Johanna Wais

 4,5 Sterne bei 31 Bewertungen

Lebenslauf

Johanna Wais überträgt seit ihrem Studium des Literaturübersetzens neben gesellschaftspolitischen Büchern Kinder- und Jugendbücher, Biografien und psychologische Ratgeber aus dem Englischen und Spanischen.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Johanna Wais

Neue Rezensionen zu Johanna Wais

Cover des Buches Schwarze Magnolie (ISBN: 9783453200753)
J

Rezension zu "Schwarze Magnolie" von Hyeonseo Lee

Julelovesbooks
Unglaublich fesselnd

Selten habe ich ein Buch in gelesen, dass mich so sehr zum Nachdenken brachte.

Hyeonseo Lee beschreibt ihr Leben in Nordkorea und wie sie aus dem Land geflohen ist. Dabei werden dem Leser die Augen geöffnet und detailliert beschrieben welche schrecklichen Zustände in einem Land in unserer heutigen Zeit, vom all unseren Augen bestehen. 

Cover des Buches Schwarze Magnolie (ISBN: 9783453200753)
B

Rezension zu "Schwarze Magnolie" von Hyeonseo Lee

BettinaR87
Die Geschichte einer ungewöhnlichen Flucht

Ihr Name ist Hyeonseo Lee, doch das ist weder ihr Geburtsname, noch der zweite oder dritte, den sie sich selbst gegeben hat. Geboren in Nordkorea durchläuft sie die typischen Stationen eines nordkoreanischen Mädchens – immer mit dabei die Dynastie von Kim Jong-il (Vater) und Kim Jong-un. Sei es auf den Porträtfotos im Wohnzimmer, auf Plakaten in der Stadt, als Stimme im Radio oder in der verräterisc geprägten Politik des Landes: Eine Diktatur, die darauf basiert, die Bevölkerung zu täuschen und regelmäßig zu opfern. Und da die Diktatur bereit ist, für ihre Macht auf Knopfdruck viele Einwohner des eigenen Landes zu töten, bleibt sie an der Macht und beeinflusst alles, womit die junge Hyeonseo Lee in Kontakt kommt. Eines Tages, kurz vor ihrem 18. Geburtstag, wagt sie es und überquert die Grenze nach China – ein kleines Abenteuer, bevor sie volljährig wird und quasi vollständig dem System angehörig werden muss. Doch ihr Ausflug wird bemerkt und es wird zu gefährlich, um zu ihrer Familie zurückzukehren. Sie bleibt einstweilen bei Verwandten, die sie jedoch auch nicht unbegrenzt aufnehmen können. Stattdessen wollen sie sie verheiraten – mit einem Jungen, für den sie nichts übrig hat. Erneut flieht sie – und ist nun völlig auf sich allein gestellt. Es wird nicht ihre letzte brenzlige Situation oder ihre Flucht bleiben, bis sie letztendlich zu Ruhe kommen und sich ein „normales“ Leben aufbauen kann. Das sie jetzt dafür nutzt, um unter anderem für Menschenrechte zu kämpfen.

Zusammen mit David John erzählt Hyeonseo absolut fesselnd von ihrer persönlichen Geschichte, die sie mit dem Land und der Diktatur gekonnt verwebt, So kann man als Leser überhaupt erst einschätzen, warum sich welche Person wie verhält – wirklich wertvolle Informationen über das Land selbst sind auch dabei. Über das gesamte Buch hinweg wechselt sie die Perspektive zwischen einem persönlichem Bericht und erzählter Geschichte mit wörtlicher Rede. Die persönliche Bindung, die man umgehend zu Hyeonseo aufbaut, sorgt dafür, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Dabei berichtet sie nicht etwa mit Sensationsgier, noch will sie sich als das weinerliche Opfer darstellen. Sie ist sich dessen bewusst, dass ihre Flucht keine typische war. das spricht sie auch an, indem sie von anderen Flüchtlingen berichtet, die noch viel schlimmeres haben durchstehen müssen. Stattdessen legt sie ganz einfach ihre Sicht der Dinge dar und erklärt, statt zu rechtfertigen – schonungslos sich selbst gegenüber, offen für Kritik und selbstbewusst, indem sie sich nach wie vor zu ihrem Heimatland bekennt. Sie hat gelernt, die Regierung und Politik von dem Land und den Menschen, die dort leben, zu trennen. Ein wichtiger Punkt, den man als Leser durchaus mal im Hinterkopf behalten sollte, wenn man es ihr nicht nachtun kann.

