Johanna Holmström

 3,6 Sterne bei 59 Bewertungen
Autorin von Asphaltengel, Die Frauen von Själö und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Johanna Holmström

Skandinavisches Naturtalent: Johanna Holmström ist 1981 in Sibbo, Finnland geboren, ist aber mit Schwedisch als erster Muttersprache aufgewachsen. Heute lebt sie mit ihren zwei Töchtern in Helsinki, wo sie als Journalistin und Schriftstellerin arbeitet. Im Alter von 22 Jahren debütierte sie mit der Kurzgeschichtensammlung „Inlåst och andra noveller“ (dt. etwa „Eingesperrt und andere Novellen“). Das Buch schafft es sogar auf die Shortlist des Swedish Radio Short Story Award, ihre Kurzgeschichtensammlung „Camera Obscura“ von 2009 gewann mehrere angesehene Auszeichnungen wie den Literaturpreis des Svenska Dagbladet. 2013 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, „Asfaltsänglar“, der 2014 auch ins Deutsche übersetzt wurde und unter dem Titel „Asphaltengel“ die deutschen Leser begeistert. Als Recherche für den Roman studierte Holmström die arabische Sprache sowie den Koran.  

Neue Bücher

Cover des Buches Sei still, mein Kind (ISBN: 9783548062204)

Sei still, mein Kind

Erscheint am 02.08.2021 als Taschenbuch bei Ullstein Taschenbuch Verlag.

Alle Bücher von Johanna Holmström

Cover des Buches Asphaltengel (ISBN: 9783548287829)

Asphaltengel

 (43)
Erschienen am 09.10.2015
Cover des Buches Die Frauen von Själö (ISBN: 9783550050442)

Die Frauen von Själö

 (16)
Erschienen am 08.02.2019
Cover des Buches Sei still, mein Kind (ISBN: 9783548062204)

Sei still, mein Kind

 (0)
Erscheint am 02.08.2021

Neue Rezensionen zu Johanna Holmström

Cover des Buches Die Frauen von Själö (ISBN: 9783550050442)sursulapitschis avatar

Rezension zu "Die Frauen von Själö" von Johanna Holmström

Geballtes Leid
sursulapitschivor einem Jahr

Die finnische Insel Själö war mit ihrem Krankenhaus lange Zeit ein Ort für geisteskranke Frauen, ein Exil aber auch Asyl. Es strandeten dort Frauen aus den unterschiedlichsten Gründen.


Hier werden sehr einfühlsam drei Frauen vorgestellt, die das Schicksal auf dies Insel verschlagen hat. Kristina hat zum Beispiel 1871 ihre Kinder ertränkt. War sie verrückt?

Ellis Fall hat in der 30er Jahren Aufsehen erregt, bis sie auf der Flucht mit ihrem Liebsten gefasst wurde. Was war da los?
 Und Sigrid fing dort als junge Frau an als Krankenschwester zu arbeiten und blieb ihr ganzes Leben da. Hatte sie keine anderen Pläne?


Johanna Holmström hat einen sehr eigenen Stil, knapp, aber voller Gefühl. Sehr viel steht zwischen den Zeilen.

„Der Frühling kommt zum Fenster hereingeströmt. Es ist Mai. Die Mädchen sind aus Licht. Aus Luft. Sie flattern im Aufenthaltsraum lachend an Elli vorbei. Jagen einander. Spielen. Wie können sie an einem Ort wie diesem an ihrer Fröhlichkeit festhalten? Oder bildet sie sich das nur ein? Sind sie in Wirklichkeit leer und müde und innen ganz staubig – oder geht es nur ihr so?“

Dies ist ein Buch, das man achtsam lesen sollte und das einen mitnimmt. Ich brauchte öfter Mal eine Pause, weil diese geballte Ladung Leid nur schwer zu ertragen ist. Es geht gar nicht mal vorrangig um suspekte Behandlungsmethoden vermeintlich Geisteskranker, sondern lotet die Grenze aus. Wer ist eigentlich geisteskrank und warum? Kann einen soziale Ächtung in den Wahnsinn treiben? Kristina wurde schon als junges Mädchen zur Außenseiterin, als sie nach einer Vergewaltigung schwanger wurde.


