Johannes Neuner

 4,2 Sterne bei 85 Bewertungen

Lebenslauf

Johannes Neuner, geboren 1975 in Köln, übersetzt türkische Literatur ins Deutsche. 2012 wurde er mit dem Förderpreis des Übersetzerpreises Tarabya ausgezeichnet. Er lebt in Freiburg im Breisgau.

Quelle: Verlag / vlb

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Neue Rezensionen zu Johannes Neuner

Cover des Buches Der Fischer und der Sohn (ISBN: 9783608986921)
E

Rezension zu "Der Fischer und der Sohn" von Zülfü Livaneli

Esther1987
Gut aber nicht sehr gut

Wieder habe ich ein interessantes #Buch gelesen. Vielen Dank an den #klettcottaverlag für das #rezensionsexemplar 😀. Meine Meinung ist aber dadurch natürlich nicht beeinflusst. 

Es geht in diesem #Werk um Mustafa, der beim Fischen zunächst zwei Leichen entdeckt und dann findet er ein Baby in einem kleinen Schlauchboot. Es stammt von einem der Flüchtlingsboote in der Ägäis. Mustafa und seine Frau Mesude wissen, dass sie das Baby nicht behalten dürfen und sie verpflichtet sind es zu melden. Mehr möchte ich inhaltlich garnicht erzählen, denn es würde viel vorweg nehmen..Es ist ein schmales doch gehaltvolles Buch mit 189 Seiten. 

Es geht um Einsamkeit,  elterliche Liebe, Drama, Verlust und um Menschlichkeit. #zülfülivaneli ist ein türkischer #Autor,  der in den 70er Jahren gezwungen war, aufgrund seiner politischen Anschauungen, die Türkei zu verlassen.  Er kehrte 1984 zurück. Des weiteren war er Mitglied des türkischen Parlaments.  Er setzte sich für die türkisch-griechische Aussöhnung ein. Das Buch beginnt melancholisch, sprachlich toll, fast märchenhaft und ich konnte mir die Protagonisten, die Gegend und Landschaft sehr bildlich vorstellen. #livaneli streut dann ein Kapitel ein, was für mich nicht im Zusammenhang mit der eigentlichen Handlung ist...ich befürchtete er verliert mich..Es ging dann aber im nächsten Kapitel mit der eigentlichen Geschichte weiter. Ich las und las und dann war das Buch ausgelesen. Dieses Buch ist warmherzig und echt.  Ich mochte es gerne. Der Autor bringt auch politisch Themen mit rein, was ich aber im richtigen Rahmen fand.

Ein gutes Buch, das für mich allerdings kein 5 Sterne Highlight war, aber sehr gut.

Cover des Buches Der Fischer und der Sohn (ISBN: 9783608986921)
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Rezension zu "Der Fischer und der Sohn" von Zülfü Livaneli

Dajobama
Türkisches Fischerdorf

Der Fischer und der Sohn – Zülfü Livaneli

Bereits im Vorwort weist der Autor auf seine Liebe zu dem Werk „Der alte Mann und das Meer“ von Ernest Hemingway hin. Als Jugendlichen hat es ihn sogar dazu inspiriert, auszureißen und an der Küste das Fischerhandwerk zu erlernen. Mit diesem Wissen kann man tatsächlich die ein oder andere Parallele zu Hemingways großen Werk der Weltliteratur finden. Besonders die Atmosphäre erinnerte mich an den großen Künstler. Und natürlich spielen auch hier das Meer und die Fischerei eine Hauptrolle. Livaneli hat seine Handlung jedoch in seine Heimat, die Türkei, verlegt. Außerdem gibt es sogar ziemlich viele, vielleicht zu viele, Themen in diesem schmalen Band.

Neben dem ärmlichen traditionellen Leben in einem kleinen türkischen Fischerdorf geht es hauptsächlich um die Trauer um den ertrunkenen Sohn und was diese Trauer mit einem Menschen, mit einer Ehe macht. Eines Tages rettet der junge Fischer und trauernde Vater Mustafa einen Säugling aus dem Meer, der von einem verunglückten Flüchtlingsboot stammt. Mustafa meldet den Fund nicht, sondern nimmt das Kind heimlich mit nach Hause zu seiner Frau Mesude.

Mit der sehr schlichten und knappen Sprache der einfachen Fischer erschafft Livaneli eine sehr besondere Atmosphäre und zieht den Leser in seinen Bann. Es ist nicht schwer, ihm zu folgen, auch wenn es viele Themen sind, die er anreißt und manche kulturelle Besonderheiten fremdartig erscheinen. Trotz allen ernsten Themen wird immer eine gewisse Distanz zu den Figuren behalten. Den ein oder anderen Meinungsumschwung oder manch Handlung kam dadurch allerdings etwas plötzlich und konnte ich dadurch nicht so ganz nachvollziehen.