Fazit: Ein zwischenmenschlich exzellent verfasstes und wichtiges Buch für alle, die wieder einmal über ihren Tellerrand hinausschauen möchten.

Cover des Buches Schwarze Magnolie (ISBN: 9783453200753)
GrauerVogels avatar

Rezension zu "Schwarze Magnolie" von Hyeonseo Lee

GrauerVogel
Das Mädchen mit den sieben Namen



Die vollständige Rezension wurde auf meinem Blog veröffentlicht:
http://pieni-lepakko.blogspot.de/2016/07/rezension-schwarze-magnolie.html

Kurz vor ihrem 18. Geburtstag beschließt die junge Nordkoreanerin, die damals noch Min-young Park hieß, über den gefrorenen Fluss nach China zu schleichen. Ein letztes verbotenes Abenteuer, bevor sie erwachsen wird. Doch dann kommt es ganz anders, der Rückweg ist ihr versperrt und sie muss notgedrungen in China bleiben - in ständiger Gefahr entdeckt und ausgeliefert zu werden.



 Nachdem Mut zur Freiheit von Yeonmi Park gelesen hatte, wollte ich noch eine zweite Nordkorea-Biografie lesen, um vergleichen zu können. Und ich bin sehr froh darüber, denn Hyeonseo Lee gibt einem noch einmal völlig andere Einblicke in dieses Land. Beide Frauen stammen aus der Grenzstadt Hyesan und haben jahrelang illegal in China gelebt, bevor sie schließlich nach Südkorea flohen. Das ist jedoch auch schon alles, was die beiden gemeinsam haben.

Im Gegensatz zu Yeonmi Park ist Hyeonseo Lee in Nordkoreas Oberschicht aufgewachsen und führte daher ein eher angenehmes Leben dort. Selbst die große Hungersnot musste sie nie am eigenen Leib erfahren. Allerdings war es sehr spannend, unter was für schlechten Umständen selbst die hochrangigen Familien zum Teil leben müssen. So beschreibt sie zum Beispiel eine Wohnung, in der die Familie gelebt hat, mit schwarzem Schimmel an der ganzen Außenwand und ohne Heizung oder warmes Wasser.

Zudem hat Hyeonseo Lee viel länger die Schule besucht und auch die Jungpioniere, die entfernt vergleichbar mit der Hitlerjugend sein dürften. 

In China war ihr Weg ein sehr untypischer. Sie gelangte nicht durch Schleuser hinüber, sondern ging alleine und kam zunächst bei Leuten unter, die sie kannte. Bald schon jedoch musste sie sich allein durchschlagen und sie gehört wohl zu den ganz wenigen, die nie gezwungen waren im Rotlichmileu zu arbeiten. Auch ihre Flucht in den Süden könnte untypischer nicht sein. Man sagte ihr damals, sie gehöre zu den seltenen 1 %, die auf diesem Wege ins Land kommen. Umso schwieriger gestaltete es sich, ihre Familie nach zu holen. Ich habe wirklich mit ihr gelitten!

Ich bin sehr froh, noch ein anderes Buch zu diesem Thema gelesen zu haben und war doch überrascht, wie wenig Gemeinsamkeiten die beiden Geschichten der jungen Frauen aufweisen. Aber es zeigt uns deutlich, dass es unzählige dieser Geschichten dort draußen gibt und auf lange Sicht möchte ich gerne noch mehr davon hören bzw. lesen.

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