Johanna Romberg

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Autor von Federnlesen.

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Federnlesen
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Erschienen am 23.02.2018

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Rezension zu "Federnlesen" von Johanna Romberg

Was fliegt denn da?
Sikalvor 8 Monaten

Diese Frage beschäftigte Johanna Romberg bereits als Kind. Ursprünglich von ihren Eltern als Beschäftigungstherapie bei den unliebsamen Wanderungen gedacht, entwickelte sich die Autorin zu einer Hobby-Ornithologin. Mit ihrem Buch „Federnlesen“ begleiten wir sie durch eine faszinierende Welt der Meisen, Spechte, Mauersegler, Turmfalken und Blauracken – um hier nur einige zu nennen. Und ich muss ehrlich gestehen, dass ich von einigen Namen in diesem Buch nie zuvor etwas hörte, somit hat es wohl seinen Lehrcharakter bereits erfüllt …

 

Die Autorin Johanna Romberg ist Journalistin und arbeitet für das Magazin GEO. Für ihre Reportagen wurde sie mehrfach ausgezeichnet, erhielt u.a. den Egon-Erwin-Kisch-Preis und den Georg-von-Holtzbrinck-Preis für Wissenschaftsjournalismus. Mit diesem Buch versucht sie den Leser mitzunehmen auf eine spannende Reise, versucht zu vermitteln, warum es sie seit Jahrzehnten dermaßen fasziniert, die Genies der Lüfte zu begleiten und lässt uns an ihrem mittlerweile enormen Wissen Anteil nehmen. Mit Exkursionen, Fachgesprächen und Besuchen z.B. in einer Frankfurter Spezialklinik für verletzte oder abgestürzte Mauersegler ergänzt sie ihre zum Teil wissenschaftlichen, dann wieder sehr persönlichen Berichte.

 

Das Buch ist in zwölf Kapitel unterteilt, in denen sie jeweils einen ihr wichtigen Vogel zum Kernthema krönt. Jedoch – sie gesteht es mehrmals selbst – schweift sie immer wieder ab und ergänzt um so manchen Verwandten oder Vögel, die für sie eine Beziehung zu anderen Vögeln haben. Sie erzählt z.B. von der Singstunde der Rotkehlchen und wie man sie am besten aus einem Zwitscher-Chor heraushört ebenso wie vom Multitalent Ringeltaube oder der Sehschule mit Kolmsen und Blomsen. Faszinierend auch z.B., dass alle Bussardarten (5 in Europa heimisch) die merkwürdige Eigenschaft haben, verschiedene Farbvarianten hervorzubringen – es gibt dunkelbraune Vögel, hellbraune und Abstufungen bis beinahe weiße.

 

„Je genauer Ökologen die komplexen Wechselbeziehungen im Lebensraum Wald erkunden, desto mehr stellen sie fest, dass Spechte darin eine Schlüsselrolle spielen, im wörtlichen Sinne. Sie erschließen den Lebensraum Totholz für andere Tiere – zum einen, indem sie Nahrungsressourcen unter der Rinde zugänglich machen, zum anderen, indem sie Wohnraum schaffen.“

 

Problematisch ist hier, dass der „Wohnraum“ Wald zurückgedrängt wird, naturnahe Wälder, in denen dies ohne Störung geschehen darf, immer mehr verschwinden – wenn es nicht noch zu einem großen Umdenken kommt.

 

Obwohl Johanna Romberg oftmals humorvoll von ihren Beobachtungen erzählt, verabsäumt sie es nicht einen wichtigen Punkt abzuarbeiten: die Gefährdung so mancher Art und die Verdrängung einiger Exemplare – z.B. durch die moderne Landwirtschaft (Bodenbrüter sind gefährdet durch die eingesetzten Maschinen) oder durch das vermehrte Aufstellen der Windräder (durch die Rotoren werden Rotmilane getötet). Stimmen und Gestalten (vom fachmännischen Birder als Jizz bezeichnet), die ihr seit Jahren in der Umgebung vertraut waren, vermisst die Autorin plötzlich in ihrem Umfeld. Also beginnt sie zu hinterfragen, besucht die Orte, an denen sie (noch) zu Hause sind und spricht mit Experten, die durch langjährige Forschung zum Kenner so mancher Vogelart wurden. Und genau diese Themen – Artenschwund, Lebensraumzerstörung und die mühevolle Kleinstarbeit der Naturschützer – machen dieses Buch zu etwas Besonderem. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Vorschlägen und Engagement begegnet die Autorin diesem Thema.

 

Ich gehöre nicht in die Kategorie Hobby-Ornithologe und kenne hauptsächlich die Vögel der näheren Umgebung und solche, die ständiger Gast meines Futterhauses sind. Vielleicht gerade deshalb konnte ich aus dem Buch „Federnlesen“ für mich so einiges mitnehmen und gehe nun mit einem wacheren Blick durch die Natur. Die Begeisterung der Autorin ist ansteckend, das Schärfen der Sinne eine Herausforderung.

Volle Leseempfehlung und verdiente 5 Sterne.

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