Johannes Schweikle Fallwind

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Inhaltsangabe zu „Fallwind“ von Johannes Schweikle

Albrecht Ludwig Berblinger wagte etwas unerhört Neues. Als die Eisenbahn noch nicht erfunden war, als die Welt noch nicht einmal das Fahrrad kannte, baute er einen Flugapparat. Mit diesem gelangen ihm an einem Hügel hinter Ulm die ersten Gleitflüge. Doch als er am 31. Mai des Jahres 1811 seine Sensation der Öffentlichkeit vorführte, fiel er in die Donau. Körperlich überlebte Berblinger den Absturz zwar, aber seine bürgerliche Existenz war ruiniert. Der Pionier ertrank im Spott, der Schneider von Ulm wurde zur Witzfigur. Warum aber hat das Publikum so gnadenlos reagiert? Warum wertete es die Courage des Schneiders als Überheblichkeit? Diese fiktive Biographie unternimmt eine glaubwürdige Zeitreise in die Welt des Albrecht Ludwig Berblinger. Sie erzählt, wie er sich an eine Menschheitsutopie wagte. Sie ergründet und führt vor, was passiert, wenn ein Visionär scheitert. Und sie zeigt das hässliche Gesicht der Schadenfreude. Johannes Schweikle gelingt mit seinem unaufgeregten Debütroman ein faszinierendes Plädoyer für einen Verkannten. Er unternimmt die anrührende und überzeugende Ehrenrettung eines vermeintlichen Versagers. Eines Mannes, der sein Leben nicht träumte, sondern der seinen Traum lebte.

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  • Rezension zu "Fallwind" von Johannes Schweikle

    Fallwind
    Mr. Rail

    Mr. Rail

    29. June 2011 um 18:21

    Der 31. Mai 1811 wurde für Albrecht Ludwig Berblinger zur Katastrophe. Der Beruf des Schneiders von Ulm schien ihn nie richtig zu erfüllen. Seine Gedanken schwebten zeitlebens in anderen Sphären. Berblinger wollte etwas erreichen, das zuvor noch niemand vollbracht hatte. Er wollte erfinden, seine Fantasie in nützliche Bahnen lenken. Beinprothesen und ein Kinderwagen zeugen von seinen vielfältigen Talenten. Doch sein eigentlicher Traum war das Fliegen. Er bastelte im Verborgenen an einem Hängegleiter und experimentierte am Ulmer Michelberg – und Albrecht flog. Gestützt auf das Prinzip des Gleitens vermochte sein Flugapparat die Aufwinde am Berg zu nutzen, um seinen Piloten in die Lüfte zu tragen und damit den Traum zu realisieren. In Ulm wurde währenddessen getuschelt – nicht nur hinter vorgehaltener Hand. Berblinger vernachlässigte seinen Beruf, seine Familie begann unter seinen “nutzlosen” Erfindungen zu leiden und seine Ideen wurden mehr und mehr belächelt. Die ersten Erfolge am Hügel jedoch verliehen seinem Mut sprichwörtliche Flügel. Vor fast genau genau 200 Jahren wagte er den Versuch, vor den Augen tausender Schaulustiger die 40 Meter breite Donau zu überfliegen. Von den Fallwinden, die über fließenden Gewässern herrschen, wusste Berblinger nichts und so kam es, wie es kommen musste. Unter dem Gelächter der Ulmer Bürger stürzte er ab und erholte sich nie wieder von diesem Misserfolg. Er entsagte der Fliegerei, verfiel dem Alkohol und starb 1829 verarmt und von der Gesellschaft geächtet. Johannes Schweikle gelingt mit einem literarischen Kunstgriff ein kleines Meisterwerk. Er schrieb einen wahrhaft historischen Roman, eine fiktive (aber auf Fakten gestützte) Biographie des Schneiders von Ulm, die auf allen Ebenen das bürgerliche Ulm des beginnenden 19. Jahrhunderts zum Leben erwachen lässt. Wir erleben Berblinger bei seinen Auftragsarbeiten und in den Sachzwängen eines Handwerksmeisters, der aufgrund der Qualität seiner Arbeit allseits anerkannt ist. Dem gegenüber werden wir Zeugen seiner Träume, seiner Zweifel und seines bedingungslosen Glaubens an sich selbst. Er ist getrieben von seinen wahren Talenten und lebt im ständigen Konflikt zwischen wirtschaftlicher Sicherheit und dem Risiko in das er sich begibt, wenn er beginnt seine Träume zu leben. Albrecht träumte von einer großen Erfindung. Was er meinte, hatte Max gefragt, und Albrecht hatte geantwortet: “Es gibt so viele Sachen, die es noch nicht gibt.” Die Zerrissenheit in die er sich und seine Familie begibt nimmt vorhersehbare Züge an. Berblinger kann die Kurve kaum noch kriegen und wird für seine Ideen verlacht. Er wird Opfer des alten Sprichwortes “Schuster, bleib bei deinen Leisten” und die Bevölkerung von Ulm kann es kaum erwarten, ihn so weit zu treiben, bis er schließlich vor aller Augen versagt – versagen muss. Fallwind. Johannes Schweikle fügt in seinen fiktiven Roman auf anschauliche und nachvollziehbare Art und Weise die Geschichte der Luftfahrt ein, belegt mit Fakten, was möglich ist und warum man scheitern muss, wenn man diese Fakten nicht beherrscht. Er spannt den Bogen von Ikarus bis in die Fliegerei der Neuzeit – vom Gleitflug über Zeppeline bis zur modernen Luftfahrt. Er setzt dies in den Kontext der bahnbrechenden Erfindungen dieses Zeitalters und ihm gelingt, was unglaublich scheint. Johannes Schweikle belegt, dass jener Schneider von Ulm tatsächlich geflogen ist. Eine Ehrenrettung der besonderen Art. In einer gelungenen, stets spannenden Mischung aus Fiktion und wissen-schaftlichem Journalismus. Einzig Berblingers Frau kann er damit nicht mehr helfen. Mit einem Augenzwinkern schreibt Schweikle von jener Anna, die nach dem Absturz ihres Mannes in die Donau sprichwörtlich selbst “aus allen Wolken gefallen ist”. Die Rehabilitation eines tragischen Helden macht Mut. Allen Widerständen zum Trotz seinen Weg zu gehen, für seine Träume zu leben und mit einer Gesellschaft zu leben, die genau dieses Scheitern so dringend benötigt, um von eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. In jedem Fallwind steckt ein Aufwind – auch wenn Jahrhunderte vergehen, bis er zu tragen beginnt. Hintergründe und Autoren-Interview auf Lovelybooks: http://blog.lovelybooks.de/2011/05/30/fallwind-vom-tragischen-helden-zum-uberflieger-der-schneider-von-ulm-impressionen-und-autoreninterview/

