Johannes Ehrmann

 4 Sterne bei 20 Bewertungen
Autor von Großer Bruder Zorn, Die Winzigkeit des Glücks und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Johannes Ehrmann

Großer Bruder Zorn

Großer Bruder Zorn

 (20)
Erschienen am 11.03.2016
Die Winzigkeit des Glücks

Die Winzigkeit des Glücks

 (0)
Erschienen am 21.07.2017
Großer Bruder Zorn

Großer Bruder Zorn

 (0)
Erschienen am 11.03.2016

Neue Rezensionen zu Johannes Ehrmann

Neu
Fascinations avatar

Rezension zu "Großer Bruder Zorn" von Johannes Ehrmann

Zornig aufs Leben?
Fascinationvor 2 Jahren

Johannes Ehrmann, dem ein oder anderen Leser womöglich durch seine Beiträge für den Tagesspiegel bekannt, legt mit „Großer Bruder Zorn“ seinen ersten Roman vor. Schauplatz ist der Berliner Wedding, Brennpunkt von Kulturen und sozialen Schichten, den der Autor aus eigener Erfahrung so gut wie seine Westentasche kennt. Genauer gesagt fokussiert sich die Handlung auf den fiktiven, aber dennoch echten Orten angelehnten, Bellermannplatz.  Hier beobachten wir Aristoteles Andreadakis, Box-Promoter kurz vor der Privatinsolvenz, Sedar Schröder, gute Seele vom Spätkauf, Jessi, Angestellte im roten Netto, Heinz Hönow, Opfer eines Überfalls in seinem Schmuckgeschäft sowie last but not least den Flaschenfascho, auf seiner täglichen Tour durch seinen persönlichen Wahnsinn. Die Einblicke in verschiedene Leben sind zusammengefasst ähnlich einer Daily Soap, man schaut den Protagonisten bei allen möglichen Szenarien über die Schulter. Für die Figuren mag das alles gar nicht so witzig sein, für den Leser bedeutet es hingegen amüsanten Lesespaß! Der Einstieg in die Story geschieht in medias res. Johannes Ehrmann nimmt kein Blatt vor den Mund. Gerade die ungeschönte Ausdrucksweise wirkt schließlich lebensnah. Man findet schnell in die parallel laufenden Handlungsstränge hinein. Ob die Figuren nun stellvertretend alle Anwohner der Umgebung ausmachen, sei dahingestellt. Hier winkt schon in der Vorstellungsrunde das eine oder andere Klischee. Aber ehrlich gesagt, es stört nicht. Schon eingangs finden sich Hinweise, dass sich die Schicksale der Charaktere später in der Erzählung kreuzen und machen neugierig auf das große Ganze. Der Schreibstil ist natürlich kein Einheitsbrei, gerade das macht allerdings einen gewissen Reiz aus. Die Dialoge fügen sich nahtlos ein, sind trotz fehlender Anführungszeichen dennoch als solches erkennbar. Die relativ kurzen Kapitel, 86 an der Zahl, und Perspektivenwechsel springen im hohen Tempo durchs Geschehen, machen es dadurch aber auch irgendwie spannend. Langsam aber sicher gewinnen die Charaktere im weiteren Verlauf an Substanz und ihre Beziehungen werden deutlich. Selbst der Flaschenfascho bringt seine Vergangenheit ein und Verhalten und Denkweisen bekommen ihren Sinn. Der Leser kann hier und da spekulieren, sich Dinge zusammenreimen und erkennt Missverständnisse - das ist ein großer Pluspunkt des Buches! Man hat in der Tat das Gefühl, als kenne man diese Menschen, wenn auch nur vom Sehen oder Beobachten im Alltag. Es sind schon eine Menge Schicksale, die da Knall auf Fall aufeinandertreffen. Ein bisschen Normalität täte der Geschichte hier und da ganz gut. Aber vielleicht wird das Geschehen dadurch auch umso interessanter und vor allem unterhaltsamer. Die Story lebt gerade von diesen überspitzten Darstellungen. Nebenbei erwähnt seien aber auch recht feinfühlige Passagen. Ob im Buch nun Wedding dran steht oder nicht, es könnte genauso gut ein anderer Knotenpunkt diverser Kulturen und Bevölkerungsschichten sein. Das Ende ist in sehr vielen Belangen offen und bis dato dem Leser überlassen. Ein ungewöhnliches Debüt, ein Buch, das irritiert, schmunzeln lässt aber schlussendlich auch zum Nachdenken anregt.

