Cyril Avery

von John Boyne 
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Cyril Avery
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Ein gewaltiges und nachhaltiges Meisterwerk

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Ein atemberaubender Drahtseilakt für die Nerven und gleichzeitig: ein informativer und hochinteressanter gesellschaftskritischer Roman.

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Inhaltsangabe zu "Cyril Avery"

Seit seiner Geburt steht Cyril Averys Leben unter einem ungünstigen Stern. Als uneheliches Kind hat er nämlich keinen Platz in der konservativen irischen Gesellschaft der 1940er Jahre. Ein exzentrisches Dubliner Ehepaar nimmt ihn in die Familie auf, doch auch dort findet er nicht das Zuhause, nach dem er sich sehnt. In dem katholischen Jungeninternat, auf das sie ihn schicken, lernt er schließlich Julian Woodbead kennen und schließt innige Freundschaft mit ihm. Bis er mehr für den rebellischen Lebemann zu empfinden beginnt und auch dieser Halt für ihn verloren geht. Einsam und verzweifelt verlässt Cyril letztendlich das Land – ohne zu wissen, dass diese Reise über Amsterdam und New York ihn an den Ort führt, nach dem er immer gesucht hat: Heimat.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783492058537
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:736 Seiten
Verlag:Piper
Erscheinungsdatum:02.05.2018

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    Sigismundvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Ein gewaltiges und nachhaltiges Meisterwerk
    Ein gewaltiges und nachhaltiges Meisterwerk

    Ein gewaltiges und nachhaltig wirkendes Meisterwerk ist dem irischen Bestseller-Autor John Boyne (47) mit seinem hervorragenden Roman „Cyril Avery“ gelungen, der im Mai im Piper-Verlag erschien. In leichtem Erzählton nimmt sich Boyne auf 740 Seiten eines auch in unserer doch scheinbar so aufgeklärten Gesellschaft noch immer für viele schwierigen und heiklen Themas an – der Homosexualität und Homophobie. Unbegreiflich ist es deshalb, dass der Verlag in Klappentext des Buches nicht ein einziges Mal diese Begriffe nennt, sondern nur oberflächlich in eine Handlung einführt, die dem Autor doch nur als Mittel zum Zweck dient.
    Boynes Hauptfigur Cyril Avery ist schwul. In seiner ersten Lebenshälfte wird Cyril von der Gesellschaft als Krimineller verachtet, in der zweiten als Aussätziger gemieden. In einem für dieses Thema erstaunlich lockeren, oft humorvollen, manchmal ironisch-lakonischen Sprachstil – auch dem Übersetzer Werner Löcher-Lawrence gebührt hier ein großes Lob! – gelingt es dem Autor, uns dieses komplexe Thema auf eine sehr tiefgehende, trotzdem leicht verständliche und empathische Weise nahezubringen, uns am Denken und Fühlen homosexueller Männer, an ihren leidvollen Erfahrungen im Wandel der Zeit teilhaben zu lassen.
    In leicht lesbarer Schilderung des unruhigen und aufreibenden Lebens des Iren Cyril Avery lernen wir das katholische Irland von 1945 bis in die Sechziger Jahre kennen, in dem Staat und Politik noch von der Kirche gelenkt werden. Wir begegnen religiösem Eifer, einer oft damit einhergehenden Doppelmoral und provinzieller Rückständigkeit. Einerseits steht dort Homosexualität unter Strafe, und Schwule werden öffentlich von der Polizei gejagt. Andererseits wird Liebe unter Männern als schlechtes Gedankengut abgetan oder schlicht ignoriert. „In Irland gibt es keine Homosexuelle“, lässt Boyne einen Arzt in den Sechziger Jahren feststellen. Cyrils zweite Station ist das liberale Holland der Siebziger Jahre. Dort findet er endlich einen festen Partner, zu dem er sich öffentlich bekennen darf. Doch er sieht auch die Kehrseite solcher Freizügigkeit – die Sexsklaverei mit Strichjungen. In den Vereinigten Staaten der Achtziger Jahre wiederum versetzt der todbringende Aids-Virus die Gesellschaft in Schrecken – eine „Schwulenseuche“, wie der Großteil der Gesellschaft glaubt. Auch dort werden Homosexuelle wieder pauschal ausgegrenzt und geächtet. „Reagan kann Schwule nicht ausstehen. Er wird nicht mal zugeben, dass es sie gibt“, wird dem Präsidenten nachgesagt.
    Erst im neuen Jahrhundert – viele Jahre nach seiner Rückkehr in die irische Heimat – erfährt Cyril Avery endlich als 70-Jähriger, nur wenige Wochen vor seinem Tod, seinen seelischen Frieden. Nach einer Volksabstimmung ist seit 2015 die gleichgeschlechtliche Ehe in Irland gesetzlich erlaubt.
    John Boynes Roman ist ein emotionales, beherztes Plädoyer für Toleranz gegenüber Minderheiten, egal ob sexuell, ethnisch oder religiös begründet. Ihm ist es mit „Cyril Avery“ auf eindrucksvolle Art gelungen, das sonst eher in Sachbüchern oder wissenschaftlichen Werken behandelte Thema gleichgeschlechtlicher Liebe in einer spannenden Handlung darzustellen, die jeden ansprechen und viele zum weiteren Nachdenken anregen dürfte.

