Johannes Willms

 3.3 Sterne bei 23 Bewertungen
Autor von Napoleon, Tugend und Terror und weiteren Büchern.

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Napoleon

Erscheint am 14.02.2019 als Taschenbuch bei C.H.Beck.

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Talleyrand

Talleyrand

 (3)
Erschienen am 15.07.2011
Tugend und Terror

Tugend und Terror

 (3)
Erschienen am 12.09.2014
Napoleon

Napoleon

 (3)
Erschienen am 23.01.2018
Mirabeau

Mirabeau

 (1)
Erschienen am 16.02.2017
Balzac

Balzac

 (1)
Erschienen am 23.10.2007
Stendhal

Stendhal

 (1)
Erschienen am 01.08.2012
Gebrauchsanweisung für Frankreich

Gebrauchsanweisung für Frankreich

 (2)
Erschienen am 01.10.2005

Neue Rezensionen zu Johannes Willms

Neu

Rezension zu "Napoleon" von Johannes Willms

Napoleon - ein Leben der Propaganda
Bellis-Perennisvor einem Monat

Über Napoleon sind schon meterweise Bücher geschrieben worden. Teils mit mehr oder weniger gutem Erfolg. Das Schwierige die Persönlichkeit dieses Mannes zu erfassen, liegt daran, dass er selbst unermüdlich an seinem Nimbus der Unfehlbarkeit herumdoktert. Die Bulletins über geschlagene Schlachten haben mit der tatsächlichen Wirklichkeit wenig zu tun. Gedruckt wird nur, was Napoleon erhöht. Die Zensur ist ähnlich rigide wie weiland unter den Bourbonen.  

Doch wie gelingt es dem mehr oder weniger mittellosen Zweitgeborenen eines alten korsischen Adelsgeschlechtes die Karriereleiter derart hoch zu klettern? 

Johannes Willms versucht in seiner Napoleon-Biografie den Menschen hinter dem Mythos zu ergründen. Das gelingt auf weite Strecken. Was mir persönlich ein wenig fehlt, sind die zahlreichen Liebschaften und Affären, die der Kaiser der Franzosen zeitlebens gehabt hat. Maria Walewska zum Beispiel, hat ihm immerhin einen Sohn geboren.

Gut gelungen hingegen ist die Darstellung der Zeit und der Umstände. Willmes hat „dem Volk aufs Maul geschaut“. Geschickt nutzt er die zahlreich erhaltene Korrespondenz Napoleons mit seinen Zeitgenossen. Hierin ist nicht immer Schmeichelhaftes über den „kleinen“ Korsen zu lesen. Apropos „klein“ – die Körpergröße Napoleons ist in der Literatur immer wieder Thema. Napoleon ist mit 1,68m ziemlich durchschnittlich. Da er sich immer mit großen Soldaten umgibt, wirkt er kleiner. Außerdem können auch seine Gegner auf dem Klavier der Propaganda spielen. Auch die unterschiedlichen Längenmaße können zu dieser gezielten Fehlinterpretation führen.  

Spätestens 1804 ist klar, dass Napoleon die Ideale der Republik verraten hat.

„Ich hatte immer schon die Absicht, die Revolution mittels der Errichtung der Erblichkeit zu beenden.“ (Napoleon an Joseph, S. 368) 

Napoleons Herrschaft stützt sich auf die Grande Armée. Ohne seine Soldaten ist er nichts. Allerdings, je mehr Kriege er führt um seine Machtgelüste zu befriedigen, desto größer sind die Anstrengungen der Soldaten. Viele Männer stammen aus den annektierten ehemaligen deutschen Fürstentümern und verstehen überhaupt nicht, warum sie z. B. nach Russland ziehen sollen.

Häufig macht er aus kleinen Ereignissen richtig große Erfolge. Die Propaganda ist sein eigentliches Metier. Wie kein zweiter versteht Napoleon es, die Siege seiner Generäle als die seinen auszugeben. Damit vergrault er einige, wie z. B. Bernadotte, der ihn verlassen wird und als Begründer des schwedischen Königshauses sein Gegner sein wird. 