Kommentieren0
15
Teilen
FelisBuecherregals avatar

Rezension zu "Großer Bruder Zorn" von Johannes Ehrmann

Berliner Flair und echte Charaktere
FelisBuecherregalvor 2 Jahren

⇢Zum Inhalt⇠

Wir sind in Berlin. Berlin-Wedding um genau zu sein und das Leben geht seinen Gang rund um den Bellermann-Platz. Das Buch beginnt damit, dass wir unsere vier Protagonisten kennenlernen. Völlig ungeschönt in ganz alltäglichen Situationen.

Als erstes Aris, den ehemals erfolgreichen Box-Promoter – jetzt kurz vor der Insolvenz stehend. Eine letzte große Fight-Night soll ihn vor dem Untergang retten, aber zuallererst muss er sich nach der letzten Nacht von einem höllischen Kater erholen und das, wo er doch eigentlich trocken war.
Aris ist die gescheiterte Existenz in seiner Familie, der Bruder ein gutverdienender Immobilienmakler. Umso schlimmer lastet jetzt der Druck auf ihm, dass es diesmal klappen muss. Er braucht die Einnahmen aus der Fight-Night dringen.
Als nächstes Serdar. Er arbeitet im Spätkauf seines Stiefvaters, träumt aber von der ganz großen Box-Karriere. Die Fight-Night soll es richten. Hier möchte er endlich entdeckt werden, endlich vernünftig Geld verdienen. Wäre seine Freundin Ella nur nicht am Morgen in den Laden gestolpert mit den Worten: „Ich bin schwanger“.
Jessi ist alleinerziehende Mutter und sitzt beim Netto am Bellermann-Platz an der Kasse. Mit dem Wenigen, was sie hat, versucht sie das Leben ihrer Tochter Line so gut wie möglich zu machen. Aber ein Schatten aus ihrer Vergangenheit – besser gesagt: ein Mann – lässt ihr keine ruhige Sekunde. Nur einer scheint es ihr angetan zu haben und das ist ausgerechnet Aris.
Als letztes ist da noch der Flaschenfascho, ein Pfandsammler mit bewegtem Leben. Er erzählt das Geschehen am Bellermannplatz aus seiner ganz eigenen Perspektive.

In „Großer Bruder Zorn“ begleitet der Leser diese vier Leben eine Woche lang. Immer mit der großen Fight-Night vor Augen. Hier sollen alle Geschichten irgendwie zusammenlaufen. Hier wartet das große Finale.

⇢Meine Meinung⇠

Dieses Buch ist Berlin. Sowohl die Protagonisten als auch die Sprache. All das könnte eins zu eins so passiert sein. Johannes Ehrmanns Roman hat einen ganz eigenen Stil. Sein ganz eigenes Klima. Wer schon einmal in Berlin war, wird sich bei der Beschreibung des Ballermann-Platzes sofort dorthin zurückversetzt fühlen. Hier wird das raue, das echte Leben beschrieben und genau so ist auch der ‚Ton‘ im Buch. Statt auf grammatikalisch richtige Satzstellungen oder Anführungszeichen wurde hier Wert auf die „Berliner Schnauze“ gelegt. Jeder spricht hier so, wie es ihm gerade in den Sinn kommt. Zugegeben, das – zusammen mit der teilweise recht stürmischen Szenenwechseln – war am Anfang eine echte Herausforderung für mich. Mir liegen Romane mit akribisch ausgearbeiteten Dialogen anscheinend einfach mehr. Aber umso mehr man in der Geschichte und ihren Persönlichkeiten versinkt, umso besser passt diese Sprache. Umso unpassender wäre alles andere.
In Ehemanns Roman darf man keine Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung erwarten. Die Protagonisten tragen nicht gerade kleine Päckchen mit sich herum und auch die ein oder andere Randfigur ist problematisch. Ehrmann konfrontiert mit dem echten Leben und zum Teil ist dies auch leicht überzogen.
Gerade Jessi ist mir im Laufe der Geschichte besonders ans Herz gewachsen und das ein oder andere Mal hätte ich mir gewünscht, dass alles irgendwie besser für sie läuft. Aber so ist es nunmal nicht.
Trotzdem war es bewundernswert mit anzusehen, wie sich die Protagonisten im Laufe der sechs Tage verändert haben. Wie sich ihre Leben und ihre Einstellungen unter dem schweren Druck, den sie alle irgendwo haben, wandeln.

Am Ende lässt und Ehrmann mit unseren eigenen Gedanken und Vorstellungen zurück und das Leben in Wedding geht weiter seinen gewohnten Gang. Alles hat sich verändert, aber irgendwie auch nichts.

