John Banville Im Lichte der Vergangenheit

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Inhaltsangabe zu „Im Lichte der Vergangenheit“ von John Banville

Alex Cleave hat seine besten Jahre als Schauspieler hinter sich, er trauert noch immer um seine Tochter Cass, die zehn Jahre zuvor Selbstmord begangen hat, und auch die Beziehung zu seiner Frau Lydia ist nicht mehr von Leidenschaft geprägt. Da bekommt er das Angebot, die Hauptrolle in einem Film über den mysteriösen Kritiker Axel Vander zu spielen - und ahnt nicht, wie viel diese Figur mit ihm selbst zu tun hat. Er versinkt in Erinnerungen an den Sommer, in dem er als 15-Jähriger die Liebe entdeckte - mit der Mutter seines besten Freundes Billy Gray - und an dessen Ende die Familie Gray die Stadt verließ. Bald muss er sich fragen, was Erinnerung ist und was Erfindung - um am Ende eine Entdeckung zu machen, die alles verändert. John Banville, dessen erstrangiges literarisches Werk weltweit von der Kritik gefeiert wird und vielfach ausgezeichnet wurde, erweist sich in diesem Roman einmal mehr als Meister der poetischen und klugen Reflexionen über Erotik, Freundschaft und Verlust. Ein Roman, der den Leser mitnimmt auf eine Reise durch die Ungewissheit.

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    Im Lichte der Vergangenheit

    michael_lehmann-pape

    09. April 2014 um 09:41

    Sprachlich überzeugend „Was mich an dieser Bewegung auf dem Kirchhof so sehr berührt hat war – neben der primitiven Erregung – das Gefühl, dass mir ein kurzer Blick in die Welt des Weiblichen schlechthin gewährt worden war, dass ich, und sei´s auch nur ein paar Sekunden lang, Zutritt hatte zu dem großen Geheimnis“. Eine Sprache, die umgehend Emotionen mitschwingen lässt, die im Leser (nicht nur im männlichen) eigene Erfahrungen, alte Gefühle, erotische „Geheimnisse“ erinnert. Wobei es damals für Alex, den Protagonisten des Buches, bei den paar Sekunden nicht geblieben ist. Dieses kurze Aufwehen des Rockes der Fahrradfahrenden Frau, die dem heranwachsenden Alex einen Blick auf die seidene Unterwäsche ermöglicht hat. Nicht zu knapp verschwimmen die Erinnerungen bereits hier, zu Beginn, beim nun dem Alter entgegen gehenden Mann. War das wirklich die Mutter seines Freunde, die er dort das erste Mal als begehrenswertes Weib gesehen hatte? Oder irgendeine andere Frau? Ein Verschwimmen, das im Übrigen auch andere Teile seiner Erinnerung und Geschichte begleiten wird. Aber, soviel steht fest, als damals 15jähriger hatte er eine direkte und klare Affäre mit der Mutter seines besten Freunde (oder?). Was ihn seinen Freund kostete und einen breiten Skandal hervorrief. Und ihn doch bis heute nicht loslässt als süße, schmerzliche Erinnerung. Wobei er ja aktuell weit entfernt von der damaligen Erlebniskette ist. Verheiratet. Beruflich im „ausklingenden Modus“, den Tod der Tochter hat er verkraften müssen im Leben (was nicht recht gelang), irgendwie ist das alles nicht sonderlich beglückend und befriedigend. Eher schleppt er sich durch und erträgt seine Frau Lydia, denn dass er zufrieden auf die Welt schaut. In der Gegenwart ruft ein (vielleicht letztes) Rollenangebot ihn noch einmal wach. Eine Rolle, die ihn mehr und weiter in den Taumel der Erinnerungen bringt, vieles wieder wachruft. Prägende Jahre oder späte Verklärung? Reale Erlebnisse oder damaliges Wunschdenken, welches nun als reales Geschehen interpretiert wird? Im Sog der Sprache Banvilles, der bildreich, poetisch, zynisch, verklärend, romantisch, ernüchternd, erotisch, plakativ und umschreibend zugleich seine Figuren in der Tiefe ihrer Persönlichkeit umkreist, ist es auch dem Leser lange Zeit kaum möglich, die Realität, die echten Fakten hinter den vielen Gedanken und Assoziationen dieses Alex festzumachen. Was im Übrigen nicht nur die Erinnerungen an die erotische Leidenschaft der Pubertät betrifft, sondern auch die Gegenwart der Rolle beeinflusst. Hat das Leben, der Tod des Mannes, den er zu spielen hat, Parallelen zu seinem Leben? Zum Selbstmord seiner Tochter? Zu dem, was noch früher geschah? Oder verfällt Alex einem Wahn an nur vermeintlichen Erinnerungen, die sich seitenweise durch das Buch ziehen und wie frei assoziierend wenig feste Punkte in den Raum setzen? „Das habe ich doch sicher wieder frei erfunden, wie so vieles“. „In den lange, unruhigen Jahren von Cass´ Kindheit gab es gewisse Momente …… wo eine Ruhe sich herniedersenkte“. Aber eben nur gewisse Momente, Ausnahmen in der Unruhe, die sich auch im Buch selbst wiederspiegeln und niederschlagen. Wenig Inseln des Faktischen findet der Leser lange Zeit. So verbleibt ein intensives, literarisches Leseerleben in der ausufernden und farbiges Sprache Banvilles und ein Staunen über eine Sicht der Welt der Hauptfigur zwischen Fantasie und Wirklichkeit, in der es nicht immer einfach ist, den roten Faden auszumachen. In einer melancholischen Atmosphäre der Rückschau, deren Trug immer wieder am Rande spürbar wird und die Frage nach der eigenen Identität für Alex mehr und mehr im Roman aufwirft. Eine interessante, sprachlich wunderbare, bei Weitem aber nicht einfache Lektüre im Blick auf das Verständnis dessen, was wirklich geschehen ist (und geschieht).

