Johannes Ludewig Unternehmen Wiedervereinigung

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Inhaltsangabe zu „Unternehmen Wiedervereinigung“ von Johannes Ludewig

Johannes Ludewig gehörte als Spitzenbeamter im Kanzleramt zum engsten Kreis um Helmut Kohl und erlebte die dramatischen Monate zu Beginn des Jahres 1990 hautnah mit. Als immer mehr DDR-Bürger die Seiten wechselten – nach dem Motto: Kommt die D-Mark nicht zu uns, kommen wir zu ihr –, geriet die deutsche Politik unter ungeheuren Druck. Heftig wurden die unterschiedlichen Entwürfe einer möglichen Währungsunion diskutiert, einer Vereinigung zweier vollkommen unterschiedlicher Volkswirtschaften, für die es bisher keine Blaupause gab. Und das in wenigen Wochen!
Johannes Ludewig saß am Tisch zusammen mit Männern wie Günther Krause, Horst Teltschik, Horst Köhler, Wolfgang Schäuble und vielen anderen, die das Konzept für diesen gewaltigen Umbau in reale Politik umsetzten. Sein Buch dokumentiert die eigentliche politische Arbeit abseits der Öffentlichkeit – es berichtet von ungewöhnlichen Menschen und ungewöhnlichen Entscheidungen. Nach 25 Jahren Mauerfall das spannende Protokoll eines Insiders.

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  • "Im Zweifel für Ostdeutschland"