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    buchstabentraeumerins avatar
    buchstabentraeumerinvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Ein atemberaubender Drahtseilakt für die Nerven und gleichzeitig: ein informativer und hochinteressanter gesellschaftskritischer Roman.
    Ein sehr kluger, ernster und äußerst humorvoller Roman

    „SIE SAGEN DOCH NIEMANDEM ETWAS?“, FRAGTE ICH.
    „SAGE WAS NICHT?“
    „WAS ICH IHNEN GERADE ERZÄHLT HABE. DAS ICH NICHT NORMAL BIN.“
    „GROSSER GOTT“, SAGTE SIE, LACHTE UND STAND AUF. „SEIEN SIE NICHT ALBERN. KEINER VON UNS IST NORMAL. NICHT IN DIESEM VERDAMMTEN LAND.“ (SEITE 290)

    John Boyne ist vielen sicherlich durch seinen Roman „Der Junge im gestreiften Pyjama“ bekannt. 2009 wurde die Geschichte verfilmt. Darüber hinaus hat Boyne viele weitere Romane geschrieben, „Cyril Avery“ ist nun sein neuestes Werk. Darin geht es um einen Jungen, der im engstirnigen und gottesfürchtigen Irland der Nachkriegszeit mit seiner Homosexualität zu kämpfen hat. Wir begleiten ihn auf seinem gesamten Lebensweg, von seiner Geburt bis hin ins hohe Alter, 70 Jahre lang. Dabei widmet sich John Boyne den wichtigen Themen und gesellschaftlichen Umwälzungen, die diese vergangenen Jahrzehnte besonders prägten.

    „Cyril Avery“ – im Original übrigens „The Heart’s Invisible Furies“ – hat mich nachhaltig beeindruckt. Es hat mich tief berührt, es hat mich schrecklich wütend gemacht, ich war sprachlos und fassungslos und doch habe ich regelmäßig herzhaft gelacht. All diese Emotionen stecken in den Zeilen, dicht an dicht nebeneinander. Oft so dicht, dass man bei einem Satz am liebsten vor lauter Ärger schreien möchte, nur um im nächsten in schallendes Gelächter auszubrechen. Was für ein atemberaubender Drahtseilakt für die Nerven und gleichzeitig: Was für ein informativer und hochinteressanter gesellschaftskritischer Roman.

