Johanna Sinisalo Troll: Eine Liebesgeschichte

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Inhaltsangabe zu „Troll: Eine Liebesgeschichte“ von Johanna Sinisalo

Eine mythisches Wesen in der Großstadt – wild, verführerisch und bedrohlich Der junge Werbefotograf Angel rettet ein hilfloses Fellbündel vor einer Gruppe brutaler Jugendlicher und nimmt es mit nach Hause. Doch es ist kein Tier – es ist ein junger Troll. Schon am nächsten Morgen wird Angel klar, dass er sich ein Stück Wildnis in die Wohnung geholt hat: Der Troll ist unberechenbar, unendlich faszinierend – und gefährlich, wenn man falsch mit ihm umgeht. „Sinisalo ist es gelungen, dem Troll jenseits von Ronja Räubertochter und dem Herrn der Ringe einen Sitz in der modernen Literatur zu verschaffen.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Eine lesenswerte und ungewöhnliche Auseinandersetzung mit der Wildnis in und um uns. "Finnish Weird" vom Feinsten.

— tinderness

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  • Trolle mal anders

    Troll: Eine Liebesgeschichte

    mondy

    04. January 2017 um 13:51

    Aus dem Finnischen von Angela PlögerMeine MeinungDieses Buch ist ungewöhnlich. Das sieht man eigentlich schon, wenn man das Buch nur durchblättert. Erzählt wird die Geschichte von Angel, der eines Nachts einen kleinen Troll findet und bei sich aufnimmt. Ja, richtig, einen Troll. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass Trolle keine Fabelwesen sind, sondern eine existierende, sehr scheue Wildtierart. Belegt wird dies durch allerlei Quellen, die immer wieder in die Geschichte eingestreut werden. Dabei bezieht sich die Autorin sowohl auf Texte, die es wirklich gibt (z.B. Auszüge aus Märchen), als auch auf fiktive Texte (z.B. Zeitungsnachrichten über Trolle). Diese Mischung erzeugt den Eindruck, als wären Trolle tatsächlich ein ganz natürlicher Teil dieser Welt. Ein gelungener Kniff!Die eigentliche Geschichte ist unterteilt in relativ kurze Abschnitte, in denen verschiedene Personen zu Wort kommen. Allen voran natürlich Angel, der den Troll zunächst aus Mitleid mit in seine Wohnung nimmt, im Laufe der Zeit aber eine besondere Beziehung zu dem Tier aufbaut. Diese Verbindung beeinflusst auch das Umfeld Angels: diverse Ex-Partner, ein neuer Freund und eine Katalogfrau aus dem Erdgeschoss spielen dabei eine Rolle. Die genauen Ereignisse werden oft nur angerissen. Ich finde, das Buch lebt von Andeutungen, spielt mit dem Kopfkino des Lesers. Dann wieder gibt es ganz genaue Beschreibungen von Momentaufnahmen. Die Beziehungen sind sexuell aufgeladen, es geht häufig darum, den Gegenüber durch Sex oder Anspielungen darauf zu manipulieren. Dass es dabei auch zu expliziten Szenen kommt, ist kaum zu vermeiden, auch wenn ich finde, dass alles im Rahmen bleibt. Seitenweise pornographische Beschreibungen wird man hier also nicht finden, die Schilderung von sexuellen Handlungen (auch und gerade homosexuelle) sollte man allerdings ertragen können. Ich persönlich hatte damit nicht gerechnet, finde aber gerade diesen Aspekt in Verbindung mit dem Trollthema sehr interessant, zumal es auch eine Verbindung gibt. Die Autorin hat hier etwas ungewöhnliches versucht und einen eigenwilligen Roman erschaffen, der bestimmt nicht den Geschmack jedes Lesers trifft. Ich bin mir auch nicht sicher, was (und ob überhaupt) sie mit dieser Geschichte ausdrücken wollte. Und dennoch hat mir das Buch gefallen. Einfach, weil es mal etwas anderes ist.