In der Verbannung auf St. Helena strickt Napoleon munter weiter an seinem Mythos. Gleichzeitig wirkt er weinerlich und nervt seine Bewacher mit dauernden Beschwerden über Kost und Unterbringung. 

Fazit:

Eine gut lesbare Biografie, die sich nicht mit endlosen militärischen Operationen aufhält. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.


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M

Rezension zu "Mirabeau" von Johannes Willms

Chancenloser Visionär der Revolution
michael_lehmann-papevor 2 Jahren

Chancenloser Visionär der Revolution

Kaum einer der Revolutionäre der „ersten Stunde“ hat die französische Revolution überlegt. Doch anders als Robbespiere oder Danton erlag der „Vordenker“ der Revolution, der „Ideologe einer neuen Zeit“, Mirabeau, nicht der Guillotine, sondern starb schlicht und einfach an einer Art Entkräftung. Ein „Leerbrennen“ eines Körpers und Geistes, ein Ankämpfen gegen die destruktiven Wendungen der Revolution, ein Kampf durchaus auch um die Macht, doch um eines „höheren Zieles Willen“, wie Mirabeau wohl selber ausgesagt hätte.

Ein „Ausbrennen“, dass durch Jahre der Haft und ein ausschweifendes Leben vor der selbstgestellten „Lebensaufgabe“ bereits vorweg angelegt war.

„Unter den Revolutionären ist Mirabeau eine Ausnahme….von diesen unterschied er sich auch durch sein Denken und Wollen“.

Älter als die anderen und, vor allem, nicht aus der Emotion heraus angetrieben, sondern bereits im Vorfeld mit überlegtem Konzept, mit einer Idee und einer Vision versehen, wie Frankreich stabil einen Wechsel der Staatsform von der absoluten Monarchie hin zur konstitutionellen Monarchie vollziehen könnte, ungeachtet der Personen. Ein Konzept, dass den Tod Ludwig des XVI. eben nicht zwingend erfordert hätte und das die Zeiten des Chaos und der vielfachen Hinrichtungen ohne Konzept und Klarheit, die tatsächlich folgten, wohl verhindert hätte.

Hier aber kommt zum Tragen, wie Willms hervorragend auf den Punkt formuliert (und im Einzelnen nachzeichnet), was ansonsten eher gegenteilig in der Geschichte gilt:

„Wer zu früh kommt, den bestraft das Leben“.

Inmitten der wogenden Emotionen, der Intrigen, des Blutdurstes und der Rücksichtslosigkeit der anderen Revolutionäre, die sich schon im Vorfeld der Massenhinrichtungen und der gegenseitigen Vernichtung unter den Revolutionären andeutete, hatten die klaren, stringenten, zunächst aber eher mäßigend zu verstehenden Haltungen Mirabeaus einfach keine Chance.

Was dieser nicht hinnahm, wogegen sich Mirabeau mit jeder Faser seiner Person, bis zum letzten seiner Kraft und mit jedweder Strategie der Macht zur Wehr setzte.

Wobei Mirabeau hierbei genauso an den anderen Revolutionären, durchaus aber in starkem Maße auch am König selbst und dessen unerbittlichen Widerstandes gegen jede Form konstruktiver Veränderung scheiterte.

„Ich, als Bürger, zittere um die königliche Gewalt“. Darin drückt sich Mirabeaus feste Überzeugung, dass es nur in einem Miteinander von Reform, Revolution und Monarchie gehen kann, aus. Und, im doppelten Sinne des Satzes, bewahrheitete sich, dass er auch vor der königlichen Gewalt zu zittern gehabt hätte, denn zwischen „Misthaufen und Palast“ war, angesichts der handelnden Personen, kein Ausgleich zu „Lebzeiten Mirabeaus“ möglich.