    ABER DAS WAR DUBLIN, DIE HAUPTSTADT DES LANDES. MEIN GEBURTSORT, DEN ICH LIEBTE, INMITTEN EINES LANDES, DAS ICH HASSTE. EINE STADT VOLLER GUTHERZIGER UNSCHULDIGER, ELENDER HEUCHLER, EHEBRECHERISCHER MÄNNER, HINTERHÄLTIGER PRIESTER, ARMER, DIE KEINE HILFE VOM STAAT BEKAMEN, UND MILLIONÄRE, DIE IHM DAS BLUT AUSSAUGTEN. (SEITE 389)

    Die Geschichte beginnt mit der Geburt von Cyril, die bereits unter einem schlechten Stern steht. Eine uneheliche Geburt in Irland im Jahr 1945 ist eine undenkbare Schande – sagt die Kirche. Frauen werden von ihren Familien aus dem Haus geworfen, sollen sie zusehen, wie sie zurechtkommen. So auch Cyril’s Mutter, die ihn gezwungenermaßen zur Adoption freigibt. Cyril hat Glück im Unglück, es mangelt ihn bei seinen Adoptiveltern an nichts materiellem, allerdings sind sie etwas speziell, beachten ihn kaum und wenn, führen sie die absurdesten Gespräche mit ihm. Sein beschauliches, seltsames Leben nimmt eine Wende, als er Julian trifft. Und Cyril? Er verliebt sich.

    Fortan begegnet der Leser Cyril in Intervallen von sieben Jahren. Man wird Zeuge, wie er als Teenager gegen die Kirche und ihre Zwänge und Restriktionen rebelliert, wie er seine Homosexualität entdeckt und in Angst lebt, entdeckt zu werden. Wie er sich selbst und seine Wünsche verleugnet, um in Sicherheit leben zu können. Als er endlich flieht, erlebt er Mitte/Ende der 80er Jahre in New York die Aids-Krise mit, die Ausbreitung der „Schwulenkrankheit“. Aber auch Feminismus spielt in dem Roman eine große Rolle, die Geringschätzung weiblicher Intelligenz wird zentral thematisiert sowie der respektlose Umgang mit der weiblichen Sexualität. Am Ende schließt sich der Kreis und Cyril kehrt 2015, nach dem Referendum über die Homo-Ehe, nach Irland zurück.

    VIELLEICHT GAB ES DARIN [ANM. D. RED. IN UNSERER GESCHICHTE] AUCH ÜBERHAUPT KEINEN BÖSEWICHT. NUR MÄNNER UND FRAUEN, DIE VERSUCHTEN, DAS BESTE ZU TUN. UND DARAN SCHEITERTEN. (SEITE 708)

    Letztendlich ist „Cyril Avery“ eine Geschichte über Heimat. Denn trotz aller Einschränkungen und Schrecken, die Cyril in Irland erlebt, bleibt es seine Heimat, sein Zuhause. Das kann er nicht loslassen. Und es geht um Cyril’s Herz, das einiges mitmacht und das nur, weil es sich nun einmal zu Männern hingezogen fühlt. Dieses Herz wird Anfeindungen und Vorurteilen ausgesetzt, es erlebt unerfüllte Liebe und die glückliche Liebe. Und immer ist man ganz nah am Protagonisten dran, der sein Leben mit einer Mischung aus „sich treiben lassen“ und „ich packe die Dinge an“ meistert. Er ist bei Weitem kein perfekter Protagonist, sondern fehlbar. Einer, der sich durch durchschlägt, und manchmal richtige, manchmal falsche Entscheidungen trifft.

    Was „Cyril Avery“ besonders auszeichnet, ist Leichtigkeit. Ähnlich wie Jane Austen besitzt John Boyne diesen unglaublich klugen Humor, eine feine Antenne für Heiterkeit, dass er jeder noch so furchtbaren oder ernsten Situation ein Quentchen Witz abzuringen vermag. Allein die Dialoge sind zum niederknien komisch. Das ist ungemein charmant. Und gerade diese Leichtigkeit ermöglicht es einem, sich mit Cyril’s Schicksal auseinanderzusetzen. Sie macht es erträglich und erlaubte mir den bedingungslosen emotionalen Zugang.

