Johannes Finkbeiner

 3 Sterne bei 5 Bewertungen

Lebenslauf von Johannes Finkbeiner

Johannes Finkbeiner wurde in der schwäbischen Provinz geboren, ging nach Abitur und Zivildienst zu Daimler ans Band, bis er die Schnauze voll hatte. Weiter ging´s nach Düsseldorf, um Literatur und Konsorten zu studieren, anschließend zog es ihn nach Marseille: Schundromane für Goldmann übersetzen und dabei arm werden. Heute lebt der Autor in Martigues und unterrichtet seine Lieblingssprache: Deutsch.

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Jennifer081991s avatar

Rezension zu "Monokultur. Alternative für Andi" von Johannes Finkbeiner

Mitläufer oder Mittäter?
Jennifer081991vor 10 Monaten

Der Übersetzer Andi führt ein durchschnittliches Leben: Von seiner Freundin getrennt, die das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter erhielt, hält er sich mit einem Job bei einem Übersetzungsunternehmen nur knapp übers Wasser. Trotz seiner festen Arbeit kann er sich von seinem Lohn wenig leisten. Das belastet auch das Verhältnis zu seiner Ex-Freundin und damit den Umgang mit seiner Tochter. Doch Andi scheint sich mit seinem Leben arrangiert zu haben, Gesellschaft findet er bei seinem Nachbarn Rachid und dessen kleiner Tochter Hannah.

Durch einen Zufall lernt er die im Nachbarhaus wohnende Gabi Gassmann kennen. Sie und ihr Mann Ulf führen die neue Bewegung Direkte Demokratie an, die es rasch zur Partei bringen möchte. Vor allem macht sie sich dabei mit steilen Thesen gemein mit Rechten und schürt einen simpel gestrickten Flüchtlingshass. Als Andi im Gegenzug zu einer Gehaltserhöhung um Mithilfe und seine Übersetzungsleistung gebeten wird, zögert er nicht lange. Er ist schließlich nur ein kleines Rädchen und die Partei doch nicht wirklich ernst zu nehmen, oder?

Simpler Plot, simple Botschaft?
Das in Monokultur. Alternative für Andi beschriebene Deutschland ist sehr simpel aufgebaut. Von verschiedenen Kommentaren zu niedrigen Arbeitnehmerlöhnen abgesehen, wird das Bild kaum ausgefüllt. Gesellschaftliche Strömungen sucht man vergebens, was aber daran liegen könnte, dass Andi sich in einer Blase bewegt. Die schlimme wirtschaftliche Situation, die für die Übersetzungsbranche sicher auch in der Realität nicht rosig sind, lässt einen fast an dystopische Romane mit starkem Klassensystem denken. Das wird aber leider nicht ausgebaut. Stattdessen konzentriert sich der Roman vollständig auf Andi. Doch obwohl man als Leser an allen Gedanken teilhat, wirkt Andi irgendwie nicht vollständig für mich. Einerseits reflektiert er sehr genau, andererseits scheint er sehr idiotenhaft. Ich habe mich beim Lesen oft gefragt, ob Andi unnötig idiotisch dargestellt wird, um erklärbar zu machen, dass er auf die Populisten hereinfällt. Trotz mehrfacher Warnungen von (Ex-) Arbeitskollegen und den sehr offensichtlichen fremdenfeindlichen Tendenzen bemerkt er nicht, auf welche Katastrophe er zuschlittert. Besonders auffällig wird der Kontrast zu einer guten Reflexion, wenn Andi Übersetzungen für Greenpeace anfertigt, die sprachlich überaus gelungen sind. Im Gegensatz dazu steht Andis unreflektierter Umgang etwa mit rassistischen Kommentaren eines Arbeitskollegen.

