Johannes Braun Digital naiv

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Inhaltsangabe zu „Digital naiv“ von Johannes Braun

Sie entstand wie aus dem Nichts, schockierte das politische Establishment und schien voller frischer Ideen und neuartiger Vorgehensweisen – die Piratenpartei. Doch so steil der Aufstieg, so jäh ihr Fall. Dieses Buch ist die zornig-analytische Abrechnung mit einer Bewegung, die sich unfähig zeigt, mit Macht und Verantwortung angemessen umzugehen. Verfasst von einem Aussteiger, der die Nase voll hat von einem digitalen Kindergarten, zeigt dieses Buch eine von ihren eigenen Ansprüchen überforderte Partei, die Basisdemokratie fordert, sich aber im Dauer-Gerede von Podcasts, Video-Streams, Twitter und Facebook selbst verliert. Ein Buch, das mit kritischen Einblicken in den Piraten-Alltag nicht spart und die Risiken einer Bewegung benennt, die das von ihr bevorzugte Medium – das Internet – bereits für Politik hält.

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  • Vom Neid diktiert und peinlich

    Digital naiv
    Gospelsinger

    Gospelsinger

    „Piraten draußen“ ist die Hoffnung von Johannes Braun, Mitglied des CCC (Chaos Computer Club) und Autor des – zunächst unter „Anonymus“ erschienenen – Buches „Digital naiv. Warum die Piraten weder etwas von Politik noch vom Internet verstehen“. Er möchte diese Partei, für die er als Wissenschaftlicher Referent der Landtagsfraktion im Saarland tätig war, nicht im Bundestag sehen. Braun hält die Piraten für naiv, unfähig und sogar für schädlich. In seinen Augen sind die Mitglieder der Piratenpartei allesamt „Internetsüchtige“ und „psychisch tief beeinträchtigte Menschen mit manischem Medienkonsum“, die „besser Selbsthilfegruppen gegründet“ hätten und in einer „beschränkten Wirklichkeit“ leben. Vordergründig geht es also darum, die Wählerinnen und Wähler vor dieser Partei zu warnen. Die wahre Motivation des Autors findet sich jedoch – erfrischend ehrlich – im Vorwort. „Dieses Buch, in Form einer umfassenden Abrechnung mit den Piraten, entstand auch aus dem Ärger heraus, das die Piraten den CCC und die Netzpolitik generell in ein schlechtes Licht rücken“. Noch viel mehr allerdings ärgert den Autor, dass die Landtagsabgeordneten der Piraten „aus Steuergeldern“ ein gutes Einkommen beziehen. „Die zwanzig Abgeordneten der Piraten im Landtag von Nordrhein-Westfalen verdienen je 130 000 Euro im Jahr.“ Das wird sogar mehrmals erwähnt. Die gleiche Vergütung erhalten jedoch auch die Abgeordneten der anderen Parteien, ebenfalls unabhängig von ihrer jeweiligen Qualifikation und der Intensität ihres Engagements, und ebenfalls aus Steuermitteln. Braun kritisiert, dass die Piratenfraktion Steuergelder für „zahlreiche luxuriöse Technik“ ausgeben, statt für (vom Autor gewünschte) Teamentwicklungsmaßnahmen. Die vom Autor aufgeführte Technik besteht in drei notwendigen Geräten mit einem Gesamtwert von 3700 Euro. Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, dass es hier schlicht und ergreifend um Neid geht. Auch die Einkünfte und Vergünstigungen der Bundestagsabgeordneten werden von Braun akribisch aufgeführt und den Piraten nicht gegönnt. Weil er selbst zwar Steuern zahlt, aus denen diese Vergütungen gezahlt werden, selbst aber ein geringeres Einkommen hat? Vor diesem Hintergrund ist es auch verständlich, dass der Autor wiederholt darauf hinweist, die Piraten hätten statt einer Partei lieber eine Interessengruppe gründen sollen. Dort leistet man nämlich ehrenamtliche, also unbezahlte, Arbeit. Offensichtlich wurmt es ihn auch, dass Kandidaten der Piraten in den Bundestag einziehen wollen, ohne die Ochsentour absolviert zu haben, „Nach dem Motto: Noch nie ein Mandat in einem Stadtrat ausgeübt, aber gleich in den Bundestag wollen“. Und das auch noch, ohne „einen Machtinstinkt“. Politik ist laut Braun nur machbar, wenn man Macht ausüben will und in der Lage ist, „Allianzen zu schmieden“. Komischerweise ist bei dieser Beschreibung der Qualifikation der Mitglieder anderer Parteien nicht mehr von Kompetenz die Rede. Johannes Braun hat ja Recht, wenn er darauf hinweist, dass das Internet nicht frei ist, sondern sich „durch die kommerziellen Interessen der einschlägigen Firmen zu einem riesigen Apparat entwickelt hat, der die Menschen in immer mehr und immer präzisere Schubladen steckt“. Daraus abzuleiten, das Internet sei nur zum Shoppen und zur Unterhaltung gut, greift jedoch meiner Meinung nach zu kurz. Es gibt durchaus andere Inhalte und Initiativen; eine davon, fefes Blog, wird vom Autor selbst zitiert. Alles, was den Piraten inhaltlich vorgeworfen wird, findet sich auch in den Reihen der etablierten Parteien. Der einzige Unterschied ist, dass die Piraten noch unerfahren sind, ähnlich wie die GRÜNEN in ihrer Anfangszeit. Und fehlender Sachverstand für die Vielfalt der im Bundestag behandelten Themen findet sich auch bei Mitgliedern anderer Parteien. Endgültig ärgerlich wurde das Buch für mich, weil Johannes Braun in seinem Feldzug gegen die Piraten zum ultimativen Mittel greift: Er stellt sie mit Rechtsextremen gleich. „Wer also ein völlig neues System fordert (gemeint ist das Konzept der Liquid Democracy, P.S.), wie die Piratenpartei oder eben die NPD, bewegt sich deutlich außerhalb des Akzeptablen“. Gleichzeitig betont der Autor an anderer Stelle, er habe die meisten Abgeordneten „als liebe, nette Nerds kennengelernt“. Ähnliche Widersprüche in der Einschätzung und Argumentation ziehen sich durch das gesamte Buch. Ein wenig lohnend war die Lektüre dieses Buches für mich nur deshalb, weil der Autor auf die Website telehack.com hinweist, die das Internet der Achtzigerjahre bis hin zu den frühen Neunzigern simuliert und mir richtig Spaß gemacht hat. Ich bin kein Mitglied der Piratenpartei und auch der Meinung, dass dort noch viel Sachverstand fehlt, aber Brauns vom Neid diktierte einseitige Kritik an den Piraten finde ich peinlich.

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