    Fazit

    Geradezu monumental ist „Cyril Avery“: 70 Jahre gesellschaftskritische Lektüre, von Irland über Amsterdam bis hin nach New York, von der Nachkriegszeit 1945 bis 2015. John Boyne widmet sich in „Cyril Avery“ seinem Protagonisten und begleitet ihn durch sein herausforderndes Leben. Homosexualität, Homophobie, Emanzipation, Liebe, Freundschaft, Heimat, Familie, Aids und Tod – alle diese Themen finden in diesem großartigen Roman Platz. Und anstatt angesichts dieser Themen in Schwermut zu versinken, verleiht ihnen Boyne’s teils deftiger, aber immer herzlicher Humor eine äußerst angenehme Leichtigkeit. Was für eine Mischung! Wer auch nur ansatzweise interessiert ist: Dieses Buch will gelesen werden.

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    19angelika63s avatar
    19angelika63vor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Eine bewegende Geschichte die mich nachhaltig berührt hat ... ♥♥♥
    Einfach grandios!!!

    Klappentext
    Wer bin ich? Diese Frage ist es, auf die Cyril seit jeher eine Antwort sucht. Denn er ist kein "echter" Avery, wie seine verschrobenen Adoptiveltern Maude und Charles immer wieder betonen. Und auch sonst fällt es ihm schwer, seinen Platz in der konservativen Gesellschaft Irlands der 1940er Jahre zu finden. Doch dann lernt er Julian Woodbead kennen. Die innige Freundschaft, die zwischen ihm und dem glamourösen Lebemann entsteht, wird Ausgangspunkt einer abenteuerlichen Reise, die ihn schließlich zu den Dingen führt, nach denen er sich immer gesehnt hat.



    "So verließ sie Goleen, den Ort ihrer Geburt, den sie mehr als sechzig Jahre nicht wiedersehen sollte, bis sie mit mir über ebenjenen Friedhof ging und unter den Grabsteinen nach den Resten der Familie sucht, die sie verstoßen hatte." (Seite 20)

    Die Geschichte beginnt 1945 in dem kleinen Ort Goleen in Irland. Die 16jährige Catherine wird vor versammelter Kirchengemeinde an den Pranger gestellt, weil sie schwanger ist und den Namen des Kindsvater nicht nennen will. Schließlich wird sie vom Pfarrer aus der Gemeinde und dem Ort verbannt. Die junge Frau flieht nach Dublin, wo sie bei zwei Männern unterkommt, die befreundet sind. Schnell findet sie eine Anstellung. Nach der Geburt Cyrils gibt sie diesen zur Adoption frei, da sie weiß, dass ein Leben als allein erziehende Mutter im Irland der 1945er nicht möglich ist.

    Cyril wächst bei Maude und Charles Avery auf. Einem sehr exzentrischen Ehepaar. Jeder geht seine eigenen Wege und Charles betont Cyril gegenüber immer und immer wieder, dass er kein "echter" Avery sei. Auch Freunden und Fremden gegenüber betonen die Averys immer wieder, das Cyril nicht ihr leibliches Kind sei, sondern adoptiert. Cyril kommt scheinbar ganz gut mit der Lieblosigkeit seiner Zieheltern klar.

    Im Alter von sieben Jahren trifft er das erste Mal auf Julian Woodbeat, dem Sohn von Charles Averys Anwalt. Und von dieser Zeit an ahnt Cyril, dass er anders ist als andere Jungs.

