Johannes Willms

 3,7 Sterne bei 38 Bewertungen
Autor*in von Tugend und Terror, Louis XIV und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Johannes Willms, Jahrgang 1948, war Historiker und Journalist. Er leitete die Redaktion ›aspekte‹ beim ZDF und war Feuilletonchef der ›Süddeutschen Zeitung‹, für die er später als Kulturkorrespondent aus Paris berichtete. Er hatte zahlreiche Werke zur deutschen und französischen Geschichte vorgelegt, zuletzt ›Der Mythos Napoleon. Verheißung, Verbannung, Verklärung‹. Johannes Willms galt als »fraglos einer der anregendsten historischen Publizisten dieser Republik« (Volker Ullrich/Die Zeit, Hamburg). Er ist am 12. Juli 2022 in München gestorben.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Johannes Willms

Cover des Buches Louis XIV (ISBN: 9783406800672)

Louis XIV

(4)
Erschienen am 12.05.2023
Cover des Buches Tugend und Terror (ISBN: 9783406838736)

Tugend und Terror

(4)
Erschienen am 03.09.2025
Cover des Buches Talleyrand (ISBN: 9783406645587)

Talleyrand

(3)
Erschienen am 12.02.2013
Cover des Buches Waterloo (ISBN: 9783406818868)

Waterloo

(3)
Erschienen am 08.03.2024
Cover des Buches Der Mythos Napoleon (ISBN: 9783608963717)

Der Mythos Napoleon

(3)
Erschienen am 12.09.2020
Cover des Buches Mirabeau (ISBN: 9783406704987)

Mirabeau

(3)
Erschienen am 09.02.2017
Cover des Buches Napoleon (ISBN: 9783406816963)

Napoleon

(3)
Erschienen am 17.03.2025
Cover des Buches Gebrauchsanweisung für Frankreich (ISBN: 9783492954495)

Gebrauchsanweisung für Frankreich

(3)
Erschienen am 13.08.2012

Neue Rezensionen zu Johannes Willms

Cover des Buches Waterloo (ISBN: 9783406676598)
Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Waterloo" von Johannes Willms

Bellis-Perennis
Waterloo - Napoleons letzte Schlacht: detailliert und schonungslos erklärt

Johannes Willms, Autor, Militärhistoriker und profunder Kenner Napoleon Bonapartes, zeigt in diesem Buch die zahlreichen Gründe auf, warum es im Juni 1815 in der Nähe der kleinen Ortschaft Waterloo 15 km südlich von Brüssel, zum letzten Showdown zwischen Napoleons Armeen und den alliierten Truppen gekommen ist. 

Dazu muss er ein wenig ausholen und erklärt die Situation in insgesamt neun Kapiteln: 

  1. Elba
  2. Der vol d’aigle
  3. Der Kongress tagt
  4. L’Empire libéral
  5. Der Krieg im Sandkasten
  6. Der Tanz beginnt
  7. Ligny und die siegreiche Niederlage 
  8. Waterloo: Eine Schlacht in fünf Akten
  9. Gewinner und Verlierer

 

Ein Großteil seiner Ausführungen widmet der Autor dem historischen Umfeld. Nach fast 25 Jahren Krieg in Europa sind sowohl die Monarchien als auch die Staatskassen erschöpft. Der Vorschlag Zar Alexanders, Napoleon nach der verlorenen Völkerschlacht bei Leipzig 1813 auf die kleine Mittelmeerinsel Elba zu verbannen, wird von den anderen Verbündeten kritisch gesehen: Zu nahe an Italien und vor allem zu nahe an Frankreich, wo man noch zahlreiche Fans vermutet. Briten, Preußen und Österreicher wollen in auf der Atlantikinsel St. Helena wissen, können sich gegen den Zaren nicht durchsetzen, der Napoleon mehr oder weniger heimlich bewundert.  