Dieser Roman ist in seinem Hauptthema Elternliebe zugleich zeitlos und dennoch gerade im Hinblick auf die Flüchtlingspolitik topaktuell.

Ein schmales Büchlein mit nicht einmal 200 Seiten, das es aber in sich hat. Beste Unterhaltung und sehr lesenswert! 4 Sterne.

 

Cover des Buches Der Fischer und der Sohn (ISBN: 9783608986921)
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Rezension zu "Der Fischer und der Sohn" von Zülfü Livaneli

angioletta
Ein Baby. Viele Entscheidungen.

Zülfü Livaneli schwärmt in seinem Vorwort von Hemingways „Der alte Mann und das Meer“, das in veranlasste, als Jugendlicher von zu Hause abzuhauen, um an der Küste die Fischerei zu erlernen.
Obwohl dies am Ende nur eine kurze Episode seines Lebens darstellte, merkt man diesem Buch an, dass Livaneli eine Ahnung vom harten Fischerleben hat. Mühelos gelingt es ihm, die unterschiedlichen Stimmungen des Meeres sowie den Alltag und die sozialen Strukturen eines Fischerdorfs an der ägäischen Küste einzufangen. „Wenn die anderen Fischer ans Ufer zurückkehrten, denke sie, Mustafa spreche in seinem Boot mit sich selbst. Dabei unterhält er sich mit den Fischen. Er hat das Meer so lange beobachtet, dass es scheint, als wäre er eins mit ihm geworden.“ (S. 29)
Seine lebendigen Beschreibungen sind es, die mich schnell an den Ort des Geschehens entführt und mich die Gerüche der heimischen Kräuter riechen und die kleinen Gesten der Einwohner haben miterleben lassen.

Ansonsten ist seine Sprache eher karg, spröde und teilweise wirkt sie sogar abgewetzt; hier badet man nicht genüsslich in schönen Sätzen. Eher widerspiegelt sie die Schroffheit der Menschen und der Landschaft.
Als Leser*in wird man wie in einem Boot auf dem bewegten Meer hin- und hergeworfen zwischen eher informativen Abschnitten über politische, wirtschaftliche und kulturelle Eigenheiten des Landstrichs und dem Fortgang der Geschichte um das Baby…

- Dem Baby? Ach ja, es gibt ja noch eine Handlung. Der Klappentext lässt eigentlich auf eine spannende Geschichte schließen um einen Fischer (es ist der bereits erwähnte Mustafa), der einem Baby das Leben rettet und dieses behalten will. Sein eigener Sohn ist während eines Sturmes auf See ertrunken. Nun ist er überzeugt: „Das Meer hat uns unseren Deniz genommen und uns jetzt einen neuen Deniz geschenkt.“ (S. 47)
Doch nach einem knappen Drittel des 180-seitigen Buches ist gerade mal so viel passiert, wie der Klappentext schon verrät. Erst dann wird es spannend. Mustafa schmiedet einen gewagten Plan. Wird er gelingen?

Die Entscheidungen, die er und seine Frau Mesude schließlich treffen, werden oft in wenigen Sätzen heruntererzählt. Mir hat hier eine vielschichtere, psychologischere Aufarbeitung gefehlt. Gut möglich aber, dass auch dies zu den Menschen dieser Gegend passt: Man stellt sich dem Schicksal nicht entgegen.
"Der Tourist ließ nicht locker: 'Das hier ist ein Roman über einen Fischer, wie du einer bist. Von einem Amerikaner geschrieben. Gibt es hier Schwertfische, jagt ihr die?' 'Natürlich', sagte Mustafa, 'was auch immer das Meer einem bietet, was Allah uns beschert.' (...) Irgendwann fiel es dem Touristen, der Mustafas Sturheit nicht zu überwinden vermochte, endlich ein zu fragen, warum er den Fischer nicht möge. Mustafa sagte: Wenn dieser Schwertfisch so ein Prachtexemplar ist, wenn er tage- und nächtelang um sein Leben kämpft, dann hätte der Fischer die Leine einfach durchschneiden sollen..." (S. 28)

Obwohl die angepriesene Handlung also im Wust der anderen – mir etwas zu oberlehrerhaft vorgetragenen - Themen etwas untergeht, habe ich das Buch größtenteils gerne gelesen.
Das Ende ist sehr bewegend und hat aus meiner Sicht etliche kleine Erzählschwächen aufwiegen können.

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