Selbst auf dem „letzten Schlachtfeld“, 1791 in Bezug auf die Haltung des Klerus zum Staat, scheiterte Mirabeau trotz kluger Argumentation und eifriger Arbeit „hinter den Kulissen“ mit dem Versuch, die „Fronten zu versöhnen“. Daran änderte auch nichts, dass er am 18. Januar 1791 zum „Chef des Bataillons der Pariser Nationalgarde“ in einem Distrikt gewählt wurde. Was nun Mirabeau als Zeichen des Vertrauens zu seiner Mittlerposition wertete, hielten seine Mit-Jakobiner eher für ein „Karnevalskostüm“.

Willms bietet ein detailliertes Lebensbild Mirabeaus in chronologischem Ablauf, verweist auf die prägenden Strömungen der Zeit und Erfahrungen für den „Denker“ eines neuen Frankreichs, führt fundiert den zermürbenden Einsatz für die eigene Vision auf und zeigt ebenso minutiös des schrittweise Scheitern Mirabeaus.

Bis hin zur „Zerschlagung (seiner) Büste“ auf Geheiß Robbespierres, die wie eine sinnbildliche Hinrichtung am Ende des Buches geschildert wird.

Auch wenn der Tonfall durchgehend etwas trocken und zu sehr in Form eines Berichtes angelegt ist, ergibt das Werk eine interessante Lektüre zu Person, Zeit und die Irrungen und Wirrungen der Momente vor der Revolution und der dann jungen Revolution.

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Rezension zu "Gebrauchsanweisung für Frankreich (Piper Taschenbuch)" von Johannes Willms

Macht schlau
Ulenfluchtvor 3 Jahren

Zugegeben, Gebrauchsanweisungen und Bedienungsaleitungen lese ich nicht besonders gerne. Zu gestelzt erscheint immer der Text und zu blöd komme ich mir vor, wenn ich auch beim dritten Mal lesen nichts verstehe. Wie man auf die Idee kommt, eine Buchreihe über Länder und Gegenden "Gebrauchsanweisung für..." zu nennen, ist mir daher schleierhaft. Umso schöner aber, wenn sich dahinter nicht ein reiseführerartiges Büchlein voller Plattitüden verbirgt, sondern eine Sammlung kluger Beobachtungen eines Kulturjournalisten mit Innenansicht.

Wie eine Bedienungsanleitung auch liest sich dieses Buch hier allerdings nicht so einfach. Eine leichte Lektüre für den Sommergarten ist es nicht. Verschachtelt und kunstvoll gestrickt kommt so mancher Satz daher und mehr als nur einige Aspekte unseres Nachbarlandes werden so detailliert und argumentativ hochwertig behandelt, dass man sich manchmal in der schönen Argumentationskette ein bisschen verlieren kann. Dieses Buch zwingt einen zum langsam lesen. Zum nochmal lesen. Und zum nachdenken.

Ich habe selten in einer derartigen Abhandlung, die für ein breites Publikum geschaffen ist, so viele anspruchsvolle Passagen gelesen wie in dieser. Es ist ein sehr schlaues Buch und der Autor genussvoll wortgewandt, wie er dem Leser sein Frankreich näherbringt. Wer sich für das Land interessiert und Vorwissen hat, kann hier fantastische, tiefgründige Lesestunden - nein Lesewochen trifft es eher - verbringen. Es ist zwar kein Buch, das Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, aber aus der Sammlung aller Details erhebt sich doch ein umfassendes und faszinierendes Porträt.

Mon Dieu, was bin ich froh, dass der Titel "Gebrauchsanweisung für Frankreich" irreführend ist. Das hier ist alles, aber keine trockene und unverständliche Bedienungsanleitung. Einen kleinen Charakterzug einer solchen findet sich aber auch hier: Zum Nachschlagen kommt es immer wieder gerne auf den Tisch: Wie war das noch mit der volonté générale, von der die Franzosen selber nichts wissen...?

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