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  • Ein Schauspiel der Leidenschaften und des Todes

    Im Lichte der Vergangenheit

    Poesiesoso

    03. April 2014 um 17:29

    In dem neun Roman des irischen Autors John Banville  erinnert sich der gealterte Schauspieler Alex Cleave an den für ihn alles verändernden Sommer als er fünfzehn war. In diesen Monaten hat er sich in eine leidenschaftliche Affäre mit Mrs Grey, der Mutter seines besten Freundes, gestürzt und seine zarte Unschuld verloren. Verborgen vor den Blicken der anderen Kleinstadtbewohnern haben sie sich immer wieder gegenseitig verführt und Stunden voller Erregung, Scham, Unbeholfenheit und Entzücken miteinander verbracht. Diese Rückblicke werden von Banville mithilfe einer poetisch und oft erhabenen Sprache erzählt, die die Atmosphäre einer solchen Liaison wahrlich wieder aufleben lässt. Cleave scheint sich vor allem an ästhetisch wertvolle und sinnliche Details zu erinnern, die den Körper von Mrs Grey betreffen. Die Art und Weise wie über die Optik und Veränderung menschlicher Haut oder die Gerüche und Geräusche während dem Liebesspiel geschrieben wird, habe ich zuvor noch nie so gelesen. Der Roman ist aber keinesfalls! ein Erotikroman, der Autor dringt viel tiefgründiger in die Psyche der Figuren ein, erzählt von dem Niedergang der Freundschaft der beiden Jungen, angespannten Familienbeziehungen und verwebt einige intertextuelle und kunsthistorische Verweise in die Handlung, die das Lesen zu einem hohen literarischen Genuss machen.  Viele Ereignisse passieren in Cleaves Retrospektive mehrfach, erscheinen dabei aber oft verzerrt durch Wiederholungen und Variationen von Erinnerungen, Träumen, Täuschungen oder Lügen und Ausflüchten. So muss er letztlich auch erkennen, dass Erinnerungen trügerisch sein können und er in seiner Jugend vieles anders gesehen hat, als es wirklich war.  Leider spielt der Roman jedoch auch in der Gegenwart, was für mich sehr unnötig war. Hier lebt der Protagonist mit seiner Frau einen tristen Alltag, der noch immer von dem Selbstmord ihrer Tochter geprägt ist. Während der Niederschrift seiner Erinnerungen, bekommt Cleave einen überraschenden Anruf aus Hollywood und das Angebot für eine bedeutsame Filmrolle, was den zweiten Erzählsprung bildet. Diese Passagen haben mir ein wenig den Zauber genommen, den dieser Liebessommer aufgebaut hat und auch ein paar Fragen offen gehalten. Nichtsdestotrotz hat Banville starke und glaubhafte Charaktere geschaffen, die erkennen müssen, dass das Leben die unterschiedlichsten Facetten zu bieten hat. Liebe und Freundschaft sind genauso gegeben wie Todessehnsucht und Liebesschmerz.

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  • Ein Schauspiel der Leidenschaften und des Todes