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    • 5
  • Finnische Trolle und ihr Liebesleben

    Troll: Eine Liebesgeschichte

    Nespavanje

    11. December 2016 um 12:35

    Nach einer durchzechten Nacht, rettet der junge Werbefotograf Mikael ein kleines Wesen aus den Fängen marodierender Jugendlicher. Es ist ein Trolljunges, dass er mit in die Wohnung nimmt. Dort versucht er es auch aufzupäppeln. Ich bin leidenschaftlicher Buchhändler und für gute Literaturtipps hab ich immer ein offenes Ohr. Diesmal war es einer meiner Lehrlinge/Azubis, die vor kurze mit diesem außergewöhnlichem Roman aufgetaucht ist. Sie hat es mir in die Hand gedrückt und gesagt, das gefällt dir bestimmt. Was soll ich sagen, Sie kennt meinen persönlichen Geschmack sehr gut. In diesem Roman steht der Homosexuelle Mikael im Mittelpunkt, der wie oben bereits erwähnt ein Trolljunges aufnimmt und dessen starker Geruch, eine Mischung aus Obsession von Calvin Klein und Wacholderbeeren, sich auf ihm überträgt und stark aphrodisierend wirkt. Mikael, von allen nur Angel genannt ist aber nicht das auffälligste Merkmal in dieser Geschichte. Es ist wohl die Art des Erzählung, die ihren besonderen Reiz auf den geneigten Leser überträgt. Denn zwischen den einzelnen Kapiteln, dass aus jeweiligen Sicht eines anderen Protagonisten erzählt wird, wird der geneigte Leser von erfundenen Informationen über angebliche Trollsichtungen konfrontiert , die aber immer wieder mit realen Geschichten, Zitaten aus Romanen und Märchen durchwachsen sind. Als Leser möchte man nun Sinisalo alles Glauben, und mit der Zeit traut man seinen eigenen Verstand nicht mehr über dem Weg und überprüft im Internet was denn nun an all den Geschichten, die diesen Roman abrunden wahr ist, und was erstunken und erlogen. Zumindest ist es mir beim Lesen dieses Romans ergangen. Leider ist - Troll: Eine Liebesgeschichte - zur Zeit vergriffen und man bekommt es nur gebraucht. Daher mein persönlicher Aufruf an den Tropenverlag: Bitte legt diesen Roman wieder auf! Er ist es wert!

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  • Zum Umgang mit dem Wilden

