John Ball

 4.2 Sterne bei 20 Bewertungen
Autor von In der Hitze der Nacht, Das Jadezimmer und weiteren Büchern.

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In der Hitze der Nacht

In der Hitze der Nacht

 (9)
Erschienen am 01.09.1999
Nicht schießen Johnny

Nicht schießen Johnny

 (2)
Erschienen am 01.01.1970
Totes Zebra zugelaufen

Totes Zebra zugelaufen

 (1)
Erschienen am 01.01.1967
Fräulein Tausend-Frühlings-Blüten

Fräulein Tausend-Frühlings-Blüten

 (1)
Erschienen am 01.01.1976
In der Hitze der Nacht

In der Hitze der Nacht

 (1)
Erschienen am 01.03.2006

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Rezension zu "Nicht schießen Johnny" von John Ball

Johnny Get Your Gun
Stefan83vor 6 Jahren

John Ball legt mit „Nicht schießen, Johnny!“ den bereits dritten Band aus der Reihe um den schwarzen Detective Virgil Tibbs vor. Vier Jahre nach dem Edgar Award prämierten Erstling „In der Hitze der Nacht“ spielt auch diesmal das Thema Rassismus eine größere Rolle. Eingebettet in eine Handlung, die in seinem Verlauf heute noch genauso aktuell daherkommt, wie zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 1969, den Spannungsaufbau allerdings weit weniger überzeugend bewältigt, wie seine beiden Vorgänger.

Kurz zum Inhalt: Als Virgil Tibbs zu seinem neuesten Tatort gerufen wird, traut er seinen Augen kaum. Alle Indizien sprechen dafür, dass es sich bei dem Mörder eines toten schwarzen Jungen um Johnny McGuire handelt. Selbst gerade mal neun Jahre alt. Und nun auf der Flucht vor der Polizei. In seinem Besitz der Colt seines Vaters, den er geklaut hatte, um die Zerstörung seines Radios zu rächen. Für die schwarze Gemeinde in Pasadena ist das endlich der Vorwand, auf den man gewartet hat. Überall branden Rassenunruhen auf, wird zur Jagd auf den Jungen aufgerufen. Für Tibbs, der als einziger Zweifel an der Schuld von Johnny hat, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit …

„Nicht schießen, Johnny!“ ist eins dieser Bücher, die man nach Beendigung relativ schnell wieder vergessen hat. Und auch eine zugehörige Rezension fällt kurz aus bzw. gestaltet sich vergleichsweise einfach, bietet Ball doch auf gerade mal 160 (vielleicht gekürzten?) Seiten in erster Linie altbekannte Kost, welche zwar immer noch essbar ist, die richtige Würze aber vermissen lässt. Steril, kalt, berechnend wirkt hier der Plot, dessen moralische Keule irgendwie zum Selbstzweck verkommen ist und streckenweise haarscharf am Seifenoper-Niveau vorbeischrammt. Wo der Autor in „In der Hitze der Nacht“ noch der Spagat zwischen Spannungsroman und Gesellschaftskritik gelungen ist, die Balance stets stimmte, wird dem Leser diesmal in vielen Passagen ein regelrechter Vortrag über das Gute und das Böse gehalten, wodurch die Handlungen und Schicksale der Protagonisten in den Hintergrund geraten.

So kühn die Idee ist, Ende der 60er Jahre auch den Rassismus der Schwarzen gegenüber den Weißen zu thematisieren, so wenig glaubhaft ist letztlich die Umsetzung. Da hilft es dann auch nicht, wenn man diesen Punkt immer wieder aufgreift, zumal Tibbs als schlichtender Vermittler völlig fehl am Platz ist. Seine Charakterentwicklung hat Ball überhaupt brach liegen lassen. Nur an wenigen Stellen des Romans blitzt dessen Holmsche Genialität auf, erweist sich der schwarze Ermittler als würdige Hauptfigur. Ansonsten bleibt sein Auftritt über weite Strecken arg blass. Und auch das kitschige Ende im Stadion passt letztlich so gar nicht zu dem kühlen, ruhigen Detective, den Sidney Poitier derart grandios und charismatisch auf der Leinwand verkörpert hat.

