Johannes Ullmaier

 4.3 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Schicht!, Von Acid nach Adlon und zurück und weiteren Büchern.

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Rezension zu "Schicht!" von Johannes Ullmaier

Rezension zu "Schicht!" von Johannes Ullmaier
KollegeKraftwagenvor 10 Jahren

Die Arbeitswelt ist der große blinde Fleck in der deutschen Gegenwartsliteratur, kaum ein Roman beschäftigt sich mal hauptsächlich mit dem Erwerbsleben seiner Figuren. Da gibt es die Bücher von Ernst Wilhelm Händler, es gibt Burkhard Spinnens „Der schwarze Grat“, Anne Weber hat ein Buch über ihre Stipendiatenzeit in einem Großraumbüro geschrieben. Kathrin Röggla hat die Beraterszene belauscht und daraus ein grandioses Geflecht aus O-Tönen geschaffen („wir schlafen nicht“). Auch sie ist in diesem Band vertreten, in einem beeindruckend hochklassigen Umfeld – siehe oben)!
Der Untertitel („Arbeitsreportagen“) ist ein wenig irreführend, denn die hier gesammelten Texte sind eher mit literarischen als mit journalistischen Mitteln geschrieben, man erfährt mindestens soviel über die Autoren und deren Poetik wie über ihr Studienobjekt. Eigentlich ist dieses Buch eine thematische Anthologie neuester deutschsprachiger Literatur, die die meisten anderen Produkte dieser Art weit in den Schatten stellt. Hier werden die Möglichkeiten deutlich, die sich der Literatur bieten, wenn sie sich diesem Teil der Wirklichkeit stärker zuwenden würde. Die fast ausnahmslos tollen Texte widmen sich jeweils einem Beruf/einer Person. Manche Autoren erzählen auch von sich, die Vorgaben scheinen sehr gering gewesen zu sein. Dietmar Dath nutzt diese Freiheit, um gleich ein apokalyptisches Zukunftsszenario zu erfinden, Kathrin Röggla schließt vom „Beruf“ des Schuldners und Privatinsolventen auf den Zustand der Gesellschaft und Thomas Raab macht sich angesichts des Discountbestatters, mit dem er ins tschechische Krematorium fährt, vor allem Gedanken darüber, warum er schreibt und was das mit seiner eigenen Sterblichkeit zu tun hat. Alles ist erlaubt, Überraschungen vorprogrammiert. Wissbegierde mischt sich so beim Lesen mit literarischem Genuß. Jeder dieser meist ca. 30 Seiten langen Texte kann ganze groß angekündigte Romane voller Liebeswirren und Selbstbespiegelung ersetzen, sie sind so dicht, so lebensgesättigt, so hintergründig literarisch, so durch und durch uneitel und effektiv geschrieben, daß es eine wahre Freude ist.

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