Während in Wien auf dem diplomatischen Parkett die neue alte Weltordnung diskutiert wird, Frankreich de facto kaum Mitspracherecht hat, schafft Napoleon wieder Tatsachen. Doch anders als er geglaubt hat, stehen nicht mehr alle Franzosen zu ihm. Selbst ehemalige Kampfgefährten und Minister wenden sich von ihm ab. So muss Napoleon mangels Alternativen den verhassten Joseph Fouché, der sein Mäntelchen geschickt abermals in den Wind hängt, zum Polizeiminister ernennen, der im Bewusstsein, dass Napoleons neuerliche Herrschaft begrenzt sein wird, sogleich damit beginnt, die abermalige Rückkehr des geflohenen Bourbonenkönigs Louis XVIII., vorzubereiten. 

Letztlich führen zahlreiche taktische Fehler und Fehlgriffe bei den Generälen (z.B. Marschall Ney), mangelnde Aufklärung, schnell zusammengewürfelte Truppen sowie maßlose Selbstüberschätzung zu dem Desaster, das ihm letztlich die Verbannung auf die Insel St. Helena einbringen wird.  

Johannes Willms schildert die vielen Puzzlesteine, die zur endgültigen Niederlage Napoleons geführt haben. Dabei spart er auch die mehr oder wenig offenen Animositäten zwischen den Alliierten nicht aus. So heftet sich der Herzog von Wellington den Sieg über die Franzosen an seine eigene Brust und besteht darauf, die Schlacht „Waterloo“ zu nennen, während Preußen sie nach dem Gehöft „Belle Alliance“ benannt haben wollen. Warum sich bei der Benennung einer Schlacht die Differenzen zwischen Großbritannien und Preußen so offenbaren? Hier geht Willms auf die unterschiedlichen Charaktere von Wellington und dem preußischen General Blücher ein. Während Blücher, der ausschließlich Militarist, seinem Spitznamen „General Vorwärts“ gerecht wird, ist Wellington nicht nur Soldat, sondern auch Politiker, der seine Handlungen auch in diese Richtung abwägt (Natürlich hat er seinen eigenen Vorteil im Blick.).  

Conclusio: Napoleons Herrschaft der 100 Tage (die eigentlich „nur“ 94 Tage dauert) endet mit einem weitreichenden Desaster, die noch Jahre danach spürbar sind. Der große Verlust von Menschenleben ist das eine. Die militärische Niederlage, das außenpolitisch-diplomatische Debakel und die finanzielle Katastrophe (mussten doch für einige Jahre die deutsche Besatzung verpflegt werden) führen zu einem abermaligen Riss in der französischen Gesellschaft, der sich durch Säuberungsaktionen, politische Prozesse und einer Lynchjustiz manifestieren, die vor allem im Süden Frankreichs für weitere Opfer sorgt, das andere.  

Wer sich für Napoleons letzte Schlacht interessiert, kommt an diesem Buch, das zahlreiche Abbildungen sowie Faksimile der Karten der Truppenbewegungen sowie ein ausführliche Personenregister enthält, nicht vorbei. Als Ergänzung kann ich noch Johannes Willms‘ Buch “Der Mythos Napoleon: Verheißung - Verbannung - Verklärung“ empfehlen. 

Fazit:

Diesem Buch, das sich ausführlich mit den Gründen, die zu Napoleons letzter Schlacht geführt haben, beschäftigt, gebe ich gerne 5 Sterne.

 

Cover des Buches Tugend und Terror (ISBN: 9783406669361)
Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Tugend und Terror" von Johannes Willms

Bellis-Perennis
„Terror ist nichts anderes als Gerechtigkeit, prompt, sicher und unbeugsam.“ (Robespierre)

In seinem epochalen und fulminanten Werk über die Geschichte der Französischen Revolution, die häufig nur mit dem 14. Juli 1789 in Zusammenhang gebracht wird, widmet sich Historiker Johannes Willms (1948-2022) in fünf Abschnitten, die jeweils in fünf Kapitel unterteilt sind, den Ursachen und den Auswirkungen der Ereignisse. 