    Troll: Eine Liebesgeschichte

    tinderness

    Troll: Dämonisches Wesen der nordischen Mythologie, das männlich oder weiblich sein, die Gestalt eines Riesen oder eines Zwergs haben kann. (Duden) Ein erfolgreicher Werbefotograf namens Angel rettet einen Troll (!) vor gewalttätigen Jugendlichen, verliebt sich in ihn, versteckt ihn in seiner Wohnung und muss letztendlich nach einem schrecklichen Vorfall mit ihm in den dichten Wald flüchten. Das ist die einfache und unwahrscheinliche Geschichte, welche die finnische Autorin Johanna Sinisalo auf vielschichtige Art mit vielen Kunstgriffen erzählt. Das Buch erschien 2005 und wurde rasch zum Bestseller. Beim Durchsehen der Rezensionen zeigt sich recht rasch, wie unterschiedlich "Troll: Eine Liebesgeschichte" rezipiert wurde. Während die einen das Buch als effekthascherisches Machwerk verurteilen, welches "ekelhaft postmodern" sei, sehen andere darin einen Schwulenroman, der auf das Tier im Mann verweise und dritte vermuten gar sodomistisches Gedankengut. Sehr oft stürzen sich Rezensionen auch auf die im Buch beschriebenen Pheromone des Trolls, die all jene, welche ihm begegnen, auf intensive Weise sexuell erregen. Wir sehen: Bücher können auf verschiedene Weise gelesen und interpretiert werden. Das macht oft erst ihre Qualität aus. Ich habe das Buch auf meine Weise gelesen und möchte dabei zwei Aspekte hervorheben: (1) den Aspekt der Liebesgeschichte(n) und (2) den Aspekt des Umgangs mit dem Wilden und der Wildnis. Man möge sich nicht vom Buchtitel ins Bockshorn jagen lassen, denn nicht EINE Liebesgeschichte wird beschrieben (= jene von Angel zu einem von ihm vor gewalttätigen Jugendlichen geretteten Troll), sondern VIELE Liebesgeschichten (= jene aller Romanfiguren zu Angel). Erzählt werden dabei die unterschiedlichen Abarten von Liebe und deren Scheitern: Abhängigkeit, Berechnung, Enttäuschung, unerfüllte Sehnsucht, Anziehung, Sexualität, Verzweiflung und Sadismus. Alle diese Liebesverhältnisse, die die ProtagonistInnen des Romans zu Angel entwickeln, führen letztendlich zur Katastrophe am Ende des Romans. Angel ist panisch getrieben von den Ansprüchen all derer, die sich in ihn verliebt haben und die sein Geheimnis zu entdecken drohen. Letztendlich bleibt ihm nichts anderes übrig als vor ihnen zu flüchten: mit ihm das Wesen, das er liebt und das er vor ihnen und der Polizei schützen muss. Es ist nicht allein die sexuelle Erregung, die ihn so eng an den Troll bindet, sondern Erotik, Zärtlichkeit und vor allem die Überzeugung, dass er dieses Wesen vor den Anderen und der Zivilisation schützen muss. Doch auch hier ist es möglich, das Geschehen anders zu lesen, nämlich als Parabel über den Umgang des Menschen mit dem Wilden. Denn einerseits wird der Troll im Roman durch die Werbewirtschaft hemmungslos als Sinnbild des Wilden ausgebeutet. Die Konsumgesellschaft in ihrer Fadesse und Orientierungslosigkeit dürstet nach dem ultimativen Thrill, nach dem Ursprünglichen, dem Wilden, dem gefährlich Erscheinenden und Furchterregenden. Andrerseits hat die Menschheit im Laufe der Zivilisation verlernt, mit dem Wilden umzugehen und wird so unvermutet zu seinem (un)wissenden Opfer und grausamen Täter. Drittens schlummert im Menschen das Wilde, das erst zusammen mit seiner Fähigkeit zur bewußten Entscheidung zur Grausamkeit wird, die andere Menschen wegsperrt, schlägt und tötet. Demgegenüber erscheint das Wilde im Tier als naiv und unschuldig, auch wenn es den Tod verursachen kann. Auch das erzählt dieses Buch, ohne allerdings ins weltanschaulich - philosophische abzugleiten Der Troll selbst ist also in letzter Konsequenz nichts als ein Symbol für den letzten Rest an Wildnis, die wir in einem langen Zivilisationsprozess übrig gelassen haben und der wir mit zwiespältigen Gefühlen begegnen: mit Liebe, Angst und Hass. Ungewohnt ist der Umgang mit der Wildnis und dem Wilden in und um uns, weil wir gewohnt sind es ständig zu verdrängen. Klopft es einmal an unsere Tür, so führt es uns vielleicht an den Rand einer Katastrophe. Das Wilde verschlingt uns, ob im Guten oder Bösen. Dass es Trolle als Tierwesen geben soll, ist selbstverständlich von der Autorin erfunden; dass sie uns in zahlreichen Texteinschüben aber derartig viele (auch konstruierte) wissenschaftliche Beweise für deren reale Existenz anbietet, ist ein perfides Spiel mit der Realität. Letztendlich neigen wir dazu, über deren mythologischen Befund hinaus an sie zu glauben. Liebe macht eben auch blind. Damit hat Johanna Sinisalo wieder etwas hergestellt, was wir mit Umberto Eco als "Hyperrealität" bezeichnen können. Der Roman ruft vielleicht dadurch Dinge in uns hervor, die schon längst als "erledigt" galten. Eine neue Realität entsteht, in der wir dem Anderen begegnen. Dafür gebührt der Autorin großes Lob. Wen diese Zeilen neugierig gemacht haben, der bestelle schnell eines der wenigen Restexemplare, die es am Buchmarkt noch gibt. Es lohnt dann die Lektüre, wenn man sich selbst noch ein wenig Offenheit für das unerklärlich Fremde bewahrt hat.

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    • 7

    parden

    25. November 2014 um 22:42
    Gulan schreibt Großes Lob für diese Rezi. Das Buch selbst klingt verwirrend und verstörend.

    Da schließe ich mich an!

  • Rezension zu "Troll: Eine Liebesgeschichte"

    Troll: Eine Liebesgeschichte

    hausmannskost

    03. March 2007 um 13:48

    eine schwule liebesgeschichte...hammer obskur über das tier im mann...ward zufällig gefunden und nach ersten berührungsängsten ein erfreuter leser...

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