Insgesamt kommt „Nicht schießen, Johnny“ über viele gute Ansätze nicht hinaus. Virgil Tibbs dritter Auftritt ist, selbst für Freunde der Reihe, vernachlässigbar und bietet allenfalls kurzweilige Unterhaltung.

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Rezension zu "Das Jadezimmer" von John Ball

Zurück zu den Wurzeln
Stefan83vor 6 Jahren

„Zurück zu den Wurzeln“, heißt es für John Ball in seinem vierten Roman um den schwarzen Detektiv Virgil Tibbs, dem Sidney Poitier in dem Oscar-prämierten Film „In der Hitze der Nacht“ ein Gesicht gegeben hat. Trotz des durchaus realistisch gezeichneten US-Polizei-Milieus – die Einfuhr illegaler Drogen in den Sonnenstaat Kalifornien steht im Mittelpunkt des Romans – zeigt sich „Das Jadezimmer“ ganz der klassischen Tradition des Whodunits verpflichtet: Ein verwirrender Mordfall im Kreise chinesischer Einwanderer. Eine mysteriöse Zeugin gemischtrassiger Herkunft. Und eine ganze Reihe von Spuren, die sich sowohl in die eine, wie auch in die andere Richtung deuten lassen.

Obwohl im heißen Westen der USA angesiedelt, verströmt „Das Jadezimmer“ bei der Lektüre schon fast englische Atmosphäre, was schlichtweg daran liegt, dass Tibbs in seinem Verhalten und den Ermittlungsmethoden den Kollegen Poirot, Holmes oder Maigret mehr ähnelt als Sam Spade oder Philip Marlowe. Der schwarze Detektiv bleibt stets Gentleman, selbst in Situationen, wo seine amerikanischen Hardboiled-Kollegen weit weniger skrupellos reagieren würden. Und auch das Tempo der Handlung bleibt bestenfalls gemächlich, damit der Leser, dieselben Indizien wie auch der Protagonist zur Hand, durchgehend auf Augenhöhe bleibt, um dem genialen Detektiv in der Lösung des Falls zuvorkommen zu können. Das ihm das wohl in den seltensten Fällen gelingt, ist ein Beweis für die Fähigkeiten Balls, der immer wieder falsche Spuren legt und gleich einem Taschenspieler mit Tricks die Aufmerksamkeit in eine ganz andere Richtung lenkt. Dabei nimmt sich der Autor auch manchmal nicht ganz so ernst. So wird Tibbs im Verlauf des Romans mehrmals auf den oben genannten Film angesprochen oder mit dem auf Hawaii pensionierten Ex-Detektiv Charlie Chan verglichen.

Solche augenzwinkernden Hommagen an die Goldene Ära des Kriminalromans lockern die Handlung etwas auf, welche ansonsten schon ein wenig Staub angesetzt hat. Virgil Tibbs ist in seinen formvollendeten Manieren an einigen Stellen kaum noch glaubhaft. Und auch die allseitige Bewunderung nimmt mitunter fast groteske Züge an. Das er gut ist, soll der Ermittler doch bitte bei seinen Nachforschungen zeigen – so etwas muss nicht allenthalben an jeder Ecke wiederholt und betont werden.

Ball hat in „Das Jadezimmer“ die Chance vertan, der seit „Totes Zebra zugelaufen“ etwas eingefahrenen Reihe mehr Esprit zu verleihen. Er wagt einfach zu wenig Experimente, ist in seinen Schilderungen für die frühen siebziger Jahre kaum noch zeitgemäß. So werden Vietnam-Krieg und Hippie-Bewegung nur in Nebensätzen erwähnt, die im Erstling noch beherrschende Thematik der Rassenunruhen allenfalls noch angeschnitten. Tibbs Mitleid für die vielen Drogensüchtigen mag gut gemeint sein, wirkt aber im Angesicht des rauen Alltags eines Polizisten einfach nicht glaubhaft. Kurzum: Tibbs ist auf einer Stufe angekommen, wo er mir zu perfekt wird, was ihn letztlich dann sogar langweilig macht.