    ""Zunächst einmal", sagt Dr. Dourish, "dürfen Sie nicht denken, dass Sie mit dieser Heimsuchung allein sind. Es gibt viele junge Männer, die über die Jahre von ähnlichen Gefühlen geplagt wurden, von den alten Griechen bis in unsere Tage. Seit allem Anbeginn gibt es Perverse, Degenerierte und Gestörte, also sollten Sie niemals glauben, Sie wären etwas Besonderes. Es gibt sogar Orte, wo man damit durchkommt und sich niemand daran stört. Das Wichtigste für Sie jedoch, Tristan, ist es, niemals zu vergessen, dass Sie diesen ekelhaften Trieben nicht nachgeben dürfen. Sie sind ein guter, anständiger, irischer, katholischer junger Mann und ... Sie sind doch katholisch?"
    (...)
    "Es stimmt schon", fuhr er fort, "in der ganzen Welt gibt es Homosexuelle. (...) Aber in Irland, Tristan, in Irland gibt es keine Homosexuellen, dass dürfen Sie nie vergessen."" (Seite 269)

    Im weiteren Verlauf des Buches, in Zyklen von jeweils sieben Jahren, erfahre ich, wie Cyrils Leben verläuft. Es ist ein schwieriges Leben ... als Homosexueller in einer Zeit aufzuwachsen, in der diese unter Strafe steht auf der einen Seiten und auf der anderen Seite in einem erzkatholischen Land wie Irland aufzuwachsen. Cyril versucht seine Neigung zu vertuschen, in dem er eine Beziehung zu einer Frau beginnt, die letztendlich in einem Desaster endet. Cyril flieht nach Holland, wo er endlich eine Liebe findet, doch auch diese endet desaströs. Kann Cyril jemals glücklich werden ...

    ""Seht ihr", sagte ich. "Das Land ändert sich nie. In Irland wird lieber alles vertuscht, als dass man den Wahrheiten des Lebens ins Auge sieht."" (Seite 470)

    Dies war mein erster Boyne. Und dieses Buch ist eines dieser Bücher in die man eintaucht und nie wieder auftauchen möchte. Boyne skizziert seinen Protagonisten und die Lebenssituation so real, dass man das Gefühl hat sie schon ewig zu kennen bzw. mit ihnen durch diese Zeit zu gehen. Über 700 Seiten ist mir Cyril sehr ans Herz gewachsen und irgendwie wollte ich ihn nach der letzten Seite nicht gehen lassen ...

    Cyrils Geschichte ist eine Geschichte, die mich oft wütend gemacht hat. Wütend auf Menschen und Land, die eine so unglaublich Doppelmoral haben, die so bigott und homophob sind, dass ich das Buch am liebsten gegen die Wand geschmissen hätte. Doch wem hätte es genutzt? Hier wird nur Cyrils Geschichte erzählt, doch sie steht stellvertretend für alle homosexuellen Menschen, die in einigen Teilen der Welt bis heute noch strafrechtlich verfolgt werden. Allein dies Vorstellung macht mich gerade wieder sehr wütend.

    Am allerschlimmsten fand ich die Abschnitte, in denen immer wieder betont wurde, dass es keine Homosexuelle in Irland gebe, und dass man diese "Perverslinge" ausrotten müsste. Und die, die das sagten waren dann oft die, die verheiratet waren und nachts loszogen um ihre homosexuellen Neigungen auslebten. Echt zum kotzen diese Doppelmoral!!!

    Natürlich gibt es im Buch und somit auch in Cyrils Leben andere Menschen. Menschen die Cyril lieben und akzeptieren so wie er ist. Die ihn durch diese Zeit und den Kampf nach Akzeptanz begleiten. Und am Ende des Buch kann ich dann folgende Worte von Cyril lesen:

    "Und zum Schluss, als alle applaudierten, da begriff ich, dass ich endlich glücklich war." (Seite 733)

    Cyrils Geschichte hat mein Herz bewegt ... ich habe mit ihm gelitten und geliebt.