⇢Mein Fazit⇠

„Großer Bruder Zorn“ lässt und mitten in die dunkelsten Ecken Berlins hineinfallen. Es nimmt uns mit in die Leben von Menschen, die so ehrlich sind, wie ihre Geschichten. Ehrmann gelingt es die ganz besondere Atmosphäre dieses Ortes einzufangen. Für mich waren es zum Teil jedoch zu abrupte Szenenwechseln. Am Anfang brauchte es lange, in die Geschichte reinzukommen. Immer wieder wurden kurz Protagonisten vorgestellt, nur um dann gleich zum nächsten Protagonisten und der nächsten persönlichen Geschichte zu springen. Dennoch schafft er es am Ende alle einzelnen Geschichten zu einer Runden Story zu vereinen und schafft ein interessantes Ende, mit viel Raum zum eigenen Interpretieren.
Alles in Allem ein gelungener Roman. Den rauen Ton muss man allerdings mögen.

Kommentieren0
1
Teilen
romi89s avatar

Rezension zu "Großer Bruder Zorn" von Johannes Ehrmann

„Großer Bruder Zorn“ : Große Charaktere und viel Drama
romi89vor 2 Jahren

Johannes  Ehrmann hat mit diesem Werk, dass 2016 im Eichhorn- Verlag erschienen ist,  den Zahn der Zeit getroffen – leider, muss man sagen. Die Geschichte wirkt wie direkt aus dem Großstadtleben gegriffen. Schicksale verschiedener Menschen treffen in – zugegeben – ziemlich dramatisch verdichteter Form aufeinander. Dennoch, glaube ich steckt viel Wahrheit in den Gedanken der Charaktere und deren hintergründigen Intensionen ihrer Alltagsbewältigung.

Sei es Jessi, die als allein erziehende Mutter nicht nur mit ihrer Vergangenheit, sondern auch mit dem Spagat zwischen Mutter- und Verkäuferin-Sein zu kämpfen hat, Aris, ein ehemals erfolgreicher Boxer, der getreu seinem Motto niemals aufgibt, egal wie aussichtslos die Lage scheint oder Serdar, ein junger Mann, der gefangen zwischen Elternhaus und Verantwortungsübernahme alles auf eine Karte setzt… - allen gemeinsam ist ein unbeugsamer Wille die Hürden des Lebens irgendwie zu meistern und es dabei nicht all zu sehr aufs Spiel zu setzen. Wie es letztendlich ausgeht bleibt auch am Ende für viele Charaktere offen – eben wie in der Realität: Das Leben geht weiter! Wie, kann man sich vorstellen bzw. für Jessi und Aris insbesondere, nur hoffen…

Einzig die Figur des so genannten Flaschenfascho blieb mir bis zuletzt unsympathisch und ist für mich überflüssig in diesem Roman. Er scheint ein verwirrter alter Kriegsveteran zu sein, der an der „guten alten Zeit“ hängt, die ihn jedoch offenbar sehr geschädigt hat. Ich kann nicht genau sagen warum, aber ich habe keinen Zugang zu diesem Charakter gefunden.

Sprachlich lebt das Buch von zum Teil fragmenthaften Sätzen, die für einige Leser sicher gewöhnungsbedürftig sind, jedoch die Zerissenheit und die einströmenden Gedanken der Charaktere nicht besser ausdrücken könnten. Dennoch bleibt alles gut nachvollziehbar, die Verständlichkeit leidet unter diesem Stil nicht – im Gegenteil man gewöhnt sich sehr schnell daran. Ich finde dadurch nimmt die Geschichte auch an vielen Stellen richtig Fahrt und Geschwindigkeit auf, obwohl kaum etwas wirklich passiert in der Handlung.

Besonders lebendig wird die Geschichte erst durch das Eindringen des Lesers in die ganz persönlichen Empfindungen der verschiedenen Protagonisten und deren Sicht auf die Dinge.

Insgesamt bildet der Roman sehr lebhaft, aber dennoch mit viel Einblick in die Innenwelt der Protagonisten, das Leben der Unterschicht ab. Egal wie sehr man selbst vom Thema betroffen ist, meines Erachtens lohnt sich das Lesen dieses Werks auf jeden Fall und bietet interessante Einblicke und viele „Aha“- und „Oha“-Effekte.

Kommentieren0
9
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 33 Bibliotheken

auf 2 Wunschlisten

von 1 Lesern aktuell gelesen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks