutsbesitzerfamilie und bestens vernetzt im quirligen Berlin. Gegen seinen Willen nimmt die junge Witwe in seinen Gedanken viel Platz ein, dabei lassen seine Pläne gar kein privates Glück zu. Charlotte ist ohnehin noch nicht über die zu früh verlorene Liebe hinweg. Die Bewohner der Wohnung in der Winterfeldtstraße erleben Höhen und Tiefe. Mittendrin kämpft Charlotte für sich selbst und für die Zukunft ihrer kleinen Tochter Alice. Buchgestaltung: Die Gestaltung des Covers finde ich sehr gut gelungen. Die Bilder auf dem Cover, also die Frau mit der Kamera und die Aufnahme von oben auf die Stadt passen sehr gut zum Inhalt. Desweiteren passen Schrift und Farbtöne (Beige, Sepia) sehr gut zu der im Buch erzählten Zeit (20er Jahre). Fazit und eigene Meinung: Wie ich schon bei meinem Leseindruck zu diesem Buch geschrieben habe, lese ich eigentlich nicht gerne Bücher über diese Zeit , aber dieser Roman und vorallem das Cover sind super. Da ich gerne selbst fotografiere, und dies auch ein Thema in diesem Buch ist hat es mich von Anfang an umsomehr angespochen. Wie gesagt eigentlich nicht mein Genre , aber Charlotte wird einem wirklich sympathisch und ziemlich gut beschrieben, auch die Orte in Berlin werden gut beschrieben. Sprache und Schreibstil haben mir auch sehr gut gefallen. Dieses Buch zu lesen lohnt sich wirklich. Allgemeine Infos: Titel: Winterfeldtstraße 2. Stock Autor: Johanna Friedrich Seitenanzahl: 413 Preis: 19,99,- ISBN: 978-3-547-71200-1

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  • Toller Roman aus dem Berlin der 20er Jahre