Über den Mordfall selbst mag man sich streiten. Freunde des Rätselkrimis werden hier jedenfalls voll auf die Kosten kommen, wohingegen Anhänger des düsteren Noirs sich schon bei der Mordwaffe, einem verzierten Dolch aus Jade, winden dürften. Chandler hätte dazu wohl bemerkt:

„Wozu brauchen wir noch orientalische Messerwerfer, wenn die Technik des In-den-Rückenschießens so perfekt entwickelt ist? Wozu heimatlose Abenteurer und chinesische Unholde, wenn jeder Provinz Unternehmer, jeder Lobbyist so viel spannendere Dinger drehen kann? Was soll uns der geheimnisvolle Bandenchef in Soho, wenn akademisch gebildete Massenmörder jahrelang unerkannt unter uns wohnen?“

Ich bin der Ansicht, dass ein bisschen mehr Chandler der Geschichte ganz gut getan hätte, die sich ansonsten äußerst gefällig liest und logisch zu Ende gebracht wird. Ein solider, guter Kriminalroman, der in Punkto Charakterentwicklung aber nichts Neues bietet und die Qualität des überragenden Erstlings nicht mehr erreicht.

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Rezension zu "Totes Zebra zugelaufen" von John Ball

Die Nackten und der Tote
Stefan83vor 7 Jahren

Ein Jahr nach dem Edgar Award prämierten Kriminal-Debütroman „In der Hitze der Nacht“ ließ John Dudley Ball seinen zweiten Band aus der Reihe um den schwarzen Detektiv Virgil Tibbs aus Pasadena folgen. „Totes Zebra zugelaufen“, so der deutsche Titel, brachte es hierzulande nur zu einer Veröffentlichung im Jahre 1967 beim Ullstein Verlag. Danach verschwand der Titel, wie auch die meisten restlichen Werke John Balls, komplett vom deutschen Büchermarkt. Selbst die Hoffnung, dass im Rahmen der Fischer Crime Classics Reihe einer der Bände eine Neuausgabe erfahren würde, währte schließlich, wie auch die Reihe selbst, nicht lange. Wer also gern heutzutage chronologisch die Fälle von Virgil Tibbs lesen möchte, muss weiterhin antiquarisch suchen. Aber diese Suche lohnt – ganz sicher.

„Totes Zebra zugelaufen“ führt uns in die kalifornische Nudisten-Kolonie „Sun Valley Lodge“ Mitte der 60er Jahre. Dort ist ein fremder Mann nackt im Schwimmbecken aufgefunden worden. An sich nichts Ungewöhnliches an diesem Ort, nur ist dieser „Badegast“ tot und treibt mit dem Rücken nach oben. Ein Mord ist mehr als wahrscheinlich, wobei sich der Täter alle Mühe gegeben hat, eine Identifizierung zu erschweren, denn neben neben der Kleidung wurde ihm gleich auch noch das Gebiss entwendet. Nur soviel ist klar. Der Unbekannte ist kein Mitglied der Kolonie, sondern ein „Zebra“. (Um die Hüften herum ist er weiß, sonst braun. Bei einem Nudist fehlen diese Streifen.) Für den ortsansässigen Sheriff ist dies ein mysteriöses Rätsel. Er zieht sogleich Virgil Tibbs von der Mordkommission zurate, der sich nicht nur aufgrund seiner Hautfarbe zwischen all diesen weißen Sonnenanbetern ziemlich fehl am Platz fühlt. Besonders die Nacktheit einer äußerst attraktiven Zeugin macht ihm sichtlich zu schaffen. Schnell kommt der sonst so kühle Denker ins schwitzen, zumal die Suche nach der Identität der Leiche ebenfalls früh in einer Sackgasse zu enden scheint. Bis schließlich ein Landpolizist der kalifornischen Polizei einen wichtigen Hinweis gibt und Tibbs damit auf die richtige Spur gebracht wird ...

