Johannes Burkhardt

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Der Dreißigjährige Krieg

Der Dreißigjährige Krieg

 (2)
Erschienen am 27.01.1992
Deutsche Geschichte in der frühen Neuzeit

Deutsche Geschichte in der frühen Neuzeit

 (1)
Erschienen am 18.03.2009
Die Fugger und das Reich

Die Fugger und das Reich

 (0)
Erschienen am 13.02.2009
Abschied vom Religionskrieg

Abschied vom Religionskrieg

 (0)
Erschienen am 01.01.1985
Zwölf Fuggervorträge

Zwölf Fuggervorträge

 (0)
Erschienen am 04.02.2014

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Rezension zu "Der Krieg der Kriege: Eine neue Geschichte des Dreißigjährigen Krieges" von Johannes Burkhardt

Nominalstil, die Mutter aller Ursünden
wandabluevor 3 Monaten

Nominalstil, die Mutter aller Ursünden.
Hätte dieser Krieg, der 30 Jahre wütete, mit Unterbrechungen hier und da und diversen Sonderfriedensschlüssen, nicht ganz verhindert werden können? Das ist die Aufgabenstellung, unter der Johannes Burkhardt sein Buch über diesen Krieg der Kriege präsentiert. Die Antwort: Ja. Ja. Und Ja. Wie alle Kriege!

Doch die Diplomatie. Und die Eitelkeiten. Und die Kämpfe und Rangeleien und Intrigen um Kompetenzen und Macht. Und die Gleichgültigkeit gegenüber den Massen. Das Volk ist nur dazu da, um es finanziell bis aufs Blut auszupressen und als Kanonenfutter geeignet. Das muss auch heute noch empören, da sich diese Einschätzung der Staatenlenker meines Erachtens nicht wesentlich geändert hat.

„Die aber unten sind, werden unten gehalten, damit die, die oben sind, oben bleiben. Und der Oberen Niedrigkeit ist ohne Maß. Und auch wenn sie besser werden, so hülfe es doch nichts, denn ohnegleichen ist das System, das sie gemacht haben: Ausbeutung und Unordnung. Tierisch und also unverständlich". (aus: Die heilige Johanna der Schlachthöfe.).

Besonders interessant für mich, war, wie der Kriegsmilitär und Kriegsheld Albrecht Wallenstein sich nach einiger Zeit veränderte und sogar erfolgversprechende Friedensverhandlungen führte. Wie Bismack, führt der Autor aus. Und wie der Prinz von Savoyen. Erst Kriegsherren, dann Befürworter für den Frieden. Aus egoistischer Motivation. Aber dennoch. Kriegsmüde. Und dann leider ermordet, in seinem Bette, heimtückisch und hinterrücks, der Herr Wallenstein, bevor er mit seinen Verhandlungen zum Zuge kommen konnte. Von seinen eigenen Verbündeten!

Letztendlich, schreibt Burkhardt, kann Frieden nur hergestellt werden, wenn man die wahren Kriegsgründe auf den Tisch legt und sich nicht länger hinter vorgegebenen Motiven versteckt. Ein wahres Wort!

Obwohl ich mich brennend für das Thema interessiere, schon deshalb, weil ich wenig über diesen großen und grausigen Krieg weiß, habe ich nach zwei Dritteln des Buches frustriert das Handtuch geschmissen.

Nicht nur ist der Aufbau und die Konzeption dieses Sachbuchs für meine Begriffe nicht klar und eindeutig genug, die Schreibweise verleitet einem jegliche Lesefreude.

„Der Nominalstil ist die Mutter aller Ursünden“, schreibt Dr. Stefan Lang über das Verfassen von wissenschaftlichen Texten. Wobei er diese Art von Stil nicht grundsätzlich ablehnt, doch zuviel ist zuviel. Und Herr Burkhardt frönt diesem Stil ausgiebig. Es gibt wenig Nebensätze. Es gibt kaum eine Art von Nebensatz, (sei es Kausalsatz, Konzessivsatz, Finalsatz Modalsatz, Konditionalsatz, Temporalsatz, Adversativsatz und Konsekutivsatz), der nicht nominalisiert wird. Häufig befinden sich mehrere Nominalisierungen in einem Satz! Das Lesen des Buches ist daher quasi unerträglich.

Ein Beispiel mag die Behauptung illustrieren:

„Erst die Anerkennung der Größe dieser einmaligen ordnungspolitischen Aufgabe kann die Hinnahme eines bis an den Rand des Untergangs geführten Krieges überhaupt erst verständlich machen“. Schreibt der Autor. Trockener geht es kaum.

Dieser Satz würde sich so oder ähnlich viel flüssiger lesen:

„Dass die Kriegsparteien es hinnahmen, einen Krieg zu führen, der sie bis an den Rand des Untergangs führte, kann man nur verstehen, wenn man begreift, wie groß und einmalig diese ordnungspolitische Aufgabe gewesen ist.“

In der Causa ist gemeint, dass der Hintergrund dieses Krieges ein politischer Richtungsstreit gewesen ist. Die Fürsten der Länder auf der einen Seite und der Kaiser auf der anderen Seite stritten sich darum, wer das Sagen haben sollte. Steht jeder Einzelstaat souverän für sich ein oder bestimmt ein einziges Oberhaupt über alle. Über diesem Ringen ist der deutsche Föderalismus entstanden.

Leider kann ich jedoch die geisteswissenschaftliche Akribie und Leistung, die in diesem Buche stecken, wegen seines Stils nicht genügend würdigen. Es tut mir sehr leid. Aber die Lesefreude blieb mir sozusagen im Halse stecken.

Fazit: Es ist schwer, ein Sachbuch zu schreddern. Zumal, wenn viel Wissen und Fleiss in seiner Erstellung steckt. Akribie und Sachkenntnis! Doch wenn man nicht lesbar schreibt und beim Schreiben nicht an den Endabnehmer denkt, warum schreibt man dann?

Kategorie: Sachbuch.
Verlag: Klett Cotta, 2018

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Pongokaters avatar

Neue Perspektiven auf den 30jährigen Krieg bietet das schmale Büchlein von Johannes Burkhardt. Dazu in geraffter Form einen nicht chronologisch, sondern systematisch gegliederten Überblick zum "Krieg der Kriege", dessen Beginn vor genau 400 Jahren war. Neu ist die Grundfragestellung nach den Friedensmöglichkeiten, die es vor, zu Beginn und während des Krieges gegeben hat. Laut Burkhardt gabe es davon eine ganze Reihe, die aber alle verpasst wurden. Umso größer daher das Lob des Autors für den 1648 in Osnabrück und Münster geschlossenen Friedensvertrag.

Geeignet für alle Geschichtsinteressierten, die ihr Bild des 30jährigen Krieges updaten wollen.

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