    Winterfeldtstraße, 2. Stock

    VeraHoehne

    01. February 2015 um 17:28

    Autorin: Die Hamburger Journalistin und Autorin Johanna Friedrich wuchs im süddeutschen Raum, Nahe Stuttgart, auf und absolvierte ihr Studium der Germanistik und Politik in Tübingen und Paris. Sie genießt es, Zeit in Bibliotheken zu verbringen und sich auf Zeitreise zu begeben, um dort Inspirationen für ihre Geschichten zu sammeln. Ebenso genießt sie die Nähe von Hamburg zu Berlin, wo sie ebenfalls privat viel Zeit verbringt. Handlung: Charlotte Berglas ist im 5. Monat schwanger, als die Polizei ihr mitteilt, dass man ihren Mann, den Fotografen Albert, als weiteres Selbstmordopfer seiner Zeit, tot aus dem Berliner Landwehrkanal geborgen hat. Für Charlotte bricht die Welt zusammen und sie verrennt sich in den Gedanken, dass Albert sie und das ungeborene Kind niemals im Stich gelassen hätte und ermordet worden sein muss. In Zeiten der Inflation relativ kurz nach dem 1. Weltkrieg lässt sich Charlotte in ihrer Verzweiflung von ihrem kleinkriminellen Bruder Gustav überreden, einige Zimmer ihrer großen Eigentumswohnung im 2. Stock in der Winterfeldtstraße in Schöneberg unterzuvermieten. Die Runde der illustren Mieter wird neben Gustav noch ergänzt von Gustav’s ebenso kleinkriminellen Freund Heinz Proske – genannt “der Lange” – sowie der älteren, lesbischen Bardame Claire und dem geheimnisvollen Adligen Theo von Baumberg. Nach der Geburt ihrer kleinen Tochter Alice hegt Charlotte den Wunsch nach einer Selbstverwirklichung als Fotografin, was sich in den politischen Wirren im Berlin Mitte der 20er Jahre als ebenso schwierig erweist wie die Immunität gegen eine neue Liebe … Fazit: Die Cover-Gestaltung ist sehr gut gelungen und die Frau auf dem Titelbild gibt perfekt die Figur der Charlotte Berglas aus – exakt so, wie sie im Buch beschrieben wurde. Die 413 Seiten sind auf insgesamt 39 Kapitel mit optimaler Leselänge eingeteilt. Zuerst muss ich mal sagen, dass ich seit Ewigkeiten kein Buch mehr gelesen habe, das nicht in der Gegenwart spielt und ich am Anfang daher ein wenig skeptisch war, ob es mir gefallen wird. Für mich gab es verschiedene Anreize dieses Buch unbedingt lesen zu wollen: 1.) Der Winterfeldt-Kiez ist unweit meines Wohnkiezes, eines unserer Lieblingsrestaurants ist dort und ich fahre jeden Tag parallel zur Winterfeldtstraße zur Arbeit und wieder zurück und kenne auch viele Ecken, die in dem Buch beschrieben wurden, wie sie heute sind. Am Fotostudio von Charlotte in der Bülowstr. 29 fahre ich ebenfalls täglich vorbei – das Haus existiert noch wie früher. 2.) Wenn man mich fragt, wohin ich gerne Zeitreise machen würde, habe ich immer geantwortet u. a. ins Berlin der 20er Jahre – und was eignet sich dafür besser, als ein solches Buch …?! und 3.) Wie ich erst beim Lesen des Buches festgestellt habe, handelt es sich hierbei auch um die Zeit, die meine Oma (Jahrgang 1899, gestorben 1979, aufgewachsen 80 km nördlich von Berlin, hat selbst 1924 ihre 1. Tochter geboren und war – trotz später 3 Kinder – weiterhin berufstätig  als Masseurin und Krankengymnastin in Berlin und Umland) bewusst als junge Frau erlebt haben muss und so konnte ich auch ein klein wenig über ihr Leben erfahren und das Buch hat mir Lust darauf gemacht vielleicht mal ein wenig Ahnenforschung zu betreiben. Das Buch hat mich vom ersten Moment an gefesselt und nicht mehr losgelassen. Die Sprache ist normal und nicht gestelzt (wie man es evtl. für die damalige Zeit erwarten würde) und die Dialoge realistisch. Die Autorin hat die mitwirkenden Charaktere mit viel Einfühlungsvermögen und Sachverstand über das Berlin der 20er Jahre entwickelt und hierfür sicherlich eine sehr aufwändige Recherche-Arbeit geleistet, die auch wahnsinnig spannend gewesen sein muss und um die ich die Autorin fast ein wenig beneide. Charlotte ist für die damalige Zeit eine realistisch denkende, eigenständige Persönlichkeit, die sehr viel Stärke zeigt und in ihrer Zweck-Wohngemeinschaft nochmals über sich hinauswächst, nicht zuletzt auch durch die Unterstützung der Mitbewohnerin Claire, die durch ihre Reife und ihre Lebenserfahrung – auch, wenn sie selbst viel Kummer erlitten hat – eine mütterliche Beraterin für Charlotte ist. Für mich sind die Beiden die imposantesten Charaktere dieser Geschichte. Das Buch hat bei mir das Bewusstsein dafür geschärft, dass die 20er Jahre nicht nur Glamour, Charleston und Lebensfreude waren, sondern dass sich in der pulsierenden Metropole Berlin eine ebenso pulsierende Parallelgesellschaft gebildet hat, die geprägt war von Inflation, Hungersnot, traumarisierten Soldaten, die im 1. Weltkrieg gedient haben, politisch enttäuschten Revoluzzern ebenso wie staatstreuem Gefolge – quasi menschliche Abgründe, die noch nicht ahnen konnten, dass sie sich zwischen zwei Weltkriegen befanden. Lediglich am Ende habe ich ein wenig vermisst, z. B. wie im Abspann von Filmen die Einblendung “Und was dann noch geschah …”, ein Hinweis darauf, wie sich die Autorin das weitere Leben von Charlotte, Theo (aka Aaron), Alice, Claire und Gustav ausgedacht hätte, aber vielleicht bieten ihre Ideen dazu ja auch Potenzial für eine Fortsetzung dieses Romanes. Ich fand den Schreibstil und Sprachstil des Buches ausgezeichnet und die Story mitreißend und sehr spannend präsentiert – meiner Meinung nach ein wirklich gutes und anspruchsvolles Buch – und gebe daher von 5 von 5 möglichen Sternen :-)

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    • 2
  • Berlin ist eine Reise wert

    Winterfeldtstraße, 2. Stock

    claude20

    Charlotte Berglas lebt in Berlin im Jahre 1923. Als ihr Mann Albert tot aus dem Landwehrkanal gezogen wird, bricht für Charlotte ihre Welt zusammen. Sie ist im fünften Monat schwanger und sie ist er festen Überzeugung, dass der Tod ihres Mannes kein Selbstmord gewesen sein kann, wie von der Polizei angenommen wird. Niemals hätte Albert sie alleingelassen, denn er hatte sich schon sehr auf das Kind gefreut. Leider haben die Berglas im Zuge der Inflation ihr komplettes Vermögen verloren. Der hochschwangeren Charlotte bleibt nicht viel Spielraum, um Geld zu verdienen. Da bringt ihr Bruder Gustav sie auf die Idee Zimmer in ihrer Wohnung in der Winterfeldtstraße unterzuvermieten. So entsteht nach und nach eine bunte und ungewöhnliche Wohn- und Lebensgemeinschaft. Die Zeiten sind hart, aber Charlotte schafft sich in den Wirren der zwanziger Jahre mittels ihren Ideenreichtum eine neue und nicht immer ungefährliche Zukunft aufzubauen. Dieser Roman von Johanna Friedrich ist eine schöne und auch sehr umfangreiche Zeichnung der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Zeit der Inflation wird sehr emotionsgeladen und zudem auch extrem spannend dargestellt. Die Autorin schafft es mit Leichtigkeit die politischen Wirren dieser Zeit nicht nur auf den Straßen von Berlin lebendig werden zu lassen, sondern bereits im kleinen Mikrokosmos der Wohngemeinschaft gibt es nach und nach sehr unruhige Zeiten. Teilweise wird dieser Umstand wegen den politisch unterschiedlichen Ansichtsweisen der Bewohner hervorgerufen, teilweise wird die Lage durch die intensiven Gefühle der einzelnen Personen dieser Gemeinschaft immer komplizierter und auch facettenreicher. Mir hat die Erzählweise von Johanna Friedricht bereits auf den ersten Seiten gut gefallen und das Leben in Berlin auf angenehme Art und Weise näher gebracht. Schnell fand ich mich in im illustren Leben der Berliner wieder. Aber das Leben in dieser Zeit ist nicht nur problemlos zu bewältigen. Gerade Charlotte muss sich nach dem Tod ihres Mannes gerade für die noch ungeborene Tochter weiter durch das Leben kämpfen und jeder Herausforderung stellen. Auf jeder Seite dieses Buches fühlte ich mich Charlotte sehr nah und sorgte mich um sie und ihre Gesundheit. Gefühlsmäßig hat die Autorin mich auf dem richtigen Fuß erwischt und mich mit dieser Geschichte sehr gut unterhalten. Gerne spreche ich mich für einen Besuch in der Winterfeldtstraße aus und wünsche anderen Lesern viele unterhaltsame Stunden mit Charlotte und ihrer ungewöhnlichen Wohngemeinschaft. © claude

