Johanna Romberg

 5 Sterne bei 4 Bewertungen
Autor von Federnlesen und Federnlesen.

Neue Bücher

Federnlesen

Erscheint am 29.03.2019 als Taschenbuch bei Bastei Lübbe.

Alle Bücher von Johanna Romberg

Federnlesen

Federnlesen

 (4)
Erschienen am 23.02.2018
Federnlesen

Federnlesen

 (0)
Erschienen am 29.03.2019

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Rezension zu "Federnlesen" von Johanna Romberg

Ein Sachbuch, thematisch so bunt wie die Vogelwelt, von der es erzählt
ElinCorinthvor 3 Monaten

„Ich will meine Begeisterung für Vögel nicht länger für mich behalten. Sondern sie weitergeben, in einer Form, die möglichst viele erreicht und im Idealfall ansteckt.“

So beschreibt Johanna Romberg  in der Einleitung (Seite 16) ihr Anliegen, dieses Buch zu schreiben. Das 2018 im Lübbe Verlag neu erschienene Sachbuch trägt den Untertitel „Vom Glück, Vögel zu beobachten“.

Für sie als Hobby-Beobachterin ging es nie darum, umfassendes Wissen über die Vogelwelt zu erlangen. Somit musste sie bei der Arbeit an dem Buch viel Recherchieren und auf Experten zugehen. Etwas, das ihr als langjährige GEO-Redakteurin und Autorin nicht schwergefallen sein dürfte. Und von dem sie selbst immer wieder im Buch betont, wie bereichernd es für sie war, all diese Menschen getroffen zu haben.

Die schiere Fülle an Informationen veranlasste sie, das Buch in zwölf voneinander unabhängige Kapitel zu gliedern. Jedes dieser Kapitel liest sich wie eine eigene Geschichte. Die Themenbreite reicht von der Identifikation von Vogelstimmen und dem Umgang mit einem Bestimmungsbuch über die Benutzung von Ferngläsern hin zu Artenschutz und kontroversen Themen wie den Auswirkungen der intensiven Landwirtschaft und den potentiellen Gefahren durch Windkraftanlagen.  Daneben widmet sie sich aber auch einzelnen Vogelarten – Spechten, Mauerseglern oder Greifvögeln. Und verliert nie das Glück aus den Augen.

Nie klingt sie belehrend. Sie wägt ab, hinterfragt, wechselt die Perspektive, aus der vor allem die großen Streitthemen wie Artenschutz und Landwirtschaft, Naturschutz und Jagd etc. betrachtet werden müssen. Stets bemüht sie sich um Objektivität, doch oft vermittelt sie durch ihre eigene Meinung den nachdrücklichen Wunsch zu mehr Achtsamkeit und Rücksichtnahme. Dabei geht es ihr nicht vordergründig um Statistiken und Zahlen, obwohl sie nicht müde wird, ihre Recherchen durch Expertenaussagen und Studien zu belegen, doch am Ende steht immer das ganz persönliche Erleben, das eigene Glück am Vögelbeobachten.

Deutlich wird dabei immer, dass es Johanna Romberg um Lebensnähe und Nachahmbarkeit geht, um die Umsetzbarkeit und das Erleben des ornithologischen Hobbys vor Ort. Sie bewirbt durch ihre Recherchen den Artenreichtum in Deutschland und die vielen Möglichkeiten, unkompliziert auf Entdeckertour zu gehen.

Johanna Romberg findet in ihrer Sprache eine schöne Balance zwischen Sachlichkeit und Emotionalität. Trotz der Fülle an Themen, die sich in den 300 Seiten des Buches verstecken, wirkt es strukturiert und klar, auch wenn die Autorin selbst mehr als einmal erwähnt, kein besonders systematischer Typ zu sein. So berichtet sie (Seite 20):

„Immer kam mir etwas dazwischen, oder besser gesagt, es flog mir etwas dazwischen, denn meistens war es ein Vogel, der zwischendurch meine Aufmerksamkeit forderte.“

Diese Zwischendurch-Themen sammelte sie unter der Kategorie Zugeflogen, welche sich zwischen die Kapitel reihen und zum Teil deren Übergänge bilden. Sie heben sich auch farblich vom Buch ab, denn sie sind auf Seiten in hellem Sepia gedruckt.

Überhaupt ist das Layout des Buches eine einzige Freude, was schon mit dem Einband beginnt. Er war es auch, der meine Aufmerksamkeit im Buchladen anzog. Das erste Blättern durch die Seiten ließ mich dann nicht mehr los. Das farbig gestaltete Inhaltsverzeichnis, die wunderschönen Vogelaquarelle von Florian Frick, die federnbesetzten Seiten des Inneneinbands und das glatte, relativ schwere Papier lassen jedes Herz höher schlagen. Die Liebe, die dieses Buch ausstrahlt, macht es unwiderstehlich und mein erster Gedanke war: Das ist ein Buch, wie ich es auch gerne geschrieben hätte.

Das Buch trifft einen Nerv unserer Zeit, denn Vogelbeobachtung, auf Neudeutsch Birding, ist längst auf dem Vormarsch und die Hobby-Ornithologie hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen gewaltigen Imagewandel erfahren. Johanna Romberg formuliert es so (Seite 250):

„Es ist nicht mehr das beschauliche, etwas trutschige Hobby von Wanderern, das es früher war und als das es, in vielen Medienberichten, heute noch dargestellt wird. Vogelbeobachtung ist ein Hightech-Sport geworden, der Aufwand und Einsatz erfordert, jedenfalls dann, wenn man zu den besten des Fachs gehören will.“

Und während des Lesens bekommt man arg Lust darauf, auf Aufwand und Einsatz, auf das Erleben der Vögel mit eigenen Augen und Ohren, und auf das Glück, was sich dabei tief innen drin breitmacht.