„Kann schon sein, Murat. Aber ganz ehrlich, ich hab keine Lust, wegen eines Möchtegern-Ariers meine Stelle zu riskieren. Die Sprüche nerven, aber ich kann damit leben. Das muss jeder mit sich selbst ausmachen.“ Seite 84

Gegen Ende bereut Andi einen Teil seines Verhaltens, ironischerweise arbeitet er parallel wie in Trance einen Auftrag von Heckler & Koch (einem Waffenhersteller) ab. Insgesamt scheint mir Andi als Figur zu überspitzt idiotenhaft, als dass ich ihm seine Handlungen abkaufen könnte. Das trübte leider ein wenig mein Leseerlebnis, denn insgesamt fand ich den schmalen Roman sehr gut und wichtig! Laut Klappentext ginge es um Schuld und Gleichgültigkeit, besonders letztere wird eindrucksvoll aufgezeigt und ebenso ihre gesellschaftlichen Konsequenzen. Nicht nur die Entwicklung der rechtspopulistischen Partei, auch Fremdenfeindlichkeit oder simpel der Kampf gegen den sozialen Abstieg auf Kosten anderer werden durch Andis Desinteresse sowie das der anderen Figuren befeuert.

Fazit: Ein aktueller Roman über Gleichgültigkeit und Desinteresse an gesellschaftlicher Entwicklung und den Folgen, sprachlich manchmal nicht ganz rund, aber ein wichtiges Thema aufgreifend, zu dem ich mir gerne weitere Literatur wünsche!


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esposa1969s avatar

Rezension zu "Das leise Kratzen in der letzten Rille. Absurditäten aus dem Leben eines Taugenichts" von Johannes Finkbeiner

Wunderbar skurril, pikaresk und unterhaltsam
esposa1969vor 4 Jahren

Hallo liebe Leser,

dieses Mal durfte ich Dank einer Verlosung dieses interessante Taschenbuch lesen:

== Das leise Kratzen in der letzten Rille. Absurditäten aus dem Leben eines Taugenichts ==

Autor: Johannes Finkbeiner


== Buchbeschreibung: ==

Erstmal Urlaub. Savićević, notorischer Arbeitsverweigerer, verspürt fast täglich den unstillbaren Drang nach Urlaub. Urlaub von der Eintönigkeit seines Lebens, den Städten und dem sich schier endlos auftürmenden Berg der Bürokratie, mit der das Ordnungsamt der Föderativen Republiken Europas ihn stetig quält. Kein Wunder also, dass der eigensinnige Faulenzer von dem ganzen Stress eine Pause braucht. Und seine engsten Freunde, ein sprechender Panther und eine Kobra, müssen natürlich mit, wenn Savićević die Reiselust packt. Ausgerüstet mit einer Silvesterrakete, einer Schallplatte, einer zerrissenen Konzertkarte und weiteren höchstwichtigen Gegenständen, macht er sich auf zu einer außergewöhnlichen Fahrt, wie sie abenteuerlicher und wundersamer nicht sein könnte.

Tauche ein in eine Welt voller skurriler Charaktere und Absurditäten, in der Wahnsinn und Genie kaum voneinander zu trennen sind; in eine Geschichte voller Witz, guter Laune, Melancholie und auch ein bisschen Liebe! Mit seinem Debütroman, irgendwo zwischen Fantasy und pikareskem Roadmovie, liefert Autor Johannes Finkbeiner die deutsche Antwort auf die Werke englischsprachiger Genre-Größen wie Terry Pratchett und Douglas Adams.


== Leseeindrücke: ==

Die Geschichte ist genial skurril und skurril genial. Fast fühlte ich mich bei den"Absurditäten aus dem Leben eines Taugenichts" an Eichedorffs "Sus dem Leben eines Taugenichts" erinnert. Eine Geschichte, die so das Leben eigentlich kaum schreiben konnte, aber unterhaltsam zu lesen ist.  Savićević ist notorischer und arbeitsscheuer Arbeitsverweigerer etwas sprunghaft, stark selbstbewusst und Dank Geldbeträgen aus Fussballwetten muss er auch gar nicht mehr arbeiten. Nicht viel tun kann Savićević gut. Und um seinen unstillbaren Drang zu urlauben zu stillen, macht er sich gemeinsam mit Panther Pynchon und die Kobra Topstar und den in der Buchbeschreibung genannten skurrilen Gegenständen auf den Weg, auf dem er eine junge Frau mit geschmeidigen Namen Fink kennenlernt und fortan gemeinsam mit ihr reist….

Dieser Roman ist genauso schräg und skurril wie sein Protagonist und sehr gewöhnungsbedürftig. Die Namen, die Figuren, die Handlung … außergewöhnlich anders. Man muss sich schone ehr in die Charaktere hineinversetzen, um zu verstehen, um was hier eigentlich geht, außer ums Nichtstun. Dennoch, oder gerade weil dieser Roman recht abstrus ist, hat er mir sehr gefallen, weil ich das Andersartige eigentlich sehr mag, weil es von der Norm abweicht.