  • Prolog
  • Die Krise
  • Die Revolution
  • Der Machtkampf
  • Die Schreckenszeit
  • Die Schreckenszeit
  • Epilog 

Mit seiner beeindruckenden analytischen Darstellung der Vorgeschichte, der eigentlichen Revolution sowie der Jahre der Machtkämpfe, die letztlich 1799 zum Staatsstreich durch einen korsischen Clan, an dessen Spitze mit Napoloen Bonaparte, ein General steht, endet, legt Johannes Willms ein detailliertes Kompendium der Ereignisse vor. 

Allerdings ist dieses Buch nicht für Zwischendurch. Langsames Lesen ist hier gefragt, zumal der Autor zahlreiche Bezeichnungen und Zitate in der französischen Originalsprache belässt, was häufig die Zuhilfenahme einer Übersetzungshilfe notwendig macht. 

Nicht ausgespart wird, dass es in dieser Zeit keine Parteien, wie wir sie heute kennen, gegeben hat, sondern lediglich Klubs, wie Girondisten, Jakobiner, Montagnards, Hébertisten, Royalisten, Cordeliers usw. die sich heftige Machtkämpfe geliefert haben. Man ist versucht, sich die Protagonisten fast aufzuzeichnen, um sie auseinanderhalten zu können. Vor allem auch deswegen, weil manche Personen, die der einen oder anderen Gruppe zuzurechnen sind, trotz mehrmaligen Seitenwechsels ihren Kopf behalten - wie Joseph Fouché, Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord, Paul Barras oder Stanislas Fréron. Sie alle werden später noch Einfluss auf Frankreich nehmen. 

Obwohl es zum besseren Verstehen der Ereignisse notwendig ist, die Institutionen der Revolutionsregierung(en) und deren Intentionen zu kennen, ist die Fülle der Details doch für manchen Leser vermutlich erschreckend. So wird detailreich der lange Weg, der durch blutige Massaker gekennzeichnet ist, dargestellt. Im Namen des Volkes werden unsägliche Verbrechen begangen, die letztlich in der Hinrichtung von Maximilien Robespierre (28.7.1794) und seinen Anhängern einen schrecklichen Höhepunkt wird.   

"Wenn die Tugend in Friedenszeiten allein die Kraft der demokratischen Regierung ausmacht, so gilt für eine Revolution, dass sich diese Kraft gleichermaßen aus der Tugend und dem Terror speist: OHne die Tugend ist der Terror verderblich und ohne Terror ist die Tugend ohnmächtig. der Terror ist nicht anders als die rasche, strenge und unbeirrbare Justiz. Der Terror ist somit ein Ausfluss der Tugend." (Robespierre, 5. Februar 1794)

Ebenso detailliert wie auf die Innenpolitik geht Johannes Willms auch auf die außenpolitische Situation Frankreichs ein. Jener Mann, mit dem es gelingt, einen der innenpolitischen Aufstände (Toulon 1793) niederzuschlagen, wird in Zukunft eine große außenpolitische Rolle spielen: Napoleon Bonaparte.  

Worauf Johannes Willms überhaupt nicht eingeht, ist die Rolle der Frauen. Die einzige Frau die erwähnt wird, ist Marie Antoinette. Kein Wort zu Olympe de Gouges, Madame Roland, Charlotte Corday, Madame de Staël, Élélonore Duplay oder Lucille Desmoulins - sie alle haben ihren Anteil der Revolution. Bis auf Madame de Staël und Éléonore Duplay sind die zuvor Genannten hingerichtet worden. 

Was mir auch noch aufgefallen ist: Johannes Willms stimmt in den Chor jener ein, die Robespierre als Usupator des großen Blutvergießens sehen. Neuere Forschungen scheinen hier ein etwas anderes Bild zeichnen zu wollen.   