    Unbedingt lesen ♥♥♥

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    Lilli33s avatar
    Lilli33vor 5 Monaten
    Ein meisterhafter Gesellschaftsroman

    Gebundene Ausgabe: 734 Seiten

    Verlag: Piper (2. Mai 2018)

    ISBN-13: 978-3492058537 

    Originaltitel: The Heart's Invisible Furies

    Übersetzung: Werner Löcher-Lawrence

    Preis: 26,00€

    auch als E-Book erhältlich


    Ein meisterhafter Gesellschaftsroman


    Inhalt:

    Cyril Avery hat es nicht leicht im Leben. Schon seine Geburt im Jahr 1945 verläuft unter dramatischen Umständen. Der Junge wächst bei Adoptiveltern auf, die ihm wieder und wieder einschärfen, dass er kein richtiger Avery ist. Seine homophile Neigung kann er niemandem offenbaren, am wenigsten dem Subjekt seiner Liebe, seinem Freund Julian. So hadert Cyril lange Zeit mit seinem Leben, trifft Entscheidungen, mit denen er sich und anderen das Leben schwer macht, bevor er nach vielen Jahrzehnten endlich zu sich selbst findet. 


    Meine Meinung:

    Alle sieben Jahre, so sagt man, gibt es gravierende Änderungen im Leben eines Menschen. So erscheint es nur folgerichtig, dass John Boyne das Leben Cyril Averys in Sieben-Jahres-Abschnitte eingeteilt hat. Wir begleiten den absolut liebenswerten, aber bei Weitem nicht fehlerfreien  Protagonisten von 1945 bis 2015, beginnend mit der Zeit kurz vor seiner Geburt, als seine 16-jährige Mutter der Schande wegen aus ihrem Heimatdorf vertrieben wird und in Dublin ein neues Leben anfängt. Die Engstirnigkeit und Bigotterie der Menschen Mitte des 20. Jahrhunderts in Irland lassen einen erschaudern. Der Einfluss der katholischen Kirche ist enorm, das Verhalten der Priester und Gläubigen alles andere als christlich. Aber die junge Catherine schlägt sich recht gut. Um ihrem Kind ein gutes Leben zu ermöglichen, gibt sie es nach der Geburt zur Adoption frei. Doch unwissentlich werden sich die beiden immer wieder über den Weg laufen. 


    John Boyne skizziert anhand von Cyrils Leben die Entwicklung der Gesellschaft, vor allem auch ihren Umgang mit Homosexualität. Dies ist zwar eines der großen Themen dieses Romans, doch geht es auch um Familie, um Liebe und Freundschaft. 


    Der Schreibstil dieses Autors ist einfach großartig. Er fesselt von der ersten Seite an und begeistert bis zum Schluss. Er ist locker und schwungvoll, die Dialoge wirken authentisch. Die Figuren erwachen zu Leben und man hat den Eindruck, sie schon ewig zu kennen. Jeden einzelnen Charakter fand ich sehr interessant, ob er nun sympathisch war oder auch nicht. Besonders in der ersten Hälfte des Romans steckt auch jede Menge Humor, sodass man immer wieder schmunzeln muss. Dies nimmt der dramatischen Entwicklung viel von ihrem Grauen. 


    Dieser Roman hat nur einen Fehler: Er ist mit 734 Seiten viel zu kurz. Ich hätte gerne noch weitergelesen, so viel Vergnügen hatte ich dabei. Aber leider war die Geschichte schon fertig erzählt und an einem tollen Ende angelangt. 


    ★★★★★


    Vielen Dank an den Piper Verlag und Literaturschock für das Rezensionsexemplar.