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    • 10

    dicketilla

    12. December 2014 um 13:46
  • Die goldenen Zwanziger?

    Winterfeldtstraße, 2. Stock

    Avila

    08. December 2014 um 22:10

    In den 1920er Jahren findet sich im wildem Berlin eine verrückte Truppe zusammen, um in Zeiten der Inflation in einer WG zu überleben. Jeder bringt sein eigenes Schicksal mit und hat teils sehr konträre Ansichten über das Leben. Der Roman wartet mit fünf sehr unterschiedlichen Charakteren auf: die lesbische in die Jahre gekommene "Sängerin", die verwitwete Fotografin, der glücklose Bruder, der reiche Eigenbrödler und der zuverlässige Orientierungslose. Die Personen erleben dabei Entwicklungen, die so gut in die Zeit passen, dass man während des Lesens deren Zwiespalt begreift. So konträr wie die Personen sind, war auch die Zeit und das alles miteinander gepaart, ergibt in diesem Buch eine explosive Mischung und wartet immer gespannter auf den großen Knall, wie dieser aussehen und es somit auch enden wird. Der Spannungsbogen wird dabei geschickt gehalten und durch die doch auch liebenswerten Charakteren gibt es immer wieder schöne Wohlfühl-Szenen, die das Buch zu einem tollen Kuschelroman machen. Besonders gefällt mir wirklich die Zeit, die in diesem Buch thematisch gut aufgegriffen wird. Die 1920er Jahre sind eher wenig präsent und meist nur als "Zwischenkriegsjahre" ziemlich blass in den Köpfen. Wie spannend und turbulent diese eigentlich waren, merkt man erst, wenn man sich von den Kriegen vorher und nachher nicht so sehr einengen lässt: erst die rasende Inflation und dann die goldenen Zwanziger. Das birgt natürlich viel Stoff für ein Buch und die Autorin hat es prima geschafft, diesen auszunutzen.

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  • Winterfeldstrasse 2. Stock

    Winterfeldtstraße, 2. Stock

    Tamaru

    06. December 2014 um 18:37

    Die Geschichte beginnt in Berlin im Juni 1923. Die Zeiten sind hart und die Menschen kämpfen um's Überleben. Charlotte und ihr Mann Albert freuen sich auf ihr gemeinsames Kind und sind überzeugt davon, es trotz dieser harten Zeit schaffen zu können, eine glückliche Familie zu werden. Dann erhält Charlotte die Nachricht dass Albert tot aus dem Kanal gezogen wurde, alles deutet auf einen Selbstmord hin, doch das will Charlotte nicht glauben. Sie ist überzeugt, das er einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist, doch niemand glaubt ihr. Da sie nun alleine für Ihr ungeborenes Kind sorgen muss, gründet sie eine ungewöhnliche WG um über die Runden zu kommen. Claire, eine Nachtclubtänzerin und Seele von Mensch, ihr Bruder Gustav ein Taschendieb und Kleinkrimineller, Der Lange und schließlich Theo von Baumberg, ein undurchsichtiger Adliger, bevölkern von nun an ihre Wohnung. Gemeinsam kämpfen sie für eine bessere Zeit, jeder auf seine Weise mit seinen eigenen Träumen und Wünschen. Aber leider müssen sie auch durch einige Tiefen, denn das Berlin der Zwanziger Jahre ist auch der Beginn des Judenhasses und der Nazizeit. Aber Charlotte läßt sich nicht unterkriegen, sie kämpft für ihre Tochter, ihre Träume und ihre Liebe auch wenn das nicht immer einfach ist. Das Buch hat mir gut gefallen, es ist flüssig geschrieben und läßt sich gut lesen. Die einzelnen Charaktere sind sehr gut beschrieben und wachsen einem mit jeder Seite mehr ans Herz. Man hat das Gefühl Teil dieser WG zu sein und teilt Freude und Leid mit Ihnen. Schöner Roman über Liebe und Sehnsüchte einer längst vergangenen Zeit.

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