    Unternehmen Wiedervereinigung

    R_Manthey

    24. June 2015 um 10:24

    Dieser Grundsatz prägte die Politik des Kanzlers Kohl in der dynamischen Zeit der Eingliederung des Staatsgebietes der DDR in die Bundesrepublik Deutschland. Kohl hatte wohl richtig eingeschätzt, dass man die historische Chance einer möglichen Wiederzusammenführung der beiden deutschen Staaten mit aller Konsequenz und Entschlossenheit nutzen musste, weil nicht klar war, wie lange das Zeitfenster dafür offen bleiben würde. Man muss diese äußere Unbestimmtheit und den inneren Druck, der durch die massenhafte Migration Ostdeutscher in den Westen Deutschlands entstand, berücksichtigen, wenn man zu einer angemessenen Beurteilung der Ereignisse jener Zeit kommen will. Natürlich ist man hinterher immer klüger, schließlich weiß man dann, was einzelne Entscheidungen bewirkt haben und was nicht. Und noch klüger kann man sich mit Sicherheit dann darstellen, wenn man keine dieser Entscheidungen treffen musste. Johannes Ludewig hat sich sieben Jahre seines Lebens intensiv mit dem Vereinigungsprozess und dem Aufbau des heruntergewirtschafteten Osten Deutschlands befasst. Zunächst war er unter Kohl verantwortlicher Koordinator im Bundeskanzleramt, später Kohls Berater in Wirtschafts- und Finanzfragen und schließlich Staatssekretär und Beauftragter der Bundesregierung für die sogenannten neuen Länder. Dieses Buch stellt so etwas wie seine Rückschau auf den Verlauf des Vereinigungsprozesses dar. Natürlich kann man von einem unmittelbar Beteiligten hinterher nicht erwarten, dass er alle diese Prozesse und sämtliche Entscheidungen und Personen in irgendeiner objektivierenden Art und Weise bewerten wird. Vielmehr hat man mit einem solchen Buch die Chance, in die Hintergründe und die Denkweise der damals handelnden Personen einzutauchen, auch wenn man bei manchen Fragen vielleicht inzwischen zu einer anderen Meinung gekommen sein mag. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint mir dieses Buch ein durchaus lesenswertes Dokument der Zeitgeschichte zu sein, zumal es sich auch gut liest. Ludewig beschreibt den Eingungsprozess aus der Sicht seiner damaligen Rolle, die vor allem darin bestand Vorverhandlungen zu führen und den gesamten Prozess zu koordinieren. Es lohnt sich im Zusammenhang mit diesem Buch auf Filmmaterial zurückzugreifen, damit man sich erstens den jämmerlichen Zustand der ostdeutschen Industrie und der gesamten maroden Infrastruktur noch einmal vor Augen führen und zweitens die Stimmungslage der ostdeutschen Bevölkerung begreifen kann. Ludewig schreibt in seinem Buch treffend, dass die Härten, die plötzlich nach der partiellen Anfangseuphorie über die ostdeutsche Bevölkerung hereinbrachen, für den Westteil des Landes weder vorstellbar noch zumutbar gewesen wären. Die ostdeutsche Industrie, die teilweise noch mit Maschinen und Anlagen aus der Vorkriegszeit produzierte, besaß nur im Ostblock und bei hinreichender Qualität über den Preis auch im Westen eine gewisse Konkurrenzfähigkeit. Mit der Einführung der harten D-Mark in die ostdeutsche Wirtschaft brach der Preisvorteil völlig in sich zusammen, was zum Verlust sämtlicher Märkte und zum Kollaps einer Volkswirtschaft führte, die sowieso schon kurz vor dem Tod durch Auslaugen stand. Unter enormen Zeitdruck musste nun auf der einen Seite den Menschen wenigstens eine gewisse Grundversorgung und vor allem eine Perspektive geboten, und auf der anderen Seite verhindert werden, dass industrielle Kerne verschwinden. Das konnte nur gelingen, wenn massiv Finanzmittel bereitsgestellt und private Investoren gefunden werden konnten. Letzterem standen oft genug ungeklärte Besitzverhältnisse entgegen. Ludewig beschreibt in seinem Buch viele solcher Prozesse relativ detailliert. Interessant sind dabei Vergleiche zwischen einem Desaster wie bei SKET in Magdeburg und einer Erfolgsgeschichte wie bei Zeiß in Jena. Einmal mehr zeigt sich nämlich in solchen Situationen, dass es enorm auf die Fähigkeiten der handelnden Personen ankommt. Das trifft auch auf die Rolle der verschiedenen Gewerkschaften, der westdeutschen Bundesländer, der SPD und einiger explizit im Buch genannten Führungskräfte zu. Wie Ludewig diese Faktoren im Einzelnen aus seiner Sicht bewertet, ist durchaus interessant, wenngleich man natürlich von ihm nicht erwarten sollte, dass er die Dinge heute völlig anders sieht als aus seiner damaligen sicher auch parteipolitisch eingefärbten Herangehensweise. Selbstverständlich kann man manche Prozesse und Entscheidungen auch völlig anders bewerten. So zum Beispiel ist es in der Tat durchaus fragwürdig, ob man die Bodenreform von 1946 nicht hätte doch aus mehreren Gründen rückgängig machen müssen und können. Sicher lief in der von Ludewig betrachteten Zeit auch manches völlig in die falsche Richtung. Bis auf wenige Ausnahmen geht der Autor darauf aber nicht ein. Ebenso ist seine Einschätzung über Kanzler Kohl mehr von Ehrerbietung geprägt als von dem Versuch einer kritischen Einschätzung. Das kann man zum Beispiel daran erkennen, wie Ludewig Kohls Scheinerfolg bei den Verhandlungen über den Sitz der EZB bewertet. Ludewig begreift nicht, dass es Kohl wie fast allen Politikern vor allem um symbolhafte Entscheidungen geht, deren wirtschaftlicher Sinn sich nicht immer unbedingt erschließt. Inzwischen dürfte wohl klar sein, dass der Euro im Gegensatz zu Kohls Versprechen mit der harten D-Mark nicht mehr viel zu tun hat, und dass das völlig unabhängig davon geschehen ist, ob die EZB nun ihren Sitz in Frankfurt, Paris oder sonstwo hat. Und im Übrigen fällt bei Ludewig auch nirgendwo eine Bemerkung dazu ab, dass der Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft mit der Einführung einer viel härteren Währung gewissermaßen die Generalprobe für all das war, was in Europa mit der Einführung des Euro anschließend passiert ist. Statt das so zu verstehen, muss man wohl davon ausgehen, dass Kohl und andere aus diesem innerstaatlichen Experiment den fatalen Schluss gezogen haben, man könne einen gesamteuropäischen Einigungsprozess über eine gemeinsame Währung erzwingen. Meine Bewertung dieses Buches ist keine Meinung über seinen Inhalt, sondern einfach eine Würdigung von Ludewigs Einschätzung der Dinge. Diese ist sowohl interessant als auch informativ, weil man nur so verstehen kann, wie entscheidende Menschen damals gedacht haben oder es heute darstellen.

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