    Im Lichte der Vergangenheit

    Poesiesoso

    03. April 2014 um 17:28

    In dem neun Roman des irischen Autors John Banville  erinnert sich der gealterte Schauspieler Alex Cleave an den für ihn alles verändernden Sommer als er fünfzehn war. In diesen Monaten hat er sich in eine leidenschaftliche Affäre mit Mrs Grey, der Mutter seines besten Freundes, gestürzt und seine zarte Unschuld verloren. Verborgen vor den Blicken der anderen Kleinstadtbewohnern haben sie sich immer wieder gegenseitig verführt und Stunden voller Erregung, Scham, Unbeholfenheit und Entzücken miteinander verbracht. Diese Rückblicke werden von Banville mithilfe einer poetisch und oft erhabenen Sprache erzählt, die die Atmosphäre einer solchen Liaison wahrlich wieder aufleben lässt. Cleave scheint sich vor allem an ästhetisch wertvolle und sinnliche Details zu erinnern, die den Körper von Mrs Grey betreffen. Die Art und Weise wie über die Optik und Veränderung menschlicher Haut oder die Gerüche und Geräusche während dem Liebesspiel geschrieben wird, habe ich zuvor noch nie so gelesen. Der Roman ist aber keinesfalls! ein Erotikroman, der Autor dringt viel tiefgründiger in die Psyche der Figuren ein, erzählt von dem Niedergang der Freundschaft der beiden Jungen, angespannten Familienbeziehungen und verwebt einige intertextuelle und kunsthistorische Verweise in die Handlung, die das Lesen zu einem hohen literarischen Genuss machen.  Viele Ereignisse passieren in Cleaves Retrospektive mehrfach, erscheinen dabei aber oft verzerrt durch Wiederholungen und Variationen von Erinnerungen, Träumen, Täuschungen oder Lügen und Ausflüchten. So muss er letztlich auch erkennen, dass Erinnerungen trügerisch sein können und er in seiner Jugend vieles anders gesehen hat, als es wirklich war.  Leider spielt der Roman jedoch auch in der Gegenwart, was für mich sehr unnötig war. Hier lebt der Protagonist mit seiner Frau einen tristen Alltag, der noch immer von dem Selbstmord ihrer Tochter geprägt ist. Während der Niederschrift seiner Erinnerungen, bekommt Cleave einen überraschenden Anruf aus Hollywood und das Angebot für eine bedeutsame Filmrolle, was den zweiten Erzählsprung bildet. Diese Passagen haben mir ein wenig den Zauber genommen, den dieser Liebessommer aufgebaut hat und auch ein paar Fragen offen gehalten. Nichtsdestotrotz hat Banville starke und glaubhafte Charaktere geschaffen, die erkennen müssen, dass das Leben die unterschiedlichsten Facetten zu bieten hat. Liebe und Freundschaft sind genauso gegeben wie Todessehnsucht und Liebesschmerz.  

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  • Ein Schauspiel der Leidenschaften und des Todes

    Im Lichte der Vergangenheit

    Poesiesoso

    03. April 2014 um 17:28

    In dem neun Roman des irischen Autors John Banville  erinnert sich der gealterte Schauspieler Alex Cleave an den für ihn alles verändernden Sommer als er fünfzehn war. In diesen Monaten hat er sich in eine leidenschaftliche Affäre mit Mrs Grey, der Mutter seines besten Freundes, gestürzt und seine zarte Unschuld verloren. Verborgen vor den Blicken der anderen Kleinstadtbewohnern haben sie sich immer wieder gegenseitig verführt und Stunden voller Erregung, Scham, Unbeholfenheit und Entzücken miteinander verbracht. Diese Rückblicke werden von Banville mithilfe einer poetisch und oft erhabenen Sprache erzählt, die die Atmosphäre einer solchen Liaison wahrlich wieder aufleben lässt. Cleave scheint sich vor allem an ästhetisch wertvolle und sinnliche Details zu erinnern, die den Körper von Mrs Grey betreffen. Die Art und Weise wie über die Optik und Veränderung menschlicher Haut oder die Gerüche und Geräusche während dem Liebesspiel geschrieben wird, habe ich zuvor noch nie so gelesen. Der Roman ist aber keinesfalls! ein Erotikroman, der Autor dringt viel tiefgründiger in die Psyche der Figuren ein, erzählt von dem Niedergang der Freundschaft der beiden Jungen, angespannten Familienbeziehungen und verwebt einige intertextuelle und kunsthistorische Verweise in die Handlung, die das Lesen zu einem hohen literarischen Genuss machen.  Viele Ereignisse passieren in Cleaves Retrospektive mehrfach, erscheinen dabei aber oft verzerrt durch Wiederholungen und Variationen von Erinnerungen, Träumen, Täuschungen oder Lügen und Ausflüchten. So muss er letztlich auch erkennen, dass Erinnerungen trügerisch sein können und er in seiner Jugend vieles anders gesehen hat, als es wirklich war.  Leider spielt der Roman jedoch auch in der Gegenwart, was für mich sehr unnötig war. Hier lebt der Protagonist mit seiner Frau einen tristen Alltag, der noch immer von dem Selbstmord ihrer Tochter geprägt ist. Während der Niederschrift seiner Erinnerungen, bekommt Cleave einen überraschenden Anruf aus Hollywood und das Angebot für eine bedeutsame Filmrolle, was den zweiten Erzählsprung bildet. Diese Passagen haben mir ein wenig den Zauber genommen, den dieser Liebessommer aufgebaut hat und auch ein paar Fragen offen gehalten. Nichtsdestotrotz hat Banville starke und glaubhafte Charaktere geschaffen, die erkennen müssen, dass das Leben die unterschiedlichsten Facetten zu bieten hat. Liebe und Freundschaft sind genauso gegeben wie Todessehnsucht und Liebesschmerz.  

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