Die Revolutionäre haben dem Volk „Tugend“ versprochen, bekommen hat es „Terror“. Die großen Verlierer sind alle jene, die ihren Kopf sowie ihre Besitzungen verloren haben, diejenigen, die sich eine Verbesserung des Lebensunterhalts erhofft, aber nicht erhalten haben und vor allem die Frauen, für die Gleichheit in der Revolutionsparole „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ nur für den Gang zur Guillotine gegolten hat.  

Fazit: 

Eine detaillierte Darstellung der blutigen Jahre der Französischen Revolution, der ich gerne 5 Sterne gegeben hätte. Wegen der fehlenden Sicht auf die beteiligten und betroffenen Frauen ziehe ich einen wieder ab, daher 4 Sterne.

Cover des Buches Louis XIV (ISBN: 9783406800672)
K

Rezension zu "Louis XIV" von Johannes Willms

kurti66
Abfallprodukt aus Willms' Archiv?

"Kein anderer deutscher Historiker hat ein so reiches Oeuvre zur Geschichte Frankreichs vorgelegt wie Johannes Willms" heißt es im Klappentext der 2023 erschienenen Biographie zum berühmtesten König Frankreichs, Ludwig XIV (warum ihn Willms als 'Louis XIV Quatorze' seinem deutschen Publikum präsentiert, wird sein Geheimnis bleiben). Das ist wohl korrekt und viele seiner früheren Werke - vor allem seine viel beachtete Napoleon-Biographie - sind durchaus lesenswert und auch dem historischen Laien zu empfehlen. Leider gilt das nicht für dieses sein Spätwerk (Willms starb 2022). Über 460 Seiten wird hier versucht, Ludwigs Leben, seinen steinigen Weg und Aufstieg zum absolutistischen Sonnenkönig, seine Herrschaft im permanenten Kriegszustand mit ganz Europa und Frankreichs langsamen Abstieg von einer Superpower zum ruinierten Staat darzustellen. Aber dabei verzettelt er sich in langatmiger Faktenhuberei und strapaziert die Geduld des geneigten Lesers. In Willms' Schilderung  von Ludwigs Kampf gegen die 'Fronde' (einer gegen den Absolutismus gerichteten Bewegung des frz. Hochadels)  zu Beginn seiner Herrschaft gibt es keinen roten Faden, Fakten werden in chronologischer Reihenfolge breitgetreten und am Ende muss man sich die essentiellen Informationen in Wikipedia nochmals durchlesen, um zu verstehen, was überhaupt geschehen ist.  Und so geht es weiter: ob zur Entstehungsgeschichte von Versailles, dem Pfälzischen oder Spanischen Erbfolgekrieg oder der dynastischen Heiratspolitik der Bourbonen:  Willms verbreitet emotionslose Langeweile und Unordnung. Selbst die Schilderung von Ludwigs Mätressenwirtschaft   lässt den Leser - durch die Einführung zu vieler Akteure innerhalb weniger Seiten - verwirrt zurück. Man hat im Laufe der Lektüre den Eindruck, dass dieses Werk ein verunglücktes Kompendium aus Versatzstücken zu Forschungen von Willms'  früheren Werken ist.   Hinzu kommt, dass Willms keinerlei Sympathien für den Sonnenkönig entwickelt. Ganz im Gegenteil: er schildert ihn als Egomanen und Kriegsverbrecher, der buchstäblich über Leichen geht und Emotionen nur innerhalb der eigenen Familie, d.h. gegenüber seinen zahlreichen legitimen und vor allem illegitimen Kindern entwickelt. Heute wäre er ein Fall für den Psychiater und das Haager Kriegstribunal. Dass er Frankreich  nachhaltig für Jahrhunderte ruiniert hat ist ein weiterer Punkt, der von Willms betont wird.  Das stimmt zwar alles. Aber der Autor bringt die Message als zähen Literaturbrei rüber.   Eine Enttäuschung...  

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