Ein Link zur Leseprobe gibt es auf meinem Blog unter:
https://treibholzinsel.wordpress.com/2018/06/08/buchtipp-federnlesen-von-johanna-romberg/


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Rezension zu "Federnlesen" von Johanna Romberg

Was fliegt denn da?
Sikalvor einem Jahr

Diese Frage beschäftigte Johanna Romberg bereits als Kind. Ursprünglich von ihren Eltern als Beschäftigungstherapie bei den unliebsamen Wanderungen gedacht, entwickelte sich die Autorin zu einer Hobby-Ornithologin. Mit ihrem Buch „Federnlesen“ begleiten wir sie durch eine faszinierende Welt der Meisen, Spechte, Mauersegler, Turmfalken und Blauracken – um hier nur einige zu nennen. Und ich muss ehrlich gestehen, dass ich von einigen Namen in diesem Buch nie zuvor etwas hörte, somit hat es wohl seinen Lehrcharakter bereits erfüllt …

 

Die Autorin Johanna Romberg ist Journalistin und arbeitet für das Magazin GEO. Für ihre Reportagen wurde sie mehrfach ausgezeichnet, erhielt u.a. den Egon-Erwin-Kisch-Preis und den Georg-von-Holtzbrinck-Preis für Wissenschaftsjournalismus. Mit diesem Buch versucht sie den Leser mitzunehmen auf eine spannende Reise, versucht zu vermitteln, warum es sie seit Jahrzehnten dermaßen fasziniert, die Genies der Lüfte zu begleiten und lässt uns an ihrem mittlerweile enormen Wissen Anteil nehmen. Mit Exkursionen, Fachgesprächen und Besuchen z.B. in einer Frankfurter Spezialklinik für verletzte oder abgestürzte Mauersegler ergänzt sie ihre zum Teil wissenschaftlichen, dann wieder sehr persönlichen Berichte.

 

Das Buch ist in zwölf Kapitel unterteilt, in denen sie jeweils einen ihr wichtigen Vogel zum Kernthema krönt. Jedoch – sie gesteht es mehrmals selbst – schweift sie immer wieder ab und ergänzt um so manchen Verwandten oder Vögel, die für sie eine Beziehung zu anderen Vögeln haben. Sie erzählt z.B. von der Singstunde der Rotkehlchen und wie man sie am besten aus einem Zwitscher-Chor heraushört ebenso wie vom Multitalent Ringeltaube oder der Sehschule mit Kolmsen und Blomsen. Faszinierend auch z.B., dass alle Bussardarten (5 in Europa heimisch) die merkwürdige Eigenschaft haben, verschiedene Farbvarianten hervorzubringen – es gibt dunkelbraune Vögel, hellbraune und Abstufungen bis beinahe weiße.

 

„Je genauer Ökologen die komplexen Wechselbeziehungen im Lebensraum Wald erkunden, desto mehr stellen sie fest, dass Spechte darin eine Schlüsselrolle spielen, im wörtlichen Sinne. Sie erschließen den Lebensraum Totholz für andere Tiere – zum einen, indem sie Nahrungsressourcen unter der Rinde zugänglich machen, zum anderen, indem sie Wohnraum schaffen.“

 

Problematisch ist hier, dass der „Wohnraum“ Wald zurückgedrängt wird, naturnahe Wälder, in denen dies ohne Störung geschehen darf, immer mehr verschwinden – wenn es nicht noch zu einem großen Umdenken kommt.

 

Obwohl Johanna Romberg oftmals humorvoll von ihren Beobachtungen erzählt, verabsäumt sie es nicht einen wichtigen Punkt abzuarbeiten: die Gefährdung so mancher Art und die Verdrängung einiger Exemplare – z.B. durch die moderne Landwirtschaft (Bodenbrüter sind gefährdet durch die eingesetzten Maschinen) oder durch das vermehrte Aufstellen der Windräder (durch die Rotoren werden Rotmilane getötet). Stimmen und Gestalten (vom fachmännischen Birder als Jizz bezeichnet), die ihr seit Jahren in der Umgebung vertraut waren, vermisst die Autorin plötzlich in ihrem Umfeld. Also beginnt sie zu hinterfragen, besucht die Orte, an denen sie (noch) zu Hause sind und spricht mit Experten, die durch langjährige Forschung zum Kenner so mancher Vogelart wurden. Und genau diese Themen – Artenschwund, Lebensraumzerstörung und die mühevolle Kleinstarbeit der Naturschützer – machen dieses Buch zu etwas Besonderem. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Vorschlägen und Engagement begegnet die Autorin diesem Thema.

 

Ich gehöre nicht in die Kategorie Hobby-Ornithologe und kenne hauptsächlich die Vögel der näheren Umgebung und solche, die ständiger Gast meines Futterhauses sind. Vielleicht gerade deshalb konnte ich aus dem Buch „Federnlesen“ für mich so einiges mitnehmen und gehe nun mit einem wacheren Blick durch die Natur. Die Begeisterung der Autorin ist ansteckend, das Schärfen der Sinne eine Herausforderung.

Volle Leseempfehlung und verdiente 5 Sterne.

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