Johannes Willms, Autor, Militärhistoriker und profunder Kenner Napoleon Bonapartes, zeigt in diesem Buch die zahlreichen Gründe auf, warum es im Juni 1815 in der Nähe der kleinen Ortschaft Waterloo 15 km südlich von Brüssel, zum letzten Showdown zwischen Napoleons Armeen und den alliierten Truppen gekommen ist.
Dazu muss er ein wenig ausholen und erklärt die Situation in insgesamt neun Kapiteln:
- Elba
- Der vol d’aigle
- Der Kongress tagt
- L’Empire libéral
- Der Krieg im Sandkasten
- Der Tanz beginnt
- Ligny und die siegreiche Niederlage
- Waterloo: Eine Schlacht in fünf Akten
- Gewinner und Verlierer
Ein Großteil seiner Ausführungen widmet der Autor dem historischen Umfeld. Nach fast 25 Jahren Krieg in Europa sind sowohl die Monarchien als auch die Staatskassen erschöpft. Der Vorschlag Zar Alexanders, Napoleon nach der verlorenen Völkerschlacht bei Leipzig 1813 auf die kleine Mittelmeerinsel Elba zu verbannen, wird von den anderen Verbündeten kritisch gesehen: Zu nahe an Italien und vor allem zu nahe an Frankreich, wo man noch zahlreiche Fans vermutet. Briten, Preußen und Österreicher wollen in auf der Atlantikinsel St. Helena wissen, können sich gegen den Zaren nicht durchsetzen, der Napoleon mehr oder weniger heimlich bewundert.
Während in Wien auf dem diplomatischen Parkett die neue alte Weltordnung diskutiert wird, Frankreich de facto kaum Mitspracherecht hat, schafft Napoleon wieder Tatsachen. Doch anders als er geglaubt hat, stehen nicht mehr alle Franzosen zu ihm. Selbst ehemalige Kampfgefährten und Minister wenden sich von ihm ab. So muss Napoleon mangels Alternativen den verhassten Joseph Fouché, der sein Mäntelchen geschickt abermals in den Wind hängt, zum Polizeiminister ernennen, der im Bewusstsein, dass Napoleons neuerliche Herrschaft begrenzt sein wird, sogleich damit beginnt, die abermalige Rückkehr des geflohenen Bourbonenkönigs Louis XVIII., vorzubereiten.
Letztlich führen zahlreiche taktische Fehler und Fehlgriffe bei den Generälen (z.B. Marschall Ney), mangelnde Aufklärung, schnell zusammengewürfelte Truppen sowie maßlose Selbstüberschätzung zu dem Desaster, das ihm letztlich die Verbannung auf die Insel St. Helena einbringen wird.
Johannes Willms schildert die vielen Puzzlesteine, die zur endgültigen Niederlage Napoleons geführt haben. Dabei spart er auch die mehr oder wenig offenen Animositäten zwischen den Alliierten nicht aus. So heftet sich der Herzog von Wellington den Sieg über die Franzosen an seine eigene Brust und besteht darauf, die Schlacht „Waterloo“ zu nennen, während Preußen sie nach dem Gehöft „Belle Alliance“ benannt haben wollen. Warum sich bei der Benennung einer Schlacht die Differenzen zwischen Großbritannien und Preußen so offenbaren? Hier geht Willms auf die unterschiedlichen Charaktere von Wellington und dem preußischen General Blücher ein. Während Blücher, der ausschließlich Militarist, seinem Spitznamen „General Vorwärts“ gerecht wird, ist Wellington nicht nur Soldat, sondern auch Politiker, der seine Handlungen auch in diese Richtung abwägt (Natürlich hat er seinen eigenen Vorteil im Blick.).
Conclusio: Napoleons Herrschaft der 100 Tage (die eigentlich „nur“ 94 Tage dauert) endet mit einem weitreichenden Desaster, die noch Jahre danach spürbar sind. Der große Verlust von Menschenleben ist das eine. Die militärische Niederlage, das außenpolitisch-diplomatische Debakel und die finanzielle Katastrophe (mussten doch für einige Jahre die deutsche Besatzung verpflegt werden) führen zu einem abermaligen Riss in der französischen Gesellschaft, der sich durch Säuberungsaktionen, politische Prozesse und einer Lynchjustiz manifestieren, die vor allem im Süden Frankreichs für weitere Opfer sorgt, das andere.
Wer sich für Napoleons letzte Schlacht interessiert, kommt an diesem Buch, das zahlreiche Abbildungen sowie Faksimile der Karten der Truppenbewegungen sowie ein ausführliche Personenregister enthält, nicht vorbei. Als Ergänzung kann ich noch Johannes Willms‘ Buch “Der Mythos Napoleon: Verheißung - Verbannung - Verklärung“ empfehlen.
Fazit:
Diesem Buch, das sich ausführlich mit den Gründen, die zu Napoleons letzter Schlacht geführt haben, beschäftigt, gebe ich gerne 5 Sterne.

