Nein, die Intensität und Wirkung des Erstlings erreicht „Totes Zebra zugelaufen“ leider nicht. Ein überdurchschnittlich guter Krimi ist er aber dennoch, was gleich mehrere Gründe hat. John Ball beweist auch diesmal viel Mut und scheut sich nicht vor Konfliktthemen. Nachdem es sein Schützling Virgil Tibbs zuvor noch mit rassistischen Cops im kleinen Südstaatenkaff Wells zu tun hatte, sieht er sich nun anderweitig ausgegrenzt. Seine Hautfarbe ist dabei weniger von Belang, als vielmehr die Tatsache, dass er sich angezogen auf dem Gebiet der Nackten bewegt. Ball, selbst einen großen Teil seines Lebens lang Nudist, führt der Gesellschaft hier geschickt, pointiert und mit viel Witz ihr falsches Denken vor, ohne groß mit der Moralkeule zu schwingen. Zwischen dem schwarzen Cop und den weißen Nudisten besteht, und das müssen beide Seiten schnell feststellen, eine schon fast ironische Gemeinsamkeit. Beide werden, der eine wegen der Hautfarbe, die anderen wegen ihres Lebensstils, abfällig beäugt. Das Intelligenz, Kompetenz und Charakterstärke aber vom äußeren Schein unabhängig sind, kann Tibbs erneut brillant unter Beweis stellen.

Auffällig ist dabei hier, dass er sich der Unterstützung der ortsansässigen Polizei sicher sein kann, welche die Fähigkeiten des schwarzen Ermittlers schätzt und sich auch nicht schämt, ihre eigene Unkenntnis einzugestehen. Hier ist er nicht einfach nur Virgil, sonder Mr. Tibbs. Geachtet und anerkannt, nimmt er sich in bester Holmes-Manier des Falles an, wobei der Leser (wie die Leiche) direkt zu Beginn ins kalte Wasser geworfen wird. Ball hält sich nicht allzu lang mit einer großen Einführung auf, sondern lässt den Detective mittels Deduktion und Kombinationsgabe wichtige Indizien noch am Tatort entschlüsseln. Während man selbst noch irritiert über Gründe und Motive rätselt, scheint Tibbs bereits sein Netz enger um den Täter zu ziehen. Es ist die große Stärke dieses Autors, die Genialität seines Ermittlers herauszustellen, obwohl der Leser, dem die gleichen Hinweise zur Verfügung stehen, völlig im Dunkeln tappt. Ob man will oder nicht. Staunend sieht man Tibbs bei der Arbeit über die Schulter. Und obwohl das Buch (das in der Fassung von Ullstein wohl wieder einige Kürzungen erfahren musste) gerade mal knapp 160 Seiten umfasst, und damit ein wenig mehr Umfang als eine Kurzgeschichte hat, fesselt der Plot von Beginn, überzeugt Ball mit Sprachstil und detaillierten Beschreibungen, die uns das Kalifornien der 60er Jahre vor den Augen wiedererstehen lassen. Krimikenner mit dem genauen Blick werden übrigens dabei erkennen, dass sich hier eine gewisse Entwicklung von klassischen „Whodunit“ zum „Police Procedural“ vollzieht, den vor allem Ed McBain seit Mitte der 50er aus der Taufe gehoben hatte.

Insgesamt ist „Totes Zebra zugelaufen“ der würdige Nachfolger eines großartigen erstens Bands, der zwar dessen Qualität nicht ganz erreicht, aber mit einem intelligenten, sehr scharfsinnigen Plot unterhält und neben dem eigentlichen Mordfall noch eine ganze Menge Tiefgang mitliefert. Ein kurzes, aber lohnendes Lesevergnügen, das, zumindest derzeit, zu moderaten Preisen aus zweiter Hand zu bekommen ist.

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John Ball wurde am 08. Juli 1911 in Vereinigte Staaten von Amerika geboren.

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