Johannes Hürter

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Alle Bücher von Johannes Hürter

Hitlers Heerführer

Hitlers Heerführer

 (1)
Erschienen am 06.03.2007
Epos Zeitgeschichte

Epos Zeitgeschichte

 (1)
Erschienen am 10.05.2010
Terrorismusbekämpfung in Westeuropa

Terrorismusbekämpfung in Westeuropa

 (0)
Erschienen am 01.11.2014

Neue Rezensionen zu Johannes Hürter

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Am 22.6. 1941 startete die Wehrmacht das Unternehmen "Barbarossa", den Angriff auf die Sowjetunion. Bis zum November drang die Heeresgruppe Mitte bis in den Umkreis der Stadt Moskau vor, bis der Schlamm ein Weiterkommen unmöglich machte. Im darauf folgenden Winter setzte die Rote Armee zum Gegenangriff an, der die Wehrmacht bis an den Rand einer Niederlage brachte, nicht zuletzt deshalb, weil der Oberbefehlshaber Hitler ein bedingungsloses Halten der erreichten Linie befahl, was für die Soldaten bedeutete, zerfächert und mehr oder weniger schutzlos den Temperaturen und den Angriffen der Gegner ausgesetzt zu sein. Von Angang an dabei war der General Feodor August Gotthard Heinrici, dessen Aufzeichnungen von Johannes Hürter unter dem Titel "Notizen aus dem Vernichtungskrieg" herausgegeben worden sind. Aus Briefen und Tagebuchaufzeichnungen ergibt sich somit quasi ein Augenzeugenbericht über den vorentscheidenden Kriegswinter 41/42. Zunächst kommandierte Heinrici das XXXXIII. Armeekorps, später die 4. Armee, die an vorderster Spitze der deutschen Angriffs- bzw. Verteidigungsbemühungen stand. Dabei erwarb er sich den Ruf eines Verteidigungsspezialisten. In seinen Aufzeichnungen zeichnet der General ein authentisches Bild von den Frontbedingungen. Doch auch er gehört zu denjenigen militärischen Fachleuten, die zwar die Unsinnigkeit der Hitler'schen Befehle erkannten, aber es sich nicht trauten, zu widersetzen. Aberundet wird das Buch durch einen Anhang, der sich aus Briefen Heinricis von 1918 bis 1945 zusammensetzt. Auch diese Dokumente zeigen, wie dieser Mann, immerhin gläubiger Protestant, tickte. Sein Hass auf Sozialdemokraten und Juden verblendeten ihn so stark, dass er vieles hinnahm, was er innerlich nicht gut hieß. Aber die Ausschaltung der Demokratie, die Bekämpfung des angeblichen Einflusses der Juden und der Aufbau einer starken Armee war ihm offensichtlich wichtiger. Erst spät, deutlich zu spät, regte sich in ihm so etwas wie Widerstand, als er 1945 in aussichtsloser Lage nach dem Befehl, Hitler in Berlin zu entsetzen, vom Kommando zurücktrat, um weitere sinnlose Opfern seiner Männer zu unterbinden.

Immer wieder überraschend ist es, zu lesen, wie Heinrici Fehler der Kriegsführung erkennt, aber kaum etwas dagegen unternimmt, sei es die Behandlung der russischen Zivilbevölkerung, die man eventuell hätte auf die eigene Seite ziehen können, sei es die Erkenntnis, dass mit der Eroberung Moskaus der Krieg wahrscheinlich kaum beendet worden wäre.

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Rezension zu "Hitlers Heerführer" von Johannes Hürter