Das ist das grundsätzliche Thema, das ich ganz wunderbar fand. Leider zerfasert die Geschichte im Verlauf des Buches etwas. Es gibt größeren zeitlichen Cut zwischen Kristinas und Ellis Geschichte, durch den die beiden Teile nicht mehr so recht zusammenfinden. Die Geschichte plätschert aus, hätte aber leicht mit Wucht enden können.

Trotzdem ist es ein sehr lesenswertes Buch und eine Autorin, die ich im Auge behalten werde.

 

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Cover des Buches Die Frauen von Själö (ISBN: 9783550050442)RenaMs avatar

Rezension zu "Die Frauen von Själö" von Johanna Holmström

Johanna Holmström: Die Frauen von Själö
RenaMvor einem Jahr

Dies ist kein Buch für sonnige fröhliche Tage. Dies ist ein Buch, das man im November lesen sollte. Denn die Stimmug, die es auslöst, ist grau, duster. Man möchte sich in sich selbst zurückziehen.

Johanna Holmström erzählt die Geschhichte von drei Frauen über einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren.

Kristina, die ihre beiden Kinder ertränkte, wird statt ins Zuchthaus in die Irrenanstalt auf der Insel Själö gesteckt. Es ist das Jahr 1891 und wir können uns vermutlich alle vorstellen, wie zu dieser Zeit mit Insassen von Irrenanstalten, zumal weiblichen, umgegangen wurde, welche Behandlungsmethoden angewandt wurden. Die sogenannte „Isolierung“ ist nur eine davon. Ziel und Zweck konnte es nur sein, die Frauen zu brechen.

Genau so drückt es Sigrid aus, die Krankenschwester auf der Insel. Auch sie ist gewissermaßen eine Gefangene, sie wird viele Jahre dort verbringen.

Die Dritte ist Ellie, ein aufbegehrendes wildes Mädchen, das zu Beginn der 1930er Jahre in die Irrenanstalt auf der Insel kommt.

Ein bestimmender Aspekt im Leben der Patientinnen Kristina und Ellie ist bei Beiden ihre problematische Beziehung zu ihrer Mutter.

Männer spielen in diesem Roman nur eine Statistenrolle. Bis auf Dr. Mikander, den Arzt der Anstalt und Pastor Björkestam, dem Kristina ihre Einweisung in die Anstalt zu verdanken hat.


Es fällt mir schwer zu entscheiden, ob mir dieses Buch gefallen hat oder nicht. Es lässt sich nicht einfach mal eben schnell herunterlesen, der Stil ist schwer, langatmig, manchmal verworren, verwirrend.

Die Idee zu diesem Buch kam der Autorin, nachdem sie in einem Archriv Patientenakten der Anstalt auf Själo gefunden hatte.

Übersetzt wurde der Roman von Wibke Kuhn, die laut Klappentext u.a. auch Jonas Jonasson übersetzt hat.


Johanna Holmström: Die Frauen von Själö

Hardcover, 365 Seiten,

Ullstein, Februar 2019

22,00 @

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Cover des Buches Die Frauen von Själö (ISBN: 9783550050442)Barbara62s avatar

Rezension zu "Die Frauen von Själö" von Johanna Holmström

Ausgestoßene
Barbara62vor 2 Jahren

Eine Fahrt durch den Schärengarten vor Turku zu den Ålandinseln im Jahr 2017 gehört zu meinen schönsten Reiseerinnerungen. Tausende kleiner und kleinster Inselchen liegen in diesem Gebiet vor der Südwestküste Finnlands, teils bewohnt, teils unberührt. Hindurchzufahren ist ein einzigartiges Erlebnis. Ein Buch, das auf einer solchen Schäre spielt, ist daher für mich fast schon ein Muss. Nach mehreren Krimis im schwedischen Original habe ich mich zum ersten Mal an einen Roman in schwedischer Sprache gewagt, "Själarnas Ö", eine große Herausforderung mit Niveau B1/B2 und beim Wortschatz unvergleichlich anspruchsvoller. Die deutsche Übersetzung unter dem Titel "Die Frauen von Själö" ist 2019 im Verlag Ullstein erschienen.