Das Cover zeigt Savićević, gefolgt von Panther Pynchon und die Kobra Topstar  wie er sie auf die Reise begibt….

Als sehr augenfreundlich empfand ich die angenehm große Schrift und auch die Kapitellänge. Dieser Roman las sich unterhaltsam, kurzweilig und eben "anders" . Sehr gerne vergebe ich hierfür 5 von 5 Sternen!!

Herzlichen Dank, dass ich mitlesen durfte!

© esposa1969


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KleinerVampirs avatar

Rezension zu "Das leise Kratzen in der letzten Rille. Absurditäten aus dem Leben eines Taugenichts" von Johannes Finkbeiner

Das leise Kratzen in der letzten Rille
KleinerVampirvor 4 Jahren

Buchinhalt:

Das Buch handelt von Savićević, einem faulen, arbeitsscheuen Mid-Zwanziger, der sich selbst unglaublich wichtig vorkommt und vor Selbstüberschätzung nur so strotzt. Geld hat er allenthalben, hatte er doch einmal beim Fußballwetten Glück. Savićević tut zwar den ganzen Tag nichts, ist davon aber so gestresst, dass er meint, in Urlaub fahren zu müssen – sein „Gepäck“: ein Panther und eine Kobra sowie andere Unwichtigkeiten. Auf seiner Reise lernt er eine Frau kennen und reist fortan mit ihr.

 

Persönlicher Eindruck:

Mir fehlen die Worte. Nein, nicht, weil ich so fasziniert bin von all den auf dem Klappentext versprochenen „skurrilen Charakteren, Witz, gute Laune, Genie und Wahnsinn“ – nein, allein deshalb, weil ich noch nie bis jetzt so viel absurden Blödsinn auf einem Haufen gelesen habe. Pardon, aber auch Skurrilität und Kuriosität haben ihre Grenzen!

Nach rund 180 brav durchgehaltenen Seiten weiß ich noch immer nicht, was mir der Autor jetzt sagen wollte. Verzapft er derart Zusammenhangloses, das nur er zu verstehen in der Lage ist oder ist das Absicht?  Man weiß es nicht und auch wenn ich erwartet habe, dass „Das leise Kratzen in der letzten Rille“ ein komischer Ausflug in den Urlaub eines Taugenichtses sein würde, hätte ich nie damit gerechnet, dass meine Nerven so dermaßen strapaziert werden. Ganz ehrlich: ich fühlte mich mehr als verschaukelt.

Savićević lebt in einer Art Parallelwelt, den „Föderativen Republiken Europas“, einer Welt mit anderer Währung, sprechenden Tieren und skurrilen Bewohnern. Zumindest habe ich es so verstanden. Er ist ein Unsympath, arbeitet nichts und lebt in den Tag hinein: eine Art Negativheld, der vermutlich auch keinen gesteigerten Wert auf Nachvollziehbarkeit oder Identifikationspotential legt.

Der Schreibstil Finkbeiners war gewöhnungsbedürftig, denn so wunderlich seine Geschichte ist, so erzwungen intellektuell-komisch wirkt die Erzählart. Ist es nun eine Abrechnung mit konventionellen Literaturgenres, der Politik oder der Welt an sich? – das wird nur der Autor selber sagen können.

Insgesamt ist das Buch eine Ansammlung an Absurditäten, die für mich absolut keinen Zusammenhang vermitteln können, außer dem im Klappentext versprochenen Wahnsinn – das Genie suchte ich leider vergeblich.

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acabus_verlags avatar
In „Das leise Kratzen in der letzten Rille“ werden Savićević und seine Freunde von durchgeknallten Beamten auf Kickboards angegriffen & mit Bergen von Aktenordnern beworfen. Eine bewährte Verteidigungsmethode ist das Abspielen von Musik. Aber es gibt bestimmt noch mehr Methoden. Wir wollen sie von euch wissen! Schreibt uns bis zum 28.10.2014 Eure Idee zu „Wie vernichte ich erfolgreich durchgeknallte Finanzbeamte?“ an info@acabus.de. Unter den originellsten Einsendungen verlosen wir dreimal je ein Exemplar des Buches „Das leise Kratzen in der letzten Rille“.
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