Kollektives Versagen auf höchster Führungsebene
Matzbachvor 4 Jahren

Am 22.7.1941 beginnt nach längerer Vorbereitung das Unternehmen Barbarossa, der deutsche Angriff auf die Sowjetunion. In seiner Gruppenbiographie stellt Johannes Hürter 25 Oberbefehlshaber dieser gewaltigen in Marsch gesetzten Militärmaschine vor.
Allen ist gemeinsam, dass sie als Offiziere im Kaiserreich sozialisiert wurden, von der Niederlage 1918 traumatisiert und - für ihr eigenes Gefühl/Selbstbewusstsein -  deklassiert waren, der Weimarer Republik, immerhin ihrem Arbeitgeber, mehr als reserviert gegenüberstanden,  dem Dritten Reich dagegen aufgeschlossen, versprach es doch die Aufwertung der eigenen militärischen Bedeutung. Und, alle waren letztendlich Versager.
Versager in doppelter Hinsicht: moralisch, weil sie den rassenideologischen Raubkriegcharakter, über den sie bereits in der Vorbereitung durch den berüchtigten Kommissarbefehl, den Erlass über die Wehrmachtsjustiz und andere Verlautbarungen informiert waren, vorbehaltlos mittrugen. Ebenso, weil sie zu der schon seit Angriffsbeginn folgenden Politik der Judenvernichtung schwiegen, sei, es, weil sie diese billigten, sei es, dass sie sie der totalen Kriegsführung und ihren angeblichen Anforderungen (Quartierbeschaffung, Beseitigung unnützer Esser, Partisanenbekämpfung) unterordneteten. Aus dem gleichen Grund schwiegen die Generäle auch hinsichtlich des menschenverachtenden Umgangs mit der Zivilbevölkerung der Sowjetunion und den Kriegsgefangenen. Selbst zwei Generäle, die später im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 hingerichtet wurden, Stülpnagel und Hoepner, scheinen eher antisemitisch und rassistisch gewesen zu sein.
Versager waren die Generäle aber auch auf dem ihnen ureigensten Gebiet, dem der Kriegsführung. Nicht in dem Sinn, dass sie durch eine andere Kriegsführung eventuell einen Sieg hätten davon tragen können, wie es einer von ihnen, der Generalfeldmarschall Manstein später in seiner unsäglichen Rechtfertigungsschrift "Verlorene Siege" insinuiert. Eher in dem Sinn, dass sie sich, euphorisiert durch die vorangegangenen Feldzüge in Polen, Frankreich etc. überhaupt auf dieses waghalsige Unternehmen einließen. Warnende Stimmen der militärischen Fachleute gab es offensichtlich nicht, im Gegenteil, auch sie gingen von einem erneuten kurzen Krieg gegen einen völlig unterschätzten Gegner aus. Im Verlauf des Feldzug gaben sie immer mehr von ihrer Entscheidungskompetenz vor Ort, die ihnen aufgrund der deutschen Militärtradition eigentlich vermittelt worden war, auf und wagten es nicht, Hitler auch nur ansatzweise offen zu kritisieren. Deutlich wurde dies nach dem Scheitern der Operation "Taifun", dem missglückten Versuch Moskau zu erobern, welcher das Ostheer an den Rand des Zusammenbruchs führte. Doch anstatt in Fürsorge für die untergebenen Soldaten taktische Rückzüge in vorbereitete Wintersellungen zu befehlen, kuschte man vor Hitler und gab seinen Anweisungen zum rücksichtslosen Halten nach. Damit hatten sie letztendlich ihre Daseinsberechtigung als Befehlshaber verspielt und wurden Hitler willige Vollstrecker.
Allerdings beschreibt Hürter auch, dass diese Entmachtung der Generäle keineswegs auf Hitler allein zurückgeht, sondern vielmehr auf den Generalstabschef Halder, der, fernab von der Front, ebenso sinnlose Befehle erteilte, die sich vor Ort als unrealistisch erwiesen. Ausgerechnet dieser Halder setzte nach dem Krieg darauf, die deutsche Kriegsgeschichtsschreibung in dem Sinne zu beeinflussen, dass die Fehler keineswegs beim angeblich vernünftig planenden Generalstab lagen, sondern bei dem immer wieder eingreifenden Hitler. Dies war jedoch für das erste Jahr des Ostkrieges nur bedingt wahr.
Wer sich für das Thema Krieg im Osten interessiert, wird an dieser Studie nicht vorbeikommen.

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Kuriles avatar

Rezension zu "Epos Zeitgeschichte" von Johannes Hürter

Rezension zu "Epos Zeitgeschichte" von Johannes Hürter
Kurilevor 8 Jahren

Spannend: Die Einschätzungen von Historikern betreffend historischer Romane. Schlinks Vorleser kommt richtig schlecht weg.

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