Auf Själö im äußersten Schärengürtel vor Turku gab es bis 1962 eine Nervenheilanstalt für Frauen. Johanna Holmström stieß 2012 durch die Dissertation von Jutta Ahlbeck-Rehn auf das Schicksal dieser Frauen, das sie nicht mehr losließ. Ihre Protagonistinnen haben so nicht existiert, vielmehr hat sie ihre Figuren aus verschiedenen Patientenberichten zusammengesetzt.

Drei Frauen stehen im Mittelpunkt des Romans, die aus ganz unterschiedlichen Gründen auf Själö landen: Kristina, Elli und Sigrid. Kristina Andersson hat im Oktober 1891 in einem Anfall von Verzweiflung ihre beiden Kinder im Fluss Aura ertränkt, heute würde bei ihr mit Sicherheit eine Kindbettdepression diagnostiziert. Ihr Schicksal hat mich besonders berührt. Im Teenageralter vergewaltigt, führt die Geburt einer Tochter zur Ächtung im Dorf, eine zweite Chance will man ihr nicht geben. Ein Pastor mit Doppelmoral sorgt schließlich dafür, dass sie in die Klinik von Själö verlegt wird, die fast immer Endstation ist.

Als Kristina bereits kaum mehr als eine „lebende Tote“ ist, kommt 1934 die 17-jährige Elli Curtén nach Själö, Tochter aus bürgerlichem Haus, von der Mutter stets auf Abstand gehalten und schließlich mit einem jungen Mann durchgebrannt. „Hypersexualität“ lautet eine der Diagnosen. Ihr Weigerung, die Geisteskrankheit zu akzeptieren, wird als fehlende Krankheitseinsicht gedeutet und verschärft ihre Situation. Obwohl sie ursprünglich auf Betreiben ihrer Eltern eingewiesen wurde, setzen diese sich bald für ihre Entlassung ein, doch dafür gibt es Mitte der 1930er-Jahre in Finnland eine neue, unmenschliche Bedingung.

Die dritte Frau im Bunde ist Sigrid Friman, ausgebildete Krankenschwester aus Helsinki und als einzige freiwillig hier. Sie möchte einige Jahre auf Själö arbeiten und dann ihren Verlobten Frans heiraten, doch es kommt anders. Sigrid ist eine reflektierte Frau, die die Grenzen zwischen gesund und krank immer wieder in Frage stellt und sich um das Wohl ihrer Patientinnen sorgt.

Während es im ersten Teil fast nur um Kristina geht, handeln die beiden folgenden, sehr ausführlich geratenen Teile vom Alltagsleben auf Själö, wo nur selten ein Arzt vorbeikommt, von Freundschaften und Intrigen, von Zwangsmaßnahmen wie strikter Isolation, von den penibel geführten Krankheitsdokumentationen, Fluchtversuchen im Winter über das Eis, Todesfällen und fast vollkommener Abschottung von der Außenwelt. Und trotz alledem bietet das Leben auf Själö auch Freiheiten, die es auf dem Festland so für die Frauen nicht gäbe. Die düstere Stimmung des Buches wird lediglich durch die sehr atmosphärische Beschreibung der Jahreszeiten und der Natur unterbrochen, so dass mich das etwas zu positiv geratene Ende überrascht hat.

"Själarnas Ö" ist ein Roman, der wohl niemanden kaltlässt.

http://mit-büchern-um-die-welt.de/johanna-holmstroem-sjaelarans-oe/

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