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    -nicole-s avatar
    -nicole-vor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Ein besonderes Buch, das einen nicht so schnell loslässt. Lesenswert!
    Ein besondere Geschichte, die berührt

    Das Leben des Cyril Avery…

    Irland: Schon bei seiner Geburt im Jahr 1945 ist klar, das der Junge Cyril Avery es nicht immer leicht in seinem Leben haben wird. Als uneheliches Kind zur Welt gekommen, wird er von einem exzentrischen Dubliner Ehepaar adoptiert. Doch das Zuhause mit Liebe und Geborgenheit, das er sich wünscht, hat er dort nicht. Jahre später lebt Cyril in dann einem Internat, wo er schließlich Julian Woodbead wiedersieht, der ihm von einem Treffen aus seiner Kindheit noch in Erinnerung geblieben ist. Obwohl sie so verschieden sind, werden die beiden Zimmergenossen die besten Freunde. Doch Cyril merkt schnell, dass er mehr als nur Freundschaft für Julian empfindet. Als schließlich auch diese Verbindung auseinandergeht, beschließt Cyril, das Land zu verlassen. Seine Reise führt ihn schließlich an verschiedene Orte, wo er hofft, ein glückliches Leben führen zu können…

    „Ich empfand Wärme, Freundschaft und Glück, und all das für einen Fremden, für einen Mann, dessen wirklichen Namen ich wahrscheinlich nicht einmal kannte.“
    (Cyril) – Seite 182, eBook

    „Das Schweigen war schlimmer als alles.“ - Seite 183, eBook

    Von John Boyne ist mir der Roman „Der Junge im gestreiften Pyjama“ noch gut in Erinnerung geblieben – ein Buch, das man nicht so schnell vergisst. Nun bin ich auf sein neustes Werk aufmerksam geworden: „Cyril Avery“ ist ein 736 Seiten umfassender Roman, der den Lebensweg eines Jungen beschreibt, der es nicht immer einfach hatte im Leben. Das Buch, das im Deutschen den Namen der Hauptfigur als Titel trägt, beginnt im Jahr 1945 kurz vor Cyrils Geburt. Schon diesen ersten Einblick in das Leben seiner leiblichen Mutter hat eine gewisse Intensität. In der Ich—Perspektive aus Cyrils Sicht geschrieben, bekommt man einen detaillierten Einblick in sein Leben. Die Abschnitte sind im 7-Jahres Rhythmus verfasst und führen bis ins Jahr 2015. Eindringlich schildert John Boyne hier das Leben des Jungen mit allen Höhen und Tiefen, mit schockierenden und dramatischen Erlebnissen, aber auch mit einigen glücklichen Ereignissen und Momenten.
    Ich gebe zu, dass ich mich mit machen Stellen in der ersten Hälfte des Romans etwas schwer getan habe: Manchmal wurden mir die Beschimpfungen und Ausdrücke etwas zu viel, auch mit manchen Nebencharakteren bin ich zuerst nicht richtig warm geworden. Doch Cyril als Hauptfigur ist stark und sympathisch – als Leser hofft man die ganze Zeit, dass er sein Glück findet.
    Die zweite Hälfte hat mir deutlich besser gefallen – Es wird lesenswerter und konnte mich nochmal richtig packen. Auch die Menschen, die dann in Cyrils Leben auftauchen, sind gut beschrieben.

    „Und dann wandte er sich mir zu und lächelte mich auf eine Weise an, die mir sagte, dass er in diesem Moment niemanden auf der Welt lieber sah als mich.“ (Cyril) – Seite 280

    Mein Fazit: Ein besonderes Buch, das mich nicht so schnell loslassen wird. Beeindruckt haben mich der intensive und packende Schreibstil Boynes, sowie die gut ausgearbeitete Hauptfigur, die man in allen Lebenslagen erlebt – man leidet und freut sich mit ihm. Die Handlung hat viele Facetten – es passiert schreckliches, es wird dramatisch und auch mal sehr emotional. Aber auch glückliche Momente tauchen in Cyrils Leben auf. Nachdem ich mich mit einigen Stellen aus der ersten Hälfte etwas schwer getan habe, fand ich den zweiten Abschnitt wiederum sehr packend.
    Auch wenn ich einen Stern abziehe, ist es dennoch ein sehr lesenswertes Buch und kann es empfehlen!

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    sabotage65vor einem Monat
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    Lacarianvor 3 Monaten
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