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  • Rezension zu "Fallwind" von Johannes Schweikle

    Fallwind
    Binea_Literatwo

    Binea_Literatwo

    30. May 2011 um 17:28

    Fliegen – endlich einmal fliegen. Das ist der Traum von Albrecht Ludwig Berblinger. Nichts anderes wünscht er sich. Er will es allen zeigen, beweisen, dass es funktioniert und tüftelt, wie er es schaffen kann,schnell in die Lüfte zu kommen. „Wer etwas wagt, beschämt die Bequemen. Sie haben das Neue nur geträumt, allenfalls darüber schwadroniert. Sie schimpfen über die Zustände, aber gehen kein Risiko ein, etwas zu ändern. Reden von neuen Ufern, aber steigen nicht mal bei Windstille ins Boot.“ Von allen nur belacht und belächelt, gibt der Schneider von Ulm nicht auf. Er möchte seinen Traum leben und lässt sich von seinem Ziel nicht abhalten. Er hat es geschafft, er hat es mehrmals geschafft, in die Lüfte zu steigen, doch nicht an dem Tag, an dem er vor Publikum die Donau überfliegen wollte. Es gab an diesem Tag nur den Fallwind für Albrecht Ludwig Berblinger und keinen Aufwind. Seine Hoffnungen es allen Zuschauern zu zeigen, gehen in der Donau mit ihm zusammen unter. Er hat es überlebt, aber sein Ansehen ist ertrunken, seine Ehre durchwässert und wird nicht wieder trocken. Seiner Frau Anna Berblinger sind die Versuche ihres Mannes und erst Recht der Absturz peinlich und sie fühlt sich durch ihren Schneider, der gern fliegen möchte, blamiert. Berblinger ist gescheitert und das wird ihm ewig nachhängen, bis er vereinsamt stirbt. „Er versuchte zu fliegen und scheiterte.“ Jetzt rettet der Autor Johannes Schweikle die Ehre von Berblinger. Es ist zwar längst zu spät, aber mit diesem Roman taucht man ins Jahr 1811 und ist bei den Anfängen und ersten Flugversuchen dabei. Ein Buch, das fiktiv ist, aber alles andere als fiktiv an den Leser gelangt. Mit viel Humor und einigen wunderbaren Zitaten, haben sich die kurzen Kapitel wie im Flug gelesen und einen großen Einblick in die damalige Zeit und das damalige Verhalten und Denken der Menschen gegeben. „Als ob früher alles besser gewesen wäre. Aber das stimmt ja nicht. Früher war´s nur anders schlecht.“ „Wäre der Rauchmelder schon erfunden gewesen, er hätte den literarischen Zirkel ernsthafter bedroht als die französische Revolution.“

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  • Rezension zu "Fallwind" von Johannes Schweikle

    Fallwind
    ilsebi

    ilsebi

    23. March 2011 um 23:30

    Auch heute noch werden Visionäre gerne ausgelacht und als Spinner bezeichnet. "Fallwind" ist ene vergnügliche und lehrreiche 'Ehrenrettung' für den "Schneider von Ulm". Wirklich lesenswert!